Merkwürdige Ästheten

Merkwürdige Ästheten

Leif RandtLeif Randt machte dieses Jahr mit seinem Debütroman „Leuchtspielhaus“ sowie als Gewinner des MDR-Literaturpreises auf sich aufmerksam. Litaffin sprach mit dem 26-jährigen über exzessive Jugendliche, Generationentexte und die Romantik von Schreibschulen.

Litaffin: Auffällig in deinen Texten ist die Sehnsucht der Figuren nach Regelhaftigkeit. Du schreibst über avantgardistische, aber trotzdem schematisierte Lebensstile. Ist das die „neue Jugend“?

Randt: Meine Figuren sind meistens merkwürdige Ästheten und eher Stoffel als harte Partyköpfe. Interessant ist, dass scheinbar viele gerne lesen, wie extrem wild und exzessiv Jugendliche sind. Und das sind sie teils ja auch. Aber vieles, was erzählt und ausgelebt wird, bedient auch nur die leicht kitschigen Projektionen von älteren Leuten. Aber wer weiß? Vielleicht gibt es in der echten Welt tatsächlich mehr harte Partyköpfe als so nachdenkliche Oberflächenjungs, wie ich sie beschreibe. Mehr lesen

So geht das! Angela Leinen erklärt Wie man den Bachmannpreis gewinnt

So geht das! Angela Leinen erklärt Wie man den Bachmannpreis gewinnt
die offizielle Jury Die offizielle Jury

Pluspunkte erhält der Autor beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt, wenn er Nagetiere, Raumfahrt, Leistungssport oder Stoffservietten in seinem Text vorkommen lässt. Minuspunkte gibt es für Markennamen, Clowns, Hunde, die in der Ferne bellen und eine Waffe, die knapp außerhalb der Reichweite liegt. Das sind allerdings nicht die Kriterien der offiziellen, dieses Jahr unter anderem aus Meike Feßmann, Hubert Winkels und Burkhard Spinnen bestehenden Jury, vielmehr handelt es sich um einen kleinen Auszug der Kriterien für einen alternativen Preis. Die Autoren des Blogs Riesenmaschine vergeben dieses Jahr zum dritten Mal den Automatische Literaturkritikpreis der Riesenmaschine.
Angela Leinen schrieb bei dessen Kriterienliste mit und beschäftigt sich darüber hinaus seit Jahren mit den Texten und Jurydiskussionen des Bachmannwettbewerbs. In ihrem neuen Buch Wie man den Bachmannpreis gewinnt nennt Leinen natürlich keinen todsicheren Weg zum Literaturpreis, sondern filtert vielmehr gängige Mittel und Klischees aus den vergangen Texten heraus und wägt diese ab. So resümiert sie über das Schreiben zum Thema DDR: Der Reiz sei hier, dass das Leben unter politischer Unterdrückung eines der großen Themen ist, aber das Risiko „für Westautoren: Protektionismus. Für Ostautoren: Ostalgie“. Mehr lesen

„Ich habe die Nase voll“: Angeekelt vom Literaturbetrieb

„Ich habe die Nase voll“: Angeekelt vom Literaturbetrieb
Altmodische Optik, brisanter Inhalt.

In Italien bloggt ein gefrusteter Lektor aus dem Nähkästchen.

Es ist bewunderns- und auch ein bisschen beneidenswert. Der Blick ins Ausland zeigt: Literatur kann auch im Internet ein polarisierendes Thema sein. Der Freitag berichtete kürzlich über den französischen Literatur-Blogger Pierre Assouline, dessen Beiträge auf dem Blog „La république des livres“ oft mehrere hundert Kommentare hervorrufen. Ein großer Provokateur sei er, und es ist diese Art des Schreibens, die sich auch in Italien als Erfolgsrezept herausgestellt hat.

Es begann alles Ende April auf dem Blog mit dem besagenden Titel „La vera editoria“ („das wahre Verlagswesen“): Unter dem Schutzmantel der Anonymität schreibt dort ein angeblicher Insider, laut Selbstbeschreibung Lektor fortgeschrittenen Alters mit langjähriger Erfahrung in bekannten Verlagshäusern. Als selbstständiger Talentscout hat er dem Literaturbetrieb zwar noch nicht den Rücken gekehrt, doch die Mechanismen hat er gehörig satt – weshalb er nun virtuell „Dampf ablassen” muss. Mehr lesen

Literatur-Nobelpreisträger Saramago ist tot

Literatur-Nobelpreisträger Saramago ist tot

Er zählt zu den bedeutendsten und meistgelesenen europäischen Schriftstellern. Er war der erste Portugiese, der den Literaturnobelpreis erhielt. Er provozierte gerne, legte sich mit der katholischen Kirche sowie mit der Regierung an. Im Alter von 87 Jahren verstarb José Saramago am Freitag auf Lanzarote.

„Saramago lebt wie er schreibt; genauso integer und hellsichtig wie in seinen Büchern ist er im täglichen Leben“, bemerkte die kolumbianische Romancier Laura Restrepo einmal und lobte den „deutlichen Abdruck der Humanität“, der sowohl aus der Person Saramagos als auch aus seinen Büchern spreche. So souverän wie mit dem Leben hielt es dieser auch mit dem Tod: „Meine Ruhe und meine Gelassenheit haben mir geholfen, den Tod als etwas ganz Natürliches zu betrachten, gegen den man sich allerdings wehren sollte. Man darf nicht resignieren und die Tatsache des Sterbens einfach akzeptieren“, antwortete er nach schwerer Krankheit – er litt an Leukämie – in einem Interview vor zwei Jahren auf die Frage, wie er dem Tod gegenüber stehe. Im Angesicht des Todes besann er sich dann doch wohl eher auf die Gelassenheit. „Er hatte eine ruhige Nacht verbracht. Nachdem er normal gefrühstückt und sich mit seiner Frau unterhalten hatte, begann er sich schlecht zu fühlen und verstarb kurz darauf“, wie die spanische Zeitung La Vanguardia unter Berufung auf seine Familie meldete. Gekämpft, das hatte er hingegen sein Leben lang.

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Gegen den Sprachmatsch

Gegen den Sprachmatsch

57 Gedichte, neun Poeten, sieben Sprachen: Das Poesiefestival Berlin eröffnete mit babylonischem Sprachgewirr.

Ein wenig ist es, als hätten sich hunderte von Menschen in einem Raum versammelt, um gemeinsam unter der Bettdecke zu lesen. Unzählige Lämpchen brennen im Dunkel des Studios in der Akademie der Künste, es herrscht konzentrierte Stille. Auf der Bühne steht Yang Lian, der etwas liest, was nach „tjodee sijun tschauschu“ klingt. Es könnte Bahnhof heißen. Oder auch „Auf asphaltiertem Meer ist ein Vogel in den Lüften so weiß wie eine arme Seele“.

Nicht umsonst heißt dieser Abend „Weltklang. Nacht der Poesie“. Alle geladenen Dichterinnern und Dichter lesen in ihrer jeweiligen Muttersprache – ohne Untertitel, ohne Simultanübersetzung. Damit wendet sich die Veranstaltung gegen den „Sprachmatsch“, wie er beim Grand Prix zu hören gewesen ist, erklärt Moderatorin Luzia Braun, gegen das immergleiche Englisch, das die Sprachunterschiede einebnet wie eine Dampfwalze.

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Litaffin-WM 2010: Wir tauschen den Ball gegen das Buch!

Heute ist es soweit: die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika beginnt. In den kommenden vier Wochen kommen 32 Länder aus allen Winkeln der Erde in den Stadien zusammen, um mit- und gegeneinander zu spielen. Mit einem Ball. Bis am Ende einer gewinnt und einen goldenen Pokal bekommt.

Dass man für eine spannende WM aber weder einen Fußball noch einen Pokal braucht, beweisen wir mit unserer LITAFFIN-WM 2010, die natürlich pünktlich zum ersten Anpfiff in Johannesburg hier auf dem Blog startet.

