Franziska Schramm

Nacht 3

57 Gedichte, neun Poeten, sieben Sprachen: Das Poesiefestival Berlin eröffnete mit babylonischem Sprachgewirr.

Ein wenig ist es, als hätten sich hunderte von Menschen in einem Raum versammelt, um gemeinsam unter der Bettdecke zu lesen. Unzählige Lämpchen brennen im Dunkel des Studios in der Akademie der Künste, es herrscht konzentrierte Stille. Auf der Bühne steht Yang Lian, der etwas liest, was nach “tjodee sijun tschauschu” klingt. Es könnte Bahnhof heißen. Oder auch “Auf asphaltiertem Meer ist ein Vogel in den Lüften so weiß wie eine arme Seele”.

Nicht umsonst heißt dieser Abend “Weltklang. Nacht der Poesie”. Alle geladenen Dichterinnern und Dichter lesen in ihrer jeweiligen Muttersprache – ohne Untertitel, ohne Simultanübersetzung. Damit wendet sich die Veranstaltung gegen den “Sprachmatsch”, wie er beim Grand Prix zu hören gewesen ist, erklärt Moderatorin Luzia Braun, gegen das immergleiche Englisch, das die Sprachunterschiede einebnet wie eine Dampfwalze.

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Franziska Schramm

Lyrik ist etwas Wunderbares! Mit dieser Meinung stehe ich manchmal ganz schön alleine da. Auch unter Literaturwissenschaftlern höre ich immer wieder: “Gedichte sind ehrlich gesagt nicht so mein Ding, da hab ich keinen Zugang zu”.

Irgendwie auch kein Wunder. Da lernt man in der Schule hinter Versenden a-b-b-a zu schreiben. Kreuzchen und Häkchen über betonte und unbetonte Silben zu machen. Eine Anapher von einer Alliteration zu unterscheiden. Aber niemand sagt einem, dass das Lesen von Gedichten verstörend und aufregend sein kann, lustig und unterhaltsam, mitunter tröstend und heilsam.

Blaues-tor-300x199 Fünf Schlüssel, die das Tor zur Lyrik öffnen…

Ich glaube eigentlich, dass jeder, der irgendwie Sprache und Musik mag, auch etwas mit Gedichten anfangen kann. Weil man den Rhythmus eines Gedichts auch ohne Silbenzählen fühlen kann. Weil der Reim ein absolutes Wunder ist, bringt er doch zwei Wörter mit völlig unterschiedlichem Sinngehalt ganz nah zusammen. Weil Poesie Selbsterfahrung ist und zu Gedanken führt, die man so noch nie gedacht hat.

Deshalb hier meine fünf besten Tipps, Zugang zu Gedichten zu finden: (weiterlesen …)

Franziska Schramm

Fernseher3 “Die Vorleser” kommen? Lieber abschalten…

Dass es sie immer noch gibt, ist das erstaunliche an den „Vorlesern“. Seit ihrem Start im Juli letzten Jahres hagelt es Kritik für die Literatursendung im ZDF: Zu glatt das Format, zu hektisch der Ablauf, zu aufgesagt die Texte der Moderatoren. Doch geändert hat sich bislang nichts. Noch immer versucht die Sendung das Unmögliche: Acht Bücher in 30 Minuten vorzustellen – dass das nicht gut gehen kann, ahnt jeder, der versucht in 30 Sekunden alle acht Buchtitel plus Autorennamen aufzusagen.

Eigentlich war die Sache gut ausgedacht: Ein literarisches Duo mit zwei unterschiedlichen Perspektiven nimmt sich den Neuerscheinungen des Buchmarkts ebenso wie den zeitlosen Klassikern an. Ijoma Mangold, Literaturkritiker der ZEIT, liefert fundierte Analysen, Amelie Fried, Fernsehmoderatorin und Schriftstellerin, argumentiert aus Sicht der leidenschaftlichen Leserin. Das hätte durchaus Potential – würde man sich Zeit nehmen. Das erste Buch der gestrigen Sendung, „Der Jesus vom Sexshop“ von Helge Timmerberg, wird nach einer Minute wieder beiseite gelegt. „Das beste, was wir hierzulande an Reiseliteratur haben“, sind sich die Moderatoren einig. Was genau die Aufzeichnungen so lesenwert machen soll, bleiben sie den Zuschauern schuldig.

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Franziska Schramm

Finn 3

© Dylan Thompson (kamerakopf.de)

Finn-Ole Heinrich, der 2007 mit seinem Debütroman „Räuberhände“ auf sich aufmerksam machte, ist nicht nur Autor, sondern auch Filmemacher. Als er vor zwei Jahren drei kurze Filmsequenzen zu seinem Roman auf Youtube stellte, war der Hype um Buchtrailer gerade erst am entstehen. Litaffin sprach mit dem 27-Jährigen übers Bücherschreiben und Filmemachen, über perfekte Eltern und Putzfrauen im Schneideraum.

