Kurz über dem Boden

Zur Preisbindungsdebatte von E-Books

Da ist sie, die Frage, die sich lange abzeichnete und nun erstaunlich spät gestellt wird: Soll und darf die Preisbindung auch für E-Books gelten? In einer Stellungnahme spricht sich der Börsenverein deutlich dafür aus, auch wenn das E-Book der »Generation Tablet Reader« mit seinen Vernetzungsmöglichkeiten nicht mehr unter die Kategorie Buch fällt.

Natürlich aber kauft kein Mensch ein E-Book, das lediglich eine digitalisierte Form der Hardcoverausgabe ist, nur ohne Einband und dafür drei Euro billiger. Diese Entwicklung hätte man wirklich vorhersehen können, allein ein paar Klicks auf youtube haben im Vorfeld darüber informiert, wie die Zukunft des E-Book aussieht, und dass die Wellen erst mit dem endgültigen Erscheinen des Apple iPad hochschlagen, ist ebenso unnütz wie typisch. Wie immer wird beim Sprung gejammert und an der Reißleine erst kurz über dem Boden gezerrt.
Wie aber sieht die Lösung aus? Keine Preisbindung bedeutet: Dumpingpreise von Großanbietern wie Amazon, vor allem für die Bestseller und wenig bis kein Absatz von anderen E-Books, von Printausgaben ganz zu schweigen. Doch das Internet würde die Preisbindung von digitaler Literatur mittelfristig wahrscheinlich aushebeln, da die kostenlosen und/oder illegalen Angebote wie Pilze aus dem Boden schießen, sobald sie an anderer Stelle beschränkt werden. Die Paid-Content-Debatte ist nicht zuletzt aus diesem Grund noch nicht zu Ende geführt. Also die Preisbindung vielleicht doch gleich ganz aufheben, wie in Schweden oder Großbritannien?

Retten kann sich die Branche anscheinend nur, wenn sie mit Alternativangeboten schnell auf den neuen Markt reagiert. Nur: wie soll das aussehen? »Es ist Zeit, dass die druckende Branche begreift, dass man sich selbst schadet, wenn man die digitale Version verhindert, um das Druckwerk zu schützen.«, schreibt Frank Patalong auf Spiegel Online und spricht von »attraktiven Offerten«, die der Buchhandel machen müsse. Schöne Worte, doch wohin führen sie? Die Lösung liegt sicherlich nicht in der Ermahnung zum progressiven Denken. Ist die Konsequenz also, das E-Book freizugeben? Oder doch eine Überarbeitung des Preisbindungsgesetzes? Eine Flatrate für elektronische Bücher? Kann die Branche überhaupt in adäquater Weise auf den neuen Markt reagieren? Von allen Seiten schallt der Ruf nach Taten, allein die konstruktiven Vorschläge bleiben aus. Hoffentlich nicht allzu lange.

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8 Gedanken zu „Kurz über dem Boden

