Die Gespenster von Demmin

Die Gespenster von Demmin

Wie aufwachsen am Ort des größten Massensuizids der deutschen Geschichte? Larry hat einen Berufswunsch: sie will Kriegsreporterin werden. Das hat sie zwar noch nicht allen erzählt, ihrem Vater zum Beispiel nicht, aber das hat auch seine Gründe: Ihre beste Freundin Sarina kann mit Larrys Plänen so gar nichts anfangen. Als Gegenfigur zu dem Mädchen zeichnet Autorin Verena Keßler Larrys Nachbarin, eine Zeitzeugin, die 1945 dabei war. Ihre Mutter ertränkte sich damals im Fluss Peene und nahm die kleine Schwester mit in den Tod. Der Autorin gelingt es, in ihrem Debüt anhand des ungewöhnlichen Mädchens und der alten Frau eine Coming-of-Age-Geschichte mit den Ereignissen von 1945 zu verknüpfen und sie beweist, dass Erinnerungen unerlässlich sind, um auf die Gegenwart zu blicken.

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Streulicht

Streulicht

Jetzt ist sie zurück: Die Protagonistin in Deniz Ohdes Debüt Streulicht besucht ihren Vater in der Industriestadt, in der sie aufwuchs. Sie ist angereist, um die Hochzeit ihrer Sandkastenfreund*innen zu feiern: Sophia und Pikka. Sie selbst, die der Stadt den Rücken kehrte, blickt zurück und erzählt den Leser*innen von ihrer Kindheit zwischen Arbeiter*innenmilieu, Klassismus und Rassismus – auch wenn die Autorin diese Worte nicht explizit nennt. Ein ruhiges, lesenswertes und wahnsinnig eindringliches Debüt.

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Bezimena – Für die Namenlosen

Bezimena – Für die Namenlosen

Nina Bunjevac hat ein beachtliches Graphic Novel gezeichnet und geschrieben. In Bezimena verarbeitet sie eigene Erfahrungen von sexualisierter Gewalt mit dem griechischen Mythos von Artemis, die von dem jungen Siproites heimlich beim Baden beobachtet wird und ihn zur Strafe in eine Frau verwandelt. Nina Bunjevacs Buch ist explizit, schmerzhaft, stark, metaphorisch und lebt durch die unglaublich präzisen Bilder.

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Land in Sicht

Land in Sicht

Jana hat eine Mission: sie will ihren Vater Milan kennenlernen. Der ihr unbekannte Mann ist Kapitän auf dem Donau-Kreuzfahrtschiff MS Mozart. Jana bucht sich ein Kreuzfahrt-Ticket und findet sich plötzlich auf dem Schiff zwischen Passagier*innen 60+, Mahlzeiten als Hauptattraktion und Landausflügen an den Ufern der Donau wieder. Doch einen Haken hat die Sache: wie den eigenen Vater ansprechen, der einen nicht erkennt? Ilona Hartmanns kurzweiliges Debüt Land in Sicht ist witzig, ironisch, flapsig und könnte an der ein oder anderen Stelle gern noch tiefer gehen.

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Und jetzt ist sie hier

Und jetzt ist sie hier

Sie war in London, um Literatur zu studieren, sie hat versucht, ihre Familie und ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen, in der großen Stadt anzukommen und ihre Herkunft aus der Working Class im Norden Englands ein Stück zu vergessen. Sie hat unter den gierigen Blicken verschiedener Männer in Kneipen gearbeitet und versucht, sich und ihren Körper kennenzulernen, sie hat probiert, ihren alkoholkranken Vater zu retten und dabei vergessen, sich selbst zu beschützen. Und jetzt ist sie hier, in dem alten Cottage ihres verstorbenen Großvaters in Irland. Hier versucht sie, Lucy, die vielen kleinen Mechanismen ihrer Vergangenheit zu erzählen und zu verstehen und kommt sich und ihrer Familie ein kleines Stück näher. Jessica Andrews Debüt Und jetzt bin ich hier ist ein sinnlicher Roman über ein Mädchen, eine junge Frau voller Höhen und Tiefen, über eine Suche und manchmal ein Finden.

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Fehlstart

Fehlstart

Eine junge Frau wird verlassen, bricht ihr Jura-Studium ab und geht nach Paris, um hier dem Glück hinterherzujagen. Statt des Glücks findet sie einen prekären Hostessen-Job im Hosenanzug, keine Wohnung und die immergleichen klassistischen Strukturen, aus denen das Entweichen beinahe unmöglich scheint. Marion Messinas scharfer Blick portraitiert Aurélie und die Hürden, die verhindern, dass sie sich vom Arbeiter*innenmilieu der Eltern entfernen kann.

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Über Spanien lacht die Sonne

Über Spanien lacht die Sonne

„Denn bei jedem Kommentar hat man nur Sekundenbruchteile, um zu entscheiden: Freischalten oder löschen? Das sind die zwei Optionen.“ Kitty hat einen neuen Job. Es ist 2015 und sie startet bei einem Unternehmen in Hamburg als zusätzliche Kommentar-Moderatorin. Denn 2015 sind so viele rechte Internet-Trolle unterwegs, dass sie gebraucht wird. Kathrin Klingner erzählt mit leichtem Federstrich über ein bedrückendes Thema und seine Ausmaße.

