Hämorrhoiden für den Weltfrieden: Warum Lyrik geil ist

Hämorrhoiden für den Weltfrieden: Warum Lyrik geil ist

Lyrik ist etwas Wunderbares! Mit dieser Meinung stehe ich manchmal ganz schön alleine da. Auch unter Literaturwissenschaftlern höre ich immer wieder: „Gedichte sind ehrlich gesagt nicht so mein Ding, da hab ich keinen Zugang zu“.

Irgendwie auch kein Wunder. Da lernt man in der Schule hinter Versenden a-b-b-a zu schreiben. Kreuzchen und Häkchen über betonte und unbetonte Silben zu machen. Eine Anapher von einer Alliteration zu unterscheiden. Aber niemand sagt einem, dass das Lesen von Gedichten verstörend und aufregend sein kann, lustig und unterhaltsam, mitunter tröstend und heilsam.

Fünf Schlüssel, die das Tor zur Lyrik öffnen…

Ich glaube eigentlich, dass jeder, der irgendwie Sprache und Musik mag, auch etwas mit Gedichten anfangen kann. Weil man den Rhythmus eines Gedichts auch ohne Silbenzählen fühlen kann. Weil der Reim ein absolutes Wunder ist, bringt er doch zwei Wörter mit völlig unterschiedlichem Sinngehalt ganz nah zusammen. Weil Poesie Selbsterfahrung ist und zu Gedanken führt, die man so noch nie gedacht hat.

Deshalb hier meine fünf besten Tipps, Zugang zu Gedichten zu finden: Mehr lesen

Einer der ganz Harten

Einer der ganz Harten

Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki wird am 2. Juni 90 Jahre alt

Das Publikum lachte verhalten. Es verstand wohl die Tragweite der Worte nicht, die Marcel Reich-Ranicki bei der Verleihung des Fernsehpreises 2008 vom Podium spuckte: „Ich kann nur diesen Gegenstand von mir werfen. Ich kann das nicht annehmen.“ Reich-Ranicki beleidigte die anderen Preisträger des Abends, wollte nicht mit ihnen in einer Reihe stehen, lehnte den Preis für sein Lebenswerk ab und nannte das zuvor Prämierte „Blödsinn“. Thomas Gottschalk eilte auf die Bühne und sagte tatsächlich, nachdem er selbst die Sendung moderiert hatte: „Sie haben wie immer Recht.“ Das Publikum klatschte.
Stimmt man heute Ranicki zu – in welchem Punkt auch immer –, begibt man sich augenblicklich in eine Verteidigungshaltung. Anschließend imitiert mindestens die Hälfte der dabei Anwesenden seinen Akzent. Das kann bekanntlich jeder, jeder kann aber auch in die Ecke scheißen. Und? Macht das irgendwer?
Sich über Reich-Ranicki lustig zu machen, ist ungefähr so ignorant, wie sich über Alice Schwarzer zu amüsieren. Trägt man Reich-Ranicki seine verallgemeinernde Kritik am deutschen Fernsehprogramm nach, sollte dies nur mit gleichzeitiger Nennung seiner einzigartigen Rolle in der Literaturvermittlung einhergehen. Ranickis Polemik rüttelte das eingelullte Galapublikum wach, das soeben die Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ beklatscht hatte. Er hat im Kern recht, mehr auch nicht, aber immerhin. Er äußerte seine Meinung zur Kultur. Sein Leben lang. Mehr lesen

Zu wenig Zeit für Bücher: „Die Vorleser“ nerven

Zu wenig Zeit für Bücher: „Die Vorleser“ nerven

„Die Vorleser“ kommen? Lieber abschalten…

Dass es sie immer noch gibt, ist das erstaunliche an den „Vorlesern“. Seit ihrem Start im Juli letzten Jahres hagelt es Kritik für die Literatursendung im ZDF: Zu glatt das Format, zu hektisch der Ablauf, zu aufgesagt die Texte der Moderatoren. Doch geändert hat sich bislang nichts. Noch immer versucht die Sendung das Unmögliche: Acht Bücher in 30 Minuten vorzustellen – dass das nicht gut gehen kann, ahnt jeder, der versucht in 30 Sekunden alle acht Buchtitel plus Autorennamen aufzusagen.

