Markus Streichardt

DickensZweifellos war Charles Dickens ein Workaholic. Und selbst das mag noch ein Euphemismus sein. Dickens war ein exzessiver Briefeschreiber, Journalist, Herausgeber, Laiendarsteller, Entrepreneur, Vater von zehn Kindern, leidenschaftlicher Spaziergänger (12-15 Meilen am Tag) und zu guter Letzt Verfasser von Weltliteratur… Um nur einige Leistungen zu nennen. Die Engländer behaupten gar, er habe mit A Christmas Carol Weihnachten erfunden, wie wir es kennen – als ein fröhliches Fest im Kreise der Familie inklusive gutem Essen und Gesang.

Für die Biografin Claire Tomalin ist Dickens deshalb „Menschlichkeit hoch zwei. Er ist wie fünf Männer in einem.“ Diese ungeheure Schaffenskraft blieb nicht ohne Folgen. Im Alter von 58 Jahren starb Dickens an einem Schlaganfall und hinterließ den unvollendeten Detektivroman Das Geheimnis des Edwin Drood. (weiterlesen …)

Markus Streichardt

Wortwelten Cover1Sherko Fatahs neuer Roman Ein weißes Land (Luchterhand) wird von Thomas E. Schmidt (Die Zeit) als Beispiel angeführt, „wie welthaltig die deutsche Literatur geworden ist.“ Dieser Welthaltigkeit widmet sich die seit 2007 jährlich in Bremen stattfindende globale° – Festival für grenzüberschreitende Literatur. Eingeladen werden Autorinnen und Autoren, die aus den unterschiedlichsten Gründen ihr Geburtsland verließen und versuchen, in der Fremde „heimisch“ zu werden. Sie besitzen also nach dem Ordnungskriterium des statistischen Bundesamtes einen „Migrationshintergrund“. Ihre Diskussionsbeiträge werden jeweils in Publikationen des Ulrike Helmer Verlag zusammengetragen.

Im aktuellen Band WortWelten wird im Allgemeinen das Verhältnis von Sprache und Schreiben thematisiert und im Besonderen der literarische Umgang mit Grenzerfahrungen (Krieg, Diktatur, Flucht, Exil). Hierbei wird vor allem das Dilemma deutlich, in dem sich manche Autoren befinden beziehungsweise in das sie unfreiwillig gedrängt werden. Abbas Khiders Unbehagen wuchs, als sein Debütroman Der falsche Inder (Nautilus) „nur“ inhaltlich besprochen wurde. Die formalen Aspekte, die die Flucht des Protagonisten aus dem Irak plastisch vor Augen führen, wurden hingegen von der Literaturkritik sträflich vernachlässigt. Aber gerade für sein Handwerk möchte der Autor Anerkennung erhalten und nicht nur weil er eine gute Geschichte zu erzählen hat. (weiterlesen …)

Markus Streichardt

IMG 02811Landauf, landab hört man immer wieder, das Medium Buch sei dem Untergang geweiht. Allenfalls in Form des eBooks werde es überleben. Aber für die gedruckte Ausgabe brechen schwierige Zeiten an. Grund genug, einmal das Gespräch mit einem Buchhändler zu suchen und eine alte Reihe wieder aufleben lassen. Nachdem wir bereits der Hammett-Krimibuchhandlung, Zadig und Another Country ein Besuch abgestattet haben, befinden wir uns nun in der Tucholsky-Buchhandlung in Mitte.

Hier werden Bücher zur Schau gestellt, wie es anderswo nur Bestsellern vorbehalten ist. Wo bitte schön wird einem die Möglichkeit geboten, Christof Wackernagels überbordende Traumtrilologie es durchzublättern? Wo sonst bekommt den Verlag Edition Schwarzdruck präsentiert, dessen Bücher lediglich eine Startauflage von 333 Exemplaren umfassen? Prinzipiell scheint die Verbindung von Kultur und Geschäft kein öder Marketingtrick, sondern ein eingelöstes Versprechen zu sein. Wir sprechen mit dem Inhaber Jörg Braunsdorf über seinen Werdegang, seine Arbeitsphilosophie und die Vor- und Nachteile des Internets.

