Kategorie: Literarische Orte

Susanne Klatt

H Rbar-Berlin1Die beiden Autoren Christine Berger und Felix Mennen haben 2005 das Projekt „Hörbar Berlin“ ins Leben gerufen. An über 30 Hörstationen kann man sich heute kostenlos MP3-Player ausleihen und Literatur von Berliner Schriftstellern anhören.

Ich sitze in einem gemütlichen Café auf der Schönhauser Allee Ecke Danziger Straße. Durch die große Fensterfront beobachte ich die vielen Menschen, die aus dem U-Bahnhof Eberswalder Straße herausströmen und sich in alle Richtungen verteilen. Eine angenehme Männerstimme ertönt aus den Kopfhörern des CD-Players und erzählt die Kurzgeschichte Der Rempler von Michael André Werner. Wie passend, denke ich, während ich einen Schluck von meiner Heißen Schokolade trinke, diese Typen begegnen einem in Berlin doch fast jeden Tag: Gehetzte Großstädter, die sich während der Rushhour rücksichtslos an den anderen Fahrgästen vorbeidrängeln und zum Zug eilen, als wäre es der letzte, der sie an ihr Ziel bringen kann. (weiterlesen …)

Lisa Heyse

Jurten Sony-center Kl-263x300Der zehnte Berliner Wintersalon hat seit Donnerstag seine Jurten geöffnet und lädt ein zum kurzen Eintauchen in eine gänzlich unstädtische Welt.

Über drei Jurten stolpern hastig eilende Geschäftsmänner und Touristen aus aller Welt zur Zeit im Innenraum des Sony Centers. Drei runde Zelte, die bereits von außen symbolisieren, dass sie dorthin eigentlich nicht gehören, sich nicht einreihen mögen in den ansonsten so futuristisch anmutenden, hohen Gebäudekomplex. Und tatsächlich entführt einen das Betreten eines dieser in Relation winzig anmutenden Konstrukte in eine gänzlich andere Atmosphäre.

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Sarah Ehrhardt

Zadig1Von “Another Country” aus reisen wir gleich weiter in frankophone Gefilde und besuchen diesmal die Buchhandlung “Zadig” in Berlin-Mitte. Zwischen Neuer Synagoge und Oranienburger Tor befindet sich seit nunmehr sieben Jahren einer der Berliner “hot spots” französischer Kultur. Mit Litaffin sprach Patrick Suel, der Inhaber, über Voltaire, Houellebecq, die Konkurrenz und das Jahr 2011.

Litaffin: Patrick, welche Idee steckt hinter der Namenswahl? Warum der Bezug zu Voltaires Erzählung Zadig ou la destinée?

Suel: Zunächst einmal hat Voltaire als Franzose auch einen Bezug zu Berlin – er lebte und publizierte ja eine Weile am Hof von Friedrich II. Der Name Zadig ist mehrdeutig: im Arabischen steht er für Wahrheit, im Hebräischen für Gerechtigkeit, er verkörpert die Idee der Aufklärung. Weder Voltaire noch die Figur Zadig sind Vorbilder für mich, aber auf intellektueller Ebene sind sie interessante Charaktere. Manchmal frage ich mich auch, ob Zadig nicht eigentlich ein schrecklicher Name für eine Buchhandlung ist, denn die Figur in Voltaires Erzählung macht viel Furchtbares durch. Doch am Ende zählt, dass er sich diesen Dingen stellt (und als Sieger aus dem Kampf hervorgeht). Das ist doch eine gute Philosophie!  (weiterlesen …)

Constantin Lieb

Another-Country-Berlin-225x300Nachdem in unserer Vorstellungsreihe die Krimibuchhandlung „Hammett“ an der Marheineke Markthalle den Anfang gemacht hat, gehen wir nun einige Straßen weiter in die Riemannstraße. Hier pflegt das englischsprachige Antiquariat „Another Country“ Gelassenheit und literarischen Kulturaustausch.