  • 2. Februar 2010 um 01:33
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    Eines vorweg: Die Buchpreisbindung steht für mich grundsätzlich außer Frage. Sie ist absolut notwendig auf dem Buchmarkt. Tatsächlich ist es jedoch eine interessante Frage, wie man mit E-Books umgeht. Oder als was E-Books, die ja letztlich nicht anderes sind als digitaler Text, eingestuft werden. Ich halte es grundsätzlich für gefährlich, das E-Book unter Preis zu verkaufen (nur wie hoch ist dieser Preis?).
    Andererseits sollte man aus den Fehlern der Musikindustrie lernen. Kann man das? Dort hat man gesehen, dass die Vervielfältigung und Verbreitung von mp3s, ob nun urheberrechtlich geschützt oder nicht, nicht einfach so eingedämmt werden kann. Filesharing wird es so oder so geben. Dagegen kann man nur schwer ankämpfen. So wird es auch bei den E-Books sein.
    Nicht so sicher bin ich mir allerdings, ob man E-Books nicht tatsächlich günstiger machen könnte. Klar erfordern die einen gewissen Aufwand, der entlohnt werden muss. Und die Datei muss einmal erstellt werden. Ist das allerdings getan, ist so etwas wie ein Nachdruck nicht mehr erforderlich. Das heißt: weitere Herstellungskosten entfallen, die dauerhafte Lieferbarkeit ist gewährleistet. Und nicht nur das, denn jeder weiß, wie teuer Papier ist. Gerade bei Bestsellern und Longsellern kann sich das für Verlage also durchaus auch bei günstigeren Preisen lohnen. Das heißt nicht, dass die Preisbindung fallen muss. Aber vielleicht sollten die Verlage einfach niedriger ansetzen. Die derzeitige Situation könnte man aber auch als Phase des Abtastens betrachten, in der man von Verlagsseite einfach noch nicht zu früh zu viel aus den Händen geben möchte, um sich womöglich letztlich noch selbst zu schaden.
    Ich frage mich nur, wie das von Autorenseite sein wird. Klar, man will bekannt und von möglichst vielen Menschen gelesen werden. Man will aber auch verdienen. Und wenn das E-Book im Vergleich zum Buch zu günstig wäre und dies gerade bei Büchern mit eher kleinen Auflagen zu einem deutlich geringeren Verkauf des Buches und somit Autorenhonorar (denn der Verlag würde kaum vom gewohnten Prozentsatz abweichen) führen könnte, könnte sich doch auch so manch ein Autor vorher querstellen und dieses Nutzungsrecht erst gar nicht abgeben. Gut, das könnte einen Verlagsvertrag verhindern. Aber davon mal abgesehen: was haben die Autoren von günstigen E-Bookpreisen? Ein Vergleich zum Musikgeschäft: dort machen die Künstler vor allem Geld durch Auftritte. Ein Autor wird es damit eher schwer haben.
    Doch es soll ja auch Autoren, die durch kostenlose Downloads bekannt wurden und daraufhin trotzdem viele Bücher verkauft haben.
    Wie dem auch sei, ich persönlich fände es gut, wenn die Preise in etwa im Taschenbuchbereich liegen würden. Ein gutes Buch hat einen gewissen Preis einfach verdient. Dafür sollten lieber diese Reader günstiger werden.

  • 2. Februar 2010 um 12:16
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    Ihr habt beide wichtige Punkte angesprochen, wie ich finde. Allerdings sehe ich einen weiteren: E-book ist nicht gleich E-book. Es geht mir dabei um die Inhalte, die ich da lese. Bekomme ich nur einen Text zu sehen, der genauso aussieht wie im Buch, nur eben nicht gedruckt ist, habe ich keine Lust, dafür fast genauso viel zu zahlen wie für ein Buch. Dann ist das E-book sogar noch teurer als das Taschenbuch und das kann nicht sein, wenn der Aufwand dafür nicht deutlich wird. Und das wird er dem Otto-Normal-Leser eben nicht, und man tut sich sogar schwer das zu glauben, wenn man es schon weiß.

    Ich finde, dass es gerade im Belletristik-Bereich bisher eben wirklich nur um den Text geht. Und der sollte nicht so teuer sein, die Reader sind schon teuer genug. Und man sollte auf jeden Fall erstmal 20-50 Seiten lesen, bevor man es kaufen muss.

    Etwas ganz anderes sind für mich Informationsinhalte, Studien, Sachbücher, Wissenschaftliches. Das kann man technisch mit so vielen Dingen unterfüttern, verlinken -- im Dokument und außerhalb -- Videos, Audiodateien einbauen und mit vielen Features versehen, für die es sich lohnt weit mehr als für ein Buch auszugeben. Weil ich dann eben einen Mehrgewinn gegenüber einem Buch habe. Und der darf auch teurer sein.
    Oder bei Texten in Fremdsprachen: habe ich die Möglichkeit, Wörter zu bookmarken und in einen Vokabeltrainer einzuspeisen und damit zu lernen… super! Dafür bezahl ich gerne mehr…

    Ich finde man muss sich genau überlegen, wie man Inhalte anbietet und perfekt zuschneidet. Wenn ich sehe, dass ein Produkt perfekt auf mich passt, dann will ich es haben und honoriere diesen Mehraufwand sehr gern.