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Sonne Mond Zinn

Sonne Mond Zinn

Gustav Zinn fährt auf eine Beerdigung. Es ist die Beerdigung seines Großvaters Anton Hamann, ein ihm unbekannter Mann, der Vater seiner Mutter Edith, der unehelichen ersten Tochter. Gustav betritt die Bühne einer ihm völlig fremden Familie, seiner Verwandten und wird zum Beobachter und Erzähler in diesem Konstrukt. Alexandra Riedels Debüt Sonne Mond Zinn wirkt wie ein Kammerspiel, ein poetisches Nachdenken über die Sichtbarkeiten und Unsichtbarkeiten in einer Familie.

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Welcome to Hawaii

Welcome to Hawaii

Kemal Arslan zieht durch das Hawaii, es ist Sommer, es ist heiß in Heilbronn. Er ist erst seit Kurzem wieder aus der Türkei zurück, hier hat er bei einem großen Verein Fußball gespielt, bis er sich den Fuß schwer verletzte. Während Kemal seine Richtung verloren hat und durch die Straßen des Stadtviertels Hawaii zieht, braut sich etwas in der Stadt zusammen und steuert einer großen Eskalation entgegen. Cihan Acars literarisches Debüt ist aktuell, greifbar und ermöglicht einen Blick in das Heilbronner Viertel zwischen Industrie und Plastikgartenstühlen.

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Was wir voneinader wissen

Was wir voneinader wissen

„Wie leicht war es doch, eine mögliche Zukunft wegen einer anderen abzubrechen und im Rückblick dessen, was hätte sein können, nur diese dünne zufallsbedingte Linie zu sehen, das Geschehene, das aus der unendlichen und leeren Finsternis des Ungeschehenen aufsteigt.“ Jessie Greengrass hat ein außergewöhnliches Debüt geschrieben über die Kraft von Entscheidung, Erkenntnis, Trauer und der Rolle ihrer Protagonistin im Schatten ihrer Mutter und Großmutter.

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Ein Aufruf zu Equal Care

Ein Aufruf zu Equal Care

Nach Ende ihres Erwerbsleben bekommen Frauen* 46% weniger Rente als Männer. Über 50% von ihnen arbeiten zwischen 30 und 65 Jahren in Teilzeit, aber nur 7% der Männer*. Das heißt nicht, dass Frauen* weniger arbeiten, aber, dass sie weniger lohnarbeiten. Die Lohnarbeit der Frauen* findet dann oft in schlechter bezahlten Care-Berufen statt, 80% der beruflichen Care-Arbeit wird von ihnen geleistet. Almut Schnerring und Sascha Verlan nehmen das zum Anstoß, um sich in Equal Care. Über Fürsorge und Gesellschaft genau diese Care-Arbeit im beruflichen, aber auch privaten Umfeld näher anzuschauen, zu fragen, was in unserer Gesellschaft eigentlich als wertvolle Lohnarbeit oder selbstverständliche Nebenbei-Arbeit gilt und um zu zeigen, warum die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern im Bereich der Fürsorge der heimliche Motor des Kapitalismus ist.

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Eine Band namens Superbusen

Eine Band namens Superbusen

In Dresden ist sie in einer großen Familie aufgewachsen, in Chemnitz hat sie studiert, eher so aus Trotz, und ist dann Hals über Kopf nach Berlin, hat eine Beziehung mit Paul angefangen und ist erst mal bei ihm eingezogen: Gisela ist die Protagonistin in Paula Irmschlers Debüt Superbusen, die zurück nach Chemnitz fährt in eine Zeit und einen Freundinnenkreis, der sie politisiert, gestärkt und selbstbewusst gemacht hat – und mit dem sie vor gar nicht so langer Zeit diese Band hatte: Superbusen.

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Zeig ihnen, wie man Spaß hat

Zeig ihnen, wie man Spaß hat

Sie heißen Natasha, Lucy und Angela. Manchmal heißen sie auch nur „ich“ oder „die Frau“. Ihr Alter bewegt sich irgendwo zwischen den Teenagerjahren und den frühen Vierzigern und sie leben meistens in Irland – wenn nicht, dann kommen sie dort her. Nicole Flattery schreibt in ihrem Debüt acht Geschichten über Protagonistinnen, die anecken, Schlimmes erleben und manchmal nicht in diese Gesellschaft zu passen scheinen. Das tut sie mit Witz, Ironie und Tragik. Die Erzählungen leben von ihrer Absurdität und von den undurchschaubaren Frauenfiguren.

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Ein Taubenleben

Ein Taubenleben

Eine zermatschte Taube auf der Straße, das ist für Lois das Sinnbild von gescheiterter Existenz. Als sie neun Jahre alt ist, wird sie so zum ersten Mal mit dem Tod konfrontiert. Ihr Vater hat ihr das erklärt: wenn Tauben sterben wollen, dann werfen sie sich vors fahrende Auto. Inzwischen ist Lois Anfang dreißig, an die tote Taube denkt sie noch manchmal und muss sich plötzlich selbst mit Gedanken an den Tod auseinandersetzen. Paulina Czienskowski widmet ihren Debütroman Taubenleben einer Protagonistin, die mit großem Anlauf versucht, herauszufinden, wer sie eigentlich ist.

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