Das Ende des Buches, wie wir es kennen?!

Buch
Es knisterte so schön…
Quelle: jugendfotos.de/nopey.

„Es gibt keine Bücher mehr. Es gibt Datensätze mit unendlichen Möglichkeiten. Wir haben trotzdem immer weiter gemacht. Haben Messe gemacht. Jedes Jahr.“
Vergangenen Samstag prophezeite Elmar Krekeler, Leiter der „Literarischen Welt“ und Alfred-Kerr-Preisträger, in seinem Editorial „Willkommen zur Buchmesse 2040“ den Untergang des gedruckten Buches, und damit auch das Ende der Verleger, wie wir sie kennen. Nennen wir es nicht Prophezeihung, nennen wir es Warnung – noch sind wir nicht so weit.

Nicht minder als 31 Veranstaltungen zum Thema E-Book, E-Commerce und Digitalisierung finden sich dieses Jahr auf der Leipziger Buchmesse. Keine Frage, die Unsicherheit, die Angst in der Branche ist groß. Ich persönlich kann dieses Jahr nicht zur Buchmesse fahren. Kann weder die aktuellen Neuerscheinungen anlesen, noch Kataloge für zu Hause sammeln. Interessiert an Neuerscheinungen aus der Verlagswelt bin ich trotzdem. Was mir zu Informationszwecken bleibt, ist das Internet. Ich schätze, ich bin nicht alleine.

Was für die Fachbuch-Sparte dank PaperC und natürlich Google Books bereits zum Studenten-Alltag gehört, das Online-Lesen von zu Hause aus, steckt für belletristische Titel noch in den Kinderschuhen. Bereits seit einiger Zeit bietet Amazon für einige Titel die „Blick ins Buch“-Option, eine kopiergeschützte, digitale Vorschau, die manchmal ein Probekapitel, meist nur Impressum, Klappentext und Inhaltsverzeichnis enthält. Das Ganze im Gewand eines digitalen Buches. Nichts, was ich mir anschauen würde, wenn ich gezielt nach einem Titel suche.

Seit einiger Zeit machen andere Portale von sich reden, darunter book2look.de oder auch bookrix.de. Book2look ist letztlich ein Marketingportal, das Verlagen ermöglicht, aus PDF-Dateien sogenannte „Biblets“ zu erzeugen, Probekapitel in Buchoptik: Seiten, die sich dynamisch umblättern lassen, in Großformat auf dem heimischen Bildschirm. Ganze digitale Bücherregale kann ein Verlag so erstellen, kostenlos, zumindest noch im Moment. Dass bisher wenige Verlage (darunter jedoch Diogenes und der Verlag Antje Kunstmann) das Portal nutzen, liegt sicherlich nicht zuletzt an der technischen Hürde. Ein Blick ins 37-seitige Manual verrät, dass man vermutlich zusätzlich unbezahlte Praktikanten einstellen müsste, um der Sache Herr zu werden.

Was ich prinzipiell gut und optisch ansprechend finde, ist, dass man in bester Apple-Cover-Flow-Manier herumstöbern kann, dass man auf Bücher stößt, ohne gezielt danach gesucht zu haben. Und dass die Anbindung an Social Media gegeben ist. Volltexte sucht man hingegen vergeblich, es gibt stattdessen Links zum Online-Buchhandel. Nicht selten machen die Texte Lust auf mehr, gekauft habe ich bisher dennoch nichts. Wenn man mir nur Auszüge vorsetzt, hege ich die Befürchtung, der Verlag könne ja das einzig gute Kapitel eingestellt haben. Es tauchen Bedenken auf, die ich mit realen Büchern nie hatte.

Noch sehe ich also keine Gefahr für das gedruckte Buch, und rein gefühlsmäßig will ich die haptische Erfahrung nicht gegen eine Animation eintauschen, die mir vorgaukelt, ein Buch zu sein. Rational betrachtet hingegen, und das beweist (leider) bereits meine Neugier für digitale Angebote, ist es verdammt bequem, sich von zu Hause aus umsehen zu können.
Verlage können auf diese Weise Kaufanreize wecken, geraten dabei aber zunehmend in die von Elmar Krekeler genannte Gefahr, sich zu sehr von ihrem Kerngeschäft zu entfernen, Arbeitskraft in das Einstellen von „Biblets“ zu investieren, anstatt sich auf das Suchen und Gestalten von Texten zu konzentrieren. Wir müssen der Gefahr ins Auge blicken, keine Frage. Was mir persönlich aber größere Angst macht als Digititalisierung, ist Pessimismus und das Verdammen aller Möglichkeiten, die das Internet bietet.

EDIT: Ich habe gerade noch ein Video gefunden, das passt, wie die Faust aufs Auge:

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3 Gedanken zu „Das Ende des Buches, wie wir es kennen?!

  • 27. März 2010 um 10:16
    Permalink

    Ich verfolge auch mit Spannung die Möglichkeiten der Digitalisierung. In einer Art Onlinebuchhandlung bequem von zu Hause aus stöbern -- tolle Sache. Aber etwas unsinnig, dass man dort nicht direkt bestellen kann, oder? Noch eine Plattform mehr, die ich als Kunde besuchen soll, die mir aber den Kauf unnötig erschwert.

  • 5. April 2010 um 15:36
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    Zum Thema online-Buchhandlung:
    Die hier hab ich auf der Buchmesse entdeckt
    http://onleihn-buch.de/

    So weit ich das verstanden habe, bezahlt man 5€ pro Buch für 4 Wochen und kann es kaufen, wenn die Zeit abgelaufen ist und man noch nciht fertig ist. Ob man das dann auch in Print kaufen könnte, weiß ich aber leider nciht.

    Und textunes oder so gibts wohl auch. http://www.textunes.de/WebObjects/textunes.woa/cms/1010314/Start.html

    Antwort von Michael Walter am 12. Apr 2010 um 11:21

    hallo carolin,
    das prinzip von onleihn-buch.de ist richtig erklärt.
    wir verschicken echte bücher! nicht das ende des buches, sondern ein anderer anfang mit neuen methoden dank internet. am 3. mai beginnt’s…

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