Lektüre der Longlist – Ein (gescheiterter) Selbstversuch Teil VII

Lektüre der Longlist – Ein (gescheiterter) Selbstversuch Teil VII

Die Welt ist auch diesmal nicht untergegangen. Eigentlich schon fast schade, wäre irgendwie mal was Aufregendes gewesen, aber nein es ist noch nicht „Aller Tage Abend“ und so geht auch die Lektüre der Longlist weiter, aber zumindest bleibt die Hoffnung, dass auch diese Liste irgendwann einmal abgearbeitet sein wird, vermutlich sogar bevor die Welt wirklich untergeht, so in ein paar millionen Jahren… » weiter…

Neues Erzählen I: »TwinKomplex«

Neues Erzählen I: »TwinKomplex«

 

 

 

 

 

Welche Sprache sprechen Sie? Mozartkugeln oder Handgranate?
Dies ist nur eine der irrsinnigen Fragen, mit denen der User in dem Internetspiel TwinKomplex gleich zu Beginn konfrontiert wird. Du musst dich für die richtige Antwort entscheiden um den Psychotest zu Beginn des Spiels zu bestehen, um mitspielen zu können, um Agent zu werden. Ein irrwitziger Einstieg in ein komplexes Spiel das versucht, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwinden zu lassen. Der kreative Kopf von TwinKomplex ist der Medienautor, Spieleentwickler, Philosoph und Kulturwissenschaftler Martin Burckhardt. Im Jahr 2010 hat er hat die Firma Ludic Philosophy gegründet um etwas zu kreieren, das anders, größer, besser, zeitlich unbegrenzt, vor allem aber sozialer ist als alles im Netz zuvor Dagewesene – TwinKomplex.

Der Agentenalltag
Nachdem man den Psychotest also bestanden hat, wird man zum Agent der DIA, eines Geheimdienstes, der den Spieler mit immer neuen Missionen versorgt. In der ersten Mission muss man an Hand von Indizien eine verschwunden Frau finden. TwinKomplex funktioniert geo-basiert und Googlemaps ist die „Spielt“-Welt, in der man sich bewegt. Die Missionen ähneln einer Art virtueller Schnitzeljagd durch Berlin und dann, via Googlemaps, auch rund um den Globus. Außerdem gibt es Funktionen wie ein Labor, in dem die Indizien mit Hilfe von diversen Tests – zum Beispiel Gewebetests, DNA-Tests, Fingerabdrücke, etc. – untersucht werden können. Außerdem kann man sich über Nachrichten mit seinen drei Mitagenten austauschen, denn darum geht es ja, als Team gemeinsam an einer Mission zu arbeiten. Mein TwinKomplex-Selbstversuch war äußerst aufschlussreich, denn ich habe gemerkt wie sehr mich diese Idee fasziniert, ich mir einen reibungslosen Ablauf der Spielsteuerung wünsche und wie sehr das Ganze dann doch noch an der Umsetzung haperte.

»TwinKomplex – not a book, not a film, not a game!«
So, aber was ist TwinKomplex nun eigentlich? Ein Buch, ein Film, ein Spiel? Alles? Nichts? Auf jeden Fall ist es ein ständiges Ineinanderfließen von Realität und Virtualität. Die Mission wird immer wieder durch Videoclips unterbrochen oder angetrieben, Nachrichten helfen die nächsten Indizien zu finden, die Kommunikation mit den anderen Agenten soll das Spiel vorantreiben. Burckhard selbst sagt in einem Interview mit dem »berliner«, dass TwinKomplex im besten Sinne eine Erzählhaltung sei. „Die Erzähltechniken“, so Burckhardt, „orientieren sich am Bestehenden. Historische Fakten und Dokumente sind in narrativen Strukturen verwoben.“

„Was wenn du ein Zwilling bist in einer Zwillingsstadt.“

Fazit
Angelegt ist TwinKomplex auf über ein Jahr, allerdings habe ich es nicht länger als ein paar Tage in der virtuellen Welt ausgehalten. Im Spiel wimmelt es leider noch von technischen Fehlern, es lädt unendlich langsam, was einem den Spaß komplett verderben kann. Das Ziel des Spiels ist die Interaktion der Mitspieler mit einander, doof nur, wenn diese seit Monaten nicht mehr online gespielt haben. Die Idee ist meines Erachtens brillant, die Umsetzung mittel bis mäßig – aber vielleicht wird das ja noch was.

Achja, als ich in der Spiel-Datenbank um Hilfe bat, gab mir der Computer folgende Antwort:

„Meiner Fachmeinung nach kommen wir leider um eine Amputation nicht herum, Agent XXX. Aber Sie können natürlich gerne eine zweite Meinung einholen!“

Amputation?! Nicht mit mir, selbst wenn sie nur virtuell ist.

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