Poetree Lyrikfestival 2016

Poesie unter Bäumen. Oh, wie schön das klingt. Das Poetree Lyrikfestival Göttingen lässt diese Formel wahr werden. Am kommenden Samstag verwandelt sich der Cheltenhampark wieder zu einem durch und durch lyrischen Wunschort mit vielen poesieverliebten Beiträger*innen. 

Das Poetree findet in diesem Jahr zum zweiten Mal statt und ist somit noch ein kleines Literaturfestivalbaby. Das merkt man ihm aber gar nicht an. Das lyrische Zusammentreffen im Grünen feierte bereits letztes Jahr großen Erfolg und überzeugt auch dieses Mal schon vorab mit seinem „Lyrik-Line-Up“. In Formaten wie Dichten Downtown, VERSschmuggel und dem Lyrischen Speeddating können die Wortkünstler*innen Timo Brunke, Tilman Döring, Odile Kennel, Marlen Pelny, Xaver Römer, Annie Rutherford und Julia Trompeter auf ganz unterschiedliche Weise ihrer Poesie Ausdruck verleihen. Auf der Webseite des Poetree könnt ihr euch vorab die Biografien der Beitragenden anschauen und entdecken, was eigentlich genau hinter den einzelnen Lyrikformaten steckt.

Einen ganzen Tag der Lyrik frönen, das ist doch wunderbar! Als kleinen Vorgeschmack auf das diesjährige Festival habe ich einige der Teilnehmer*innen in Kurzinterviews über Göttingen, Lieblingsverse und Schreiborte ausgequetscht.

 

Odile Kennel
(Format: VERSschmuggel)

Odile Kennel
© Heike Bogenberger

Was verbindest du mit Göttingen?

Das Lied Göttingen von Barbara.

Welcher ist dein Lieblingsvers?

EIN Lieblingsgedicht? Unmöglich.

An welchem Ort schreibst du besonders gern? 

An meinem Schreibtisch, morgens, im Sommer, bei offenem Fenster.

Auf welches Format freust du dich am meisten beim Poetree?

Auf beides: Das Gespräch übers Lyrikübersetzen, weil ich über dieses
Thema immer gerne spreche. Das Format des lyrischen Speeddatings, weil
ich es noch nicht kenne.


 

Annie Rutherford
(Format: VERSschmuggel)

Annie Rutherford
© Trevor Fountain

Was verbindest du mit Göttingen?

Ich wohnte drei Jahre lang in Göttingen, es gibt also vieles, was ich mit der Stadt verbinde… Die lange Abende nach den Lesungen im Literarischen Zentrum, die Baby-Wildschweine und ein paar der besten Menschen, die ich jemals kennengelernt habe, sind einige Favoriten.

Welcher ist dein Lieblingsvers?

Creatures with eyes looking upwards, who walked dreaming – von JL Williams’ Imago

An welchem Ort schreibst du besonders gern? 

Im Zug, oder an der Fensterbank des Wohnzimmers in meiner Wohnung: Obwohl ich mitten in der Stadt wohne, sieht man vom Fenster aus nur Bäume und Hügel. Das ist wunderschön.


 

Julia Trompeter & Xaver Römer
(Format: Sprechduette)

Julia Trompeter & Xaver Römer

Was verbindet ihr mit Göttingen?

Göttinger Centrum für Geschlechterforschung (GCG)

Welcher ist euer Lieblingsvers?

Lieblingsverse sind wie Sandburgen am Meer: Nach jeder Flut gibt es
neue. Aber einer ist standhaft:
Denn
aus: Friederich Hölderlin, Der Archipelagus I, Segment E

An welchem Ort übt ihr besonders gern eure Sprechduette ein? 

In unserer Küche bei Gnocchi und Kassler.


 

Marlen Pelny
(Format: Songpoesie)

Marlen Pelny
© Mike Auerbach

Was verbindest du mit Göttingen?

Einen großen Platz mit Weitblick, über den ich gehe, nachdem ich von
einem guten Essen bei Freunden komme und auf dem Weg ins Theater bin.

Welcher ist dein Lieblingsvers? 

Musik ist eine zarte Säge, die einfach eindringt in den Leib und die
federleichten Teile von den schweren trennt. (Friederike Frei)

An welchem Ort schreibst du besonders gern? 

Am besten ist es, an einem Ort zu sein, den ich gar nicht mehr
wahrnehme, weil mich das Schreiben in Trance versetzt hat.


 

Tilman Döring
(Format: Slam Poetree)

Tilman Döring
© Marvin Ruppert

Was verbindest du mit Göttingen?

Ich finde es schön, dass es in Göttingen einen Heinz-Erhard-Platz
gibt. Aber ob der wirklich schön ist, weiß ich nicht mehr.

Welcher ist dein Lieblingsvers?

[…]
wo ich lebe will ich nicht sterben, aber wo ich sterbe, da will ich nicht
hin
bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.
– Thomas Brasch

Heute bin ich glücklicher unglücklich als gestern.
– Fernando Pessoa

Auf welches Format freust du dich am meisten beim Poetree?

Ich freue mich vor allem darauf, Timo Brunke seit vielen Jahren einmal
wieder live erleben zu dürfen. Das letzte Mal, als ich ihn sehen durfte
muss ich noch 16 oder so gewesen sein (zumindest gefühlt). Ein hoch
geschätzter Kollege.


Wen jetzt so richtig die Lyriklust gepackt hat, sollte das Poetree auf gar keinen Fall verpassen. Also auf nach Göttingen, es wird sich lohnen!

Eintritt: 3 €

Poetree Lyrikfestival 2016

pixelstats trackingpixel

Juliane Noßack

1990 im brandenburgischen Flachland geboren und aufgewachsen, Bachelorstudium im hügeligen Jena. Seit 2015 nun Masterstudium der Angewandten Literaturwissenschaft in Berlin. Bloggt außerdem auf www.poesierausch.com, liebt The Smiths und schläft gern auf dem Bauch (auch wenn das angeblich ungesund ist).

Letzte Artikel von Juliane Noßack (Alle anzeigen)