Kluge1


Wer beim Schmusen gerne schwatzt, hat zwar worthistorisch alles richtig gemacht, könnte aber dennoch das Unverständnis des Partners ernten, sofern dieser kein Rotwelsch beherrscht. Dann kann es hilfreich sein, mit etymologischem Fachwissen aufzutrumpfen.

Zum Beispiel so: “Ein als Dopingsünder überführter Sportler hätte in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes dope eigentlich alles andere als gesündigt, geht dieses doch auf das niederländische doop zurück. Und das bedeutet nichts anderes als Taufe.” Spätestens jetzt dürfte es mit dem Schmusen vorüber sein, aber relevantes Partywissen ist ja auch was wert. » Weiterlesen…

Die Frage, ob Spoken Word und gedrucktes Wort miteinander vereinbar sind, hat die Poetry Slam Szene in den letzten Jahren vielfach diskutiert und häufigst fröhlich bejaht. Etliche Bühnenpoeten haben ihre Sprechtexte mittlerweile veröffentlicht – und gezeigt, dass ihre Texte auch ohne Performance ein Publikum finden. Immer wieder haben einzelne Performer auch die Großform der Erzählung, den Roman gewagt, so wie jetzt auch Xochil A. Schütz und Mirco Buchwitz.

Beide wissen auf der Bühne ihre Zuhörer in den Bann zu ziehen: Xochil mit einer Mischung aus zarter Romantik und derber Provokation, die ihren besonderen Ton ausmacht – mit “Sahne in der Stimme und Sex in den Zeilen”, wie die Presse über sie sagt. Mirco Buchwitz dagegen gilt als “intellektueller Rocker”, der in seinen Texten so präzise und melancholisch gewitzt beobachtet, dass es einen den Kneipenblues der Kleinstadt durch die Adern spült. Doch was passiert, wenn diese Autoren ohne Mikro und angeheitertes Publikum unterwegs sind? Schwarz auf weiß, gebunden, mit ISBN und Ladenpreis versehen? » Weiterlesen…

Lettretage-005-300x180Vor und mit dem Publikum über die eigenen Texte diskutieren und sich der Kritik stellen – kein Kinderspiel. Das wagten drei Autoren aus den Zentren der jungen deutschen Literatur Hildesheim, Leipzig und Berlin. In der Reihe außerbetrieb lud die die Berliner Lesebühne kreuzwort am Mittwochabend zum Workshop „Netzbetriebe Prosa“ in die lettrétage ein. Isabel Bredenbröker, Hakan Tezkan und Juan Gosze präsentierten ihre Texte.

Das Publikum besteht im Durschnitt aus 23-jährigen Germanistik-Studenten, die Stimmung ist locker bis angespannt-erwartungsvoll. Den Anfang macht Isabel Bredenbröker, die an der FU studiert und am Heiner-Müller-Autorenkolleg 2011 unter der Leitung Thomas Lehrs teilgenommen hat. Ihr Text „Laborarbeit“ wurde inspiriert von einem Filmriss in ihrer Kamera und der Frage, ob mit dem Verlust von Fotos auch ein Stück Leben verloren geht.

Die anschließende Debatte wird schnell hitzig – und ein Missverständnis zwischen dem Vorhaben der Lesungsmacher, den kreuzwortlern Caroline Beutel und Kristoffer Cornils, und der Erwartung des Publikums muss geklärt werden: Sehen erstere die Veranstaltung als Workshop im Sinne von direkter Arbeit am Text, bemängelt letzteres gerade dieses kleinschrittige Vorgehen und möchte lieber etwas über den Einfluss der Dichterschulen auf das Schreiben und die unterschiedlichen Herangehensweisen der verschiedenen Unis erfahren. » Weiterlesen…

M C3 A4rzwald-300x300Buchhandlungen, heißt es, müssen nicht nur ausgezeichnete Bücher im Sortiment haben und den unschlüssigen Käufer kompetent beraten. Nein, sie müssen, um heutzutage wettbewerbsfähig zu bleiben, dem Kunden noch MEHR bieten. Mehr im Sinne von Non-Book-Artikeln und literarischen Veranstaltungen. Zumindest Letzteres beherzigt die Tucholsky-Buchhandlung zutiefst. Hervorzuheben sei an dieser Stelle das Format Weltbühnen-Verlagspräsentation. In dem wird Verlagen, vornehmlich Kleinverlagen aus Berlin und Umgebung, Raum gegeben, sich der Öffentlichkeit vorzustellen und dem interessierten Leser einmal den Schöpfungsprozess des Buches zu verdeutlichen.

