Flucht ins Kollektiv

Flucht ins Kollektiv

Die Idee des autoritären Charakters entstand bereits in den 1930er Jahren im Umfeld der Frankfurter Schule. Nun ist 2020 ein Band zur Aktualität dieser Idee im Verbrecher Verlag erschienen: »konformistische Rebellen – zur Aktualität des autoritären Charakters«. Marie Kraja hat mit Herausgeberin Katrin Henkelmann über Versuche der Ohnmachtsbewältigung, durchlektorierte Nächte und das potentiell faschistische Individuum gesprochen.

Interview von Marie Kraja

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Die Variablen des Lebens und Schreibens

Die Variablen des Lebens und Schreibens

„Ich. Sie. Die Frau“ von Niña Weijers umreißt durch eben diese drei Perspektiven eine Protagonistin mehrerer Distanzierungsgrade, die sich absolut frei in Raum und Zeit fortbewegen kann und in eine Vielzahl an möglichen Leben schlüpft, als würde sie ein paar Schuhe anprobieren. Es gibt „M.“ als Freundin, die drei Varianten einer Protagonistin, die schreibt und in irgendeiner Beziehung zu einem Hund steht. Das sind die spärlichen Ausgangspunkte, die sicher scheinen. Man müsste dieses Buch wohl einige Male lesen und würde immer noch in jedem Satz eine Anspielung, eine neue Ebene von konstruierter Literarität, eine neue Falle finden, in die der nach Chronologie oder Erklärung suchende Lesende tappt.

von Marie Walther

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Ich heiße Fatima Daas

Ich heiße Fatima Daas

Fatima Daas ist Französin, gläubige Muslima, Feministin und Lesbe. Gefangen zwischen den traditionellen Rollenbildern ihrer muslimischen Eltern und ihrer Homosexualität versucht sie, ihre inneren Widersprüche zu vereinbaren. Sie fühlt sich zerrissen zwischen den Welten und will sich nicht für eine entscheiden müssen. Stattdessen erhebt sie ihre Stimme: Mutig, laut und entschlossen stellt sie sich uns in ihrem Debütroman Die jüngste Tochter vor.

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Indiebookchallenge: Mit einem Gemälde auf dem Umschlag #1

Indiebookchallenge: Mit einem Gemälde auf dem Umschlag #1

Dekorativ, farbenfroh, leicht eingestaubt, muss ich zugeben – wie ein schönes Gemälde – stand „Ein Mann der Kunst“ in meinem Bücherregal. Wer wie ich ein Buchnerd ist, kennt dieses Phänomen, dass man immer mehr Bücher in den Buchhandlungen kauft, als man eigentlich Zeit zum Lesen hat. In einem Interview sagt der Autor Kristof Magnusson: „Die Kunst funktioniert nicht, wenn sie nicht wahrgenommen wird.“ Also habe ich dieses herrlich satirische Buch entstaubt, aufgeschlagen und endlich wahrgenommen!

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Zwischen Tagebuch und Theoriesammelsurium: Ich denk, ich denk zu viel

Zwischen Tagebuch und Theoriesammelsurium: Ich denk, ich denk zu viel

Eine Hymne an das Butterbrot, Jean-Paul Sartre über das Schwindelgefühl und Bologna zwischen Bildungsreform und Songtext. All das und noch viel mehr vereint Nina Kunz in ihrem Buch Ich denk, ich denk zu viel. Auf 180 Seiten lädt uns die Kolumnistin in ihre Gedankenwelt ein, teilt ihre Krisen, Zweifel und Sehnsüchte und zeichnet ein facettenreiches Bild unserer Gegenwart, das vor allem zeigt, dass wir viel zu viel nachdenken.

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Emma Jane Unsworth: Adults

Emma Jane Unsworth: Adults

Dieses Erwachsensein

Emma Jane Unsworths neuer Roman „Adults“ zeigt schonungslos die Tücken unserer heutigen Gesellschaft auf. Social-Media-Abhängigkeit, ungesunde Arbeitshaltung und die kaputte Beziehung zur Mutter sind nur einige der Verwicklungen, denen Protagonistin Jenny McLaine ausgeliefert ist. Als sie dann noch entlassen wird, ihr Freund sie ausgerechnet für ihr Instagram-Idol verlässt und ihre Mutter bei ihr einzieht, ist das Chaos perfekt und die Midlife-Crisis in vollem Gange. Ein rasanter, witziger und brutal ehrlicher Roman, der sich als ziemlich tiefgründig entpuppt.

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Ditch Platon!

Ditch Platon!

Es knallt. Rot auf lila, Philosophie auf Frauen. Die eine oder der andere mag kurz stutzen, fallen uns doch vor allem männliche Namen ein, wenn wir nach den philosophischen Größen der Geschichte gefragt werden. Das sind die beiden jungen britischen Philosophinnen Rebecca Buxton und Lisa Whiting leid und starten einen Crowdfunding-Aufruf mit eben jener Frage: Wie viele Philosophinnen kennen wir eigentlich? 

Die Ratlosigkeit ist erschreckend, nicht eine der befragten Personen vermag eine Philosophin aufzuzählen. So findet das unkonventionelle Buchprojekt großen Anklang und rasch stehen genügend Mittel zur Verfügung. Ergebnis ist die Anthologie Philosophinnen, die dieses Frühjahr in deutscher Übersetzung erschien und weiblichen Philosophinnen jene breite außeruniversitäre Anerkennung schenkt, die sie verdient haben.

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