Thomas Pynchon würde diesen Ort lieben, denke ich und stolpere in den Laden. Die Treppenstufen zum Eingang hinauf sind glatt. Vielleicht war ich aber auch nur zu befangen von dem Sog der Buchhandlung. Ich betrete den Eingangsraum mit seinem gefliesten Boden und den vollgestellten Holzregalen und weiß, dass es hier um gelebte Literatur geht, nicht um das Verkaufen von Büchern.

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Lina Kokaly

Seit 2004 ist das Holy.Shit.Shopping zu Weihnachten eine willkommene Alternative zu öden, kitschigen Weihnachtsmärkten an den Touri-Ecken Berlins. Künstler und Designer präsentieren und verkaufen ihre selbstgemachten Produkte, made in Berlin, und locken damit die Berliner Szene jedes Jahr an andere Orte. Letztes Jahr wurde im Postbahnhof konsumiert, DSC001281-225x300dieses Wochenende luden gleich drei Galerien: in der Spandauer- und der Karl-Liebknecht-Straße. Jedes Jahr sind auch Buchverlage dabei. Bücher auf dem Weihnachtsmarkt, passt das? Wir haben uns mal umgeschaut.

Cross Cult verkauft, zwischen T-Shirts, die Comic-Vorlagen von Surrogates, Sin City und 24. Igor mag das „kreative Design“ des Weihnachtsmarktes. „Wir passen hier hin. Das Konzept funktioniert.“

Und wie verkauft es sich?

„Naja, die Leute sind schon interessiert und kommen schauen, aber die suchen zum größten Teil nichts für sich, sondern Geschenke. Und dafür sind unsere Sachen etwas zu herb.“

DSC00129-225x300Danielas Verlag kookbooks ist gefühlt der erste, der den Vertriebsweg Weihnachtsmarkt wählte. Aber eben nur gefühlt:
„Der Verbrecher Verlag ist auf jeden Fall schon länger dabei. Ich mach das hier seit dem zweiten Jahr Holy.Shit.Shopping, also seit 2005. Neben kookbooks biete ich auch das großartige Programm von supposé mit an.“
Dafür ist Daniela auch auf den Weihnachtsmärkten am Schloss Charlottenburg und in der Domäne Dahlem vertreten, wo eigentlich nicht ihre Zielgruppe bummelt.
„Diesmal habe ich außerdem Bücher von edition ebersbach und :Transit dabei. Die laufen hier allerdings nicht so gut, dafür am Weihnachtsmarkt vorm Schloss Charlottenburg besser, wo wir zu viert einen Stand betreiben: Verlage aus Charlottenburg.“
Die neuen Räume in den Galerien gefallen ihr gut: „Ich mag die Stimmung hier. Gleich gehe ich auch selber mal `ne Runde.“

Sandras Stand von Blumenbar , ist direkt neben dem DJ-Pult, daher muss der Büchertisch neben der verdunkelten Tanzfläche auch mit Kerzen beleuchtet werden. Hinter ihr steht ein Kinderwagen samt Baby.
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Und wie läuft’s heute?

„Geht so. Die Leute gucken lieber. Aber es lohnt sich schon auch für uns. Gerade habe ich noch nebenher Zeit, das Baby zu betreuen.“

Wie lange seid ihr schon mit Büchertischen auf dem Weihnachtsmarkt dabei?

„Eigentlich schon immer. Unsere Zielgruppe ist schließlich hier.“

Und welche Titel werden hauptsächlich gekauft?

„Eher die bekannteren Autoren: Jasmin Ramadans ‘Soul Kitchen’ und Leonard Cohen.“

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Sebastian ist für den Vertrieb beim Graphic Novel-Verlag reprodukt zuständig. Der dritte Band der Mumin-Reihe ist schon ausverkauft.

„Wir sind gleich für das erste Jahr von den Veranstaltern angesprochen worden, ob wir dabei sein wollen. Wir dachten: Komm`, wir versuchen das einfach. Es klappt sehr gut. Wir müssen alternative Vertriebswege gehen, da wir es als kleiner Verlag in den Buchhandlungen schwer haben. Unsere Bücher scheinen die richtigen Produkte für diesen Weihnachtsmarkt zu sein. Die Leute verschenken sie gerne.“

Fotos: © Daniel Ziemens

Leonie Langer

Hammett-003 21In unserer neuen Reihe stellen wir Buchhandlungen vor, die es uns wert erscheinen, dass jeder sie kennt, denen wir mehr Besucher wünschen oder die einfach besonders bzw. besonders nett sind. Den Anfang macht die Krimibuchhandlung Hammett in der Friesenstraße in Kreuzberg.

