Archiv für Februar 2010

Caro Kueter

Ach, hätte ich sie doch nicht gelesen, die Feuilletongeister, die jedem anderen Buch nur einen kümmerlichen Platz in kurzen Rezensionsnotizen zugestehen. Die Skandalerzeugnisse der zeitgenössischen Literatur, die die Öffentlichkeit auf einmal wieder auf die Sprengkraft von Büchern aufmerksam machen, Katalysatoren erhitzter Debatten sind, Verlage reich und glücklich machen und das Geplänkel weinseliger Abendgesellschaften zu einer intellektuell anmutenden Diskussionskultur anregen.

Jetzt sollte man meinen, die in meinem Freundeskreis einziehende Buchclubkultur sollte mir als Literaturstudentin Grund zur Freude bereiten. Schließlich sind selbst die Gespräche junger Akademiker nicht selten von persönlichen Banalitäten beherrscht. Doch hält sich ein Thema erst einmal wochenlang in den Kulturteilen der überregionalen Printmedien, macht auch vor Vertreten der audio-visuellen Kulturkritik nicht mehr halt und wird schließlich noch von einem wahlweise prominenten, jungen, achselbehaarten, polemischen, jüdischen, nymphomanischen- im besten Falle alles vereinenden- Zugpferd angetrieben, kommt auch der Maschinenbaustudent auf der Suche nach den aktuellen Bundesligatabellen nicht mehr an den reißerischen Titeln der Feuilleton-Schöngeister vorbei. (weiterlesen …)

Lina Kokaly

Jetzt haben sie alle mal getanzt und dies nicht nur im sprichwörtlichen Sinne. Die Betriebsnudeln im literarischen Feld auf der Hegemann-Party. Bourdieu beschreibt den Literaturbetrieb als ein Netz, in dem die Akteure um ihre Machtposition ringen. Der Autor ist einer dieser Akteure, aber der kulturbeflissene Zeitungsleser weiß: Nichts läuft heute ohne Agenten, Verleger, Lektoren, Journalisten etc. Und, das ist auch nichts Neues, wird aber ständig als dieses präsentiert, ohne den Leser. Der darf nicht vergessen werden, eigentlich ja auch nicht die weibliche Form des Nomens, aber das mieft nach Patschuli.
Ich habe das nicht ganz verstanden, wo wird jetzt exakt der Leser vergessen? Der Leser sorgte für die Topplatzierung auf der Bestsellerliste und eigentlich liest der größte Anteil der Leserschaft auch kein Feuilleton. Heißt es immer. Habe ich natürlich nur in meinem Bekanntenkreis überprüft. Und das sind auch alles Betriebsnudeln.
Elke Heidenreich tanzt wie keine zweite auf der großen Betriebsparty. Das beweist erneut ihr Artikel in der SZ. (weiterlesen …)

Gisela Gross

Angekündigt hatte das Berliner Ensemble für den Freitag-Abend eine „einmalige Veranstaltung“ mit dem italienischen Literaturnobelpreisträger Dario Fo und seiner Ehefrau, der Theaterautorin und Politikerin Franca Rame. Die soeben im Rotbuch-Verlag erschienene Autobiographie Rames „Ein Leben aus dem Stegreif“ sowie die bereits 2008 erschienene Biographie Dario Fos („Die Welt, wie ich sie sehe“) sollten Anlass geben zum Gespräch mit Claus Peymann. So weit, so vielversprechend. Doch es kam alles anders.

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Quelle: flickr/Ghirigori

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Franziska Schramm

Das Programm für “Leipzig liest” ist online – und wartet mit über 2.000 (!) Veranstaltungen auf, darunter Lesungen, Podiumsdiskussionen, Signierstunden, Poetry Slams und Partys. Wir haben uns schon mal durch den Termindschungel geschlagen und ein paar Highlights ausfindig gemacht.

