Frankfurter Buchmesse 2020: Ganz viel Hoffnung und Zeit für Heldinnen

Frankfurter Buchmesse 2020: Ganz viel Hoffnung und Zeit für Heldinnen

Aufgrund der Corona-Pandemie war in diesem Jahr alles anders. Anstatt durch die Frankfurter Messehallen von Veranstaltung zu Veranstaltung zu eilen, saßen wir auf unseren Berliner Sofas und streamten online die Buchmessetage. Es gab kein Gewusel, kein Messestand, keine Begegnungen! Trotzdem fiel die größte Buchmesse der Welt nicht aus, sondern sie konnte teilweise mit sehr wenig Publikum in Frankfurt stattfinden und wurde überwiegend von den Veranstalter*innen in den digitalen Raum verlegt. Die Litaffin-Redakteurinnen Meri und Eileen waren live von zuhause dabei!

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Bezimena – Für die Namenlosen

Bezimena – Für die Namenlosen

Nina Bunjevac hat ein beachtliches Graphic Novel gezeichnet und geschrieben. In Bezimena verarbeitet sie eigene Erfahrungen von sexualisierter Gewalt mit dem griechischen Mythos von Artemis, die von dem jungen Siproites heimlich beim Baden beobachtet wird und ihn zur Strafe in eine Frau verwandelt. Nina Bunjevacs Buch ist explizit, schmerzhaft, stark, metaphorisch und lebt durch die unglaublich präzisen Bilder.

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Land in Sicht

Land in Sicht

Jana hat eine Mission: sie will ihren Vater Milan kennenlernen. Der ihr unbekannte Mann ist Kapitän auf dem Donau-Kreuzfahrtschiff MS Mozart. Jana bucht sich ein Kreuzfahrt-Ticket und findet sich plötzlich auf dem Schiff zwischen Passagier*innen 60+, Mahlzeiten als Hauptattraktion und Landausflügen an den Ufern der Donau wieder. Doch einen Haken hat die Sache: wie den eigenen Vater ansprechen, der einen nicht erkennt? Ilona Hartmanns kurzweiliges Debüt Land in Sicht ist witzig, ironisch, flapsig und könnte an der ein oder anderen Stelle gern noch tiefer gehen.

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Und jetzt ist sie hier

Und jetzt ist sie hier

Sie war in London, um Literatur zu studieren, sie hat versucht, ihre Familie und ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen, in der großen Stadt anzukommen und ihre Herkunft aus der Working Class im Norden Englands ein Stück zu vergessen. Sie hat unter den gierigen Blicken verschiedener Männer in Kneipen gearbeitet und versucht, sich und ihren Körper kennenzulernen, sie hat probiert, ihren alkoholkranken Vater zu retten und dabei vergessen, sich selbst zu beschützen. Und jetzt ist sie hier, in dem alten Cottage ihres verstorbenen Großvaters in Irland. Hier versucht sie, Lucy, die vielen kleinen Mechanismen ihrer Vergangenheit zu erzählen und zu verstehen und kommt sich und ihrer Familie ein kleines Stück näher. Jessica Andrews Debüt Und jetzt bin ich hier ist ein sinnlicher Roman über ein Mädchen, eine junge Frau voller Höhen und Tiefen, über eine Suche und manchmal ein Finden.

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Fehlstart

Fehlstart

Eine junge Frau wird verlassen, bricht ihr Jura-Studium ab und geht nach Paris, um hier dem Glück hinterherzujagen. Statt des Glücks findet sie einen prekären Hostessen-Job im Hosenanzug, keine Wohnung und die immergleichen klassistischen Strukturen, aus denen das Entweichen beinahe unmöglich scheint. Marion Messinas scharfer Blick portraitiert Aurélie und die Hürden, die verhindern, dass sie sich vom Arbeiter*innenmilieu der Eltern entfernen kann.

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Über Spanien lacht die Sonne

Über Spanien lacht die Sonne

„Denn bei jedem Kommentar hat man nur Sekundenbruchteile, um zu entscheiden: Freischalten oder löschen? Das sind die zwei Optionen.“ Kitty hat einen neuen Job. Es ist 2015 und sie startet bei einem Unternehmen in Hamburg als zusätzliche Kommentar-Moderatorin. Denn 2015 sind so viele rechte Internet-Trolle unterwegs, dass sie gebraucht wird. Kathrin Klingner erzählt mit leichtem Federstrich über ein bedrückendes Thema und seine Ausmaße.

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Zuflucht nehmen auf der anderen Seite des Himmels

Zuflucht nehmen auf der anderen Seite des Himmels

Karsten trifft Neyla in Berlin, doch Neyla ist in Gedanken noch in Syrien. Während sich Karsten in Neyla verliebt, liest er ein Buch: „Zuflucht nehmen“. Darin treffen sich zwei Frauen kurz vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges fernab ihrer Herkunftsländer. Vor einer buddhistischen Landschaft in Ägypten und unter denselben Sternen, die auch über Berlin leuchten, kommen die Frauen sich näher.

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Sonne Mond Zinn

Sonne Mond Zinn

Gustav Zinn fährt auf eine Beerdigung. Es ist die Beerdigung seines Großvaters Anton Hamann, ein ihm unbekannter Mann, der Vater seiner Mutter Edith, der unehelichen ersten Tochter. Gustav betritt die Bühne einer ihm völlig fremden Familie, seiner Verwandten und wird zum Beobachter und Erzähler in diesem Konstrukt. Alexandra Riedels Debüt Sonne Mond Zinn wirkt wie ein Kammerspiel, ein poetisches Nachdenken über die Sichtbarkeiten und Unsichtbarkeiten in einer Familie.

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Welcome to Hawaii

Welcome to Hawaii

Kemal Arslan zieht durch das Hawaii, es ist Sommer, es ist heiß in Heilbronn. Er ist erst seit Kurzem wieder aus der Türkei zurück, hier hat er bei einem großen Verein Fußball gespielt, bis er sich den Fuß schwer verletzte. Während Kemal seine Richtung verloren hat und durch die Straßen des Stadtviertels Hawaii zieht, braut sich etwas in der Stadt zusammen und steuert einer großen Eskalation entgegen. Cihan Acars literarisches Debüt ist aktuell, greifbar und ermöglicht einen Blick in das Heilbronner Viertel zwischen Industrie und Plastikgartenstühlen.

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Was wir voneinader wissen

Was wir voneinader wissen

„Wie leicht war es doch, eine mögliche Zukunft wegen einer anderen abzubrechen und im Rückblick dessen, was hätte sein können, nur diese dünne zufallsbedingte Linie zu sehen, das Geschehene, das aus der unendlichen und leeren Finsternis des Ungeschehenen aufsteigt.“ Jessie Greengrass hat ein außergewöhnliches Debüt geschrieben über die Kraft von Entscheidung, Erkenntnis, Trauer und der Rolle ihrer Protagonistin im Schatten ihrer Mutter und Großmutter.

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