Gruppe H | Land 2

Es war ein leerer und müßiger Sonntagnachmittag.
José Pedro hatte sich für ein gutes Stündchen hingelegt, um zu schlafen, aber kaum hatte er die Augen geschlossen, als ein Klopfen an der Tür ihn wieder munter machte.
»Herein!«
Totón erschien: »Pascual und Bruno sind hier, Patrón. Sie bringen einen Brief und zwei Kisten.«
José Pedro fuhr hoch; dies war eine Nachricht, der er gerne seine Siesta opferte. Er riss den Umschlag auf und fand darin einen Lieferschein: 6 Peadbody-Karabiner, 200 Schuss Munition Kaliber 9.
José Pedro sprang aus dem Bett und rief von der Türschwelle aus den jungen Männern zu: »Hierher! Bringt es hier herein!«
Er sah ihnen zu, wie sie im hellen Sonnenschein am Ende des Gartens das Maultier entluden. Dann stellten ein verschnürtes Paket und zwei schwere Kisten auf die Bank, die sich längs der ganzen Galerie erstreckte.
»Na, dann wollen wir uns die Pívoris mal anschauen!«
»Die was, Pascualote?«
»Na, die Pívoris! Nennt man die Dinger nicht so?«
»Peadbodys. ›Píbodi‹ spricht man das aus.«
»Ach, ist doch egal.«
Unter allerlei Späßen kramten sie die Karabiner aus der Kiste, betasteten und untersuchten sie, ihr Stolz war offensichtlich. Der soldatische Instinkt, der in jedem Chilenen steckte, erkannte sofort die Handhabung und den Mechanismus der Karabiner.
Als Bruno mit einem der Gewehre ins Freie zielte, huschte im grellen Sonnenlicht ein Schatten davon.
»Was war das denn?«
»Das war Cachafez, Patrón.«
»Wir haben ihn mitgebracht, damit Sie ihn sich mal ansehen.«
»Ist er von der Sorte, die wir brauchen?«
»Jawohl! Für die Wache.«
José Pedro bemerkte eine stämmige Gestalt, die sich mit eingezogenen Schultern hinter der alten Weide versteckte.
»Hey! Komm mal her!«
Cachafez trat hervor. Ein gebräunter junger Mann ohne besondere Merkmale, außer seinen Zähnen, die sich als zahlreich und auffällig weiß offenbarten. Wenn man ihn ansprach, wendete er den Kopf zur Seite und grinste. Er stand im Rufe, unerschrocken und in mancherlei Kniffen bewandert zu sein. José Pedro erinnerte sich an ihn. Cachafez – das war doch der kleine Bengel, der mit einem Strick in der Hand umherzog und damit Hunde und Katzen lassierte, und, so sagte man, manchmal sogar kleine Vögel.
José Pedro war zufrieden.

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