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adapted from Gerlos (CC Flickr image)

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Lina Kokaly

Ein Beitrag von Nora Boeckl und Lina Kokaly

Man möchte meinen, dass nun wirklich alles gesagt ist. Also wirklich alles. Und doch war der Literaturbetrieb gestern noch groß geladen. Helene Hegemann feierte nämlich Geburtstag, ihren achtzehnten. Luftballons, Kuchen, Sushi, Wodka und Zuckerwatte sind zwar für einen Geburtstag schlüssig, erzeugen in dieser Mischung im Technotempel Tresor aber eine ganz eigene Ästhetik. Die Presseveranstaltung als Event. Offiziell Bookrelease, aber das Buch Axolotl Roadkill ist ja schon lange da, deswegen in erster Linie Party. Das ihr gesungene  Happy Birthday dankte die Gastgeberin mit einer kurzen Lesung, dann wurde getanzt, zu sonst für den Club doch recht unüblicher Musik (Madonna! Bee Gees!). Für Veranstaltungen dieser Art ebenfalls ungewöhnlich, war der enorme Andrang vor dem Eingang des Bunkers. Schlange stehen ist man vorm Tresor ja schon gewohnt. Diesmal war es dann aber doch etwas anders. Und nicht nur, weil es so früh am Abend war. Einige fühlten sich deutlich unwohl und scharrten ungeduldig mit den Hufen. Genützt hat das nichts – Gästelisten müssen nun mal ordnungsgemäß abgehakt werden.

Was sonst noch dazu zu sagen wäre? Tolle Party. Aber was bitteschön hat diese Art von Buch-Event eigentlich noch mit (in diesem Fall: guter!) Literatur zu zun?

Franziska Schramm

Nun ist Helene Hegemann also nominiert, mit ihrem Roman “Axolotl Roadkill”, in der Kategorie “Belletristik” des Preises der Leipziger Buchmesse. Und die Diskussion um Remixen & Abschreiben, Untergrund und Hype, Originalität & Echtheit will einfach nicht enden. Da geht es um einen Verlag, der versagt hat, um ein Feuilleton, das versagt hat, um eine Jury, die versagt hat. Aber eigentlich geht es auch ums Internet und seine “Kultur”. Wer blickt da noch durch?

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gestaltet mit wordle.net

Also: Rewind. Noch mal von vorne. (weiterlesen …)

Lina Kokaly

Literaturkritiker und Alfred-Kerr-Preisträger Gregor Dotzauer zu den Perspektiven des Feuilletons, der Bücher und den Studierenden aus Leidenschaft

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Gregor Dotzauer (© Tagesspiegel)

Rede anlässlich der Immatrikulation der neuen Studienenden und der Verabschiedung des höheren Jahrgangs der Angewandten Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin am 26.10.2009 im Literarischen Colloquium Berlin

Kernaussagen Dotzauers:

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Daniel A.

Die Information als solche hat keinen Nachrichten-, für mich aber dennoch einen Neuigkeitswert. Armin Himmelrath (vielen Dank!) machte mich auf die Tatsache aufmerksam, dass die VerwertungsGesellschaft Wort für im Internet veröffentlichte Texte Tantieme ausschüttet. Also auch an uns, an Blogger?

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Nina Lorenzen

Die Vielzahl an Großstadtromanen auf dem Buchmarkt beweist die schier unerschöpfliche Begeisterung für die Verbindung von Stadt und Text in der Literatur. Ob in Lyrik oder in Prosa: Die Wahrnehmung von Stadt ist allgegenwärtig.
Dass Stadt mehr als nur ein Setting für literarische Texte sein kann, zeigt Nina Lorenzen in ihrem Radio-Beitrag zum Berliner U-Bahn-Roman „U5“ von Pol Sax.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Dieser Beitrag wurde erstmals am 10. Januar im Uniradio Berlin-Brandenburg im Rahmen der Literatursendung „Dalehmer Diwan“ ausgestrahlt. Diese Sendung wird von Studierenden der Freien Universität Berlin konzipiert.

Dennis Grabowsky

Die beste Werbung für ein Buch ist immer noch das Buch selbst!