Wir stellen 32 Texte aus allen bei der Fußball-WM vertretenen Ländern hier online. Keine Sorge, wer mitmachen möchte, muss nicht hunderte Seiten lesen: die Auswahl reicht vom kurzen Gedicht bis zum Romanauszug, überschreitet aber nicht die Länge von drei Seiten. Und denn seid ihr gefragt: über Abstimmungen bei Doodle entscheidet ihr, welche Texte weiterkommen – und wer am Ende zum Litaffin-Weltmeister 2010 gekürt wird!

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Gruppe H | Land 4

Dämmerung senkte sich auf das fruchtbare Tal. Die grauen, hohen Baracken in Culuco glichen denen der an­deren Campos. Von weitem wirkten sie beinahe schön, bei näherer Betrachtung jedoch waren sie eng und schmutzig. Zu ebener Erde lagen die Schuppen und die Essräume, über deren wackligen Tischen Fliegen summten. Jede Ba­racke war in sechs Behausungen abgeteilt, die ein Korridor an der Vorderseite miteinander verband. Eine eiserne Stiege führte zum Eingang hinauf. An der Hinterfront be­fand sich vor jedem Raum eine schmale Holztreppe. In den kleinen, niedrigen und verräucherten Küchen stank es nach Fett, Esswaren und Schweiß.

Maximo Luján und der ehemalige Bauer Martin Samayoa kamen völlig erschöpft in Culuco an. Ihre Gesichter waren von der stechenden Sonne gerötet, die Füße schmerzten von den Strapazen des Weges, die Augen glühten wie im Fieber, und ihre Kehlen waren ausgedörrt.

Der Giftarbeiter Luján wohnte in der dritten Baracke, im zweiten Raum links. Er nahm Samayoa mit hinein. Martin blickte sich um und sah zwei Feldbetten, drei Hängematten und ein paar Holzkisten, die als Stühle dien­ten. An den Wänden hingen mehrere Messingkanister, einige Koffer, verschiedene Buschmesser, ein paar abge­nutzte Spaten, sowie schmutzige, vom Saft der Bananen­stauden und vom Grau des Giftes bespritzte Männersachen und Frauenkleider.

Auf dem Fußboden lagen Zeitungen, Zeitschriften, Fla­schen, Kleidungsstücke, Blechdosen, Bindfaden und Lum­pen bunt durcheinander. Wie alle anderen Räume war auch dieser viel zu eng, genügte lediglich einer Person, aber es wohnten sieben Menschen darin. Besser gesagt, sie schliefen dort, denn sie kamen ja nur des Nachts in diesem Loch zusammen, nachdem sie von Sonnenaufgang bis Son­nenuntergang auf den Fincas geschuftet hatten.

„Das hier ist meine Hängematte“, sagte Maximo Luján zu seinem Gefährten. „Leg dich hinein und ruh dich ans. Wenn der Aufseher Benitez von der Arbeit kommt, werde ich mit ihm reden. Er ist ein gewalttätiger Hitzkopf, sehr schwierig zu nehmen, aber mit mir hält er Frieden. Ich arbeite oft für ihn als Sekretär.“

„Dann kann er wohl nicht einmal seinen Namen schrei­ben?“

„So ist es in etwa.“

„Und weshalb ist er Aufseher?“

„Man sieht, dass du vom Leben in den Campos nicht viel Ahnung hast. Aber du wirst bald Gelegenheit haben, es kennenzulernen. Aufseher kann man auf verschiedene Weise werden. Der schnellste und sicherste Weg ist die Empfehlung eines guten Freundes, der in der Politik etwas zu sagen hat. Ansonsten muss man großes Glück haben oder den Gringos die Stiefel lecken. In den Campos ist alles vertre­ten. Du findest viele aufrechte, charakterfeste Peones, die den großen und kleinen Chefs als Vorbilder dienen könn­ten, du findest aber auch widerwärtige und verabscheuungswürdige Typen. Auch bei den Aufsehern gibt es einige vernünftige Kerle, die uns Peones noch als Menschen an­sehen, es sind aber nur wenige, mein Freund. Die meisten von ihnen spielen sich schlimmer auf als die ausländischen Chefs.“

„Und wie steht’s mit diesem Benitez?“

„Den wirst du schon noch kennenlernen.“

Plötzlich erschütterten Schritte die Dielen der Baracke. An der Tür erschien ein junger braungebrannter Indio von gedrungener Gestalt und mit kräftigen Muskeln. Luján wandte sich an ihn:

„Warum arbeitest du heute nicht, Amadeo?“

„Ich habe frei bekommen, weil der Schlauch meiner Spritze geplatzt ist.“

Während Amadeo zu Samayoa hinübergrüßte, nahm er den Gürtel mit dem Revolver ab und legte ihn unter das Kissen eines der Feldbetten.

„Hast du heute wieder Fieber gehabt?“

„Heute nicht. Im Ambulatorium haben sie mir Chinin ge­geben. Mir summen die Ohren, aber ich vermute, das Sumpffieber wird etwas eingedämmt.“

Das Pfeifen einer Lokomotive durchschnitt die unbe­wegliche Stille des Nachmittags. Der Zug rollte näher, und durch die geöffnete Tür sahen die drei Männer die Ma­schine wie ein lärmendes schwarzes Ungeheuer vorbeifah­ren. In der Luft blieb eine dichte Rauchfahne hängen, die der leise Wind in phantasievolle Figuren zerriss, die sich dann allmählich im durchsichtigen Blau des Firmaments auflösten.

Die starke Hitze war verflogen und Windstöße, warm wie Frauenlippen, trugen den Duft der Früchte von den Plantagen herüber. Das Klopfen eines Pumpenmotors ver­mischte sich mit dem heiseren Bellen eines Traktors, der eine Ladung Stangen von der Bahn in die Pflanzung schleppte und dabei dichte Staubwolken aufwirbelte.

Die Landschaft, die sich wie ein grünes Tuch ausbreitete und von endlosen Pfaden durchzogen wurde, geriet in Be­wegung und verlor die Ruhe der glühenden Tagesstunden. Es war, als verliehe ihr eine unsichtbare Hand Leben und Kraft. Langsam, in gleichmäßigen Schritten, kam der Abend mit seinen Windfächern und veränderte das Himmelsant­litz, dessen Azurblau einzelne, wie Alabasterblöcke wir­kende Wolkenfelder bedeckte. Ein goldener Feuerschein brach sich an den fernen Gipfeln der Gebirge von Sulaco und Nombre de Dios, die sich im Süden und im Norden parallel zu dem blühenden Aguán-Tal erstreckten. Übermütig kreischende Vogelschwärme schossen über die Pflan­zungen, um den Eichkätzchen die reifen, in goldenen Trau­ben wachsenden Bananen streitig zu machen.

Das Motorengeräusch einer Giftpumpe brach ab wie das Stöhnen eines müden Ochsen, tiefes Schweigen lag über den Pflanzungen. Bald begann nun das Leben und Treiben in den Baracken. Die Frauen regten sich unermüdlich in den Küchen, und mit apathisch eintönigen Schritten ström­ten die Arbeiter auf den Wegen und Pfaden nach Culuco. Es waren Stangensetzer, Bewässerungsarbeiter, Unkraut­hacker, Giftspritzer, Bahnarbeiter. Alle sahen müde und erschöpft aus, ihre schmutzigen Kleider waren verschwitzt, ihre Gesichter und Arme von der Sonne verbrannt. Diese Menschen stammten aus den verschiedensten Gegenden des Landes. Es waren Weiße, Indios, Mestizen und Schwarze; Salpeterarbeiter vom Golf von Fonseca, Tabakarbeiter aus Copán, Hirten aus den Ebenen von Olancho, Farbige und Zambos aus Colón und von der Moskitoküste; Talbewoh­ner, Gebirgler, Küstenleute, Städter; Soldaten, ehemalige Kaufleute, Arbeiter und Landstreicher; Analphabeten und Intellektuelle. Mitgerissen vom Strudel, waren sie allein oder mit ihren Familien gekommen, der Zufall hatte sie hier unter dem sternenlosen Himmel der Hoffnungslosig­keit zusammengeführt, damit sie die Kraft ihres Körpers und ihres Lebens für wenige Münzen verkauften und sich ohne Atempause in fortwährendem Kampf das harte, schwarze Brot verdienten, das ihnen die Bananengesell­schaft bot.

