Das dritte Lichtlein brennt – Weihnachtsempfehlungen #3

Das dritte Lichtlein brennt und wir nähern uns rasant dem Weihnachtsfest. Bevor es so weit ist, schlagen wir euch noch drei weitere Buchgeschenke vor. Es wird spannend, klassisch-weihnachtlich und f***ing good.

"It's beginning to look a lot like christmas." © Sofie Mörchen
„It’s beginning to look a lot like christmas.“ © Sofie Mörchen
Rebecca empfiehlt: In Weihnachtszeiten von Hermann Hesse, erschienen im Insel Verlag.
Hermann Hesse: In Weihnachtszeiten. Insel Verlag 2015 © Rebecca Zeil

Darum geht’s: Auf der Liste der Klassiker deutscher Literatur und sicherlich auch so manchen Weihnachtsbäumen hat Hermann Hesse schon lange einen festen Platz eingenommen. Doch dabei muss man nicht immer zu seinen Klassikern greifen. In Weihnachtszeiten ist eine Sammlung von Werken Hermann Hesses rund um die kalte Jahreszeit und Weihnachten. In kurzen Texten schildert der Autor Erlebnisse, teilt Erinnerungen und Betrachtungen: Wie er zum Beispiel selbst als Junge am Gabentisch stand und die kindliche Freude seines Bruders beobachtete; wie er widerwillig nach den Festtagen loszog, um die Geschenke umzutauschen, die er nicht gebrauchen konnte, oder wie er begeistert vor den Schaufenstern der Buchläden und weihnachtlich dekorierten Lebensmittelläden innehielt. In typisch „Hessischer“ Manier schwingt dabei stets eine kritische Reflexion mit, wie über das weihnachtliche Konsumverhalten, oder das Idealbild der „Besinnlichkeit“ genauso wie philosophische Gedanken über „den Heiland“ oder ganz allgemein die Liebe. Ausdruck dessen sind ebenso die hier ausgewählten Gedichte. Als überraschende Besonderheit sind in diesem Büchlein selbstgemalte Aquarelle des Dichters zu finden. Mit Darstellungen verschneiter Landschaften und wohlig erleuchteten Häusern in stimmig komponierten Farben wird eine neue Sichtweise auf Hermann Hesse als Maler eröffnet.

In Weihnachtszeiten präsentiert Texte des berühmten Hermann Hesse, die einerseits von seinem bekannten Stil geprägt sind und ihn doch auch auf eine neue, persönlichere Weise kennenlernen lassen. Eine anregende Lektüre auch außerhalb des weihnachtlichen Rahmens.

Das perfekte Geschenk für: Hermann Hesse Liebhaber*innen und Debütant*innen und die, die dem Weihnachtstreiben skeptisch gegenüber stehen.

Dazu passt: Ein Spaziergang durch den Schnee und danach eine heiße Tasse Tee.


Leonie empfiehlt: Die Tote im Wannsee von Lutz, Wilhelm & Kellerhoff, erschienen bei Ullstein.
Lutz, Wilhelm & Kellerhoff: Die Tote im Wannsee. Ullstein 2018. © Leonie Hohmann
Lutz, Wilhelm & Kellerhoff: Die Tote im Wannsee. Ullstein 2018 © Leonie Hohmann

Darum geht’s: Frontstadt Berlin. 1968. Studentenrevolte. Zwei Systeme – eine Stadt.

Polizist Wolf Heller ist gänzlich unpolitisch. Doch als die Studentenunruhen im Westteil der Stadt ausbrechen, seine Freundin in eine Kommune zieht und er zunehmend feststellen muss, dass die Polizei unterwandert ist, wird eine junge Frau tot im Wannsee gefunden. Schnell führen die Spuren in das Büro des späteren RAF-Anwalts Horst Mahler. Hellers Chef ist jedoch gewillt, den Fall schnell ohne größeres Aufsehen abzuschließen. Zu frisch ist noch der Skandal um die Erschießung Benno Ohnesorgs. Als Heller jedoch mitbekommt, dass sein Vorgesetzter laut am Telefon über die Tote streitet, verbeißt er sich in die Ermittlungen, die politischer nicht sein könnten.

Die Tote im Wannsee ist ein Politkrimi, der die angeheizte Stimmung der 1960er-Jahre in der Friedensstadt einfängt und durch fundierte Recherchearbeit ein plausibles Flair für politische Verstrickungen entfaltet.

