Merkwürdige Ästheten

Merkwürdige Ästheten

Leif RandtLeif Randt machte dieses Jahr mit seinem Debütroman „Leuchtspielhaus“ sowie als Gewinner des MDR-Literaturpreises auf sich aufmerksam. Litaffin sprach mit dem 26-jährigen über exzessive Jugendliche, Generationentexte und die Romantik von Schreibschulen.

Litaffin: Auffällig in deinen Texten ist die Sehnsucht der Figuren nach Regelhaftigkeit. Du schreibst über avantgardistische, aber trotzdem schematisierte Lebensstile. Ist das die „neue Jugend“?

Randt: Meine Figuren sind meistens merkwürdige Ästheten und eher Stoffel als harte Partyköpfe. Interessant ist, dass scheinbar viele gerne lesen, wie extrem wild und exzessiv Jugendliche sind. Und das sind sie teils ja auch. Aber vieles, was erzählt und ausgelebt wird, bedient auch nur die leicht kitschigen Projektionen von älteren Leuten. Aber wer weiß? Vielleicht gibt es in der echten Welt tatsächlich mehr harte Partyköpfe als so nachdenkliche Oberflächenjungs, wie ich sie beschreibe. Mehr lesen

Ein Recht auf Pathos

Der Stückemarkt 2010 eröffnet mit einer Debatte über europäische Dramatik

Unter dem Titel „Import – Export. Über Grenzen, Zwischenräume und Chancen neuer Dramatik in Europa“ wurde am Mittwoch der Stückemarkt des Berliner Theatertreffens 2010 mit einer Expertendiskussion eröffnet. Acht der knapp dreihundert eingesandten Stücke wurden von der Jury ausgewählt; fünf davon sind als szenische Lesung während des Festivals zu sehen. Wer von ihnen als Preisträger nach Hause gehen darf, entscheidet sich jedoch erst am 21. Mai.

Ja, es mutet etwas seltsam an. Beim Heidelberger Stückemarkt wurden vor ein paar Tagen gleich alle Nominierten ausgezeichnet, da keiner eindeutig als Sieger hervorzuragen vermochte. In Wien sagte man den Wettbewerb letztes Jahr aufgrund mangelnder Qualität der Einsendungen ganz ab. Die Nachwuchsförderung in der Krise?
In Berlin hat die Jury entschieden. Zu den diesjährigen Auserwählten zählt der rumänische Autor Peça Stefan, was dazu inspirierte, den Stückemarkt mit einer Debatte über europäische Dramatik zu eröffnen. Deutlich wurde in der Diskussion mit Roland Schimmelpfennig, der georgischen Dramatikerin und Regisseurin Nino Haratischwili und Yvonne Büdenhölzer vor allem eines: Der „Schleudergang Dramatik“ ist noch lange nicht beendet. Mehr lesen

lesBAR – „Leuchtspielhaus“ von Leif Randt

Literarische Debüts gab es in letzter Zeit einige und sie dürften nach dem Plagiats-Trubel auf äußerst empfindliche Leserohren stoßen. Eines, das inmitten der Schlagzeilen etwas leiser daherkam, sollte man jedoch nicht unbeachtet lassen: Leif Randts „Leuchtspielhaus“. Ein „Generationenbuch“, wie die ZEIT lobt, und ein Roman über die zur Avantgarde neigenden Twentysomethings, die in größtenteils sterilen Beziehungsgeflechten ihre Lifestyleoberfläche polieren. Die „digital natives“ rebellieren hier nicht vollgekokst im Berghain-Séparée. Sie entziehen sich.

Im Rahmen der lesBAR an der Schaubühne präsentiert der geborene Maintaler und Gewinner des KulturSPIEGEL-Erzählwettbewerbs am 7. Mai Auszüge aus seinem Roman sowie Musik und Videoclips. Los geht’s um 22 Uhr, Karten sind online auf der Homepage der Schaubühne oder telefonisch zu erwerben.

Kurz über dem Boden

Zur Preisbindungsdebatte von E-Books

Da ist sie, die Frage, die sich lange abzeichnete und nun erstaunlich spät gestellt wird: Soll und darf die Preisbindung auch für E-Books gelten? In einer Stellungnahme spricht sich der Börsenverein deutlich dafür aus, auch wenn das E-Book der »Generation Tablet Reader« mit seinen Vernetzungsmöglichkeiten nicht mehr unter die Kategorie Buch fällt.