Wie eine Flutwelle näherte sich das Stimmengewirr dem Campo. Rufe, Gelächter und Flüche ertönten, getragene, sehnsüchtige Melodien, wehmütig wie die Seele des Indios, klangen auf, im Campo erwachte das Leben.

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Gruppe H | Land 3

In einem Dorfe von la Mancha, dessen Namen ich mich nicht entsinnen mag, lebte unlängst ein Edler, einer von denen, die eine Lanze auf dem Vorplatz haben, einen alten Schild, einen dürren Klepper und einen Jagdhund. Eine Olla, mehr von Rind- als Hammelfleisch, des Abends gewöhnlich kalte Küche, des Sonnabends arme Ritter und freitags Linsen, sonntags aber einige gebratene Tauben zur Zugabe verzehrten drei Vierteile seiner Einnahme. Das übrige ging auf für ein Wams vom besten Tuch, Beinkleider von Samt für die Festtage, Pantoffeln derselben Art, ingleichen für ein auserlesenes ungefärbtes Tuch, womit er sich in den Wochentagen schmückte. Bei ihm lebte eine Haushälterin, die die Vierzig verlassen, und eine Nichte, die die Zwanzig noch nicht erreicht hatte, zugleich ein Bursche, in Feld- und Hausarbeit gewandt, der sowohl den Klepper sattelte als auch die Axt zu führen wußte. Das Alter unsers Edlen war an den Funfzigern. Er war von frischer Konstitution, mager, von dürrem Gesichte, ein großer Frühaufsteher und Freund der Jagd. Es gibt einige, die sagen, daß er den Zunamen Quixada oder Quesada führte – denn hierin findet sich einige Verschiedenheit unter den Schriftstellern, die von diesen Begebenheiten Meldung getan –, obgleich es sich aus wahrscheinlichen Vermutungen schließen läßt, daß er sich Quixana nannte. Dies aber tut unserer Geschichtserzählung wenig Eintrag; genug, daß wir in keinem Punkte von der Wahrheit abweichen.
Es ist zu wissen, daß obgenannter Edler die Zeit, die ihm zur Muße blieb – und dies betrug den größten Teil des Jahres –, dazu anwandte, Bücher von Rittersachen mit solcher Liebe und Hingebung zu lesen, daß er darüber fast die Ausübung der Jagd als auch die Verwaltung seines Vermögens vergaß; ja, seine Begier und Torheit hierin ging so weit, daß er unterschiedliche von seinen Saatfeldern verkaufte, um Bücher von Rittertaten anzuschaffen, in denen er lesen möchte; auch brachte er so viele in sein Haus, als er deren habhaft werden konnte. Unter allen schienen ihm keine so trefflich als die Werke, die der berühmte Feliciano de Silva verfertigt hat, die Klarheit seiner Prosa und den Scharfsinn seiner Perioden hielt er für Perlen, fürnehmlich wenn er auf Artigkeiten oder Ausforderungen stieß, als wenn an vielen Orten geschrieben steht: Das Tiefsinnige des Unsinnlichen, das meinen Sinnen sich darbeut, erschüttert also meinen Sinn, daß ich über Eure Schönheit eine vielsinnige Klage führe. Oder wann er las: Die hohen Himmel, die Eure Göttlichkeit göttlich mit den Gestirnen bewehrt, haben Euch die Verehrung der Ehre erregt, womit Eure Hoheit geehrt ist. Mit diesen Sinnen verlor der arme Ritter seinen Verstand und studierte, die Meinung zu begreifen und zu entwickeln, die Aristoteles selbst nicht enthüllt und begriffen hätte, wenn er auch bloß darum auferstanden wäre. Er war nicht sonderlich mit den Wunden zufrieden, die Don Belianis austeilte und empfing, denn er gedachte, daß, wenn ihn auch die größten Meister geheilt hätten, ihm dennoch kein Antlitz übrigbleiben und sein Körper nur aus Narben und Malen bestehen könne. Doch gab er darin dem Autor Beifall, daß er sein Buch mit dem Versprechen eines unzuvollendenden Abenteuers beschließt, und oft kam ihm der Gedanke, die Feder zu ergreifen und es genau und wörtlich, wie jener versprochen, fortzuführen; auch hätte er es ohne Zweifel getan, wenn ihn nicht größere und anhaltende Gedanken abgehalten hätten. Es traf sich, daß er oft in Streit mit dem Pfarrer seines Dorfes geriet – der ein gelehrter Mann war und zu Siguenza graduiert –, wer von beiden ein größerer Ritter sei, ob Palmerin von England oder Amadis von Gallia. Aber Meister Nicolas, der Barbier desselbigen Ortes, meinte, daß keiner dem Ritter des Phoebus gleich sei, oder wenn sich einer mit ihm messen dürfe, so sei es Don Galaor, der Bruder des Amadis von Gallia, denn dessen Art und Weise sei für alle Fälle gerecht: denn er sei kein zimpferlicher Ritter noch eine solche Tränenquelle wie sein Bruder, auch sei er in Ansehung der Tapferkeit ebensogut beschlagen.
Kurz, er verstrickte sich in seinem Lesen so, daß er die Nächte damit zubrachte, weiter und weiter, und die Tage, sich tiefer und tiefer hineinzulesen; und so kam es vom wenigen Schlafen und vielen Lesen, daß sein Gehirn ausgetrocknet wurde, wodurch er den Verstand verlor. Er erfüllte nun seine Phantasie mit solchen Dingen, wie er sie in seinen Büchern fand, als Bezauberungen und Wortwechsel, Schlachten, Ausforderungen, Wunden, Artigkeiten, Liebe, Qualen und unmögliche Tollheiten. Er bildete sich dabei fest ein, daß alle diese erträumten Hirngespinste, die er las, wahr wären, so daß es für ihn auf der Welt keine zuverlässigere Geschichte gab. Er behauptete, Cid Ruy Diaz sei zwar ein ganz guter Ritter gewesen, er sei aber durchaus nicht mit dem Ritter vom brennenden Schwerte zu vergleichen, der mit einem einzigen Hiebe zwei stolze und ungeschlachte Riesen mitten durchgehauen habe. Besser vertrug er sich mit Bernardo del Carpio, weil er bei Roncesvalles den bezauberten Roland umgebracht, indem er die Erfindung des Herkules nachgeahmt, der den Antaeus, den Sohn der Erde, in seinen Armen erwürgte. Viel Gutes sagte er vom Riesen Morgante, der, ob er gleich vom Geschlechte der Riesen abstammte, die alle stolz und unumgänglich sind, sich allein leutselig und artig betrug. Über alle aber ging ihm Reinald von Montalban, besonders wenn er ihn sah aus seinem Kastell ausfallen, rauben, was er konnte, wenn er dann sogar das Bild des Mahomed von jenseits des Meeres entführte, welches ganz golden war, wie es die Geschichte besagt. Er hätte, um dem Verräter Galalon nach Lust Tritte geben zu können, gern seine Haushälterin und, als Zugabe, auch seine Nichte weggeschenkt.
Als er nun mit seinem Verstande zum Beschluß gekommen, verfiel er auf den seltsamsten Gedanken, den jemals ein Tor auf der Welt ergriffen hat: nämlich es schien ihm nützlich und nötig, sowohl zur Vermehrung seiner Ehre als zum Besten seiner Republik, ein irrender Ritter zu werden und mit Rüstung und Pferd durch die ganze Welt zu ziehen, um Abenteuer aufzusuchen und alles das auszuüben, was er von den irrenden Rittern gelesen hatte, alles Unrecht aufzuheben und sich Arbeiten und Gefahren zu unterziehen, die ihn im Überstehen mit ewigem Ruhm und Namen schmücken würden. Der Unglückliche stellte sich vor, daß er mindestens zum Lohn seines tapfern Arms als Kaiser von Trapezunt würde gekrönt werden, und mit diesen schönen Gedanken, angefrischt von seiner seltsamen Leidenschaft, dachte er nun darauf, seine Entwürfe in Ausübung zu setzen. Zuerst begann er damit, einige Waffenstücke zu reinigen, die er von seinen Urgroßvätern geerbt und die, gänzlich mit Rost und Staub bedeckt, vergessen in einem Winkel lagen. Er putzte und schmückte sie, so gut er konnte; er sah aber gleich, daß ein wesentliches Stück mangelte, daß er nämlich keinen Visierhelm, sondern nur eine Pickelhaube vorfand; aber seine Erfindsamkeit half dem ab, denn er verfertigte aus Pappen etwas wie einen halben Helm, das, mit der Pickelhaube verbunden, den Anschein eines vollständigen Helmes gewann. Es ist wahr, daß, um zu erproben, ob er stark genug sei, die Gefahr eines Kampfs auszuhalten, er sein Schwert zog und zwei Hiebe auf ihn führte, aber schon mit dem ersten das wieder vernichtet hatte, was er in einer Woche gearbeitet. Ihm gefiel die Leichtigkeit nicht, mit der er sein Werk zerstört hatte, und um sich vor dieser Gefahr zu sichern, arbeitete er es von neuem, fügte inwendig einige Eisenstäbe so an, daß er mit der Tüchtigkeit zufrieden war, und ohne eine andre Probe zu machen, hielt er sich für überzeugt, daß dieser der trefflichste Visierhelm sei.