Das gelbschwarze Logo fällt mir schon von weitem ins Auge, die dicken Lettern „Hammett“ leuchten mir entgehen. Vor dem liebevoll und etwas altmodisch-herbstlich dekorierten Schaufenster mit dem großen Leuchtrevolver stehend, mache ich mir von draußen eine ersten Überblick über die neuesten Krimi-Erscheinungen. Ich bin auf der Suche nach einem Geschenk für einen begeisterten Krimileser und hoffe hier – in einer von insgesamt drei Krimibuchhandlungen in Berlin – fündig zu werden. (weiterlesen …)

Dennis Grabowsky

0422 Rendez-vousAm vergangenen Wochenenende kamen in der Berliner Akademie der Künste französische und deutsche AutorInnen zum Lesefest zusammen. Litaffin war dabei und fand viel Gutgemeintes…

Jetzt konnte nur noch die französische Botschaft helfen. Marie sei verhaftet worden, hatte Ingo Schulze eben mit verschmitztem Lächeln unter der Hand seine Informationen weitergeleitet, als besagte Marie Darieussecq doch noch den Plenarsaal der Akademie der Künste in Berlin betrat. So begann die dritte Paarung dieses Abends zwar nur beinahe pünktlich, dafür aber mit dem Klischee vom übereifrigen deutschen Beamten, der die Schriftstellerin aus dem Baskenland aufgrund eines nicht entwerteten Fahrscheins vorübergehend in Gewahrsam genommen hatte. Stolz reckte sie Fahrschein und Strafzettel in die Höhe, in ihrem Rücken durch die großen Panoramafenster gut erkennbar: die französische Botschaft vis-à-vis. Für ihre glückliche Freilassung gebühre den dort arbeitenden Menschen der Dank. (weiterlesen …)

Doreen Werner

Dienstag, 19. Januar, im sehr gut besuchten Literaturforum im Brecht-Haus, die Bühne gehört Durs Grünbein. Vor kurzem von seinem Aufenthalt in Rom in der Villa Massimo zurückgekehrt, stellt Durs Grünbein im Gespräch mit Michael Opitz sein Buch Die Bars von Atlantis vor, ein Buch in 14 Essays, das sich eher wie ein langes Gedicht liest. In der Tat, scheint sich in dem Buch alles auf das ‚Gedicht’ „Von den Flughäfen“ hinzuführen. Im Fokus der Betrachtung steht das Reisen und Durs Grünbein begreift, was Paul Celan (hierzu: Axel Schmitt) mit seinem Vergleich des Gedichts als Flaschenpost meint.

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Lisaa Wegener

“LSD – Liebe Statt Drogen”.
Micha, Uli, Tube, Spider, Ivo und Sascha präsentieren Geschichten, Lieder und Gäste.
Anschliessend: “Laut und billig” – Der wilde Gitarren-Tresen.
Den Schokoladen findet ihr in der Ackerstr. 169, Berlin-Mitte, U Rosenthaler Platz

Felix Jentsch bei LSD – Liebe Statt Drogen am 12. Januar 2010

Katrin Ritte

In der Frankfurter Allee 11, nahe dem Frankfurter Tor, findet ihr das Café Tasso, in dem ihr nicht nur Kaffee und Kuchen genießen, sondern auch in Bücherkisten stöbern könnt. Alle Bücher gibt es für einen Euro und in den Kisten und Regalen entdeckt man immer wieder ungewöhnliche und lesenswerte Bücher. Von Montag bis Samstag kann man es sich hier ab halb zehn mit seinen Neuentdeckungen bei einem Kaffee gemütlich machen, sonntags ab zehn Uhr. Außerdem veranstaltet der Besitzer auch Lesungen, Filmabende, Konzerte und Ausstellungen – wann hier was los ist, erfahrt ihr auf www.cafe-tasso.de.

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