    Was die Preisbindung angeht: im Grunde sollte es gerade im Internet egal sein, wo ich es kaufe, es sollte immer gleichviel kosten. Aber dann verlagert sich alles auf die Rabatte, die die Verlage geben. Eine Chance ist es trotzdem. Nur genau überlegt sollten die Preise sein, in den meisten Fällen unabhängig vom Buch und gerechtfertigt.

  • 2. Februar 2010 um 12:53
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    Wenn ich dich recht verstanden habe, Carolin, wird ein digitaler Text für dich wertvoller, wenn er mit Zusätzen, insbesondere Links versehen wird. Ich überspitze das jetzt ein wenig, aber für mich kann darin nicht der Wert eines Textes liegen. Das wäre für mich, als ob eine Verpackung entscheidet, wie viel der Inhalt wert ist. Oder gewisse Accessoires am eigentlichen Produkt. Sicher können diese den Text qualitativ ein wenig aufwerten. Aber ein guter wissenschaftlicher Text ist für mich dadurch nicht mehr wert als ein guter Roman, der aus künstlerischer Sicht mit Sicherheit größeren Wert vorweisen kann, während der wissenschaftliche Text eher durch seine Erkenntnisse und Möglichkeiten der Erläuterungen auftrumpft.
    Klar sind solche Zusätze schön. Doch sind Links so viel wert? Und kann man dadurch eine Preisreduzierung und damit im Vergleich eine Wertminderung belletristischer Texte fordern und der Kunst somit einen gewissen Wert absprechen? Zumal wenn diese Links dann zu vielleicht ohnehin frei zugänglichen Seiten und Dateien führen? Ich finde nicht.

    Außerdem scheinst du davon auszugehen, dass belletristische Texte nicht von solchen neuen Möglichkeiten Gebrauch machen werden. Wieso? Warum sollte ein solcher Text nicht auch die neuen Möglichkeiten nutzen, sobald die Reader diese hergeben? Das E-Book wird neue Möglichkeiten bieten, die auch belletristische Bücher nutzen werden. Aber noch sind die Voraussetzungen (in Deutschland) nicht da, noch rechnet sich der Aufwand nicht. Aber ich bin mir sicher, dass daran schon gefeilt wird. Das wird mit Sicherheit die Texte junger Autoren verändern und neue Möglichkeiten bieten zu experimentieren.

    Und dennoch bleibe ich dabei: Belletristik sollte am künstlerischen Wert bemessen werden. Dieser rechtfertigt für mich auch einen gewissen Preis. Das hat gute Literatur einfach verdient- auch ohne Zusatz.

  • 2. Februar 2010 um 13:06
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    Ich habe nicht von Texten gesprochen, sondern von dem Aufwand, der hinter der Aufbereitung steckt. Eine Aufbereitung erschließt sich mir zunächst erstmal auf wissenschaftlichem Niveau, in belletristischen Texten ist eben der Text im Vordergrund und braucht nur noch bedingt Aufbereitung.

    Ich spreche damit nicht den Texten Wert ab, auch wenn das vielleicht so geklungen hat, sondern nur die Arbeit des Verlages dahinter. Vielleicht sollte der Autor bei belletristischen E-Books fast das ganze Geld verdienen 70% oder so… das ist so das erste, woran ich denke, um die Kunst vorn anzustellen.
    Aber mehr Aufwand, mehr aufbereiten muss der Verlag oder Partner eben nicht und deswegen die Preiskluft… und mal im Ernst, Fachbücher kosten jetzt schon zum Teil das Doppelte von Romanen und es funktioniert gut.

