Florian Ringwald

Image-300x113Ab heute im Heimathafen auf der Karl-Marx-Straße: STORY!, die erste Neuköllner Literaturwoche. An sechs Thementagen (u. a. Heimat, Krimi, Love, Reise) wird Literatur aus und über Neukölln präsentiert: Romane, Storys, Lesebühnentexte, Comics, Liebesbriefe – und Lieder. Kurz vor dem Start sprach Litaffin mit Festivalkoordinator Florian Kröckel über die große literarische Konkurrenz in Berlin, die Besonderheiten von STORY! und das Problem der Gentrifizierung.

Litaffin: Berlin ist voll von Literaturveranstaltungen aller Art, vom großen, internationalen Festival bis zur Lesenacht auf der Oranienstraße. Eine Literaturwoche gibt es z. B. auch in Prenzlauer Berg, aber einen so starken Bezug zum Kiez wie bei STORY! habe ich bisher noch nirgends gesehen – was macht Neukölln zu einem so spannenden Ort für eine eigene Literaturwoche?

Kröckel: Grundsätzlich ist Neukölln ein spannender Ort für alles! Basis von STORY! sind die erfolgreichen Lesungen, die in Zusammenarbeit mit Hugendubel am Hermannplatz regelmäßig im Heimathafen stattfinden. Nach einer dieser Lesungen kam dann am Biertisch die Idee auf, eine Literaturwoche zu gestalten – here we go!

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Florian Ringwald

Lemke Gesichertes1-188x300

“Es war, als würde ich langsam durch die Tage sickern wie Regenwasser durch immer feiner werdende Schichten von Gestein, bis es gesäubert am Grund anlangt, bis es draußen endlich dunkel geworden war und ich mich wieder auf den Weg machen konnte.”

Hanna Lemke (29) erzählt in lakonischem Ton und fein komponierten Sätzen von Fastdreißigern, gefangen im Gespinst der Großstadt. Auf der Suche nach sich selbst scheitern sie immer wieder an den eigenen Erwartungen, und so ist nichts gesichert in ihren Leben – weder das Einkommen oder das Zuhause, noch die Liebe.

Nach ihrem Studium am Literaturinstitut in Leipzig, mehreren Stipendien (u. a. des LCB) und zahlreichen Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften erschien 2010 im Verlag Antje Kunstmann ihr Debüt “Gesichertes”, für das sie von der Presse als “Judith Hermann der neuen Generation” gefeiert wird.

Hanna Lemke liest am Dienstag, den 13. Juli 2010 im Ballhaus Ost (Pappelallee 15, 10437 Berlin). Die Lesung beginnt um 20.00 Uhr und kostet 3 € Eintritt.

Organisiert und moderiert wird der Abend von Studierenden unseres Studiengangs – als (hoffentlich) krönender Abschluss des Seminars Von Lesern und Vorlesern von Katharina Narbutovič (Leiterin des Berliner Künstlerprogramms).

Wir freuen uns über viele Besucher!
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Florian Ringwald

Heute ist es soweit: die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika beginnt. In den kommenden vier Wochen kommen 32 Länder aus allen Winkeln der Erde in den Stadien zusammen, um mit- und gegeneinander zu spielen. Mit einem Ball. Bis am Ende einer gewinnt und einen goldenen Pokal bekommt.

Dass man für eine spannende WM aber weder einen Fußball noch einen Pokal braucht, beweisen wir mit unserer LITAFFIN-WM 2010, die natürlich pünktlich zum ersten Anpfiff in Johannesburg hier auf dem Blog startet.

Wir stellen 32 Texte aus allen bei der Fußball-WM vertretenen Ländern hier online. Keine Sorge, wer mitmachen möchte, muss nicht hunderte Seiten lesen: die Auswahl reicht vom kurzen Gedicht bis zum Romanauszug, überschreitet aber nicht die Länge von drei Seiten. Und denn seid ihr gefragt: über Abstimmungen bei Doodle entscheidet ihr, welche Texte weiterkommen – und wer am Ende zum Litaffin-Weltmeister 2010 gekürt wird!

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Florian Ringwald

Dämmerung senkte sich auf das fruchtbare Tal. Die grauen, hohen Baracken in Culuco glichen denen der an­deren Campos. Von weitem wirkten sie beinahe schön, bei näherer Betrachtung jedoch waren sie eng und schmutzig. Zu ebener Erde lagen die Schuppen und die Essräume, über deren wackligen Tischen Fliegen summten. Jede Ba­racke war in sechs Behausungen abgeteilt, die ein Korridor an der Vorderseite miteinander verband. Eine eiserne Stiege führte zum Eingang hinauf. An der Hinterfront be­fand sich vor jedem Raum eine schmale Holztreppe. In den kleinen, niedrigen und verräucherten Küchen stank es nach Fett, Esswaren und Schweiß.

Maximo Luján und der ehemalige Bauer Martin Samayoa kamen völlig erschöpft in Culuco an. Ihre Gesichter waren von der stechenden Sonne gerötet, die Füße schmerzten von den Strapazen des Weges, die Augen glühten wie im Fieber, und ihre Kehlen waren ausgedörrt.

