Kategorie: Betrieb

Insa Kohler

LarsRuppel-860x1024Alzpoetry ist ein Wort, das nicht im Duden steht, das noch niemand bei wikipedia definiert hat, das vergleichsweise wenig Treffer bei google ausspuckt. Zusammengesetzt aus „Alzheimer“ und „Poetry“ steht ein großartiges Projekt hinter diesem Begriff. Litaffin sprach mit Lars Ruppel über die Umsetzung des Projektes in Deutschland.

Lars Ruppel steht in der Mitte eines Stuhlkreises und trägt ein Gedicht vor. Das macht er oft. Normalerweise steht er dabei auf einer Bühne. Dann ist er Poetry Slammer. Dann ist sein Publikum jung und besteht zum größten Teil aus Studenten. Dieses Mal nicht. Dieses Mal dichtet Lars zusammen mit den Alzheimer-Patienten eines Seniorenheimes. Lars Ruppel ist der Leiter des Deutschen Alzheimer Poesie Projektes „Weckworte“. (weiterlesen …)

Dennis Grabowsky

182641 10150142274361140 289105826139 8539218 3556865 N-300x225
181937 10150142273516140 289105826139 8539201 1653913 N1-300x225Das Baby kann schon sprechen und laufen: Litaffin wird stolze zwei Jahre alt. In diesen Jahren ist viel passiert – im und außerhalb des Blogs.

Und das wollen wir mit allen FreundInnen, AutorInnen, RedakteurInnen und natürlich LeserInnen des Blogs gebührlich feiern. Wie schon im letzten Jahr laden wir dafür in den Buchhändlerkeller in Berlin-Charlottenburg ein.

Zweiter Litaffin-Geburtstag am 18. Februar 2012 – diesen Termin sollte man sich merken!

Es wird ein kleines, aber äußerst exquisites Programm mit Wort, Musik und Sensationen zum Auftakt des Abends geben. Danach wollen wir feiern, tanzen und unsere Tresendiensthabenden ordentlich beschäftigen.

Alle weiteren Informationen, etwa den genauen Beginn der Veranstaltung, gibt es rechtzeitig hier auf Litaffin zu lesen. Es ist also immer gut, uns regelmäßig zu besuchen. Sowieso!

Lisa Heyse

Von Sarah Ehrhardt und Lisa Heyse.

Blogrundschau2

Vor ziemlich genau einem Jahr hat litaffin mit der ersten Blogrundschau einen Blick in die Zukunft gewagt. Damals haben wir das Netz durchstreift und versucht herauszufiltern, welche Trends die Buchbranche 2011 beschäftigen würden – heute werfen wir einen Blick zurück und prüfen, was sich tatsächlich getan hat: Welche Themen haben sich nur als kurzlebige Trends erwiesen, was hat das Jahr wirklich geprägt und wird auch in Zukunft noch Thema sein?

1. Social Reading

Über die genuin soziale Komponente des Lesens und die daraus resultierenden Möglichkeiten, die sich der Branche bieten, berichtete Booksquare-Bloggerin Kassia Krozser schon 2010 in einem sehr lesenswerten Artikel. Laut Krozser bestehe die Herausforderung darin, den Austausch so zu organisieren, dass er keinen Mehraufwand für die Leserschaft bedeute.
Ist das gelungen? (weiterlesen …)

Markus Streichardt

IMG 02811Landauf, landab hört man immer wieder, das Medium Buch sei dem Untergang geweiht. Allenfalls in Form des eBooks werde es überleben. Aber für die gedruckte Ausgabe brechen schwierige Zeiten an. Grund genug, einmal das Gespräch mit einem Buchhändler zu suchen und eine alte Reihe wieder aufleben lassen. Nachdem wir bereits der Hammett-Krimibuchhandlung, Zadig und Another Country ein Besuch abgestattet haben, befinden wir uns nun in der Tucholsky-Buchhandlung in Mitte.

Hier werden Bücher zur Schau gestellt, wie es anderswo nur Bestsellern vorbehalten ist. Wo bitte schön wird einem die Möglichkeit geboten, Christof Wackernagels überbordende Traumtrilologie es durchzublättern? Wo sonst bekommt den Verlag Edition Schwarzdruck präsentiert, dessen Bücher lediglich eine Startauflage von 333 Exemplaren umfassen? Prinzipiell scheint die Verbindung von Kultur und Geschäft kein öder Marketingtrick, sondern ein eingelöstes Versprechen zu sein. Wir sprechen mit dem Inhaber Jörg Braunsdorf über seinen Werdegang, seine Arbeitsphilosophie und die Vor- und Nachteile des Internets.

