Constantin Lieb

The-book-of-Zinik1-202x3001Ein Artikel von Constantin Lieb und Markus Streichardt

Obwohl 120 Anmeldungen vorlagen, blieb der zu erwartende Studenten-Ansturm aus. Ein Glück für diejenigen, die sich dennoch entschlossen, am Seminar „Tentative Experiment to Form a Literary Collective“ teilzunehmen. Es kommt schließlich nicht alle Tage vor, dass zwei solch hochkarätige Schriftsteller wie Daniel Kehlmann und Adam Thirlwell als Gastdozenten auftreten.

Wie angekündigt ging es darum, verschiedene Konzepte und Produktionen künstlerischer Kollektive zu analysieren und für das literarische Feld fruchtbar zu machen. Kehlmann und Thirlwell selbst waren bei ihrem eigenen Versuch eines solchen gescheitert. Ein naheliegender Grund war, dass beide jeweils nur in ihrer Muttersprache (Deutsch respektive Englisch) schreiben konnten. Anstatt gemeinsam an einem Text zu arbeiten, berichteten sie, schrieben sie parallel, wobei ein jeder dem anderen lediglich das Thema vorgab. Gewonnen wurde dadurch nichts und insgesamt erinnerte dieses Experiment stark an eine Übung für Kreatives Schreiben. (weiterlesen …)

Constantin Lieb

4 -SeminarKehlmannThirlwell1-300x264Im Rahmen der Samuel Fischer-Gastprofessur für Literatur werden in diesem Sommersemester Daniel Kehlmann und Adam Thirlwell den Berliner Studenten die Möglichkeit geben, in einem experimentellen Umfeld ihr Literaturverständnis gemeinsam neu zu ordnen.

Nicht immer muss man lange im Vorlesungsverzeichnis suchen, um Perlen wie diese ausfindig zu machen. Manchmal genügt es, lediglich die Namen der Dozenten zu überfliegen und der Blick gerät ins Stocken. Zwei der wohl meist besprochenen Gegenwartsautoren veranstalten in den kommenden Wochen  an der FU Berlin ein Seminar, in dem sie nichts weniger im Sinn zu haben scheinen, als der fortschreitenden Vereinsamung und Selbstgenügsamkeit des Kulturbetriebs entgegenzutreten. (weiterlesen …)

Constantin Lieb

Bild-ORZ-298x300Die interessantesten Momente beginnen oft mit einem Geständnis. Hier kommt meins:
Es sollte eigentlich um den Konzertpianisten a.D. und Schriftsteller Alfred Brendel gehen, um die Verbindung zweier Kunstformen in einer Person und um den Begriff des „Musikschriftstellers“, der ihm vom Feuilleton gerne aufgetragen wird und gegen den er sich mindestens genauso gerne wehrt, wie gegen Hustenanfälle in Konzertsälen.

Ich hatte bereits alles vorbereitet. Mein aktueller Bezug sollte Brendels Lyrik-Lesung in der Berliner Philharmonie sein, von der ich etwas enttäuscht war. Zudem besorgte ich mir das im Hanser Verlag erschienene Buch Nach dem Schlussakkord. Die Enttäuschung über die Lesung wollte ich mit dadaistischen Verweisen verknüpfen, da sich Alfred Brendel als Lyriker selbst in diese Tradition einreiht. Aber wie es nun einmal so ist mit Situationen, in denen Geständnisse auftauchen, kam es auch hier anders, als zunächst vermutet. (weiterlesen …)

Constantin Lieb

Ulrich-Peltzer-PoetikvorlesungDas Sprechen über Literatur ist dann faszinierend, wenn es intensiv und weitsichtig geschieht, wie zu Beginn des Jahres an vier aufeinander folgenden Dienstagen in Frankfurt. Im Rahmen der dortigen Poetikdozentur skizzierte der Schriftsteller Ulrich Peltzer unter dem Titel Angefangen wird mittendrin ein Literaturverständnis, das Literatur als Teil einer Liaison mit der Gegenwart niemals zu einem Ende kommen lässt. Dankbarerweise für alle, die nicht anwesend sein konnten, ist nun im S. Fischer Verlag unter gleichem Titel Peltzers Poetiktext erschienen.

Seit Ingeborg Bachmann mit ihrer Vorlesung Probleme zeitgenössischer Dichtung 1959/ 1960 in Frankfurt den Anfang machte, kamen über die Jahre in mehreren Städten eine Vielzahl von Vorlesungen hinzu, die (wenn man es so will) auch als eine Art Kanonisierung verstanden werden können. Peltzer steht 2011 am Ende eines Jahrzehnts, das in gewisser Hinsicht eine kleine Wende in dem Genre der Poetikvorlesung vollzog. (weiterlesen …)

Constantin Lieb

Another-Country-Berlin-225x300Nachdem in unserer Vorstellungsreihe die Krimibuchhandlung „Hammett“ an der Marheineke Markthalle den Anfang gemacht hat, gehen wir nun einige Straßen weiter in die Riemannstraße. Hier pflegt das englischsprachige Antiquariat „Another Country“ Gelassenheit und literarischen Kulturaustausch.

Thomas Pynchon würde diesen Ort lieben, denke ich und stolpere in den Laden. Die Treppenstufen zum Eingang hinauf sind glatt. Vielleicht war ich aber auch nur zu befangen von dem Sog der Buchhandlung. Ich betrete den Eingangsraum mit seinem gefliesten Boden und den vollgestellten Holzregalen und weiß, dass es hier um gelebte Literatur geht, nicht um das Verkaufen von Büchern.

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