Vielleicht ist das allerdings eine wertkonservative Wunschvorstellung. Das einfache Publizieren eines Buches verschafft diesem in der unüberschaubaren Masse der Neu- und Alterscheinungen eine Aufmerksamkeit, die gegen Null tendiert, wenn es sich nicht durch gewisse Faktoren hervorheben kann: Prominenz des Autors, Brisanz/Aktualität des Themas etc. Daher braucht es – aus Sicht aller, die mit der Arbeit an Büchern auch ihr Geld verdienen wollen – zunehmend vor allem die geschickte Platzierung des Produktes im Gedächtnis der Öffentlichkeit mittels bzw. via verschiedener Medien. Der Klassiker dabei ist die Rezension, wie sie auch in diesem Blog zuweilen gepflegt wird.

In den letzten Jahren hat sich neben vielem anderen im Werbungs- und PR-Bereich auch eine Form herausgebildet, die es zuvor im Buchsektor so nicht gab: das Werbefilmchen … äh Verzeihung: der Buchtrailer. Im Fernsehen gab es bislang nur in den allerallerseltensten Fällen zwischen Werbung für Bier und Binden auch solche für Bücher. Da es aber das Internet etwas anders hält mit der Verfüg- und Bezahlbarkeit von Werbezeit und -flächen, kann sich hier nun endlich auch der Buchtrailer breitmachen.

Der Buchtrailer hat sich dabei sogar zu einer eigenen kleinen Kunstform entwickelt, über die man genauso schön diskutieren kann, wie über das Buch selbst. Interessant ist, dass der Buchtrailer quasi auf der Metaebene auch schon zum Thema seines eigenen Mediums geworden zu sein scheint.

“Geht doch” von Matthias Keidtel

Neben der Tatsache, dass an Matthias Keidtel offenbar ein Schauspieler/Komödiant verloren gegangen ist, zeigt dieses Filmchen mal wieder ganz schön, dass die beste Werbung die ist, die vorgibt, sich ironisch zu brechen, es auch irgendwie tut, aber irgendwie auch wieder nicht, weil es Werbung bleibt. Interessanterweise wird nahezu gar nicht auf das Buch eingegangen. Nun, es ist als Requisit und Werbeobjekt selbstverständlich präsent; worum es in diesem Buch aber geht, wie das Thema lautet, wen es ansprechen könnte, muss sich der Zuschauer allein aus der Art des Buchtrailers erschließen. Geschickt geschickt, wie ich finde.

Ein anderes Beispiel ist die Zuschneidung auf die bloße Bildschirmpräsenz des Protagonisten, die man bei Keidtel ja nun nicht von vornherein erwarten konnte; anders bei Heinz Strunk, der nun auch als Autor eine gewisse – sicherlich streitbare, aber umso besser! – Brillanz und vor allem Produktionswut an den Tag legt.

“Die Zunge Europas” von Heinz Strunk

Dieser Trailer ist sehr viel näher am eigentlichen Objekt seines Auftrags dran, dem Buch nämlich und doch wird auch hier nur durch eine kurze, vom Autor vorgetragene Passage daraus angedeutet, was den Leser eigentlich zu erwarten hat. Eine richtige Vorstellung erhält davon erhält man allerdings nicht, jeder Klappentext ist darin ausführlicher.

Ich persönlich halte Buchtrailer zwar für nicht mehr als eine schöne Spielerei, die als Nebenprodukt eines Buches dessen Image mitprägen soll; meine Meinung über ein Buch würde sie höchstens im negativen Vorurteil bestätigen, ein schlechter Trailer könnte wiederum meine gute Meinung über ein Buch nicht trüben. Allerdings spricht die Zunahme dieser Form der PR dafür, dass die Branche darin tatsächlich eine lohnenswerte Investition erkennt. Die Produktion dieser Filme ist mitnichten preiswert, aber vielleicht ist sie ja ihren Preis wert…

Ich weiß nicht, wie es Euch geht. Niemand gibt gern zu, sich von Werbung beeinflussen zu lassen, aber: Welche Art von Buchtrailern spricht Euch an? Sprechen sie Euch überhaupt an? Habt Ihr schonmal ein Buch aufgrund eines Trailers gekauft? Oder es aufgrund des Trailers lieber gelassen?

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