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Caroline Merz

Von Caroline Merz und Theresa Kellner.

Readmill3-200x300Die Regale reichen vom Boden bis zur Decke – idealer Stauraum für eine Unmenge an Büchern – doch sie sind leer. Eine Vorahnung? Eine Metapher für die nahende Zukunft ohne physische Bücher? Im Hauptquartier von Readmill scheint dies längst Realität geworden zu sein. Mit Blick auf die Spree hat sich das junge Start-up-Unternehmen ein Büro ganz im Stil seiner Vision eingerichtet. Modern, Digital, Vernetzt, ganz so wie sich Henrik Berggren und David Kjelkerud ihr Projekt vorstellen.

Vor drei Monaten sind die beiden Schweden nach Berlin gezogen, um hier, in der „most energizing city“, Readmill umzusetzen. Im Augenblick befindet sich das Projekt noch in der  Betaphase. Am 6. Dezember gegen Abend (also heute!) soll Readmill dann aber der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Doch was heißt denn eigentlich Readmill? (weiterlesen …)

Leonie Langer

Lettretage-005-300x180Vor und mit dem Publikum über die eigenen Texte diskutieren und sich der Kritik stellen – kein Kinderspiel. Das wagten drei Autoren aus den Zentren der jungen deutschen Literatur Hildesheim, Leipzig und Berlin. In der Reihe außerbetrieb lud die die Berliner Lesebühne kreuzwort am Mittwochabend zum Workshop „Netzbetriebe Prosa“ in die lettrétage ein. Isabel Bredenbröker, Hakan Tezkan und Juan Gosze präsentierten ihre Texte.

Das Publikum besteht im Durschnitt aus 23-jährigen Germanistik-Studenten, die Stimmung ist locker bis angespannt-erwartungsvoll. Den Anfang macht Isabel Bredenbröker, die an der FU studiert und am Heiner-Müller-Autorenkolleg 2011 unter der Leitung Thomas Lehrs teilgenommen hat. Ihr Text „Laborarbeit“ wurde inspiriert von einem Filmriss in ihrer Kamera und der Frage, ob mit dem Verlust von Fotos auch ein Stück Leben verloren geht.

Die anschließende Debatte wird schnell hitzig – und ein Missverständnis zwischen dem Vorhaben der Lesungsmacher, den kreuzwortlern Caroline Beutel und Kristoffer Cornils, und der Erwartung des Publikums muss geklärt werden: Sehen erstere die Veranstaltung als Workshop im Sinne von direkter Arbeit am Text, bemängelt letzteres gerade dieses kleinschrittige Vorgehen und möchte lieber etwas über den Einfluss der Dichterschulen auf das Schreiben und die unterschiedlichen Herangehensweisen der verschiedenen Unis erfahren. (weiterlesen …)

Markus Streichardt

M C3 A4rzwald-300x300Buchhandlungen, heißt es, müssen nicht nur ausgezeichnete Bücher im Sortiment haben und den unschlüssigen Käufer kompetent beraten. Nein, sie müssen, um heutzutage wettbewerbsfähig zu bleiben, dem Kunden noch MEHR bieten. Mehr im Sinne von Non-Book-Artikeln und literarischen Veranstaltungen. Zumindest Letzteres beherzigt die Tucholsky-Buchhandlung zutiefst. Hervorzuheben sei an dieser Stelle das Format Weltbühnen-Verlagspräsentation. In dem wird Verlagen, vornehmlich Kleinverlagen aus Berlin und Umgebung, Raum gegeben, sich der Öffentlichkeit vorzustellen und dem interessierten Leser einmal den Schöpfungsprozess des Buches zu verdeutlichen.

Am Mittwochabend hatte der Schöffling Verlag aus Frankfurt am Main die Ehre, bevor anschließend die Lyrikerin und Autorin Ulrike Almut Sandig, bekannt durch ihren preisgekrönten Erzählband Flamingos, und die Musikerin und Dichterkollegin Marlen Pelny das gemeinsame Werk Märzwald – Dichtung für die Freunde der Popmusik darboten. Um es schon mal vorab zu verraten: Es war ein rundum gelungener Abend. (weiterlesen …)

Sarah Ehrhardt

Rvmangoldt3Elias Canetti, Max Frisch, Elfriede Jelinek, Peter Esterházy, Karen Duve oder Zsuzsa Bánk sind nur einige der über 1000 Autoren, die die Fotografin Renate von Mangoldt seit der Gründung des Literarischen Colloquiums portraitierte. Ihre Schwarz-Weiß-Bilder prägen unser literarisches Gedächtnis auf visueller Ebene. Per E-Mail beantwortet Renate von Mangoldt Fragen zu ihrer Arbeit am LCB, der Beziehung von Autor, Text und Bild sowie zu ihrem demnächst erscheinenden Buch.