Der Giftarbeiter Luján wohnte in der dritten Baracke, im zweiten Raum links. Er nahm Samayoa mit hinein. Martin blickte sich um und sah zwei Feldbetten, drei Hängematten und ein paar Holzkisten, die als Stühle dien­ten. An den Wänden hingen mehrere Messingkanister, einige Koffer, verschiedene Buschmesser, ein paar abge­nutzte Spaten, sowie schmutzige, vom Saft der Bananen­stauden und vom Grau des Giftes bespritzte Männersachen und Frauenkleider.

Auf dem Fußboden lagen Zeitungen, Zeitschriften, Fla­schen, Kleidungsstücke, Blechdosen, Bindfaden und Lum­pen bunt durcheinander. Wie alle anderen Räume war auch dieser viel zu eng, genügte lediglich einer Person, aber es wohnten sieben Menschen darin. Besser gesagt, sie schliefen dort, denn sie kamen ja nur des Nachts in diesem Loch zusammen, nachdem sie von Sonnenaufgang bis Son­nenuntergang auf den Fincas geschuftet hatten.

„Das hier ist meine Hängematte“, sagte Maximo Luján zu seinem Gefährten. „Leg dich hinein und ruh dich ans. Wenn der Aufseher Benitez von der Arbeit kommt, werde ich mit ihm reden. Er ist ein gewalttätiger Hitzkopf, sehr schwierig zu nehmen, aber mit mir hält er Frieden. Ich arbeite oft für ihn als Sekretär.“

„Dann kann er wohl nicht einmal seinen Namen schrei­ben?“

„So ist es in etwa.“

„Und weshalb ist er Aufseher?“

„Man sieht, dass du vom Leben in den Campos nicht viel Ahnung hast. Aber du wirst bald Gelegenheit haben, es kennenzulernen. Aufseher kann man auf verschiedene Weise werden. Der schnellste und sicherste Weg ist die Empfehlung eines guten Freundes, der in der Politik etwas zu sagen hat. Ansonsten muss man großes Glück haben oder den Gringos die Stiefel lecken. In den Campos ist alles vertre­ten. Du findest viele aufrechte, charakterfeste Peones, die den großen und kleinen Chefs als Vorbilder dienen könn­ten, du findest aber auch widerwärtige und verabscheuungswürdige Typen. Auch bei den Aufsehern gibt es einige vernünftige Kerle, die uns Peones noch als Menschen an­sehen, es sind aber nur wenige, mein Freund. Die meisten von ihnen spielen sich schlimmer auf als die ausländischen Chefs.“

„Und wie steht’s mit diesem Benitez?“

„Den wirst du schon noch kennenlernen.“

Plötzlich erschütterten Schritte die Dielen der Baracke. An der Tür erschien ein junger braungebrannter Indio von gedrungener Gestalt und mit kräftigen Muskeln. Luján wandte sich an ihn:

„Warum arbeitest du heute nicht, Amadeo?“

„Ich habe frei bekommen, weil der Schlauch meiner Spritze geplatzt ist.“

Während Amadeo zu Samayoa hinübergrüßte, nahm er den Gürtel mit dem Revolver ab und legte ihn unter das Kissen eines der Feldbetten.

„Hast du heute wieder Fieber gehabt?“

„Heute nicht. Im Ambulatorium haben sie mir Chinin ge­geben. Mir summen die Ohren, aber ich vermute, das Sumpffieber wird etwas eingedämmt.“

Das Pfeifen einer Lokomotive durchschnitt die unbe­wegliche Stille des Nachmittags. Der Zug rollte näher, und durch die geöffnete Tür sahen die drei Männer die Ma­schine wie ein lärmendes schwarzes Ungeheuer vorbeifah­ren. In der Luft blieb eine dichte Rauchfahne hängen, die der leise Wind in phantasievolle Figuren zerriss, die sich dann allmählich im durchsichtigen Blau des Firmaments auflösten.

Die starke Hitze war verflogen und Windstöße, warm wie Frauenlippen, trugen den Duft der Früchte von den Plantagen herüber. Das Klopfen eines Pumpenmotors ver­mischte sich mit dem heiseren Bellen eines Traktors, der eine Ladung Stangen von der Bahn in die Pflanzung schleppte und dabei dichte Staubwolken aufwirbelte.

Die Landschaft, die sich wie ein grünes Tuch ausbreitete und von endlosen Pfaden durchzogen wurde, geriet in Be­wegung und verlor die Ruhe der glühenden Tagesstunden. Es war, als verliehe ihr eine unsichtbare Hand Leben und Kraft. Langsam, in gleichmäßigen Schritten, kam der Abend mit seinen Windfächern und veränderte das Himmelsant­litz, dessen Azurblau einzelne, wie Alabasterblöcke wir­kende Wolkenfelder bedeckte. Ein goldener Feuerschein brach sich an den fernen Gipfeln der Gebirge von Sulaco und Nombre de Dios, die sich im Süden und im Norden parallel zu dem blühenden Aguán-Tal erstreckten. Übermütig kreischende Vogelschwärme schossen über die Pflan­zungen, um den Eichkätzchen die reifen, in goldenen Trau­ben wachsenden Bananen streitig zu machen.

