Markus Streichardt

Wagner David1 Jpg 3979991Ein Interview von Markus Streichardt und Leonie Langer

David Wagner ist Schriftsteller, Absolvent und Gastdozent der Freien Universität Berlin. Grund genug, mit ihm über den schriftstellerischen Einstieg, seine bisher erschienenen Titel, geplante Buchprojekte und Berlin als Inspirationsquelle zu sprechen.

Litaffin: Sie sind momentan als Gastdozent an der FU Berlin tätig, wo Sie früher selbst Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft studiert haben. Wie fühlt es sich an, als Schriftsteller, der die meiste Zeit über allein am Schreibtisch sitzt, plötzlich vor 40 jungen Studierenden zu „dozieren“?
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Markus Streichardt

Tree-of-Codes-Cover-203x300Gerade erst haben wir euch einen Ausblick gegeben, welche technischen Trends den Literaturbetrieb in Zukunft verändern werden. In aller Munde ist natürlich das ebook, das bereits seinen Siegeszug antritt oder demnächst antreten wird. Aber jede Bewegung bringt gleichzeitig ihre Gegenbewegung hervor oder wie mein ehemaliger Philosophieprofessor zu sagen pflegte: Alles ist dialektisch.

Jonathan Safran Foer, amerikanischer Bestseller-Autor und Multitalent, macht mit seinem neusten Werk Tree of Codes vor, was mit einem Buch aus Papier alles möglich ist. (weiterlesen …)

Markus Streichardt

Fragezeichen-1-ScabeaterWer kennt sie nicht, die skurrilen oder einfach nur grauenvollen Titelübertragungen ausländischer, vornehmlich amerikanischer Filme ins Deutsche? Beispiele hierfür, findet ihr hier, hier und hier. Aber nicht nur dem Kinogänger ergeht es so. Auch in der Welt der Bücher darf sich der Leser mit misslungenen Titelübertragungen herumschlagen. Hier eine kleine Auswahl:

John Fantes Roman Ask the dust – wurde vom deutschen Verlag schlichtweg durch Ich – Arturo Bandini ersetzt. Der Umstand allein, dass Charles Bukowski diesen Ausspruch des Öfteren im betrunkenen Zustand deklamierte, hat den Verlag offensichtlich dazu bewegt, ihn zu benutzen. Diese Anekdote ändert aber nichts am Informationsgehalt des deutschen Titels. Er liegt bei 0,0. Auch Fantes nachfolgendes Buch Full of Life wurde ähnlich grob zu Gemischte Gefühle verunstaltet. Warum, fragt man sich da nur. Sollten doch die Titel programmatisch für den Inhalt der Bücher stehen… (weiterlesen …)

Markus Streichardt

Eine wirklich sehenswerte Ausstellung zur Nobelpreisträgerin Herta Müller läuft derzeit im Literaturhaus Berlin.

„Sich querzulegen in einer unerträglichen Realität“ – mit diesen Worten umschreibt Marlies Janz bereits 1985 Hertas Müller Position, die abstoßende und nicht minder gefährliche Enge des Alltags ihres Heimatdorfes Nitzkydorf literarisch zu fassen und dadurch gleichzeitig nicht als endgültig anzuerkennen. Gegenüber gestellt werden dem in der laufenden Ausstellung: Herta Müller. Der kalte Schmuck des Lebens Leserbriefe, Zeitungsartikel und Rundschreiben, in denen jene „unerträgliche Realität“ von Exildeutschen (Banater Schwaben, Bund der Vertriebenen) geleugnet wird und in Diffamierungskampagnen mündete.

Glücklicherweise hat sich Müller von solcher Hetze, die ganz im Sinne des rumänischen Geheimdienstes Securitate geschah, nicht einschüchtern lassen. Sie schrieb weiter, um aufzuzeigen und aufzuklären, wie sich Individuen gegen die Verhältnisse, sei es nun die dörfliche Beengtheit (Niederungen) oder die perfiden Praktiken im Arbeitslager – minutiös dargelegt in ihrem letzten Roman Atemschaukel – zu behaupten versuchen. Für ihr Gesamtwerk, ihren politischen Einsatz gepaart mit der unter die Haut gehenden, poetischen Sprache, wurde Müller mit unzähligen Preisen geehrt, auch zuletzt mit dem Nobelpreis für Literatur 2009. (weiterlesen …)

Markus Streichardt

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Das Brecht-Haus und das Museum für Naturkunde hatten zu einer Lesung der ganz besonderen Art geladen: Jonathan Franzen erzählte über seine Leiden-schaft als Vogelbeobachter und darüber, was das mit dem Schreiben zu tun hat.

Es war doch sehr erstaunlich, wie viele Besucher sich am vergangenen Sonntagmorgen im Hörsaal 7 der Humboldt-Universität einfanden, um sich von Jonathan Franzen erklären zu lassen, warum „Vögel gewissermaßen das bessere Ich der Dinosaurier sind“ und was im Allgemeinen so faszinierend daran sei, jenes Federvieh stundenlang zu beobachten. Anwesend waren vermutlich mehr Kenner der Ornithologie als Kenner des Oeuvres des amerikanischen Bestsellerautors. Die im Anschluss gestellten Publikumsfragen zumindest waren sehr speziell, wollten doch einige wissen, ob Herr Franzen bereits die Kraniche in Berlin gesehen habe oder um welche Vogelart es sich bei der sich im Central Park ausbreitenden handle. Die Antwort kam prompt: eine amerikanische Variante des Rotkehlchens.

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