Bezahlung ist normal!

Ohne TitelUnbezahlte Praktika und schlecht vergütete Volontariate sind in kulturellen und sozialen Bereichen üblich. Leider auch in der Buchbranche.

Was konnten wir da in der letzten Woche auf der Webseite des Börsenblatts lesen? Da beschwerte sich jemand erstmals öffentlich über wenig bis nicht bezahlte Praktika und Volontariate in der deutschen Verlagslandschaft. Wir sind natürlich froh, dass es endlich einmal jemand angesprochen hat. Und dann gleich auf der Internetseite des Sprachrohrs der Branche und der Institution, die auch die Interessen von uns Berufsanfängern vertreten sollte, bisher aber anscheinend nicht getan hat. Auch auf dem Karrieretag der Leipziger Buchmesse vor zwei Jahren schwieg der Börsenverein-Moderator, als es Fragen zum Thema Gehalt gab, und versuchte darüber hinweg zu lächeln. Auch sonst waren unbezahlte Praktika und niedrige Volontariatsgehälter nie ein öffentliches Thema in der Verlagsbranche. Dass es Gesprächsbedarf gibt, jedenfalls von Seiten der Berufseinsteiger, zeigen die vielen Kommentare und Fragen, die es bereits nach wenigen Tagen zur Marginalglosse gab. Ist man nun selbst schuld daran, wenn man sich für die Verlagsbranche interessiert und darf kein höheres Gehalt verlangen? Machen sich die Verlage die eigene Branche kaputt? Ein Problem von Angebot und Nachfrage?

Keine einfachen Fragen, keine einfachen Antworten.

Natürlich versuchen auch die Autoren der Marginalglosse Argumente dafür zu finden, warum Verlage ein höheres Gehalt, 500 Euro werden an verschiedenen Stellen genannt, zahlen sollten. Wir sind gut ausgebildet, haben eine hohe Arbeitsmotivation, bringen viel Bereitschaft zu Flexibilität mit. Aber ist das nicht allein schon absurd? Müssen wir unseren Arbeitgebern erklären, warum sie uns ein Gehalt zahlen sollen? Und das Argument seitens der Verlage, es würde ihnen selbst wirtschaftlich nicht gut gehen? Geschenkt! Irgendwann muss auch mal Schluss sein mit der finanziellen Abhängigkeit von den Eltern. Oder sollen wir nebenbei noch einem anderen Job nach gehen? Von Ersparnissen leben? Vielleicht einen Kredit aufnehmen?

In den Köpfen hat eine Entkoppelung von Arbeit und Lohn stattgefunden. Aber leider nicht nur auf Seiten der Arbeitgeber, sondern auch in unseren Köpfen. Wir sind es aus Praktika gewohnt, dass es keine Vergütung und nur in Ausnahmefällen eine Art Aufwandentschädigung gibt. Riesige Volontariatsgehälter schweben uns mit dieser Praktikumssozialisation eh nicht vor. Aber mehr als gegenwärtig muss es schon sein. Denn jetzt haben wir unser Studium beendet. Wir sind keine Studenten mehr, sondern Berufseinsteiger. Im Grunde geht es aber nicht um die Frage eines Mehr oder Weniger, sondern es geht um den Fakt, dass viele Verlage so wenig zahlen, dass man davon nicht leben kann, egal ob in München, Köln oder Berlin.

Die Frage ist natürlich, ob wir eine Wahl haben. Eigene Gehaltsvorstellungen in Vorstellungsgesprächen zu vertreten, ist schwer bis unmöglich, da Verhandlungen über die Vergütung für Volontariate und Praktika meist nicht vorgesehen sind und deshalb kein Gehör finden. Und der nächste Bewerber, der es billiger macht, wartet schon.

Am Ende bleibt die entscheidende, aber schwer zu beantwortende Frage: Was wäre ein angemessenes Volontariatsgehalt, was eine angemessene Praktikumsvergütung?

