Von der Möglichkeit zur Flucht

Ach, hätte ich sie doch nicht gelesen, die Feuilletongeister, die jedem anderen Buch nur einen kümmerlichen Platz in kurzen Rezensionsnotizen zugestehen. Die Skandalerzeugnisse der zeitgenössischen Literatur, die die Öffentlichkeit auf einmal wieder auf die Sprengkraft von Büchern aufmerksam machen, Katalysatoren erhitzter Debatten sind, Verlage reich und glücklich machen und das Geplänkel weinseliger Abendgesellschaften zu einer intellektuell anmutenden Diskussionskultur anregen.

Jetzt sollte man meinen, die in meinem Freundeskreis einziehende Buchclubkultur sollte mir als Literaturstudentin Grund zur Freude bereiten. Schließlich sind selbst die Gespräche junger Akademiker nicht selten von persönlichen Banalitäten beherrscht. Doch hält sich ein Thema erst einmal wochenlang in den Kulturteilen der überregionalen Printmedien, macht auch vor Vertreten der audio-visuellen Kulturkritik nicht mehr halt und wird schließlich noch von einem wahlweise prominenten, jungen, achselbehaarten, polemischen, jüdischen, nymphomanischen- im besten Falle alles vereinenden- Zugpferd angetrieben, kommt auch der Maschinenbaustudent auf der Suche nach den aktuellen Bundesligatabellen nicht mehr an den reißerischen Titeln der Feuilleton-Schöngeister vorbei. Mehr lesen

Die neuen Leiden der Kritiker

Jetzt haben sie alle mal getanzt und dies nicht nur im sprichwörtlichen Sinne. Die Betriebsnudeln im literarischen Feld auf der Hegemann-Party. Bourdieu beschreibt den Literaturbetrieb als ein Netz, in dem die Akteure um ihre Machtposition ringen. Der Autor ist einer dieser Akteure, aber der kulturbeflissene Zeitungsleser weiß: Nichts läuft heute ohne Agenten, Verleger, Lektoren, Journalisten etc. Und, das ist auch nichts Neues, wird aber ständig als dieses präsentiert, ohne den Leser. Der darf nicht vergessen werden, eigentlich ja auch nicht die weibliche Form des Nomens, aber das mieft nach Patschuli.
Ich habe das nicht ganz verstanden, wo wird jetzt exakt der Leser vergessen? Der Leser sorgte für die Topplatzierung auf der Bestsellerliste und eigentlich liest der größte Anteil der Leserschaft auch kein Feuilleton. Heißt es immer. Habe ich natürlich nur in meinem Bekanntenkreis überprüft. Und das sind auch alles Betriebsnudeln.
Elke Heidenreich tanzt wie keine zweite auf der großen Betriebsparty. Das beweist erneut ihr Artikel in der SZ. Mehr lesen

Italienische Verhältnisse im Berliner Ensemble

Italienische Verhältnisse im Berliner Ensemble

Angekündigt hatte das Berliner Ensemble für den Freitag-Abend eine „einmalige Veranstaltung“ mit dem italienischen Literaturnobelpreisträger Dario Fo und seiner Ehefrau, der Theaterautorin und Politikerin Franca Rame. Die soeben im Rotbuch-Verlag erschienene Autobiographie Rames „Ein Leben aus dem Stegreif“ sowie die bereits 2008 erschienene Biographie Dario Fos („Die Welt, wie ich sie sehe“) sollten Anlass geben zum Gespräch mit Claus Peymann. So weit, so vielversprechend. Doch es kam alles anders.

Dario Fo in Aktion

Quelle: flickr/Ghirigori

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Hegemann, die Dritte

Ein Beitrag von Nora Boeckl und Lina Kokaly

Man möchte meinen, dass nun wirklich alles gesagt ist. Also wirklich alles. Und doch war der Literaturbetrieb gestern noch groß geladen. Helene Hegemann feierte nämlich Geburtstag, ihren achtzehnten. Luftballons, Kuchen, Sushi, Wodka und Zuckerwatte sind zwar für einen Geburtstag schlüssig, erzeugen in dieser Mischung im Technotempel Tresor aber eine ganz eigene Ästhetik. Die Presseveranstaltung als Event. Offiziell Bookrelease, aber das Buch Axolotl Roadkill ist ja schon lange da, deswegen in erster Linie Party. Das ihr gesungene  Happy Birthday dankte die Gastgeberin mit einer kurzen Lesung, dann wurde getanzt, zu sonst für den Club doch recht unüblicher Musik (Madonna! Bee Gees!). Für Veranstaltungen dieser Art ebenfalls ungewöhnlich, war der enorme Andrang vor dem Eingang des Bunkers. Schlange stehen ist man vorm Tresor ja schon gewohnt. Diesmal war es dann aber doch etwas anders. Und nicht nur, weil es so früh am Abend war. Einige fühlten sich deutlich unwohl und scharrten ungeduldig mit den Hufen. Genützt hat das nichts – Gästelisten müssen nun mal ordnungsgemäß abgehakt werden.

Was sonst noch dazu zu sagen wäre? Tolle Party. Aber was bitteschön hat diese Art von Buch-Event eigentlich noch mit (in diesem Fall: guter!) Literatur zu zun?

Und immer wieder Hegemann

Und immer wieder Hegemann

Nun ist Helene Hegemann also nominiert, mit ihrem Roman „Axolotl Roadkill“, in der Kategorie „Belletristik“ des Preises der Leipziger Buchmesse. Und die Diskussion um Remixen & Abschreiben, Untergrund und Hype, Originalität & Echtheit will einfach nicht enden. Da geht es um einen Verlag, der versagt hat, um ein Feuilleton, das versagt hat, um eine Jury, die versagt hat. Aber eigentlich geht es auch ums Internet und seine „Kultur“. Wer blickt da noch durch?

gestaltet mit wordle.net

Also: Rewind. Noch mal von vorne. Mehr lesen

Experience is wasted on the old

Literaturkritiker und Alfred-Kerr-Preisträger Gregor Dotzauer zu den Perspektiven des Feuilletons, der Bücher und den Studierenden aus Leidenschaft

Gregor Dotzauer (© Tagesspiegel)

Rede anlässlich der Immatrikulation der neuen Studienenden und der Verabschiedung des höheren Jahrgangs der Angewandten Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin am 26.10.2009 im Literarischen Colloquium Berlin

Kernaussagen Dotzauers:

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Nina Lorenzen im Gespräch mit dem Schriftsteller Pol Sax

Die Vielzahl an Großstadtromanen auf dem Buchmarkt beweist die schier unerschöpfliche Begeisterung für die Verbindung von Stadt und Text in der Literatur. Ob in Lyrik oder in Prosa: Die Wahrnehmung von Stadt ist allgegenwärtig.
Dass Stadt mehr als nur ein Setting für literarische Texte sein kann, zeigt Nina Lorenzen in ihrem Radio-Beitrag zum Berliner U-Bahn-Roman „U5“ von Pol Sax.
[audio:http://www.litaffin.de/wp-content/uploads/Nina-Lorenzen-im-Gespräch-mit-dem-Schriftsteller-Pol-Sax.mp3|titles=Nina Lorenzen im Gespräch mit dem Schriftsteller Pol Sax]

Dieser Beitrag wurde erstmals am 10. Januar im Uniradio Berlin-Brandenburg im Rahmen der Literatursendung „Dalehmer Diwan“ ausgestrahlt. Diese Sendung wird von Studierenden der Freien Universität Berlin konzipiert.