Das Motorengeräusch einer Giftpumpe brach ab wie das Stöhnen eines müden Ochsen, tiefes Schweigen lag über den Pflanzungen. Bald begann nun das Leben und Treiben in den Baracken. Die Frauen regten sich unermüdlich in den Küchen, und mit apathisch eintönigen Schritten ström­ten die Arbeiter auf den Wegen und Pfaden nach Culuco. Es waren Stangensetzer, Bewässerungsarbeiter, Unkraut­hacker, Giftspritzer, Bahnarbeiter. Alle sahen müde und erschöpft aus, ihre schmutzigen Kleider waren verschwitzt, ihre Gesichter und Arme von der Sonne verbrannt. Diese Menschen stammten aus den verschiedensten Gegenden des Landes. Es waren Weiße, Indios, Mestizen und Schwarze; Salpeterarbeiter vom Golf von Fonseca, Tabakarbeiter aus Copán, Hirten aus den Ebenen von Olancho, Farbige und Zambos aus Colón und von der Moskitoküste; Talbewoh­ner, Gebirgler, Küstenleute, Städter; Soldaten, ehemalige Kaufleute, Arbeiter und Landstreicher; Analphabeten und Intellektuelle. Mitgerissen vom Strudel, waren sie allein oder mit ihren Familien gekommen, der Zufall hatte sie hier unter dem sternenlosen Himmel der Hoffnungslosig­keit zusammengeführt, damit sie die Kraft ihres Körpers und ihres Lebens für wenige Münzen verkauften und sich ohne Atempause in fortwährendem Kampf das harte, schwarze Brot verdienten, das ihnen die Bananengesell­schaft bot.

Wie eine Flutwelle näherte sich das Stimmengewirr dem Campo. Rufe, Gelächter und Flüche ertönten, getragene, sehnsüchtige Melodien, wehmütig wie die Seele des Indios, klangen auf, im Campo erwachte das Leben.

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Florian Ringwald

In seiner »Weltgeographie« machte Reclus bei der Behand­lung Brasiliens darauf aufmerksam, wie notwendig es sei, die aus dem Tupi stammenden Ortsnamen in unserem Land zu erhalten. Sie haben, so der große Geograph, den Vorteil, dass fast alle von ihnen eine äußerst klare, unzweideutige Bedeutung haben. Diese Namen weisen nämlich auf Natur­erscheinungen hin: Sie bezeichnen die Farbe der Flussläufe, die Höhe, die Form oder das Aussehen der Felsen, die Vegetation oder die Trockenheit eines Gebietes.

In Rio de Janeiro gibt es in der Tat Tupinamen, die mit so viel Beredsamkeit den Charakter und die Reize der Ge­genden ausdrücken, dass wir, wenn wir ihre Bedeutung erfah­ren, geradezu verblüfft sind über die poetische Kraft und das hohe Maß an Gefühlsstärke, die die primitiven Kanni­balen dieses Gebietes angesichts der so schönen und einma­ligen Natur um die Stadt herum an den Tag legten. Das zeigen schon die Namen der Bucht. Wie gut drückt doch der Name Guanabara – Busen des Meeres – eine Verfüh­rungskraft, Zurückhaltung und einen Zauber aus? Und wenn das Meer hier einen Busen bildete, so deshalb, um in ihm sein Wasser zu verbergen: Niterói – das verborgene Wasser.

Diese Tupinamen sind die äl­testen Dokumente der Menschen, die hier lebten und starben, und doch verhältnismäßig jung. Die Stadt Rio de Janeiro wurde auf dem ältesten Boden der Erde errichtet, aber bis heute finden sich keinerlei Spuren eines prähistorischen Lebens, keine direkten oder indirekten Spuren einer vergangenen Existenz.

Es scheint das Schicksal dieser Gebiete zu sein, dass sie keine Eindrücke bewahren durften von den aufeinanderfol­genden Generationen, auch wenn sie deren Kommen und Gehen miterlebten. Selbst die indianischen Namen ver­schwinden allmählich, und jedermann weiß, dass ein Trupp Arbeiter, der bei irgendwelchen Ausschachtungsarbeiten eine indianische Urne findet, sich gleich daran macht, sie zu öff­nen und dann zu zerschlagen, als wäre es etwas Teuflisches, als wäre es etwas Unwürdiges für uns Menschen von heute. Das einfache Totengefäß der Tamoyos wird erbarmungslos ge­opfert.

Die Erzeugnisse der Indios und alle ihre Bauwerke waren zerbrechlich; zerbrechlich sind auch unsere Bauten von heute. Die ältesten Monumente von Rio sind nämlich nur anderthalb Jahrhunderte alt, obwohl die Stadt bald auf eine vierhundertjährige Tradition zurückblicken kann.

Unser ehrwürdiger Granit, der so alt ist wie die Erde und auf dem die Stadt ruht, will absolut nur das Zerbrechliche, das Kurzlebige. Noch heute beherrscht dieser Geist die Bauweise un­serer öffentlichen und privaten Gebäude, die jeden Augen­blick zu bersten und einzustürzen drohen. Es ist so, als wollte die Erde nicht, dass andere Schöpfungen oder Lebe­wesen auf ihr bestehen bleiben als die Wälder, die sie hervor­bringt, und die Tiere, die sie bewohnen. Dennoch lässt die Erde sie entstehen, und für einen Augenblick trägt sie Geschöpfe, die dann wieder verschwinden müssen, ohne eine Spur zu hinterlassen. Welch seltsame Laune!