(weiterlesen …)

Markus Streichardt

M C3 A4rzwald-300x300Buchhandlungen, heißt es, müssen nicht nur ausgezeichnete Bücher im Sortiment haben und den unschlüssigen Käufer kompetent beraten. Nein, sie müssen, um heutzutage wettbewerbsfähig zu bleiben, dem Kunden noch MEHR bieten. Mehr im Sinne von Non-Book-Artikeln und literarischen Veranstaltungen. Zumindest Letzteres beherzigt die Tucholsky-Buchhandlung zutiefst. Hervorzuheben sei an dieser Stelle das Format Weltbühnen-Verlagspräsentation. In dem wird Verlagen, vornehmlich Kleinverlagen aus Berlin und Umgebung, Raum gegeben, sich der Öffentlichkeit vorzustellen und dem interessierten Leser einmal den Schöpfungsprozess des Buches zu verdeutlichen.

Am Mittwochabend hatte der Schöffling Verlag aus Frankfurt am Main die Ehre, bevor anschließend die Lyrikerin und Autorin Ulrike Almut Sandig, bekannt durch ihren preisgekrönten Erzählband Flamingos, und die Musikerin und Dichterkollegin Marlen Pelny das gemeinsame Werk Märzwald – Dichtung für die Freunde der Popmusik darboten. Um es schon mal vorab zu verraten: Es war ein rundum gelungener Abend. (weiterlesen …)

Markus Streichardt

Bauer-300x251Banker investieren bekanntlich in Goldbarren und Aktienpakete. Geisteswissenschaftler hingegen in Bücher. Gern schaffen sie sich ein weiteres Billy-Regal an, um die Bildungsbürgertapete fortführen zu können. Randbemerkung: Auch das ist möglicherweise ein Grund, warum das eBook hierzulande bisher ein Nischendasein fristet. So mancher Bibliophile mehrt und hortet nicht nur sein Wissen, sondern trägt auch zur Altersvorsorge bei, indem er sich das Buch signieren lässt.

Wer kennt sie nicht, die immer gleich aussehenden Herren, die die Lesung eine halbe Stunde früher verlassen, um als Erstes mit fünf oder zehn Exemplaren am Signiertisch zu stehen. Auf eine persönliche Widmung wird bewusst verzichtet, könnte dies doch die beabsichtigte Wertsteigerung schmälern. (weiterlesen …)

Markus Streichardt

PortraitMLK-199x300Sie hat lange als Verlagslektorin gearbeitet, ist Journalistin, Autorin (zuletzt erschien „Verlernen. Denkwege bei Hannah Arendt“), Herausgeberin,  Übersetzerin, Vorstandsmitglied des Deutschen Übersetzerfonds und gab im Sommersemester 2011 ein Seminar zum „Literarischen Übersetzen“ an der Freien Universität. Sie selbst bezeichnet sich als Nachdenkerin über das Übersetzen. Höchste Zeit für ein Gespräch mit Marie Luise Knott über die Branche, die Position des Übersetzens und den Umgang mit einer wirklich schlechten Übersetzung.

litaffin: Als Übersetzerin und als Vorstandsmitglied des Deutschen Übersetzerfonds haben Sie direkten Einblick in die Lebensbedingungen des Übersetzers. Hat sich seine Position in den letzten Jahren verbessert oder verschlechtert?