Am Mittwochabend hatte der Schöffling Verlag aus Frankfurt am Main die Ehre, bevor anschließend die Lyrikerin und Autorin Ulrike Almut Sandig, bekannt durch ihren preisgekrönten Erzählband Flamingos, und die Musikerin und Dichterkollegin Marlen Pelny das gemeinsame Werk Märzwald – Dichtung für die Freunde der Popmusik darboten. Um es schon mal vorab zu verraten: Es war ein rundum gelungener Abend. » Weiterlesen…

Dummy-300x206Das aktuelle Thema des Gesellschaftsmagazins Dummy ist Scheiße. Wer die Website der Zeitschrift besucht, sieht zur Zeit einen kotenden Mann und hört ein Toilettenspülgeräusch. Auch das Inhaltsverzeichnis liest sich wenig appetitlich. “Wie man aus Scheiße Gold macht”, ein Gespräch mit einem Dixi-Klobesitzer, oder auch “Gott ist Kot – Ein erhellendes Gespräch über eine dunkle Materie”. Vor Tabus und Nonchalance schreckten die Magazin-Macher noch nie zurück: Das Heft zum Thema “Provinz” schmückte Heidi Klum auf der Titelseite und die Ausgabe zum Thema “Männer” zeigte weinende Soldaten.
Der Züricher Kein & Aber Verlag gibt nun ein Buch heraus, das laut Ankündigung “das Beste und Schlimmste aus 30 Mal Magazinmachen versammelt”. » Weiterlesen…

P9130038-300x146Am Dienstag las der amerikanische Autor Gary Shteyngart im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin aus seinem neuen Roman Super Sad True Love Story. Moderiert von Sigrid Löffler und mit Matthias Scherwenikas als Sprecher, gelang der Lesung eine humorvolle Atmosphäre mit einem aufmerksamen und aufgeschlossenen Publikum.

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Rvmangoldt3Elias Canetti, Max Frisch, Elfriede Jelinek, Peter Esterházy, Karen Duve oder Zsuzsa Bánk sind nur einige der über 1000 Autoren, die die Fotografin Renate von Mangoldt seit der Gründung des Literarischen Colloquiums portraitierte. Ihre Schwarz-Weiß-Bilder prägen unser literarisches Gedächtnis auf visueller Ebene. Per E-Mail beantwortet Renate von Mangoldt Fragen zu ihrer Arbeit am LCB, der Beziehung von Autor, Text und Bild sowie zu ihrem demnächst erscheinenden Buch.

litaffin: Seit 1963 sind Sie nun schon als Fotografin am Literarischen Colloquium in Berlin tätig. Welche besonderen Reize und Schwierigkeiten birgt die Arbeit mit Autoren am LCB? » Weiterlesen…

Bauer-300x251Banker investieren bekanntlich in Goldbarren und Aktienpakete. Geisteswissenschaftler hingegen in Bücher. Gern schaffen sie sich ein weiteres Billy-Regal an, um die Bildungsbürgertapete fortführen zu können. Randbemerkung: Auch das ist möglicherweise ein Grund, warum das eBook hierzulande bisher ein Nischendasein fristet. So mancher Bibliophile mehrt und hortet nicht nur sein Wissen, sondern trägt auch zur Altersvorsorge bei, indem er sich das Buch signieren lässt.