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Gruppe H | Land 2

Es war ein leerer und müßiger Sonntagnachmittag.
José Pedro hatte sich für ein gutes Stündchen hingelegt, um zu schlafen, aber kaum hatte er die Augen geschlossen, als ein Klopfen an der Tür ihn wieder munter machte.
»Herein!«
Totón erschien: »Pascual und Bruno sind hier, Patrón. Sie bringen einen Brief und zwei Kisten.«
José Pedro fuhr hoch; dies war eine Nachricht, der er gerne seine Siesta opferte. Er riss den Umschlag auf und fand darin einen Lieferschein: 6 Peadbody-Karabiner, 200 Schuss Munition Kaliber 9.
José Pedro sprang aus dem Bett und rief von der Türschwelle aus den jungen Männern zu: »Hierher! Bringt es hier herein!«
Er sah ihnen zu, wie sie im hellen Sonnenschein am Ende des Gartens das Maultier entluden. Dann stellten ein verschnürtes Paket und zwei schwere Kisten auf die Bank, die sich längs der ganzen Galerie erstreckte.
»Na, dann wollen wir uns die Pívoris mal anschauen!«
»Die was, Pascualote?«
»Na, die Pívoris! Nennt man die Dinger nicht so?«
»Peadbodys. ›Píbodi‹ spricht man das aus.«
»Ach, ist doch egal.«
Unter allerlei Späßen kramten sie die Karabiner aus der Kiste, betasteten und untersuchten sie, ihr Stolz war offensichtlich. Der soldatische Instinkt, der in jedem Chilenen steckte, erkannte sofort die Handhabung und den Mechanismus der Karabiner.
Als Bruno mit einem der Gewehre ins Freie zielte, huschte im grellen Sonnenlicht ein Schatten davon.
»Was war das denn?«
»Das war Cachafez, Patrón.«
»Wir haben ihn mitgebracht, damit Sie ihn sich mal ansehen.«
»Ist er von der Sorte, die wir brauchen?«
»Jawohl! Für die Wache.«
José Pedro bemerkte eine stämmige Gestalt, die sich mit eingezogenen Schultern hinter der alten Weide versteckte.
»Hey! Komm mal her!«
Cachafez trat hervor. Ein gebräunter junger Mann ohne besondere Merkmale, außer seinen Zähnen, die sich als zahlreich und auffällig weiß offenbarten. Wenn man ihn ansprach, wendete er den Kopf zur Seite und grinste. Er stand im Rufe, unerschrocken und in mancherlei Kniffen bewandert zu sein. José Pedro erinnerte sich an ihn. Cachafez – das war doch der kleine Bengel, der mit einem Strick in der Hand umherzog und damit Hunde und Katzen lassierte, und, so sagte man, manchmal sogar kleine Vögel.
José Pedro war zufrieden.

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Gruppe H | Land 1

Einer ging an den See des Lebens, um nach Menschen zu angeln; aber er fing nichts. Da kam ein Unbekannter und sagte: Wenn du Menschen fischen willst, so mußt du dein Herz an die Angel stecken, dann beißen sie an! Jener folgte dem Rat, und sogleich schnappten sie unten nach dem Köder, rissen ihn von der Angel und fuhren damit in die Tiefe. Da war der Fischer betrübt. Allein bald wurde es ihm so leicht zumut, daß er auf die wilde See hinausfuhr und die Menschenfische zu Tausenden mit dem Netze fing, und er war nun ihr Herr und schlug sie auf die Köpfe. Und der ihm den Rat gegeben hatte, war der Teufel.

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Gruppe G | Land 4

In seiner »Weltgeographie« machte Reclus bei der Behand­lung Brasiliens darauf aufmerksam, wie notwendig es sei, die aus dem Tupi stammenden Ortsnamen in unserem Land zu erhalten. Sie haben, so der große Geograph, den Vorteil, dass fast alle von ihnen eine äußerst klare, unzweideutige Bedeutung haben. Diese Namen weisen nämlich auf Natur­erscheinungen hin: Sie bezeichnen die Farbe der Flussläufe, die Höhe, die Form oder das Aussehen der Felsen, die Vegetation oder die Trockenheit eines Gebietes.

In Rio de Janeiro gibt es in der Tat Tupinamen, die mit so viel Beredsamkeit den Charakter und die Reize der Ge­genden ausdrücken, dass wir, wenn wir ihre Bedeutung erfah­ren, geradezu verblüfft sind über die poetische Kraft und das hohe Maß an Gefühlsstärke, die die primitiven Kanni­balen dieses Gebietes angesichts der so schönen und einma­ligen Natur um die Stadt herum an den Tag legten. Das zeigen schon die Namen der Bucht. Wie gut drückt doch der Name Guanabara – Busen des Meeres – eine Verfüh­rungskraft, Zurückhaltung und einen Zauber aus? Und wenn das Meer hier einen Busen bildete, so deshalb, um in ihm sein Wasser zu verbergen: Niterói – das verborgene Wasser.

Diese Tupinamen sind die äl­testen Dokumente der Menschen, die hier lebten und starben, und doch verhältnismäßig jung. Die Stadt Rio de Janeiro wurde auf dem ältesten Boden der Erde errichtet, aber bis heute finden sich keinerlei Spuren eines prähistorischen Lebens, keine direkten oder indirekten Spuren einer vergangenen Existenz.

Es scheint das Schicksal dieser Gebiete zu sein, dass sie keine Eindrücke bewahren durften von den aufeinanderfol­genden Generationen, auch wenn sie deren Kommen und Gehen miterlebten. Selbst die indianischen Namen ver­schwinden allmählich, und jedermann weiß, dass ein Trupp Arbeiter, der bei irgendwelchen Ausschachtungsarbeiten eine indianische Urne findet, sich gleich daran macht, sie zu öff­nen und dann zu zerschlagen, als wäre es etwas Teuflisches, als wäre es etwas Unwürdiges für uns Menschen von heute. Das einfache Totengefäß der Tamoyos wird erbarmungslos ge­opfert.