Natürlich aber kauft kein Mensch ein E-Book, das lediglich eine digitalisierte Form der Hardcoverausgabe ist, nur ohne Einband und dafür drei Euro billiger. Diese Entwicklung hätte man wirklich vorhersehen können, allein ein paar Klicks auf youtube haben im Vorfeld darüber informiert, wie die Zukunft des E-Book aussieht, und dass die Wellen erst mit dem endgültigen Erscheinen des Apple iPad hochschlagen, ist ebenso unnütz wie typisch. Wie immer wird beim Sprung gejammert und an der Reißleine erst kurz über dem Boden gezerrt.
Wie aber sieht die Lösung aus? Keine Preisbindung bedeutet: Dumpingpreise von Großanbietern wie Amazon, vor allem für die Bestseller und wenig bis kein Absatz von anderen E-Books, von Printausgaben ganz zu schweigen. Doch das Internet würde die Preisbindung von digitaler Literatur mittelfristig wahrscheinlich aushebeln, da die kostenlosen und/oder illegalen Angebote wie Pilze aus dem Boden schießen, sobald sie an anderer Stelle beschränkt werden. Die Paid-Content-Debatte ist nicht zuletzt aus diesem Grund noch nicht zu Ende geführt. Also die Preisbindung vielleicht doch gleich ganz aufheben, wie in Schweden oder Großbritannien?

Retten kann sich die Branche anscheinend nur, wenn sie mit Alternativangeboten schnell auf den neuen Markt reagiert. Nur: wie soll das aussehen? »Es ist Zeit, dass die druckende Branche begreift, dass man sich selbst schadet, wenn man die digitale Version verhindert, um das Druckwerk zu schützen.«, schreibt Frank Patalong auf Spiegel Online und spricht von »attraktiven Offerten«, die der Buchhandel machen müsse. Schöne Worte, doch wohin führen sie? Die Lösung liegt sicherlich nicht in der Ermahnung zum progressiven Denken. Ist die Konsequenz also, das E-Book freizugeben? Oder doch eine Überarbeitung des Preisbindungsgesetzes? Eine Flatrate für elektronische Bücher? Kann die Branche überhaupt in adäquater Weise auf den neuen Markt reagieren? Von allen Seiten schallt der Ruf nach Taten, allein die konstruktiven Vorschläge bleiben aus. Hoffentlich nicht allzu lange.

©goXunuReviews

Der Daumen in der Wunde – „Berlin Alexanderplatz“ an der Schaubühne

Der Daumen in der Wunde – „Berlin Alexanderplatz“ an der Schaubühne

Die Schatten der Vergangenheit lauern überall. Für Franz Biberkopf wird das zur bitteren Wahrheit. Der Arbeiter erschlug aus Eifersucht seine Freundin Ida und verbüßte sein Verbrechen in der Strafanstalt Tegel. Nun ist er wieder frei und auf dem besten Weg, ein besserer Mensch zu werden – wären da nicht die selbsternannten Moralrichter, die überall auf dem Pfad der Tugend lauern und partout nicht vergessen mögen.
Der Boden der Schaubühne am Lehniner Platz ist mit Münzen bedeckt, darüber hängt in blauen Lettern das vierte Gebot „Du sollst nicht stehlen.“ Das hält allerdings nicht alle Zuschauer davon ab, sich als kleines Souvenir eines der Geldstücke leise in die Tasche zu stecken. Soviel also zur Moral.

Volker Lösch hatte für seine erste Regiearbeit in Berlin die bewährten Utensilien für einen politischen Abend im Koffer: einen Laienchor, diesmal bestehend aus Ex-Sträflingen, plakative Bilder und starken Aktualitätsbezug.

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Das Phänomen „Twilight“

Seit der Erstveröffentlichung 2005 beherrscht sie die Bestsellerlisten und bringt Teenager weltweit in Wallung: Stephenie Meyers vierbändige Vampirsaga „Twilight“. Über vierzig Millionen Bücher wurden bisher verkauft, allein die kürzlich angelaufene Verfilmung des zweiten Bands „New Moon“ spielte in den ersten Wochen Rekordsummen ein. Der dritte Teil kommt bereits im Sommer 2010 in die Kinos.

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Was macht die Geschichte so erfolgreich? Ich begebe mich auf Spurensuche und lese den ersten Band „Bis(s) zum Morgengrauen“. Um es vorweg zu nehmen: das eingeklammerte „s“ im Titel enthält die gesamte Programmatik. Vampir Edward Cullen verliebt sich in die sterbliche Bella Swan und befindet sich dadurch in einem ständigen Kreislauf aus Blutdurst und Triebkontrolle. Mehr lesen