Marie Luise Knott: In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Situation erheblich verbessert. Auch die Qualität der Übersetzungen ist immer besser geworden. (weiterlesen …)

Markus Streichardt

The-book-of-Zinik1-202x3001Ein Artikel von Constantin Lieb und Markus Streichardt

Obwohl 120 Anmeldungen vorlagen, blieb der zu erwartende Studenten-Ansturm aus. Ein Glück für diejenigen, die sich dennoch entschlossen, am Seminar „Tentative Experiment to Form a Literary Collective“ teilzunehmen. Es kommt schließlich nicht alle Tage vor, dass zwei solch hochkarätige Schriftsteller wie Daniel Kehlmann und Adam Thirlwell als Gastdozenten auftreten.

Wie angekündigt ging es darum, verschiedene Konzepte und Produktionen künstlerischer Kollektive zu analysieren und für das literarische Feld fruchtbar zu machen. Kehlmann und Thirlwell selbst waren bei ihrem eigenen Versuch eines solchen gescheitert. Ein naheliegender Grund war, dass beide jeweils nur in ihrer Muttersprache (Deutsch respektive Englisch) schreiben konnten. Anstatt gemeinsam an einem Text zu arbeiten, berichteten sie, schrieben sie parallel, wobei ein jeder dem anderen lediglich das Thema vorgab. Gewonnen wurde dadurch nichts und insgesamt erinnerte dieses Experiment stark an eine Übung für Kreatives Schreiben. (weiterlesen …)

Markus Streichardt

Lchammaa-224x300Auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin 2009 lernte ich Leila Chammaa als Dolmetscherin für die libanesische Schriftstellerin und Verlegerin Nadine Touma kennen und schätzen. Mit ihren Übersetzungen hat sie eine Vielzahl bedeutender arabischer Autoren und Dichter hierzulande erst bekannt gemacht. Unter anderem: Sahar Khalifa, Alawiyya Sobh, Girgis Shoukry und Elias Khoury, dessen Roman „Yalo“ vor kurzem für den internationalen Literaturpreis nominierte wurde. Ein Anlass zum Gratulieren und um einmal über das Übersetzen im Allgemeinen und das der arabischen Literatur im Besonderen zu sprechen.

Litaffin: Leila, du bist 1965 in Beirut geboren und im Zuge des Bürgerkrieges mit deiner Familie nach Deutschland gekommen. Lässt sich allein aufgrund deiner Herkunft das Interesse für die arabische Sprache/Kultur herleiten? Wie bist du zum Übersetzen gekommen? (weiterlesen …)

Markus Streichardt

800px-Periplaneta-Verlag-und-Mediengruppe-300x100Wie vielerorts drängen sich auch in meiner Straße Spätverkäufe, Bäckereien, Bars und Restaurants dicht an dicht. Kulturelle Einrichtungen hingegen sind eher Mangelware. Vor zwei Jahren machte ich jedoch eine freudige Entdeckung.

In weißen Lettern auf rotem Untergrund stand geschrieben: Periplaneta – Verlag & Studio, Kreativzentrum (Literaturcafé und Buchhandlung). Neugierig nährte ich mich den Schaufenstern, las in dem gut gefüllten Veranstaltungskalender und betrachtete die ausgestellten Bücher, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Neben einem Krimi stand ein Kinderbuch und daneben eine CD mit Comedy-Aufnahmen. (weiterlesen …)

Markus Streichardt

Berlin-webcam-300x170Wenn Studenten die Stadt Berlin unsicher machen und ihre Impressionen schreibend verdichten, kommt am Ende schon mal Literatur bei raus. Nun könnt ihr in einer Anthologie jene „literarischen Feuilletons“ nachlesen. Seid gespannt!

Zur Vorgeschichte: Der Schriftsteller David Wagner leitete vergangenes Wintersemester an der Freien Universität Berlin das Seminar „Poetische Topographie oder wie lässt sich die Stadt beschreiben?“ (weiterlesen …)

litaffin.de |

Wir bloggen.

Über Literatur.

Über den Literaturbetrieb.

Über literarische Orte.

Über das Studium der Literatur.

Über das literarische Berlin.