Vielleicht hilft die folgende Überlegung weiter: Liebe Entscheidungsträger, wenn Sie ein angehender Volontär wären, welches Gehalt würden Sie für sich selbst ansetzen wollen, um davon (sparsam) leben zu können? Das ist vielleicht ein guter Ausgangspunkt für das nächste Bewerbungsgespräch mit Ihrem nächsten, potenziellen Praktikanten oder Volontär.

Die Frage ist: Wie viel sind wir Ihnen wert? Und noch was: Bezahlung wäre nicht nur nett, sondern ist verdammt noch mal normal!

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5 Gedanken zu „Bezahlung ist normal!

  • 10. März 2011 um 10:31
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    Dem kann ich nur uneingeschränkt zustimmen. Was da allerorten passiert, ist Ausbeutung. Aber auch die Bewerber sollten umdenken: so lange es immer genug hochqualifizierte Studenten/Absolventen gibt, die ohne weiteres bereit sind, für lau oder gegen einen Hungerlohn zu arbeiten, wird sich auf Arbeitsgeberseite wenig ändern.

    Antwort von Lina Kokaly am 10. Mrz 2011 um 19:12

    Liebe Svenja, da bin ich dabei. Ich gelobe: Ich nehme kein Volontariat mit nur dreistelligem Monatsgehalt an. (Der Rest ist verhandelbar. Reich werden wollte ich ja noch nie.)

  • 11. März 2011 um 11:48
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    Was in der Diskussion um die Bezahlung von Volontariaten auch mal dringend gesagt werden sollte: Die Grenzen zwischen Praktikum und Volontariat scheinen zunehmend zu verschwimmen, Volontariate dauern manchmal nur drei bis sechs Monate, dann kommt schon der/die nächste -- das Volontariat als Durchlauferhitzer, ist das Sinn der Sache?

    Als Berufseinsteiger macht man schließlich deshalb ein Volontariat, weil man für eine feste Stelle Berufserfahrung braucht, im besten Falle ein bis zwei Jahre. Von einem Volontariat erwartet man sich mehr als nur ein „Hineinschnuppern“, sondern, dass man auch eigenständig Projekte übernimmt, Kontakte knüpft und wertvolle Erfahrungen sammelt. In vielen Verlagen ist das (noch?) so -- es gibt leider aber auch genug Gegenbeispiele. Verschenkt man da als Verlag nicht die Chance, Nachwuchs zu fördern, von dem man selbst profitieren könnte?

  • 16. März 2011 um 10:54
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    Dieser Artikel spricht mir aus der Seele, weil er genau meine Erfahrungen wiedergibt -- wenn man als Germanistin im kulturellen Bereich oder eben Verlag arbeiten möchte, wird man meist auf ein Praktikum verwiesen. Das muss sollte man angeblich absolvieren, um die Arbeit kennenzulernen. Fakt ist allerdings, dass man für 200 Euro Praktikantengehalt die volle Arbeit macht. Es wird immer wieder gesagt, man müsse im Studium die Praktika absolvieren und bekomme dann einen Job. 2 Jahre und 4 Praktika (während derer ich immer parallel noch einen Teilzeit-Job hatte) nach dem Studium hat es bei mir gedauert und jetzt bin ich Volontärin in einem Verlag bei dreistelligem Monatsgehalt. Diese Stelle habe ich nur durch Kontakte bekommen, es gibt dort keine Stellenausschreibungen. Ich hoffe nach dem ein-jährigen Volo neue Chancen zu bekommen und eine Stufe höher in einem anderen Verlag steigen zu können. Die Chancen für mehr Geld dort zu bleiben, stehen eher schlecht. Das ist die Realität und viele sagen, man solle diese Jobs nicht machen. Ja, was soll man denn sonst machen? Ich möchte auch nicht das große Geld verdienen, aber bei den heutigen Mieten und Lebenshaltungskosten wird es schwierig, für unter 1000 Euro Netto zu arbeiten zumal man einen Hochschulabschluss hat und wenigsten 500 Euro mehr verdient hätte.

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