litaffin: Seit 1963 sind Sie nun schon als Fotografin am Literarischen Colloquium in Berlin tätig. Welche besonderen Reize und Schwierigkeiten birgt die Arbeit mit Autoren am LCB? (weiterlesen …)

Markus Streichardt

Bauer-300x251Banker investieren bekanntlich in Goldbarren und Aktienpakete. Geisteswissenschaftler hingegen in Bücher. Gern schaffen sie sich ein weiteres Billy-Regal an, um die Bildungsbürgertapete fortführen zu können. Randbemerkung: Auch das ist möglicherweise ein Grund, warum das eBook hierzulande bisher ein Nischendasein fristet. So mancher Bibliophile mehrt und hortet nicht nur sein Wissen, sondern trägt auch zur Altersvorsorge bei, indem er sich das Buch signieren lässt.

Wer kennt sie nicht, die immer gleich aussehenden Herren, die die Lesung eine halbe Stunde früher verlassen, um als Erstes mit fünf oder zehn Exemplaren am Signiertisch zu stehen. Auf eine persönliche Widmung wird bewusst verzichtet, könnte dies doch die beabsichtigte Wertsteigerung schmälern. (weiterlesen …)

Dennis Grabowsky

Wie gebannt saß ich vor dem Fernseher, mit offenem Mund, weit aufgerissenen Augen. Kaum traute ich mich zu atmen. Ich konnte einfach nicht glauben, was da auf dem Bildschirm vor sich ging. An Lachen war gar nicht zu denken. Ich konnte alles so genau verstehen, wie ich noch nie etwas verstanden hatte – und doch war ich ganz aus dem Häuschen, dass so etwas möglich war. Dabei waren es doch einfach nur eine Skatrunde oder ein Konzertbesuch, was dort gezeigt wurde.

An mein genaues Alter kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber ich spüre noch heute die Faszination, die mich fesselte, als ich zum ersten Mal in meinem Leben mit Loriot in Berührung gekommen war. Von da an sollte er noch oft meinen Lebensweg kreuzen, wie er so vielen von uns in ihrem Alltag immer wieder begegnet ist. Und das wird er weiterhin. Manchmal ist sogar Pathos angebracht, um mit Kleist zu sprechen: „Nun, o Unsterblichkeit, bist du ganz mein!“

Alle Lobeshymnen sind längst gesungen. Und sie werden jetzt wieder folgen. Wie diese hier. Sie können nur unzureichend das ausdrücken, was Loriot vielen Menschen wirklich bedeutet hat, wie viele seiner Formulierungen in den Alltag eingegangen sind und allen ein lächelndes Einverständnis geschenkt haben. Was ist große Literatur, wenn nicht Loriot?
Ich selbst traf Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow gemeinsam mit der kongenialen Evelyn Hamann als kleiner Junge auf der Berliner Premiere eines seiner beiden Kinofilme. Loriot war da, ein älterer Herr, der in allen Generationen seine Groupies hatte und den man sich zum Großvater wünschte. Erneut begegnete er mir zur Immatrikulation an der FU Berlin, zu der er die Willkommensrede hielt. Letzte Zweifel an der Wahl des Studiums waren wie weggeblasen. Wo Loriot ist, da ist man richtig, dachte ich.

Er soll, so lauten die Geschichten, ein penibler und strenger Arbeiter gewesen sein, streng zu anderen wie zu sich selbst. Anders aber ist diese Qualität komischer Kunstfertigkeit nicht erreichbar. Alles muss stimmen: Timing und Mimik, Requisite und Maske, Gestik und Wort – und Musik, die Loriots große Leidenschaft war. Seine Sketche und Texte sind Kompositionen, bei der jeder Ton exakt dort gesetzt ist, wo er hingehört. Und doch haftet dem allen eine unglaubliche Leichtigkeit an, die nicht nur einen kleinen Jungen ganz baff vor dem Fernseher staunen lässt. Und in diesem einen Fall hatte er dann doch fast Unrecht: „Ich lasse mir doch von einem Fernsehgerät nicht vorschreiben, wo ich hinsehen soll!“ Wenn Loriot auf diesem Gerät erscheint, dann stellt sich die Frage erst gar nicht.

Loriot ist tot. Seiner Familie gilt unsere Anteilnahme.

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