„du wirst mich mehr wollen“ – In der Landesvertretung NRW waren Schriftsteller zu Gast

Wir waren völlig underdressed. Und so spät, dass wir den Begrüßungssekt gekippt haben. Froh, überhaupt rein gelassen worden zu sein – ohne persönliche Einladung. Diesmal sag ich es gleich zu Beginn, das war mir nach dem letzten Text auf diesem Blog angemerkt worden, es waren weit über hundert Menschen da, fast zweihundert und der Altersdurchschnitt lag hoch. Also, jetzt gemessen an uns. Und chic ist es in der Landesvertretung von Nordrhein-Westfalen auch. Am Donnerstag Abend präsentierte die Ministerin Dr. Angelica Schwall-Düren vier Autoren aus Flandern, Belgien und Luxemburg. Die vier lasen sehr unterschiedliche Texte, beantworteten zwei, drei Fragen und dann wurde gegessen wie auf einer Hochzeit. Wir tranken auch ziemlich viel Kölsch. Die französischsprachige Belgierin war sehr hübsch. Als ich das beim anschließendem Muschelessen nuschelte, fragte mich ein Belgier, der sich zuvor auf Niederländisch mit einer Hochschwangeren unterhalten hatte, ob ich den Text meinte, und ich: „Nö, die Person, aber der Text war auch ganz gut, wobei, die Idee einen Roman aus Sicht eines Gutshauses zu schreiben schon findig ist.“
Ich hatte zwar davon gehört, dass jemand in Salzburg Shakespeares Rosenkrieg-Dramen in einer elfstündigen Fassung aufgeführt hatte, aber mein Interesse war damit noch nicht geweckt. Jetzt aber: Tom Lanoye ist großartig und die Theater-Leute unter euch kennen ihn bestimmt alle schon, aber ich war jetzt auch völlig eingenommen, als er vorlas aus seinem wortgewaltigen „Schlachten“ und „Mutter Medea“. Toll. Leider zu gefangen, um Zitate mit zu schreiben. Er versuchte jedenfalls die „dreckige Sprache Shakespeares“ nachzuahmen und in die heutige Fäkalsprache zu übersetzten. Er schimpfte also die Bühne rauf und runter, tanzte den Text vor. Es kam übrigens auch „ich wurde ins Leben gefickt vor“. Das hatten wir hier vor Kurzem schon einmal thematisiert.
Ein weiterer Höhepunkt des Abends: Bei der Ankündigung von Luc Spada („ich will nie wieder nüchtern sein…dein Gesicht ist doppelt so schön, wenn ich es doppelt seh“) vergaß der Moderator ein Wort im Titel seines letzten Buchs und nannte es: „so sehr du mich auch willst, du wirst mich immer wollen“. Daraufhin berichtigte das oben beschriebene Publikum schulmeisterhaft im Chor: „mehr wollen“.

Foto: Tom Lanoye – han Soete, flickr.com, creative commons

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Lina Kokaly

Lina Kokaly hat litaffin mitgegründet. Sie schrieb u.a. auch für den Tagesspiegel, die zitty, DRadio Wissen und die Neue Zürcher Zeitung. Mittlerweile ist sie Hörfunk- und Fernsehjournalistin bei Radio Bremen und hat ihren Autorenposten hier für die neuen Studierenden geräumt.