Eigentlich war die Sache gut ausgedacht: Ein literarisches Duo mit zwei unterschiedlichen Perspektiven nimmt sich den Neuerscheinungen des Buchmarkts ebenso wie den zeitlosen Klassikern an. Ijoma Mangold, Literaturkritiker der ZEIT, liefert fundierte Analysen, Amelie Fried, Fernsehmoderatorin und Schriftstellerin, argumentiert aus Sicht der leidenschaftlichen Leserin. Das hätte durchaus Potential – würde man sich Zeit nehmen. Das erste Buch der gestrigen Sendung, „Der Jesus vom Sexshop“ von Helge Timmerberg, wird nach einer Minute wieder beiseite gelegt. „Das beste, was wir hierzulande an Reiseliteratur haben“, sind sich die Moderatoren einig. Was genau die Aufzeichnungen so lesenwert machen soll, bleiben sie den Zuschauern schuldig.

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Ein Recht auf Pathos

Der Stückemarkt 2010 eröffnet mit einer Debatte über europäische Dramatik

Unter dem Titel „Import – Export. Über Grenzen, Zwischenräume und Chancen neuer Dramatik in Europa“ wurde am Mittwoch der Stückemarkt des Berliner Theatertreffens 2010 mit einer Expertendiskussion eröffnet. Acht der knapp dreihundert eingesandten Stücke wurden von der Jury ausgewählt; fünf davon sind als szenische Lesung während des Festivals zu sehen. Wer von ihnen als Preisträger nach Hause gehen darf, entscheidet sich jedoch erst am 21. Mai.

Ja, es mutet etwas seltsam an. Beim Heidelberger Stückemarkt wurden vor ein paar Tagen gleich alle Nominierten ausgezeichnet, da keiner eindeutig als Sieger hervorzuragen vermochte. In Wien sagte man den Wettbewerb letztes Jahr aufgrund mangelnder Qualität der Einsendungen ganz ab. Die Nachwuchsförderung in der Krise?
In Berlin hat die Jury entschieden. Zu den diesjährigen Auserwählten zählt der rumänische Autor Peça Stefan, was dazu inspirierte, den Stückemarkt mit einer Debatte über europäische Dramatik zu eröffnen. Deutlich wurde in der Diskussion mit Roland Schimmelpfennig, der georgischen Dramatikerin und Regisseurin Nino Haratischwili und Yvonne Büdenhölzer vor allem eines: Der „Schleudergang Dramatik“ ist noch lange nicht beendet. Mehr lesen

Suhrkamp in Berlin

Suhrkamp in Berlin

Litaffin im Gespräch mit Dr. Petra Hardt, Leiterin für Rechte und Lizenzen

(c) Katrin RitteDer Suhrkamp Verlag ist Anfang dieses Jahres von Frankfurt nach Berlin gezogen. Dieser Schritt wurde von Journalisten kritisch und argwöhnisch beäugt und in den Medien viel diskutiert. Die Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz sprach davon, dass der Umzug des Verlages für mehr Wirbel gesorgt habe als der Wechsel der Regierung von Bonn nach Berlin. Aber nicht nur wegen des Standortwechsels war viel vom Suhrkamp Verlag in den Medien zu lesen, sondern auch wegen des Archivverkaufs nach Marbach und nicht zuletzt wegen des Streits mit dem Sohn des verstorbenen Verlegers Siegfried Unseld. Kaum verwunderlich also, dass Joachim Unseld nicht an den großen Feierlichkeiten zum Umzug teilnahm. Sehr wohl kam aber Martin Walser in die Pappelallee, um seinen einstigen Verlag hier in Berlin zu begrüßen. Vor allem aber ist der Suhrkamp Verlag immer wieder in den Medien, weil dieser Verlag einfach einer der bedeutendsten Deutschlands ist und wohl auch bleiben wird. Am 6. Mai eröffnete der edition suhrkamp laden in der Linienstraße 127 in Zusammenarbeit mit der Autorenbuchhandlung Fürst & Iven. Hier kann man bis zum 24. Juli zum ersten Mal die komplette regenbogenfarbene edition suhrkamp, designed von Willy Fleckhaus, in Bücherregalen bestaunen und natürlich auch kaufen. Auch dies wird sicherlich wieder ein brisantes Thema für die Medien sein.
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lesBAR – „Leuchtspielhaus“ von Leif Randt