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Franziska Schramm

Wir sind auf der Leipziger Buchmesse, denn wir machen “was mit Büchern”. Was sich aber genau hinter dem Masterstudiengang “Angewandte Literaturwissenschaft” verbirgt, erklären wir euch beim Karrieretag “Buch und Medien”. Unseren Stand findet ihr am Freitag, den 19. März, im Congress  Center. Kommt vorbei, wir beantworten all eure Fragen!

Wir Litaffine, die Macher dieses Blogs, treiben auf der Messe ebenfalls unser Unwesen. Wir führen Interviews,  lauschen bei Lesungen, schwingen unser Tanzbein, essen mit anderen Twitterern zu Mittag und und und… Erkennen könnt ihr uns an kleinen litaffin-Buttons. Wir freuen uns über Gespräche mit anderen Studenten, Bloggern, Twitterern und Was-mit-Büchern-machenden-Menschen!

Buttons Foto Schwarzwei

Franziska Schramm

Der Verband Deutscher Schriftsteller sorgt sich um das Urheberrecht: Kurz vor der Leipziger Buchmesse wurde eine Petition veröffentlicht, die eine uneingeschränkte Beachtung des Urheberrechts fordert, und von namhaften Autoren wie Sibylle Lewitscharoff, Günter Grass, Christa Wolf und Günter Kunert unterzeichnet wurde. Das merkwürdige an dieser “Leipziger Erklärung zum Schutz geistigen Eigentums”: Der Name Helene Hegemann fällt kein einziges Mal – und doch liest sich diese Erklärung wie eine Abrechnung mit der Autorin und ihren Unterstützern im Literaturbetrieb. Der Ton ist anklagend bis vorwurfsvoll belehrend, die Forderung eindeutig: Plagiate verdienen keinen Preis.

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Franziska Schramm

Das Programm für “Leipzig liest” ist online – und wartet mit über 2.000 (!) Veranstaltungen auf, darunter Lesungen, Podiumsdiskussionen, Signierstunden, Poetry Slams und Partys. Wir haben uns schon mal durch den Termindschungel geschlagen und ein paar Highlights ausfindig gemacht.

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adapted from Gerlos (CC Flickr image)

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Franziska Schramm

Nun ist Helene Hegemann also nominiert, mit ihrem Roman “Axolotl Roadkill”, in der Kategorie “Belletristik” des Preises der Leipziger Buchmesse. Und die Diskussion um Remixen & Abschreiben, Untergrund und Hype, Originalität & Echtheit will einfach nicht enden. Da geht es um einen Verlag, der versagt hat, um ein Feuilleton, das versagt hat, um eine Jury, die versagt hat. Aber eigentlich geht es auch ums Internet und seine “Kultur”. Wer blickt da noch durch?

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gestaltet mit wordle.net

Also: Rewind. Noch mal von vorne. (weiterlesen …)

Franziska Schramm

Morgen gibt es Literatur auf die Ohren: Am Sonntag läuft von 17 bis 18 Uhr die Sendung “Dahlemer Diwan” im uniRadio 97,2 – gestaltet von Studierenden der Allgemein Vergleichenden und der Angewandten Literaturwissenschaft. Thema der Sendung ist “Stadt & Literatur”. Vorgestellt werden eine Gedicht-Plakataktion in Leipzig, der Roman “U5″, Literaturcafés in Berlin sowie der Poetry Slam im Rosi’s. Zu hören sind außerdem Umfragen, Veranstaltungstipps und natürlich gute Musik. Also: Ran an die Radios.

Mehr Infos zur Sendung “Dahlemer Diwan” sowie alte Beiträge vergangener Sendungen gibt es [hier].

Franziska Schramm

Ich bin die Zielgruppe. Ja, ich interessiere mich für junge Literatur, ja, ich entdecke gerne Abseitiges und Ungewöhnliches, und ja, ich will JETZT schon lesen, wer nächstes Jahr den Open Mike gewinnt und übernächstes Jahr seinen ersten Roman veröffentlicht. Also greife ich zu Literaturzeitschriften. Die von der Sorte jung, innovativ und experimentell, versammelt unter junge-magazine.de.

Sie tragen klangvolle Namen wie “BELLA triste”, “sprachgebunden”, “lauter niemand” oder “Krachkultur”, sie werden von ambitionierten Machern in Bremen, Hildesheim, Leipzig und Berlin herausgegeben und sie erleben begeisterte Zustimmung in den Feuilletons. Jedoch: Spaß macht das Lesen der jungen Literaturzeitschriften nicht.

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