Queer & Unerschrocken

Auf 144 wunderbaren Seiten rückt Pénélopé Bagieu in ihrer Graphic Novel Unerschrocken beeindruckende Frauen in den Fokus. Im Litaffin-Portrait drei dieser Frauen, die gegen die Normierung von Weiblichkeit und die Praxis der Heteronormativität stehen:  Clémentine Delait, Tove Jansson und Christine Jorgensen.

Im Rahmen der Indiebookchallenge 2018/19, herausgefordert von Sarah Käsmayr / Maro Verlag,  widmen wir uns eine Woche lang dem Thema #queeresBuch: 7 Tage, 7 queere Bücher.  Leonie macht weiter mit Unerschrocken.
© Leonie Hohmann
© Leonie Hohmann

 

Clémentine Delait, Dame mit Bart

Clémentine Delait © Pénelopé Bagieu, Unerschrocken, Reprodukt 2017
Clémentine Delait © Pénelopé Bagieu, Unerschrocken, Reprodukt 2017

Clémentine Delait wird 1865 in Frankreich geboren. In der Pubertät bekommt sie Bartwuchs und versucht diesen Jahre lang durch tägliche Rasur zu kaschieren. Nachdem sie auf einem Jahrmarkt einer bärtigen Frau begegnet, beschließt sie jedoch, sich nie wieder zu rasieren. Die Bar, die sie gemeinsam mit ihrem Mann Joseph in den Vogesen führt, benennt sie um in das Café der Dame mit Bart. Fortan reisen Fans an, um von der Dame mit Bart bedient zu werden. Clémentine verkauft außerdem sehr erfolgreich Fotografien von sich und wird im Ersten Weltkrieg das Maskottchen der französischen Soldaten. Daraufhin laden sie Adelige aus ganz Europa zu sich ein. Bis zum Ende ihres Lebens gibt Clémentine gemeinsam mit ihrer Adoptivtochter Fernande und einem Papagei Kabarettvorstellungen in ihrer Bar in den Vogesen.

Tove Jansson, Malerin und Herrin der Trolle

Tove Jansson © Pénélopé Bagieu, Unerschrocken, Reprodukt 2017
Tove Jansson © Pénélopé Bagieu, Unerschrocken, Reprodukt 2017

Tove (Jahrgang 1914) wächst als Tochter eines Bildhauers und einer Illustratorin in einem fröhlichen und kreativen Zuhause in Helsinki auf. Schon mit 13 veröffentlicht sie ihr erstes Buch und geht später zum Kunststudium nach Stockholm, Paris und Rom und versucht sich in den männlich dominierten Akademien durchzusetzen. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, ihre engste Freundin flüchten und ihr jüngerer Bruder in den Krieg ziehen muss, erleidet Tove ein Trauma. Ihre Ängste kanalisiert sie in politischen Karikaturen und indem sie sich 1945 eine friedliche Trollfamilie ausdenkt: Die Mumins.

Die Mumins richten sich zwar an Kinder, dennoch sind sie autobiografisch. Sie denkt sich Tofslan und Visflan aus, die immer Hand in Hand gehen und einen geheimnisvollen Koffer bewachen, über den sie mit niemandem sprechen dürfen. Als Tofslan und Visflan entstehen, hat Tove eine Affäre mit einer verheirateten Frau und Homosexualität ist strafbar.

Auf einer Party lernt Tove später die finnische Künstlerin Tuulikki Pietilä kennen und fordert sie zum Tanz auf – ein Skandal! Es ist Liebe auf den ersten Blick und Tuulikki zieht als Tootiki in das Mumin-Universum ein. Sie verbringen ihre Tage mit Schreiben, Malen, Rauchen und Reisen und bleiben zusammen, bis Tove im Alter von 86 Jahren in Paris an Lungenkrebs stirbt.

Christine Jorgensen, Transsexuelle Berühmtheit

Christine Jorgensen © Pénélopé Bagieu, Unerschrocken, Reprodukt 2017
Christine Jorgensen © Pénélopé Bagieu, Unerschrocken, Reprodukt 2017

Christine, die 1926 in einem biologisch männlichen Körper geboren wird, entschließt sich im Alter von 23 Jahren, eine experimentelle Hormontherapie in Dänemark durchzuführen und ihr biologisches Geschlecht operativ ändern zu lassen. Christine ist 1952 die erste Transgender-Frau, die große mediale Aufmerksamkeit erhält. Sie ist glücklich über ihr neues Leben und nutzt die Aufmerksamkeit, um auf Transgender-Themen aufmerksam zu machen und eine Karriere in der Unterhaltungsindustrie zu starten. Ihre Biografie verkauft sich mehr als 500.000 Mal und wird verfilmt. Doch Christine sieht sich weiterhin mit großen Barrieren konfrontiert: die Journalist*innen stellen ihr unangebrachte Fragen und im Film wird sie entgegen ihres Wunsches von einem Mann gespielt. Außerdem darf sie ihren Lebensgefährten nicht heiraten, weil ihre Geburtsurkunde auf George Jr.  ausgestellt ist.

Die Litaffin-Rezension zu Unerschrocken gibt es hier.

Pénélopé Bagieu
Unerschrocken
Fünfzehn Portraits außergewöhnlicher Frauen
Reprodukt 2017
144 Seiten
24,00 Euro

Beiträge zur Indiebookchallenge #queeresBuch:

              Beitrag I: Queer, Schwarz, rebellisch – Biskaya

              Beitrag II: „Guapa“ von Saleem Haddad – ein mitreißendes Debüt

              Beitrag III: Queer & Unerschrocken

              Beitrag IVEine Liebe genderneutral erzählt – „Sphinx“ von Anne                     Garréta

              Beitrag V:  „Fleisch“ – queere Liebe mit viel Klischee

              Beitrag VI:  Indie & Queer? – Die Frankfurter Buchmesse 2018

              Beitrag VII: Sterbehilfe ganz nahe – „Einfach gehen“ von Steven Amsterdam

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Leonie Hohmann

Leonie Hohmann

„Kein Feuer, keine Kohle, kann brennen so heiß als […]“das Herz der gebürtigen Essenerin (Jahrgang ’94) für Literatur, Theater, Tanz, Musik und Großstadtluft. Nach dem Grundstudium in Bochum ereilte sie der Ruf nach Berlin, wo sie seit 2017 Angewandte Literaturwissenschaft studiert.

[Zitat entnommen: Volkslied, anonym, 18.Jh.]
Leonie Hohmann

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