Sie will ein Ort der Sammlung und der Ruhe für den Strudel sein, der die Schöpfung zu einer ständigen Verände­rung der Lebewesen mitreißt. Nur das will sie sein, und sie bleibt fest und unerschütterlich, indem sie Leben schafft und in sich aufnimmt. Doch geschieht es so, dass die Nach­folgenden nicht wissen können, wer ihnen vorangegangen ist.

Wie viele Formen des Lebens hat dieses Land schon ge­sehen, seitdem seine Felsen entstanden sind? Zahllose, Tau­sende. Doch von keiner wollte es eine Erinnerung, eine Re­liquie zurückbehalten. Das Leben sollte nicht glauben, es könne mit der Ewigkeit dieses Landes rivalisieren.

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Florian Ringwald

Neuseeland

Neonlichter

Manchmal sähe ich meinen Namen gern in Neonlicht gebrannt
Purpur und blau, durch die Nacht aus Samt
So viel zum Rampenlicht -
Günstiges elektrisches Lampenlicht -
Nur damit du, der in der geputzten Menge vorbeizieht,
vielleicht sagst „Ich kenne sie gut“, vielleicht etwas stolz bist.

Manchmal wär ich lieber traumgleiche Zärtlichkeit
Hauch schweigsamen Blütenblattes in deiner Einsamkeit.

Das Finale der litaffin-WM 2010 – USA gegen Portugal

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Florian Ringwald

Einst lebte ein König, welcher eine Tochter hatte, die sehr grausam war. Schon in ihrer Jugend war sie sehr blutdürstig. So schnitt sie z. B. den Vögeln, die sie gefangen hatte, die Zunge oder die Füße ab und ließ sie dann fliegen; oder sie brannte ihnen die Augen aus. Wo sie einem Tier etwas zuleide tun konnte, tat sie es. Als sie älter wurde, vergrößerte sich auch ihre Grausamkeit, und sie wagte es, diese auch an Menschen auszuüben.

Sie ließ alle Bettler durch ihre Hunde aus dem Schloß hetzen, und je mehr sie von den Hunden zerbissen wurden, desto mehr Freude hatte sie. Als nun ihr Vater gestorben war, kam ein Rittersohn, um ihre Hand anzuhalten. Sie nahm diesen Antrag an, und der Trauungstag wurde festgesetzt.

Als dieser gekommen war, schickte sie den Ritter in einen andern Teil des Schlosses, daß er das Brautgeschmeide hole. Um in das bezeichnete Zimmer zu gelangen, mußte er über einen hölzernen Gang gehen, welcher so eingerichtet war, daß, wenn sie an einer Schnur anzog, derjenige, welcher darübergehen wollte, samt den Brettern in einen tiefen Brunnen fiel und darin noch das teuflische Lachen dieses grausamen Weibes hören mußte.

So waren schon neun Jünglinge zugrunde gegangen, als endlich einer kam, welcher all dies schon vorhergesehen hatte, da er ein Schwarzkünstler war. Sie hatte ihm schon ihre Hand zugesichert, und als sie ihn in jenes Zimmer schicken wollte, weigerte er sich und sagte, sie solle das Geschmeide selbst holen.

Sie redete ihm jedoch mit den freundlichsten Worten zu, er möge ihr doch diesen Gefallen tun. Allein zornig erwiderte er: „Glaubst du, ich sollte der zehnte sein, der in dem Brunnen sein Grab findet? Diesmal wird es dir nicht gelingen, denn die Zeit der Vergeltung ist gekommen.“

Über diese Rede erzürnt, befahl sie ihren Knechten, ihn zu binden und in den Brunnen zu werfen. Er ließ sich auch willig binden und in den Brunnen werfen, blieb aber auf dem Wasser und lächelte der Fürstin zu, welche in ihrer Wut Hand und Reich demjenigen zusagte, der ihren Feind töten würde. Da nahmen die Knechte ihre Armbrüste, und es zischten neun Pfeile nach dem Ritter. Die Pfeile aber verwandelten sich während des Fluges in Vögel, welche zwitschernd das Haupt des Ritters umkreisten.

„Wärst du nur hier, ich wollte dich schon töten“, sagte sie. Er aber erhob sich samt den Vögeln aus dem Brunnen, und ehe sich alle recht besinnen konnten, war er im nächsten Wald verschwunden.

Dort schrieb er neun Briefe, worin er den Tod der neun Jünglinge schilderte, band jedem Vogel einen solchen Brief an den Hals und ließ sie durch Land und Städte fliegen.

Überall ließen sie ihre Briefe lesen und kehrten endlich zur Königstochter selbst zurück und übergaben ihr die Briefe.

Diese zerriß dieselben, rang aber unaufhörlich die Hände und jammerte fortwährend, da ihr Verbrechen nun an den Tag gekommen war. Sie legte auch ihren Schmuck ab, zog ein Trauergewand an und lebte in dem Wald, in dem sich der letzte Ritter samt den Vögeln niedergelassen hatte, als Einsiedlerin.