Die Erzeugnisse der Indios und alle ihre Bauwerke waren zerbrechlich; zerbrechlich sind auch unsere Bauten von heute. Die ältesten Monumente von Rio sind nämlich nur anderthalb Jahrhunderte alt, obwohl die Stadt bald auf eine vierhundertjährige Tradition zurückblicken kann.

Unser ehrwürdiger Granit, der so alt ist wie die Erde und auf dem die Stadt ruht, will absolut nur das Zerbrechliche, das Kurzlebige. Noch heute beherrscht dieser Geist die Bauweise un­serer öffentlichen und privaten Gebäude, die jeden Augen­blick zu bersten und einzustürzen drohen. Es ist so, als wollte die Erde nicht, dass andere Schöpfungen oder Lebe­wesen auf ihr bestehen bleiben als die Wälder, die sie hervor­bringt, und die Tiere, die sie bewohnen. Dennoch lässt die Erde sie entstehen, und für einen Augenblick trägt sie Geschöpfe, die dann wieder verschwinden müssen, ohne eine Spur zu hinterlassen. Welch seltsame Laune!

Sie will ein Ort der Sammlung und der Ruhe für den Strudel sein, der die Schöpfung zu einer ständigen Verände­rung der Lebewesen mitreißt. Nur das will sie sein, und sie bleibt fest und unerschütterlich, indem sie Leben schafft und in sich aufnimmt. Doch geschieht es so, dass die Nach­folgenden nicht wissen können, wer ihnen vorangegangen ist.

Wie viele Formen des Lebens hat dieses Land schon ge­sehen, seitdem seine Felsen entstanden sind? Zahllose, Tau­sende. Doch von keiner wollte es eine Erinnerung, eine Re­liquie zurückbehalten. Das Leben sollte nicht glauben, es könne mit der Ewigkeit dieses Landes rivalisieren.

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Gruppe G | Land 3

Njaka (das ist eine kleine Antilopenart, alle Stämme im Westen, auch die Mossi, bezeichnen sie als besonders klug und auch zauberkräftig) hatte eine kleine Tochter, die war sehr hübsch, und viele hätten sie gern geheiratet. Njaka aber machte bekannt: „Ich gebe dem meine Tochter zur Frau, der mir die Milch der Padere [wilde Büffel], die Haut der Abaga [Leoparden] und den Zahn der Uobogo [Elefanten] bringt.“ Auch Somba der Hase hörte das, und er dachte bei sich: „Das ist doch gar nicht so schwer! Das werde ich schon zusammenbringen.“
Zunächst mischte sich Somba einen feinen Brei aus wilden Grassamen und Salz. Es gab eine ausgezeichnete Speise. Die füllte er in seinen Quersack. Er ging in den Busch dahin, wo er den Padere wußte. Padere sagte: „Wohin gehst du?“ Somba sagte: „Ich will mich ein wenig zurückziehen, um von einem Medikament zu essen, das gut zu schmecken scheint.“ Padere sagte: „Zeig her, ich will ein wenig davon versuchen.“ Somba gab ihm ein wenig. Padere versuchte es und sagte: „Das ist ja ganz ausgezeichnet. Wo hast du das her?“ Somba sagte: „Ich fand das in jenem Baobab [Affenbrotbaum]. Allerdings kann ich mit meinen kleinen Zähnchen nur wenig abkratzen. Du aber mit deinen mächtigen Hörnern brauchst nur einmal gründlich da hineinzufahren, um ein weites Loch in die dünne Baumwand zu schlagen. Dann kannst du der Baumhöhle entnehmen, soviel du willst, denn der Baum ist immer ganz angefüllt mit dieser Nahrung.“ Padere sagte: „Gut. Wo ist der Baum?“ Somba sagte: „Sieh! Ganz dicht dort drüben!“
Padere senkte den Kopf; er rannte mit aller Gewalt auf den Baum zu. Er wollte die dünne Wand zerstoßen, aber er rannte nur seine Hörner fest. Er wollte sie zurückziehen, aber er war so fest dagegen gestürmt, daß er nicht wieder vom Baum abzukommen vermochte. Als er nun so fest saß, sagte Somba: „Du erlaubst mir wohl!“ Er kam mit einer kleinen Kalebasse heran und begann den Padere, der sich nicht zu wehren vermochte, zu melken. Als seine kleine Kalebasse gefüllt war, lief er damit zu Njaka und sagte: „Hier ist zunächst einmal die Milch des Padere.“ Dann begab sich Somba zu Abaga und fragte: „Willst du mich vielleicht begleiten? Ich möchte baden gehen.“ Abaga sagte: „Ich will schnell meine Sachen ein wenig ordnen, dann komme ich mit dir.“ Abaga ging in sein Haus. Somba ging in sein Haus. Somba stopfte seinen Quersack fest voller Tjeperrenga [roter Pfeffer]. Abaga regelte in seinem Hause noch einige Unordnungen, dann trafen sie sich beide auf dem Weg zum Bade. Sie gingen gemeinsam zum Wasser hinab. Am Ufer warf Somba seinen Sack ins Gras und sagte: „Wollen wir uns nicht unserer guten Kleider entledigen?“ Abaga sagte: „Gewiß lege ich mein gutes Kleid ab.“ Er tat es. Er warf seinen fleckigen, schönen Überzug neben Sombas Sack. Dann stiegen beide ins Wasser und nahmen ihr Bad.
Als sie eine Zeitlang herumgeschwommen waren, sagte Somba: „Ach, ich habe ganz vergessen, etwas beiseite zu legen. Nun habe ich es mit ins Wasser genommen. Ich will schnell ans Ufer gehen, es ins Trockene zu legen. Gleich bin ich wieder zurück.“ Somba sprang ans Ufer. Er öffnete seinen Sack und rieb so schnell wie möglich Abagas Kleid gründlich mit rotem Pfeffer ein. Als das geschehen war, ging er zurück in das Wasser.
Sie schwammen noch eine Weile umher, dann stiegen sie ans Ufer. Abaga wollte sein Kleid anlegen. Er bewegte sich ein wenig darin (in seinem Fell). Er zog das Kleid wieder aus und sagte: „Pfui, das juckt ganz abscheulich.“ Er zog sein Kleid wieder aus. Somba hatte inzwischen seinen Sack genommen. Er roch daran und rief: „Pfui, das ist ja ganz abscheulich. Es ist etwas über meinen Sack gekommen, während wir badeten.“ Abaga trat herzu und sagte: „Es ist dasselbe, das in mein Kleid gekommen ist.“ Somba sagte: „So kann ich meinen neuen Sack nicht mit nach Hause nehmen.“ Abaga sagte: „Ich kann auch mein Kleid nicht anziehen.“ Somba sagte: „Ich muß meinen Sack erst gründlich waschen.“ Abaga sagte: „Mein Kleid muß auch erst gewaschen werden.“ Somba sagte: „Laß es hier; ich will es gleich mit reinigen.“ Abaga sagte: „Es ist gut!“ Somba sagte: „Du bekommst es dann morgen.“ Abaga ging. Somba nahm das schöne Kleid Abagas, trug es zu Njaka und sagte: „Hier ist wunschgemäß zum zweiten das Fell des Abaga.“
Somba begab sich dahin, wo die große Herde der größten Uobogo war. Somba setzte sich neben den größten Uobogo und blickte unaufhörlich mit weit geöffneten Augen gen Himmel. Von Zeit zu Zeit schüttelte er wie vor Verwunderung den Kopf und sagte: „Nein, ist das schön!“ Der größte Uobogo guckte auch in die Richtung, in die Somba schaute, und sagte: „Guten Tag, mein Somba! Was gibt es denn da?“ Somba tat so, als ob er erstaunt zusammenführe und jetzt erst den Uobogo sähe. Er sagte: „Verzeih mir, mein Uobogo, daß ich dich nicht beachtete und dir nicht guten Tag sagte. Aber ich war davon so ganz eingenommen.“ Der Uobogo sagte: „Wovon warst du eingenommen?“ Somba sah den größten Uobogo erstaunt an und sagte: „Ja, siehst du denn nicht das Herrliche da oben am Himmel?“ Der größte Uobogo sah empor und sagte: „Nein, ich sehe nichts.“ Somba sagte: „Was, das siehst du nicht?“ Uobogo fragte die anderen Uobogo: „Nein, wir sehen es nicht.“
Somba sagte: „Nein! Der große Uobogo sieht das Herrliche da oben am Himmel nicht!“ Alle Uobogo sahen zum Himmel empor. Der größte Uobogo sagte: „Ich sehe es nicht, ich möchte es aber sehr gern sehen.“ Die anderen Uobogo sahen ständig empor und sagten: „Ja, wir möchten wohl auch recht gern wissen, was dies Herrliche da oben am Himmel ist.“ Somba sagte: „Daß ihr das nicht seht, das kommt wohl daher, daß ihr im Verhältnis zu eurer Größe eigentlich kleine Augen habt, während ich als kleines Tier mit recht großen Augen versehen bin. Aber ihr seid so große, so wunderbar große Tiere, daß die Sache gar nicht so schwer ist. Es muß nur einer immer auf den Rücken des anderen steigen. Wenn dann der ganz große Uobogo zu oberst auf den Rücken des letzten steigt, so kann er das Herrliche da oben nicht nur sehen, sondern er kann es sogar ergreifen.“ Die Uobogo sagten: „Das ist richtig.“ Der größte Uobogo sagte: „Ich will auf euch alle hinaufsteigen. Ihr müßt aber ganz fest stehen, damit ich nicht falle.“ Die Uobogo sagten: „Wir werden ganz fest stehen.“
Danach stieg ein Uobogo immer auf den Rücken des anderen. Es entstand eine ganz, ganz hohe Säule. Zu oberst stieg der ganz große Uobogo. Als er oben war, hielt Somba unter den Hinterfuß des untersten Uobogo schnell einen Feuerbrand. Das schmerzte den derart, daß er nicht anders konnte, als einen Schritt nach vorn zu machen. Dadurch kam die Reihe der Uobogo aber ins Wanken, der größte Uobogo, der zu oberst stand, fiel herab und brach sich einen Zahn ab. Alle Uobogo fielen scheltend über den Uobogo, der zu unterst war, her. Der sagte: „Verzeiht mir, aber ich trat mir einen scharfen Dorn in den Fuß, und ihr wart so schwer auf mir!“
Während sie schalten, brachte Somba schnell den abgebrochenen Zahn beiseite und versteckte ihn im Busch. Der große Uobogo suchte zornig seinen Zahn. Im Zweige des Baumes nebenan saß ein kleines Vögelchen, das hatte alles mit angesehen und rief dem größten Uobogo zu: „Du suchst deinen Zahn an der falschen Stelle. Du mußt deinen Zahn da drüben suchen. Somba hat ihn gestohlen und versteckt.“ Der größte Uobogo hatte nicht recht verstanden. Er fragte: „Was ist los?“ Somba sagte: „Dieser freche kleine Vogel wagt es, auch noch über dein Unglück zu lachen.“ Als Uobogo das hörte, war seine Wut grenzenlos. Er jagte mit seinen Genossen hinter dem kleinen Vogel her, ihn zu vernichten. Während die Uobogo von dannen jagten, nahm Somba seinen Zahn, trug ihn zu Njaka und sagte: „Hier ist zum dritten der Zahn des Uobogo.“
Njaka sagte: „Es ist wahr. Du hast mir die Milch des Padere, das Fell des Abaga und den Zahn des Uobogo gebracht.“ Somba sagte: „Nun gib mir deine Tochter!“ Njaka sagte: „Mein Somba! Meine Tochter kann ich dir nicht geben. Du bist, wie du mir gezeigt hast, ganz ungewöhnlich klug. Ich bin auch ein ganz ungewöhnlich kluges Tier. Wenn unsere Familien sich zusammentun und aus unseren beiden Stämmen ein Kind geboren wird, so wird es klug wie Wende [wie Gott], und das wäre nicht gut. Deshalb kann ich dir meine Tochter nicht geben.“