Wer kennt sie nicht, die immer gleich aussehenden Herren, die die Lesung eine halbe Stunde früher verlassen, um als Erstes mit fünf oder zehn Exemplaren am Signiertisch zu stehen. Auf eine persönliche Widmung wird bewusst verzichtet, könnte dies doch die beabsichtigte Wertsteigerung schmälern. » Weiterlesen…

Wie gebannt saß ich vor dem Fernseher, mit offenem Mund, weit aufgerissenen Augen. Kaum traute ich mich zu atmen. Ich konnte einfach nicht glauben, was da auf dem Bildschirm vor sich ging. An Lachen war gar nicht zu denken. Ich konnte alles so genau verstehen, wie ich noch nie etwas verstanden hatte – und doch war ich ganz aus dem Häuschen, dass so etwas möglich war. Dabei waren es doch einfach nur eine Skatrunde oder ein Konzertbesuch, was dort gezeigt wurde.

An mein genaues Alter kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber ich spüre noch heute die Faszination, die mich fesselte, als ich zum ersten Mal in meinem Leben mit Loriot in Berührung gekommen war. Von da an sollte er noch oft meinen Lebensweg kreuzen, wie er so vielen von uns in ihrem Alltag immer wieder begegnet ist. Und das wird er weiterhin. Manchmal ist sogar Pathos angebracht, um mit Kleist zu sprechen: „Nun, o Unsterblichkeit, bist du ganz mein!“

Alle Lobeshymnen sind längst gesungen. Und sie werden jetzt wieder folgen. Wie diese hier. Sie können nur unzureichend das ausdrücken, was Loriot vielen Menschen wirklich bedeutet hat, wie viele seiner Formulierungen in den Alltag eingegangen sind und allen ein lächelndes Einverständnis geschenkt haben. Was ist große Literatur, wenn nicht Loriot?
Ich selbst traf Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow gemeinsam mit der kongenialen Evelyn Hamann als kleiner Junge auf der Berliner Premiere eines seiner beiden Kinofilme. Loriot war da, ein älterer Herr, der in allen Generationen seine Groupies hatte und den man sich zum Großvater wünschte. Erneut begegnete er mir zur Immatrikulation an der FU Berlin, zu der er die Willkommensrede hielt. Letzte Zweifel an der Wahl des Studiums waren wie weggeblasen. Wo Loriot ist, da ist man richtig, dachte ich.

Er soll, so lauten die Geschichten, ein penibler und strenger Arbeiter gewesen sein, streng zu anderen wie zu sich selbst. Anders aber ist diese Qualität komischer Kunstfertigkeit nicht erreichbar. Alles muss stimmen: Timing und Mimik, Requisite und Maske, Gestik und Wort – und Musik, die Loriots große Leidenschaft war. Seine Sketche und Texte sind Kompositionen, bei der jeder Ton exakt dort gesetzt ist, wo er hingehört. Und doch haftet dem allen eine unglaubliche Leichtigkeit an, die nicht nur einen kleinen Jungen ganz baff vor dem Fernseher staunen lässt. Und in diesem einen Fall hatte er dann doch fast Unrecht: „Ich lasse mir doch von einem Fernsehgerät nicht vorschreiben, wo ich hinsehen soll!“ Wenn Loriot auf diesem Gerät erscheint, dann stellt sich die Frage erst gar nicht.

Loriot ist tot. Seiner Familie gilt unsere Anteilnahme.

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Ein Artikel von Elena Klug und Johannes Schüller

Das Internationale Literaturfestival Berlin (ilb) gab letzten Mittwoch einen Vorgeschmack auf die diesjährige Programmgestaltung: Der chinesische Flüchtling Liao Yiwu stellte  Für ein Lied und hundert Lieder – ein Bericht aus chinesischen Gefängnissen im Haus der Berliner Festspiele vor. Der Roman thematisiert die brutalen Realitäten der vierjährigen Haftzeit, zu der der Autor wegen des Gedichts Massaker verurteilt wurde.

Es begann doch alles etwas chaotisch mit Begrüßungsworten und Einführungen, deren Redner allesamt versäumten sich vorzustellen. Die Verwirrung wurde erst nach 45 Minuten von Moderator Tilman Spengler mit seiner charmant-brummigen Art gelöst. Rückwirkend stellte er den Künstlerischen Leiter des ilb, Ulrich Schreiber, Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller und die chinesische Autorin und Übersetzerin ins Deutsche, Tienchi Martin-Liao, vor. » Weiterlesen…

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