Das perfekte Geschenk für: Alle, die im 50. Jubiläumsjahr der 68er-Revolte das Jahr mit einem Buch abschließen wollen, das die besinnlichen Feiertage ordentlich aufrüttelt.

Dazu passt: Die große TV-Chronik Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt, die der rbb seit Anfang November jeweils Samstagsabends in der Primetime ausstrahlt. Das Jahr 1968 wird am Samstag, 22.12.2018, gesendet.


Charlotte empfiehlt: Bullshitjobs. Vom wahren Sinn der Arbeit von David Graeber, Klett-Cotta, aus dem Englischen von Sebastian Vogel.
„Bullshitjobs“ von David Graeber, Klett-Cotta © Charlotte Steinbock

Darum geht’s: Wir können uns wohl alle spontan etwas unter einem Bullshitjob vorstellen. Doch viele von uns würden in eine Falle tappen und Scheißjobs mit Bullshitjobs verwechseln. Ein Scheißjob ist in der Regel schlecht bezahlt und körperlich extrem anstrengend, erfüllt allerdings einen Sinn und nützt der Gesellschaft auf die eine oder andere Art. Bullshitjobs hingegen haben in den letzten Jahrzehnten enorm zugenommen. Sie werden oft sehr gut bezahlt, erfüllen allerdings nicht wirklich einen Sinn, nützen niemandem oder schaden sogar der Gesellschaft. Das erste Mal veröffentlichte David Graeber seine Beobachtungen rund um die Bullshitjobs 2013 in einem Artikel, der im Handumdrehen in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde und um die Welt ging. Der Anthropologe war schon als Vordenker der Occupy-Bewegung aufgefallen und hatte hochgelobte Bücher über Schulden in Amerika und Bürokratie geschrieben. Dieses Mal nimmer er sich Bullshitjobs und die allgemeine Bullshitisierung der Arbeitswelt vor. Mit zahlreichen persönlichen Beispielen aus verschiedenen Branchen versehen, schreibt Graeber humorvoll, kurzweilig und stets auf den Punkt. Im zweiten Teil verflicht er virtuos historische, politische, kulturelle und wirtschaftsphilosophische Überlegungen und liefert so eine umfassende Einordnung des Phänomens. Eine erhellende Lektüre, ob man nun zu denselben Schlüssen kommt wie Graeber oder nicht. Vieles trifft unumstritten einen Nerv und wurde selten so treffend beschrieben. Als Sahnehäubchen endet das Buch trotz der oft bedrückenden Analysen auf einer hoffnungsvollen Note.

Das perfekte Geschenk für: Eigentlich ausnahmslos alle, jedoch Vorsicht bei Managern, Immobilienmaklern, Unternehmensberatern und Investmentbankern, denn ihre Jobs kommen nicht gut weg.

Dazu passt: Eine lebhafte Diskussion mit der Familie über die Feiertage ;-)


Sandra empfiehlt: The Subtle Art of Not Giving a Fuck von Mark Manson, Harper One.
The Subtle Art of Not Giving a Fuck von Mark Manson, Harper One © Sandra Kućmierczyk

Darum geht’s: 

„In life, we have a limited amount of fucks to give. So you must choose your fucks wisely.“

In Mark Mansons Anti-Lebensratgeber wird eines schnell klar: es geht nicht darum, nur noch positives Denken zuzulassen und alles Negative zu unterdrücken. Denn seien wir ehrlich: wie schafft man es, sich mal nicht aufzuregen oder zu stressen? Mansons Ansatz ist es deshalb, einen gesunden Umgang mit negativen Emotionen zu lernen und sich im Leben nicht über Kleinigkeiten, die wir entweder gar nicht oder mit minimalem Aufwand ändern können, aufzuregen. Außerdem beschreibt Manson in seiner lustig-vulgären Art, wie unsere heutige Gesellschaft jeder Person das Gefühl gibt, etwas ganz Besonderes zu sein und einen exklusiven Anspruch an seine Mitmenschen zu haben, ohne selbst etwas dafür im Leben zu leisten.

Das perfekte Geschenk für: Alle, die sich endlich über die richtigen Dinge im Leben aufregen wollen

Dazu passt: Ein Smartphone im Flugmodus und ein Moodboard

Hier geht es zu unseren weiteren adventlichen Buchtipps 2018:
Weihnachtsempfehlungen Teil 1 
Weihnachtsempfehlungen Teil 2
Weihnachtsempfehlungen Teil 3
Weihnachtsempfehlungen Teil 4


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