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Die Viertelfinalpaarungen der litaffin-WM 2010 lauten wie folgt:

1 | Uruguay aus Gruppe AArgentinien aus Gruppe B
2 | USA aus Gruppe CSlowenien aus Gruppe C
3 | Niederlande aus Gruppe ENeuseeland aus der Gruppe F
4 | Portugal aus der Gruppe GElfenbeinküste aus Gruppe G

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Gruppe G | Land 2

Vor vielen, vielen Jahren lebte einmal ein Holzfäller. Der ging stets in den Wald, um Bäume zu fällen. Als er einmal wieder im Walde war, hörte er plötzlich ein dumpfes Brüllen, das von einem wilden Tiere zu kommen schien. Voller Angst kletterte er auf einen Baum und versteckte sich dort. Da das Brüllen andauerte, aber nicht näher kam, so packte ihn die Neugierde zu sehen, woher es komme.
Er kletterte also wieder von dem Baum und schlich sich zu der Gegend hin, aus der das Brüllen erscholl. So kam er immer näher und sah endlich eine Raubtierfalle, in der sich ein Tiger gefangen hatte, der sich vergeblich bemühte wieder frei zu kommen und ein wütendes Brüllen ausstieß.
Als dieser den Holzfäller bemerkte, rief er ihm zu: „Was gaffst du mich an? Mache mich lieber frei und ich zeige dir einen Platz, wo viele Reichtümer verborgen sind!“
„Daß ich dumm wäre!“ entgegnete der Mann. „Bist du frei, so frißt du mich auf!“
„Wenn du mich befreist, tue ich dir sicherlich nichts!“ versicherte der Tiger und gab so viele schöne gute Worte, daß der Holzfäller sich bereden ließ und den Tiger befreite.
Kaum war dieser frei, so dehnte und streckte er sich, dann sah er seinen Befreier eine Weile an und sagte:
„Seit gestern steckte ich in dieser Falle und habe daher einen solchen Riesenhunger, daß ich dich fressen will. Was brauchst du Reichtümer? Einmal mußt du doch sterben und wenn ich dich fresse, erspare ich dir die Kosten des Begräbnisses.“
„Hältst du so dein Wort? Ist das deine Dankbarkeit?“ rief der Holzfäller.
„Ach was!“ sprach der Tiger. „Mit leerem Magen fühlt man keine Dankbarkeit, erst muß ich meinen Hunger gestillt haben!“ So stritten sich die beiden eine Zeitlang, da kam ein munterer Hase angesprungen, hörte den Streit und fragte, warum der Tiger den Mann fressen wolle.
Der Tiger erzählte ihm, daß der Mann ihn zwar befreit habe, daß aber das Gefühl des Hungers stärker sei als das der Dankbarkeit.
„Ganz recht, alter Onkel!“ sagte da der Hase. „Verspeise den Mann mit gutem Appetit, wenn er so dumm war, euch zu befreien; denn bei euch Großen kommt immer zuerst der Magen und dann alles andere. — Aber, was sehe ich! Aus diesem Dinge konntet ihr euch bei eurer Stärke nicht selbst befreien?“ sprach der Hase ganz erstaunt weiter, indem er die Falle betrachtete. „Ich glaube, alter Onkel, ihr flunkert!“
„Ich flunkern?“ rief ärgerlich werdend der Tiger und rannte wieder in die Falle, dem Hasen zeigend, wie er gefangen wurde. „Seht! so ging ich, ohne zu beachten, was es ist, hier in die Falle!“
„Schön, schön! nun möchte ich aber auch gern sehen, wie es der Mensch gemacht hat, euch zu befreien, werter Onkel!“ lachte der Hase, sprang auf die Falle, löste flink den Riegel, so daß die Falle sich schloß und der Tiger wieder gefangen war.
„So!“ sagte der Hase zum Holzfäller, „wenn es euch nun beliebt, den alten Sünder da drinnen wieder zu befreien, mag er euch mit vollem Recht verspeisen; ich aber will nicht dabei sein!“ So sprechend machte er ein Männchen und sprang lustig in den Wald hinein.
Der Holzfäller, froh sein Leben gerettet zu sehen, hütete sich natürlich, den Tiger zum zweiten Male zu befreien und eilte frohgemut zu seiner Arbeitsstätte zurück, verfolgt von dem wütenden Gebrüll des überlisteten alten Räubers.
So kommt man mit List weiter als mit Gewalt und wer mehr seinem Magen folgt als seinem Verstande, geht meistens zugrunde.