    Zu dem „neuen“ Schreiben durch Reader wollte ich noch ncihts sagen, eben weil ich dazu noch keine Ideen habe. Sicher entwickeln sich solche Dinge und ich bin gespannt, was dabei rauskommt.
    Generell ist es aber schwierig zu sagen: gute Bücher sollen teuer sein… was das für den Konsum und die Bekanntheit heißt, möchte ich mir nicht ausmalen.
    Außerdem ist es schwer genug, den Grad literarischer Qualität eines Buches zu bestimmen… das sollte niemals an einen Preis gebunden sein.

  • 2. Februar 2010 um 13:27
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    Ich bin sehr überrascht von dem Artikel. Für mich ist die Buchpreisbindung wichtig. Sie abzuschaffen, oder zu lockern, völlig indiskutabel. Sie ermöglicht Vielfalt der Titel und der Buchhandlungen (ich kann mich vor dem Einschlafen hindern, denk ich an Deutschland in der Nacht, in dem es Bücher nur bei Thalia gibt, ich wäre von denen absolut abhängig und es bliebe nur das Auswandern).
    Ich finde E-Books, in ihrer aktuellen Form, völlig unattraktiv und würde auch kein Geld dafür ausgeben. Aber das ist ein Problem der Technikindustrie.

  • 2. Februar 2010 um 14:17
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    Ich finde eigentlich nicht, dass es allein Sache der Technikindustrie ist, ob man für E-Books Geld ausgeben würde oder nicht. Schließlich redet jeder darüber, dass Verlage ihr Angebot an den Markt anpassen müssen, aber wie das aussieht sagt keiner; keiner von den potentiellen Nutzern oder Kunden gibt an, was er gerne haben würde. Warum warten wir eigentlich immer, bis uns der Markt diktiert was wir wollen? Das ist doch wie bei der Paid-Content-Debatte, niemand kann sagen, wofür er zahlen würde, aber nachher sind sie alle ganz groß im Jammern, wenn sie zur Kasse gebeten werden. Die konstruktiven Vorschläge zur Verbesserung fehlen und zwar sowohl von Seiten der Kritiker als auch der Benutzer.
    Darum geht es in diesem Artikel und darum geht es mir persönlich, nicht um das Abschaffen der Preisbindung!

  • 3. Februar 2010 um 10:20
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    Man sollte glauben, dass mit einem Blick in das Buchpreisbindungsgesetz alles klar wäre. Dort steht nämlich ganz eindeutig: „Bücher im Sinnes diese Gesetzes sind auch Produkte, die Bücher […] reproduzieren oder substiuieren und bei Würdigung der Gesamtumstände als überwiegend verlags- oder buchhandelstypisch anzusehen sind sowie kombinierte Objekte, bei denen eines der genannten Erzeugnisse die Hauptsache bildet“.

    Interessant ist aber auch, dass das ja auch bei Hörbüchern schon nicht so klar ist, ob die nun darunter fallen oder nicht…

  • 3. Februar 2010 um 10:29
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    Ich gehe mal davon aus, dass E-Books ne ISBN haben, oder?
    Hörbücher haben ja eine. Ich glaube da ist das mit der Preisbindung nicht ganz so heiß, weil die eher teurer verkauft werden als Bücher.

    Klar, wären das super, wenn wir ne gute Idee hätten. Gibt es im Ansatz ja auch. Ich mag beispielsweise Paper C http://paperc.de/
    kostenlos lesen, aber bearbeiten und drucken kostet. Seitenweise. Da geht es aber auch um Sachbücher.

    Die Buchbranche will ja erstmal nicht wie wild überteuerte elektronische Reader los werden. Die sollte sich Marketingstrategien überlegen, wie das herkömmliche Buch jetzt attraktiv sein kann.

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