Franziska Schramm

57 Gedichte, neun Poeten, sieben Sprachen: Das Poesiefestival Berlin eröffnete mit babylonischem Sprachgewirr.
Ein wenig ist es, als hätten sich hunderte von Menschen in einem Raum versammelt, um gemeinsam unter der Bettdecke zu lesen. Unzählige Lämpchen brennen im Dunkel des Studios in der Akademie der Künste, es herrscht konzentrierte Stille. Auf der Bühne steht Yang Lian, der etwas liest, was nach “tjodee sijun tschauschu” klingt. Es könnte Bahnhof heißen. Oder auch “Auf asphaltiertem Meer ist ein Vogel in den Lüften so weiß wie eine arme Seele”.
Nicht umsonst heißt dieser Abend “Weltklang. Nacht der Poesie”. Alle geladenen Dichterinnern und Dichter lesen in ihrer jeweiligen Muttersprache – ohne Untertitel, ohne Simultanübersetzung. Damit wendet sich die Veranstaltung gegen den “Sprachmatsch”, wie er beim Grand Prix zu hören gewesen ist, erklärt Moderatorin Luzia Braun, gegen das immergleiche Englisch, das die Sprachunterschiede einebnet wie eine Dampfwalze.
Fünf Schlüssel, die das Tor zur Lyrik öffnen…
“Die Vorleser” kommen? Lieber abschalten…