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Gruppe G | Land 1

PORTUGAL

Ich schreibe dir zum letzten Mal … und ich hoffe, du wirst aus dem Unterschied meiner Ausdrucksweise und aus der ganzen Art dieses Briefes verstehen, daß du es endlich erreicht hast, mich zu überzeugen, daß du mich nicht mehr liebst, so daß auch ich dich nicht mehr lieben darf.
Ich schicke dir also mit der nächsten Gelegenheit alles, was ich noch von dir habe. Fürchte nicht, daß ich dir schreibe; ich werde nicht einmal deinen Namen auf das Paket schreiben. Ich habe Dona Brites gebeten, alles das zu besorgen; sie ist es gewohnt, meine Vertraute zu sein, freilich in Dingen, die von diesen hier sehr verschieden waren: ich darf mich auf sie besser verlassen als auf mich selbst. Sie wird alles Nötige tun, damit ich mit Sicherheit annehmen kann, daß das Porträt und die Armbänder, die du mir gegeben hast, wirklich in deine Hände kommen.
Wissen sollst du aber, daß ich mich seit einigen Tagen fähig fühle, diese Beweise deiner Liebe, die mir so teuer waren, zu verbrennen und zu zerreißen; nur hab ich dir leider so viel Schwäche gezeigt, daß du nie würdest glauben wollen, ich sei zu diesem Äußersten imstande gewesen … Aus dem Schmerz, den es mich gekostet hat, mich davon zu trennen, will ich mir schon eine Art Genuß herausschlagen, und dir kann ich wenigstens etwas Ärger damit bereiten.
Ich gestehe, zu deiner und meiner Schande, daß ich an diesen Kleinigkeiten mehr hing, als ich dir sagen will; ich mußte von neuem alle meine Einsichten durchgehen, um mich von jeder, im einzelnen, loszumachen; und das zu einer Zeit, da ich mir Glück wünschte, von dir schon völlig frei zu sein. Aber was erreicht man nicht, wenn einem Gründe haufenweis zur Verfügung stehen. Ich habe Dona Brites alles übergeben. Mein Gott, alle die Tränen, die es mich gekostet hat, mich dazu zu bestimmen! Du hast keine Ahnung von den tausend Unentschlossenheiten, die in einem aufgeregt werden können, und ich werde sie dir sicher nicht herzählen … Sie sollte, bat ich sie, mir nie davon sprechen, und mir diese Dinge nicht mehr vor Augen bringen, selbst wenn ich verlangte, sie noch einmal zu sehen; ich darf nicht wissen, wann man sie absendet.
Ich kenne das ganze Übermaß meiner Liebe erst, seit ich alle diese Anstrengungen machen mußte, mich von ihr zu heilen; und ich glaube, ich hätte nie den Mut gehabt, sie zu unternehmen, wenn sich hätte voraussehen lassen, wie schwer und schrecklich das sein würde. Es wäre auf alle Fälle eine mildere Qual für mich gewesen, dich weiterzulieben, trotz deines Undanks, als dich für immer aufzugeben. Ich entdeckte, daß ich nicht so sehr an dir hänge als an meiner eigenen Leidenschaft; du warst mir durch dein kränkendes Benehmen schon verhaßt geworden, aber es war wunderlich, wie es mich leiden machte, gegen sie anzukämpfen.
Der gewöhnliche Stolz der Frau hat mir nichts geholfen bei dem, was ich wider dich zu beschließen hatte. Ach, deine Verachtung war mir schon geläufig. Ich hätte auch noch deinen Haß ausgehalten und alle Eifersucht, die möglicherweise deine Neigung für eine andere in mir hervorgerufen hätte. Es wäre doch etwas dagewesen, womit sich hätte ringen lassen. Was mir aber völlig unerträglich ist, das ist deine Gleichgültigkeit. Aus den unverschämten Freundschaftsversicherungen und den nichtssagenden Phrasen in deinem letzten Brief konnte ich merken, daß du alle meine Briefe empfangen hast; du hast sie, weiß Gott, lesen können, ohne daß in deinem Herzen das geringste sich rührte. Du Undankbarer, – und ich bin dumm genug, mich noch zu kränken, daß mir nun nicht einmal die Möglichkeit bleibt, mir einzubilden, sie wären gar nicht bis zu dir gelangt und nie in deine Hände gekommen.
Du, mit deiner Offenheit, – ich verabscheue sie. Hab ich dich etwa gebeten, mir aufrichtig die Wahrheit zu sagen? Durfte ich nicht meine Gefühle behalten? Es hätte genügt, daß du mir nicht schriebst. Ich hatte gar keinen Wunsch, aufgeklärt zu sein. Soll es mich nicht unglücklich machen, daß du es für überflüssig hältst, mich zu täuschen, und daß ich nun außerstande bin, dich noch zu entschuldigen? Ich begreife jetzt, mußt du wissen, daß du meiner Gefühle nicht wert bist, ich kenne alle deine schlechten und niedrigen Seiten.
Aber ich beschwöre dich (wenn alles, was ich für dich getan habe, verdient, daß du auf eine flehentliche Bitte meinerseits ein wenig Rücksicht nimmst), ich beschwöre dich: schreib mir nicht mehr und hilf mir, daß ich dich von Grund aus vergesse. Solltest du mich wissen lassen, daß dieser Brief dir ein Unbehagen bereitet hat, ich wäre imstande, es dir zu glauben. Andererseits kann ich mir vorstellen, daß ich in Zorn und Aufregung geraten würde, wenn ich erführe, daß du vollkommen mit ihm einverstanden warst; und beides könnte zur Folge haben, daß ich wieder lichterloh brenne.
Mische dich also nicht mehr in das, was ich tue; du würdest in jedem Fall meine Absichten umstürzen, in welcher Weise du dich auch hineindrängtest. Ich will nicht wissen, wie dieser Brief auf dich wirkt: störe mir nicht den Zustand, an dem ich arbeite. Ich glaube, du kannst dich zufriedengeben mit dem Unheil, das du angerichtet hast.
Was immer dich getrieben haben mag, mich unglücklich zu machen: laß mir jetzt meine Ungewißheit; ich hoffe, ich bringe es zustande, mit der Zeit eine Art Ruhe daraus zu entwickeln. Ich kann dir versprechen, dich nicht zu hassen; ich habe viel zuviel Mißtrauen gegen starke Gefühle, als daß ich mich damit einlassen sollte. Übrigens bin ich sicher, daß sich hier ein treuerer Liebhaber finden ließe. Nur, ach, wird einer imstande sein, mir Liebe beizubringen? Wird die Leidenschaft eines andern mich beschäftigen können? Die meine hat doch bei dir nichts ausgerichtet. Und ich habe die Erfahrung gemacht, daß ein Herz nie mehr über den Anlaß hinauskommt, der es zuerst gerührt und ihm die unbekannten Kräfte gezeigt hat, deren es fähig war. Alle seine Antriebe beziehn sich auf den Götzen, den es sich gebildet hat; seine ersten Wunden sind weder zu heilen noch ungeschehen zu machen; die Leidenschaften, die ihm zu Hilfe kommen und die sich Mühe geben, es auszufüllen und zu stillen, versprechen ihm umsonst einen Grad des Empfindens, den es nicht wiederfindet; es sucht die Freuden ohne rechte Lust, ihnen zu begegnen, und sie dienen schließlich nur dazu, ihm zu beweisen, daß ihm nichts teurer sei als seine Schmerzen, die es nicht vergißt.
Was mußte ich durch dich die Halbheit und Bitternis einer Beziehung kennen lernen, die nicht ewig dauert, und das ganze Verhängnis einer heftigen Liebe, wenn sie nicht gegenseitig ist? Welches blinde und boshafte Schicksal heftet sich an uns, um uns genau immer an die zu bringen, die nur für eine andere zu fühlen vermöchten? […]