Die Vögel kamen täglich zu ihr und sangen die ganze Begebenheit, wie sie in den Briefen geschildert war, sie aber streute ihnen unter Tränen ihr Futter vor die Hütte und bereute tausendfach ihr Verbrechen. Als dieses nun gebüßt war, verwandelten sich die neun Vögel in Jünglinge, und diese verziehen der Königstochter ihr Verbrechen. Darauf verwandelten sich die neun Jünglinge in Engel und trugen die reuige Büßerin in den Himmel.

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Florian Ringwald

Ich stieg in die Gondel, die Brust von den verschiedensten Empfindungen bewegt:  ein gewisses Bedauern, die Bleidächer verlassen zu müssen, wo ich viel gelitten, wo ich aber doch manchen und mancher mich lieb gewonnen hatte – die Freude, nach so langer Einsperrung mich in der freien Luft zu befinden, den Himmel und die Stadt und die Wasser, ohne jene unseligen Vierecke der Gitter, zu sehen, die Erinnerung an die fröhliche Gondel, die mich in viel glücklicherer Zeit über dieselbe Lagune getragen, an die Gondeln des Comersees und des Lago Maggiore, an die Barken des Po, an die auf der Rhone und Saone! Ach, die lachenden Jahre, auf immer sind sie dahin! Und wer auf der Welt war so glücklich gewesen als ich?

Geboren von den liebevollsten Eltern, in jener Lage aufgewachsen, die nicht Armut ist und die dir, weil sie zwischen Arm und Reich in der Mitte gelegen ist, die rechte Kenntnis beider Zustände leichter macht – eine Lage, welche ich, das Gemüt des Menschen zu bilden, für am geeignetsten halte – so war ich nach einer Kindheit, die mir unter der milden Fürsorge meiner Eltern still und heiter verflossen, nach Lyon zu einem alten Onkel von mütterlicher Seite gekommen, zu einem Manne, der sehr reich, aber ebenso sehr seines Reichtums würdig war, und hier hatte alles, was ein der Anmut und Liebe bedürfendes Herz entzücken kann, die erste Glut meiner Jugendjahre ergötzt: von dort nach Italien zurückgekehrt, hatte ich im Hause meiner Eltern zu Mailand meine Studien fortgesetzt, der Gesellschaft und meinen Büchern mich gewidmet und hatte nur treffliche Freunde und schmeichelhaften Beifall gefunden. Monti und Foscolo, obwohl damals miteinander in Streit, hatten mir in gleicher Weise ihr Wohlwollen geschenkt. Lebhafter fühlte ich mich zu dem letzteren hingezogen, und der sonst so heftige Mann, der durch sein schroffes Wesen so viele von sich abstieß, war gegen mich die Zärtlichkeit und Herzlichkeit selbst gewesen, und ich verehrte ihn auf das innigste. Die übrigen Literaten von Ruf liebten mich ebenfalls, sowie ich sie wieder liebte. Nie traf mich ein Angriff des Neides oder der Mißgunst, oder wenn es geschah, so ging dies wenigstens nur von so verrufenen Leuten aus, die mir nicht schaden konnten. Beim Sturze des Königreichs Italien hatte mein Vater mit den übrigen Mitgliedern unserer Familie seinen Wohnort wieder nach Turin verlegt, nur ich hatte es aufgeschoben, mich mit so geliebten Personen wieder zu vereinigen, und war schließlich in Mailand geblieben, wo so viel Glück mich umgab, daß ich mich nicht entschließen konnte, es zu verlassen.

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Florian Ringwald

Vor einiger Zeit komme ich des Abends durch die Kalverstraat. Da fiel mir auf einmal ein Herr ins Auge, der in der Nähe vor einem Buchladen stand und mir bekannt vorkam. Er schien mich auch zu erkennen, denn unsere Blicke begegneten sich fortwährend. Ich muß bekennen, daß ich erst später sah, daß er ziemlich ärmlich in den Kleidern stak, sonst hätte ich die Sache laufen gelassen; aber mit einem Male schoß mir der Gedanke durch den Kopf, es könnte ein Reisender eines deutschen Hauses sein, das einen soliden Makler sucht. Er hatte wohl auch etwas von einem Deutschen an sich, und von einem Reisenden auch; er war sehr blond, hatte blaue Augen, und in Haltung und Kleidung etwas, was den Fremden verriet. Anstatt eines gehörigen Winterüberziehers hing ihm eine Art von Shawl über die Schulter, als ob er so von der Reise käme. Ich meinte einen Kunden zu sehen und gab ihm eine Geschäftskarte, Last & Co., Makler in Kaffee, Lauriergracht Nr. 37. Er hielt sie an die Gasflamme und sagte:

„Ich danke Ihnen, aber ich habe mich geirrt; ich dachte das Vergnügen zu haben, einen alten Schulkameraden vor mir zu sehen, indessen … Last, das ist der Name nicht …“

„Pardon“, sagte ich, denn ich bin stets höflich, „ich bin Mijnheer Droogstoppel, Batavus Droogstoppel. Last & Co. ist die Firma, Makler in Kaffee.“

„Gut, Droogstoppel, kennst du mich nicht mehr? Sieh mich einmal gut an.“

Je mehr ich ihn ansah, je mehr erinnerte ich mich, ihn öfter gesehen zu haben; aber merkwürdig, sein Gesicht hatte auf mich die Wirkung, als ob ich fremde Parfümerien röche. Lach nicht darüber, Leser, du sollst später sehen, wie das kam. Ich bin sicher, daß er keinen Tropfen Räucherwerk bei sich trug, und doch roch ich etwas Angenehmes, etwas Starkes, etwas, das mich erinnerte an … da hatte ich’s!

