L’amour nègre – der neue Roman von Jean-Michel Olivier

L’amour nègre – der neue Roman von Jean-Michel Olivier

Moussa wird in einem armen Dorf in Afrika geboren. Mit ungefähr 12 Jahren verkauft sein Vater ihn gegen einen LCD-Breitbild-Fernseher an ein amerikanisches Schauspielerpaar. Von den neuen Eltern erhält er einen anderen Namen: Adam. L’amour nègre, schwarze Liebe, der neue Roman von Jean-Michel Olivier, erhielt den Prix Interallié. Er handelt von Moussas Wanderung rund um die Welt.  Moussa-Adam rettet seine ebenso adoptierte Schwester Ming vor einer Vergewaltigung. Als er sie schwängert, vertrauen seine Eltern ihm einen anderen Kinostar an. Mit ihm fliegt Adam auf dessen private Insel in Ozeanien. Ein katastrophaler Brand zerstört nicht nur alles auf der Insel, sondern auch die Freundschaft mit diesem Schauspieler und er muss fliehen. Sein Weg führt ihn über Asien in die Schweiz.

Die Suche nach dem verlorenen Paradies, nach dem Lebenssinn und der eigenen Identität erscheint sinnlos. Jenseits des moralischen und kulturellen Verfalls des Abendlands findet sich der Ich-Erzähler in einem globalen durch Kameralichtern beleuchteten Nicht-Ort, wo alle Unterschiede zwischen Völkern und Ländern und Gebräuchen und Menschen gelöscht werden. Was übrig bleibt, ist lediglich Stereotyp und Klischee. Überall wird die gleiche Musik gehört, dieselben Marken konsumiert, sogar die Gefühle und die Illusionen sind in der von Olivier erschaffenen Welt ähnlich. Die fünf Kontinente sind in fünf Kapiteln vertreten: Afrika und Elend; Amerika und große, moderne Städte; Ozeanien und viele Inseln; Asien und sexueller Tourismus; Europa und alter Charme. Aber eigentlich gibt es keinen Ort, an dem man glücklich sein kann. Man bekommt das Gefühl, eine populäre Zeitschrift zu lesen, wo alle Geheimnisse des privaten Lebens der Hollywoodstars enthüllt werden.

Sprachlich ist der Roman sehr direkt; seine kurzen Sätze lesen sich schnell, als ob das dynamische Tempo des modernen Lebens auch das Schreiben beeinflusst hätte. Vielleicht wollte der Autor damit den Ich-Erzähler mit einer Art Naivität prägen, die laut der französischen Presse manche Ähnlichkeiten mit Voltaires Candide haben soll. Es ist Zeit, dass Jean-Michel Oliviers sechs Romane endlich auch in Deutschland erscheinen.

Weitere Informationen auf der Seite des Verlags L’âge d’homme.

Nachrichten aus Brasilien

Nachrichten aus Brasilien

Chico Buarque zeigt die brasilianische geschichtliche Erfahrung aus einer großartigen Perspektive, die den Abstand zwischen Literatur und Gesellschaft verringert.

Im November 2010 stürmte die brasilianische Polizei Vila Cruzeiro, eine der größten Favelas in Rio de Janeiro, mit einem Großaufgebot an Polizisten, Hubschraubern und Panzern. „Vila Cruzeiro gehört wieder zum Staat“, ließ der Vizechef der Polizei nach dem Einsatz verlauten – was so klang, als ob Vila Cruzeiro irgendwann nicht mehr zum Staat gehört hätte. Die Kollision zwischen Drogenhändlern und Polizei ist auf keinen Fall etwas Neues. Neu ist, dass die Angriffe live übertragen werden, um das Gefühl von Ordnung und Sicherheit herzustellen, und nicht zuletzt um die Macht der Regierung zu demonstrieren. Natürlich ist das Schönfärberei, die die soziale Probleme missachtet, und die Ursachen des Drogenhandels nicht erkennt. Wer die Augen davor verschließt, wird große Schwierigkeiten haben, die heutige Lage in Brasilien zu begreifen. Aber was haben solche Ereignisse mit Literatur zu tun? Mehr lesen