Literarische Debüts gab es in letzter Zeit einige und sie dürften nach dem Plagiats-Trubel auf äußerst empfindliche Leserohren stoßen. Eines, das inmitten der Schlagzeilen etwas leiser daherkam, sollte man jedoch nicht unbeachtet lassen: Leif Randts „Leuchtspielhaus“. Ein „Generationenbuch“, wie die ZEIT lobt, und ein Roman über die zur Avantgarde neigenden Twentysomethings, die in größtenteils sterilen Beziehungsgeflechten ihre Lifestyleoberfläche polieren. Die „digital natives“ rebellieren hier nicht vollgekokst im Berghain-Séparée. Sie entziehen sich.

Im Rahmen der lesBAR an der Schaubühne präsentiert der geborene Maintaler und Gewinner des KulturSPIEGEL-Erzählwettbewerbs am 7. Mai Auszüge aus seinem Roman sowie Musik und Videoclips. Los geht’s um 22 Uhr, Karten sind online auf der Homepage der Schaubühne oder telefonisch zu erwerben.

„Neben der Spur“ – Die ‚Bibliothek der Entdeckungen‘ begibt sich auf die Suche nach den hierzulande unbekannten Schätzen der Weltliteratur

„Neben der Spur“ – Die ‚Bibliothek der Entdeckungen‘ begibt sich auf die Suche nach den hierzulande unbekannten Schätzen der Weltliteratur
Die Bibliothek der Entdeckungen auf der Leipziger Buchmesse 2010 (c) Dennis Grabowsky


Litaffin sprach mit Joanna Hengstenberg vom Mitteldeutschen Verlag über die ‚Bibliothek der Entdeckungen‘, 500 verrückte Liebhaber und spannende Fische.

Der Mitteldeutsche Verlag aus Halle/Saale leistet sich seit vier Jahren den Luxus, deutsche Erstausgaben von Entdeckungen aus der Weltliteratur in bibliophiler Ausstattung zu veröffentlichen. Mit Erfolg: Gleich der erste Band, Erzählungen des Inders Sohrab Homi Fracis, wurde als „Eines der schönsten Bücher 2006“ von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet. Es folgten die Romane „Der Doppelgänger oder Meine Abende in Kleinrussland“ von Antonij Pogorelskij aus dem Russischen und „Die Ankunft des Joachim Stiller“ (Rezension auf Litaffin) von Hubert Lampo aus dem Flämischen sowie der Erzählband „Der pensionierte General“ des vietnamesischen Autors Nguyen Huy Thiep. Allen Bänden gemein ist die Verbindung aus anspruchsvoller Literatur mit liebevoller Buchgestaltung. In diesem Frühjahr erschien schließlich der ebenso erzählerisch ambitionierte wie stilistisch beeindruckende Sibyllen-Roman „All der Sand am Meer“ des 2005 verstorbenen Dichters Max Roqueta. Damit führt die Reihe ihre Leser erneut auf Neuland: Roqueta gehörte zu den bedeutendsten Schriftstellern okzitanischer Sprache.

Litaffin: Frau Hengstenberg, helfen Sie uns auf die Sprünge: Wo liegt Okzitanien eigentlich?

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