„Sind Sie es“, rief ich, „der mich von dem Griechen befreit hat?“

Ja, ja, er war es, der mich aus den Händen des Griechen gerettet hatte! Denkt nun nicht, daß ich jemals durch Seeräuber bin gefangen genommen worden, oder daß ich in der Levante Krieg geführt habe. Ich habe euch bereits gesagt, daß ich nach der Hochzeit mit meiner Frau nach dem Haag gefahren bin; da haben wir das Moritz-Haus gesehen und in der Veenestraat Flanell gekauft. Das ist der einzige Ausflug, den meine Geschäfte mir überhaupt gestattet haben, weil bei uns so viel zu thun ist. Nein, in Amsterdam selbst hatte er um meinetwillen einem Griechen die Nase blutig geschlagen, denn er gab sich immer mit Dingen ab, die ihn nichts angingen.

Es war im Jahre drei- oder vierundvierzig, glaube ich, und im September, es war Kirmes in Amsterdam. Da meine alten Leute vor hatten, aus mir einen Geistlichen zu machen, lernte ich Latein. Später habe ich mich öfter gefragt, warum man eigentlich Lateinisch verstehen muß, um auf Holländisch „Gott ist gut“ zu sagen. Genug ich war auf der Lateinschule – jetzt sagen sie Gymnasium – und da war Kirmes, – in Amsterdam, meine ich. Auf dem Westermarkt standen Buden, und wenn du ein Amsterdamer bist, Leser, und ungefähr von meinem Alter, so wirst du dich erinnern, daß eine darunter war, die sich auszeichnete durch die schwarzen Augen und die langen Flechten eines Mädchens, die als Griechin angezogen war; auch ihr Vater war ein Grieche, oder wenigstens sah er wie ein Grieche aus. Sie verkauften allerlei Räucherkram.

Ich war gerade alt genug, um das Mädchen hübsch zu finden, ohne indessen den Mut zu haben, sie anzusprechen. Das würde mir auch wenig genützt haben, denn Mädchen von achtzehn Jahren betrachten einen sechzehnjährigen Jungen noch als ein Kind, und darin haben sie ganz recht. Trotzdem kamen wir Quartaner jeden Abend auf den Westermarkt, um das Mädchen zu sehen.

Nun war er, der da jetzt vor mir stand mit seinem Shawl, eines Tages dabei, obschon er ein paar Jahre jünger war als wir anderen und darum noch ein bißchen zu kindisch, um nach der Griechin zu gucken. Aber er war der Erste in unserer Klasse – denn gescheit war er, das muß ich zugeben – und spielen, balgen und boxen mochte er gern; daher war er bei uns. Wie wir nun, wir waren im ganzen zehn Mann, hübsch weit von der Bude ab zusammenstanden und nach der Griechin schielten und beratschlagten, wie wir es anlegen sollten, um ihre Bekanntschaft zu machen, wurde also beschlossen, Geld zusammenzuthun, um irgend etwas zu kaufen. Aber nun war guter Rat teuer, wer die große Ehre haben sollte, das Mädchen anzureden. Jeder wollte, aber keiner getraute sich. Es wurde gelost, und das Los fiel auf mich. Nun bekenne ich, daß ich nicht gern Gefahren trotze; ich bin Familienvater, und halte jeden, der Gefahren sucht, für einen Narren, wie es auch in der Schrift steht. Es ist mir wirklich angenehm zu erklären, daß ich in meinen Ideen über Gefahr und dergleichen mir gleich geblieben bin, da ich jetzt noch darüber dieselbe Meinung hege, wie jenen Abend, als ich da vor der Bude des Griechen stand, mit den zwölf Stübern, die wir zusammengelegt hatten, in der Hand. Aber aus falscher Scham getraute ich mich nicht zu sagen, daß ich mich nicht getraute, und außerdem, ich mußte wohl vorwärts, denn meine Kameraden drängten mich, und da stand ich nun vor der Bude.

Das Mädchen sah ich nicht, ich sah überhaupt nichts, alles war mir grün und gelb vor den Augen … ich stammelte einen Aoristus Primus von ich weiß nicht welchem Zeitwort …

„Plaît-il?“ sagte sie. Ich faßte etwas Mut, und machte weiter:

