48 Stunden Neukölln: Der LUXUSlyrikdampfer

Das Kunst- und Kulturfestival 48 STUNDEN NEUKÖLLN bot dieses Wochenende unter anderem die Gelegenheit, Lyrik auf dem Wasser zu erleben. Die Redaktion von “lauter niemand”, Berliner Zeitschrift für Lyrik und Prosa, lud 25 Dichter ein, auf der Spreeprinzessin zu lesen. Litaffin war um 16:00 Uhr an der Anlegestelle Wildenbruchbrücke, als sich das chilenische Literaturkollektiv Los Casagrande und das Berliner Projekt Los Superdemokraticos (LSD) zusammenschlossen und eine Stunde lang Lyrik auf Spanisch und Deutsch lasen.

Los Casagrande steht für “Intervention im öffentlichen Raum” – ein Ziel, das die Gruppe durch “Poetry Bombings” oder “Regen der Gedichte” realisiert.  Die Poeten Julio Carrasco, Cristobal Biamchi und Joaquin Prieto vertraten das Kollektiv. Sabine Scho, Rery Maldonado und Nikola Richter repräsentierten die LSD. Des Weiteren begleitete die stimmungsvolle Musik des Engländers Lee Thomas die Bootstour, was die internationale Atmosphäre zusätzlich betonte. 

Die Lesung fing mit Julio Carrasco an, dessen Texte das Publikum auf Lyrik einstimmten. Danach folgte Sabine Scho, die seit fünf Jahren in Sao Paulo lebt und deren Gedichte genau zur städtischen Kulisse passten. Leider wurde die Lesung wegen des Regens kurz unterbrochen, weil alle Besucher ins Trockene, in den unteren Raum des Bootes, flohen. Als die Lesung wieder einsetzte, suchten noch viele nach Sitzplätzen, was das Zuhören erschwerte.

Trotz der Unterbrechung gewann die Lesung schnell wieder an Tempo. Es wurden Texte präsentiert, die teilweise kollektiv geschrieben wurden und die Zusammenarbeit der zwei Gruppen aufzeigten. Die “totale Befreiung der Menschheit” wurde ausgerufen, das begeisterte Publikum stieg schließlich sogar in den Ruf “Bildersubjekte!” ein.

Das Lesungskonzept war tatsächlich sehr innovativ – keine Wasserglas-Lesung. Hier wurde die Gelegenheit ergriffen, dynamische Lyrik erleben zu lassen, unabhängig von  der eigenen Herkunft – und die Veranstaltung war sogar umsonst. Die Energie, die durch die Kooperation zwischen Los Casagrande und Los Superdemokraticos erzeugt wurde, hat die Lesung noch schöner gemacht, da man sehen konnte, wie wertvoll und wichtig interkulturelle Zusammenarbeit für Kunst und Kultur ist.

Die Reaktionen des Publikums waren weitgehend positiv: “Ein sehr schönes Konzept, man konnte sich schön entspannen.”, meinte eine Kommilitonin. Aber perfekt gelaufen ist die Lesung nicht für jeden: Jörg Sundermeier, Verleger des Verbrecher Verlags, merkte an, dass es “ein bisschen schade ist, dass [die Lesung] ins Wasser gefallen ist und dass einige Leute da waren, um nicht zuzuhören”.

Webseiten

Los Superdemokraticos: http://superdemokraticos.com

Los Casagrande: www.loscasagrande.org (auf der Webseite findet man auch schöne Videos von den Poetry Bombings in Berlin, Warschau, Guernica, und Dubrovnik)

Foto © Caitlin Hahn

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2 Antworten

  1. Tolles Konzept, bloß leider ungeeignet für Zuspätkommer wie mich. Hätte man die akademische Viertelstunde eingehalten, hätte ich es noch geschafft… ,-)

  2. Wie ärgerlich -- aber wir sind einfach sitzen geblieben und haben auch die nächste Fahrt noch mitgemacht. Allerdings hat da nicht nur die Unaufmerksamkeit des Publikums und der Regen das Zuhören erschwert, sondern auch noch ein Wackelkontakt am Mikro. Also geniale Idee, aber die Realisierung muss noch etwas optimiert werden!