Ist dir noch nie zum Bewußtsein gekommen, auf welche Weise du mich behandelt hast? Denkst du niemals daran, daß du gegen mich mehr Verpflichtungen hast als gegen sonst jemand auf der Welt? Ich habe dich geliebt wie eine Wahnsinnige. Wie hab ich nicht alles andere mit Füßen getreten. Dein Benehmen war nicht das eines Mannes von Ehre. Du mußt schon gegen mich eine natürliche Abneigung gehabt haben, daß du nicht aus Liebe zu mir vergangen bist. Und was mich so von dir einnehmen konnte, das waren recht mittelmäßige Dinge. Was hast du mir eigentlich zu Gefallen getan? Welches Opfer hast du mir gebracht? Warst du nicht hinter tausend andern Vergnügungen her? Das Spiel, die Jagd, hast du sie vielleicht aufgegeben? Bist du nicht der erste gewesen, der zum Heere abging, und bist du nicht später wiedergekommen als alle andern? Du hast dich unnötigerweise den tollsten Gefahren ausgesetzt, wie sehr ich dich auch gebeten hatte, mir zuliebe dich zurückzuhalten. Dein Ansehen in Portugal war nicht gering, trotzdem hast du keine Schritte getan, dich hier niederzulassen. Ein Brief deines Bruders genügte, du reistest, ohne nur einen Moment zu zögern. Und habe ich nicht zum Überfluß erfahren müssen, daß du auf der ganzen Reise bei bester Laune warst?
Wahrlich, ich gestehe, ich sehe keinen Ausweg, als dich tödlich zu hassen. Aber ich habe selbst alles getan, mir mein Elend zuzuziehen. Ich habe dich, viel zu offenherzig, von Anfang an an eine große Leidenschaft gewöhnt, man muß mehr Kunst anwenden, wenn man sich geliebt machen will; man muß geschickt die Mittel herausfinden, die zünden, mit Liebe allein macht man noch keine Liebe. Du wolltest, daß ich dich lieben sollte, das war dein Plan; und da er einmal gefaßt war, gab es nichts, wozu du nicht bereitgewesen wärst, um ihn durchzuführen. Du hättest dich am Ende sogar entschlossen, mich zu lieben, wenn das nötig gewesen wäre; aber du merktest bald, daß du bei deinem Unternehmen ohne Liebe zum Ziel kommen würdest, daß du sie gar nicht brauchtest. Welche Niederträchtigkeit! Glaubst du, es ist so einfach, mich ungestraft zu betrügen? Wenn es sich je fügt, daß du dieses Land noch einmal betrittst, du darfst gewiß sein, daß ich dich der Rache meiner Familie ausliefere.
Ich hab lange in einer Vergessenheit gelebt, in einer Götzendienerei, die mich erschauern macht, wenn ich daran denke. Meine Gewissensbisse verfolgen mich mit einer unerträglichen Härte. Ich fühle lebhaft das Schändliche der Verbrechen, die du mich hast begehen lassen, und meine Leidenschaft ist leider fort, die mich verhinderte, sie in ihrer ganzen Ungeheuerlichkeit zu sehen. Wann wird mein Herz zu Ruhe kommen? Wann werde ich einmal diese Pein los sein? Trotz alledem wünsche ich dir, glaube ich, nichts Böses, und ich würde mich schließlich ohne Widerspruch hineinfinden, daß du glücklich wirst. Aber wie in aller Welt könntest du’s sein, wenn du ein Herz hast?
Ich werde dir noch einen Brief schreiben, um dir zu zeigen, daß ich vielleicht in einiger Zeit ruhiger bin. Es wird mir ein Genuß sein, dir deine Ruchlosigkeiten vorzuhalten, sobald sie mich nicht mehr so lebhaft berühren; und wenn ich erst soweit bin, dir mitzuteilen, daß ich dich verachte, daß ich imstande bin, mit großer Gleichgültigkeit davon zu sprechen, wie du mich hintergangen hast, daß alle meine Schmerzen vergessen sind und daß ich mich deiner nur erinnere, wenns mir grade einmal einfällt!
Zugeben muß ich immer noch, daß du große Überlegenheit über mich besaßest und daß du mich mit einer Leidenschaft erfüllt hast, über der ich den Verstand verlor; aber du darfst dir nicht viel darauf einbilden. Ich war jung, leichtgläubig, seit meiner Kindheit eingeschlossen in diesem Kloster. Alle Menschen, die ich sah, waren nicht sehr einnehmend. So schöne Dinge, wie du sie mir beständig sagtest, hatte ich nie gehört. Es kam mir vor, als verdankte ich dir die Vorzüge und die Schönheit, die du an mir entdecktest und mir zum Bewußtsein brachtest. Man sprach gut von dir. Alle Welt war auf deiner Seite. Du tatest alles, wessen es bedurfte, Liebe in mir aufzuregen: aber ich habe endlich diese Verzauberung abgeschüttelt; du hast mich redlich dabei unterstützt, und ich verberge dir nicht, ich hatte solchen Beistand außerordentlich nötig.
Deine Briefe gehen an dich zurück, nur die beiden letzten will ich sorgfältig aufbewahren und von Zeit zu Zeit lesen, noch öfter womöglich, als ich die ersten gelesen habe: das wird mich vor allem Schwachwerden schützen. Sie sind mir teuer zu stehen gekommen, diese Briefe. Nichts als dich weiterlieben dürfen, und ich wäre glücklich gewesen. Ich sehe, ich beschäftige mich noch viel zuviel mit meinen Vorwürfen und mit deiner Untreue; doch, du weißt, ich habe mir versprochen, einen ruhigeren Zustand zu erreichen, und ich werde es durchsetzen, oder ich muß irgendein äußerstes Mittel wider mich gebrauchen, das dir nicht sehr nahegehen wird, wenn du davon erfährst … Aber ich will nichts mehr von dir. Ich bin eine Närrin, daß ich immer wieder dasselbe sage. Dich aufgeben, nicht mehr an dich denken, das ist alles, was not tut. Ich glaube sogar, ich werde nicht mehr schreiben. Bin ich am Ende verpflichtet, dir genaue Rechenschaft abzulegen über alle meine verschiedenen Gefühle? …

Das Finale der litaffin-WM 2010 – USA gegen Portugal

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Gruppe F | Land 4

Neuseeland

Neonlichter

Manchmal sähe ich meinen Namen gern in Neonlicht gebrannt
Purpur und blau, durch die Nacht aus Samt
So viel zum Rampenlicht –
Günstiges elektrisches Lampenlicht –
Nur damit du, der in der geputzten Menge vorbeizieht,
vielleicht sagst „Ich kenne sie gut“, vielleicht etwas stolz bist.

Manchmal wär ich lieber traumgleiche Zärtlichkeit
Hauch schweigsamen Blütenblattes in deiner Einsamkeit.

Das Finale der litaffin-WM 2010 – USA gegen Portugal

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