„Meenin aeide thea,“ und „Ägypten wär’ ein Geschenk des Nils“ …

Ich bin überzeugt, daß ich mit dem Bekanntschaft machen schon noch vorwärts gekommen wäre, wenn nicht in diesem Augenblick einer meiner Kameraden aus kindischer Bosheit mir einen solchen Stoß in den Rücken gegeben hätte, daß ich recht unsanft gegen den Kasten flog, der in halber Manneshöhe die Vorderseite der Bude abschloß. Ich fühlte einen Griff in meinem Nacken … einen zweiten Griff etwas tiefer … ich schwebte einen Augenblick in der Luft … und ehe ich noch recht begriff, wie die Sachen standen, befand ich mich in der Bude des Griechen, der in verständlichem Französisch sagte, „ich wäre ein Gamin, ein Straßenlümmel, und er würde die Polizei rufen.“ Nun war ich zwar in der Nähe des Mädchens, aber gefallen konnte mir das nicht. Ich heulte und bat um Gnade, denn ich hatte schreckliche Angst. Aber es nutzte nichts; der Grieche hielt mich am Arm und schüttelte mich; ich sah mich nach meinen Kameraden um … wir hatten den Morgen gerade mit Scävola zu thun gehabt, der seine Hand ins Feuer steckte … und in ihren lateinischen Sätzen hatten sie das so schön gefunden … jawohl! Keiner war stehen geblieben, um für mich eine Hand ins Feuer zu stecken …

So dachte ich. Aber da flog mit einem Male mein Shawlmann durch die Hinterthür in die Bude; er war nicht groß oder stark, und kaum so etwa dreizehn Jahre alt, aber er war ein flinker und tapferer Bursche. Noch sehe ich seine Augen blitzen – sonst blickten sie matt – er gab dem Griechen einen Faustschlag, und ich war gerettet. Später habe ich gehört, daß der Grieche ihn tüchtig verhauen hat; – aber weil ich den festen Grundsatz habe, mich nicht um Dinge zu kümmern, die mich nichts angehen, bin ich schleunigst davongelaufen und habe es also nicht gesehen.

So kam es, daß seine Züge mich so an Räucherwerk erinnerten, und so kann man in Amsterdam mit einem Griechen Streit bekommen.

Wenn bei späteren Jahrmärkten der Mann mit seiner Bude wieder auf dem Westermarkt stand, suchte ich mein Vergnügen immer wo anders.

Da ich ein Freund von philosophischen Betrachtungen bin, so muß ich dir, Leser, doch eben noch sagen, wie wunderbar die Dinge auf dieser Welt doch miteinander verknüpft sind. Wären die Augen des Mädchens weniger schwarz und ihre Zöpfe kürzer gewesen, oder wenn mich keiner gegen den Ladentisch gestoßen hätte, würdest du dieses Buch nicht lesen. Sei also dankbar, daß das so gekommen ist. Glaube mir, alles in der Welt ist gut, wie es ist, und die unzufriedenen Menschen, die fortwährend klagen, sind meine Freunde nicht.

[…]

Wähle (D)einen Favoriten im Viertelfinale Niederlande gegen Neuseeland »

Die Viertelfinalpaarungen der litaffin-WM 2010 lauten wie folgt:

1 | Uruguay aus Gruppe AArgentinien aus Gruppe B
2 | USA aus Gruppe CSlowenien aus Gruppe C
3 | Niederlande aus Gruppe ENeuseeland aus der Gruppe F
4 | Portugal aus der Gruppe GElfenbeinküste aus Gruppe G

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Florian Ringwald

Nsambe hatte alle seine Frauen wissen lassen, dass er keine Zwillinge haben wolle. Nun gab er aber einer von ihnen eine Medizin, so dass sie Zwillinge bekommen musste. Und tatsächlich gebar die Frau auch Zwillinge, aber weil sie sich vor ihrem Mann fürchtete, versteckte sie ein Kind, den Jungen, in einem Topf und deckte ein Bananenblatt darüber. Den Topf stellte sie in ihr Haus. Das andere Kind, ein Mädchen, behielt sie an ihrer Brust.

Als Nsambe dann kam, fragte er die Frau, ob sie Zwillinge geboren habe. Aber sie leugnete es. Da rief er am anderen Tag alle Frauen in sein Versammlungshaus und wollte wissen, ob jene Frau nicht doch Zwillinge geboren habe. Die anderen verrieten die Frau aber nicht, sondern sagten, sie wüssten es nicht. Doch damit gab sich Nsambe noch nicht zufrieden. Er fragte weiter im Dorf herum und erfuhr endlich auch von einem Mann, der es von anderen gehört hatte, dass die Frau tatsächlich zwei Kinder bekommen hatte. Nun ging Nsambe zu der Frau und sagte: „Wie ich höre, hast du doch Zwillinge geboren?“ Die aber leugnete immer noch: „Nein, es war nur das eine Kind.“ Da ging Nsambe in ihr Haus und suchte dort nach dem anderen Zwilling. Er ließ kein Körbchen unbesehen und fand schließlich den Jungen im Topf. Er nahm ihn, ging mit ihm an den großen Fluss, der ein Stück vom Dorf entfernt floss, und warf das Kind hinein. Dann kehrte er ins Dorf zurück.

Nun lebte in einem anderen Dorf in der Nähe eine Frau, die zu ihrem Kummer keine Kinder bekam. Die war zufällig am Fluss, und als sie an die Stelle kam, wo Nsambe den Jungen in den Fluss geworfen hatte, sah sie das Kind, das im Schilf und Lianengewirr hängen geblieben war, und fischte es mit dem Netz heraus. Die Frau war überglücklich. Sie lief mit ihrem Fund nach Hause zu ihrem Mann und sagte: „Sieh, jetzt bin auch ich endlich Mutter geworden. Dieses Kind habe ich im Fluss gefunden. Es gehört also mir!“ Da freute sich der Mann ebenfalls sehr. Er gab dem Jungen den Namen Bebange be Mema und ließ ihn im Dorf aufwachsen, so dass er sein Erbe würde.

Als der Junge herangewachsen war, stellte er in dem Wald, der zwischen dem Dorf von Nsambe und dem seiner Pflegeeltern lag, Fallen auf. Von Zeit zu Zeit sah er nach ihnen. Dabei begegnete er eines Tages einigen Mädchen aus dem anderen Dorf, die zum Fischen gegangen waren. Da nahm er eine Rohrratte von seinem Fang und reichte sie einem der Mädchen, diese wiederum gab ihm von den Fischen, die sie gefangen hatte. Am anderen Tag, als er noch einmal nach den Schlagfallen sah, hatte er vier Tiere gefangen, einen Quastenstachler, ein Moschustier, eine Hamsterratte und eine Rohrratte, und als die Mädchen kamen, gab er jeder ein Tier, seiner Zwillingsschwester aber – denn sie war es – das Moschustier. Die Mädchen reichten ihm jede nur einen Fisch. Darauf kehrten sie in ihr Dorf zurück und berichteten Nsambe das Erlebnis. Die Zwillingsschwester erzählte: „Wir begegneten einem sehr schönen Mann. Aber er sagte zu keiner von uns: ‘Dich will ich haben’, sondern gab uns bloß die Tiere.“

Da suchte der Vater einen weisen Mann mit Namen Odschimesso auf und befragte ihn deswegen. Odschimesso teilte ihm mit, dass jener junge Mann sein Sohn wäre, und dass er zu dessen Stiefvater Mamambe gehen solle. Am nächsten Morgen suchte Nsambe den Mamambe auf und verlangte den Sohn von ihm zurück. Mamambe hörte ihn an und bestimmte: „Wenn du den Sohn zurückhaben willst, musst du mir acht Schafe zahlen.“ Das tat Nsambe auch und kehrte dann mit seinem Sohn in sein Dorf zurück.

Hier bewunderten nun alle Frauen den Ankömmling wegen seiner Schönheit, so dass Nsambe sich schließlich sagte: „Wenn das so weitergeht, werden mich die Frauen bald gar nicht mehr beachten. Es ist besser, ich töte diesen Burschen.“ Er ging zu seinen Leuten und befahl ihnen, sie sollten seinen Sohn nachts heimlich umbringen.

In der Nacht erschien denn auch ein Mann an Bebanges Tür und wollte ihn töten. Nun hatte aber Bebange, wenn er schlief, hinten am Kopf die Sonne und vorn den Mond. Als nun der Mann vor der Tür stand, sagte der Mond zu ihm: „Schlaf nicht, man will dich töten.“ Da befahl Bebange seinem Haumesser: „Begib dich zu dem Mann, der vor der Tür steht, und töte ihn!“ Da begab sich das Haumesser zu dem Mann und tötete ihn, kam dann zu Bebange zurück und meldete: „Ich habe den Mann getötet.“ Der sagte: „Gut so.“

Am anderen Tag rief Nsambe seine Leute noch einmal zusammen und man fragte herum, ob nicht ein Mutiger da sei, der es noch einmal versuchen wolle. Wirklich stand auch einer auf und sagte: „Ich bin sehr stark und werde es schaffen, den Auftrag auszuführen.“ In der nächsten Nacht schlich er sich vorsichtig an Bebanges Haus heran. Aber als er die Tür beiseite schieben wollte, sagte die Sonne zu Bebange: „Schlaf nicht, man will dich töten.“ Da rief Bebange wieder das Haumesser, und es folgte auf seinen Befehl dem Mann an der Tür und tötete ihn. Dann kam es wieder zu Bebange zurück und meldete: „Der Mann ist tot.“ – „Gut“, sprach Bebange.

Als nun am anderen Tag bekannt wurde, dass wieder ein Mann getötet worden war, wollte es niemand mehr wagen, den Sohn zu ermorden. Da sagte Nsambe: „Gut, wenn kein anderer den Mut hat, werde ich es selbst tun.“ Nachts kam er. Aber als er durch das Dach brechen wollte, um Bebange zu töten, rief die Sonne wieder: „Du darfst nicht schlafen!“ Und Bebange schickte sein Haumesser los, das verfolgte Nsambe bis hoch in die Lüfte. Schließlich ließ sich Nsambe wieder herabfallen und versteckte sich in einer Copaifera, aber das Haumesser fand ihn doch und tötete ihn durch einen Zauber.

Ein anderes Zauberwesen, das sich auf solche Sachen verstand, setzte Nsambe wieder zusammen, flickte auch den Kopf an und sagte zu ihm: „Morgen musst du deinen Leuten sagen: ‘Ich bin krank.’ Und wenn sie dich fragen, warum und woher, so sagst du: ‘Ich habe meinen Sohn töten wollen, aber er ist stärker gewesen als ich und hat mich getötet.’“

Am anderen Tag sagte Nsambe: „Ich bin schwer krank.“ Da fragten ihn die Leute: „Warum und woher?“ Und Nsambe sprach: „Ja, ich habe meinen Sohn töten wollen, aber er war stärker als ich und hat mich getötet.“ Kaum hatte er diese Worte gesprochen, da starb er wirklich.

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