[PROSANOVA 17] AiRtists im Interview #2

Im zweiten Teil der AiRtists-Interviews stehen Henrik Pohl, Simon Sailer, Tabea Steiner und Bettina Wilpert Rede und Antwort. Es geht um Essen und Tiere und natürlich immer auch um Literatur.

AiRtists Prosanova 17


HENRIK POHL

[PROSANOVA] AiRtists
© Lotte Kautz

Wie hast du dich gefühlt, als die Zusage vom AiR-Programm kam?

Kurz überrascht. Das ist bei Zusagen meistens das erste Gefühl. Dann kommt ein kleines Kribbeln im Bauch.

Was verbindest du mit Hildesheim?

Ein grauer Herr klappt die Sonnengläser über der eigentlichen Brille hoch und bestellt ein Stück Torte.

Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

Durchgehend liegt da Dorothee Elmigers Einladung an die Waghalsigen. Das ist schon ganz zerlesen und teilweise fallen die Seiten raus. Dazu kommen im Wechsel aktuellere Bücher. Zuletzt im Ganzen geschafft hab ich Die fürchterlichen Tage des schrecklichen Grauens von Roman Ehrlich.

Grundsatzfrage: Prosa oder Lyrik?

Eher Prosa. Zumindest was mein eigenes Schreiben betrifft. Eigentlich auch das Lesen. Ich bin mir aber gar nicht sicher, wie trennscharf diese Kategorien da funktionieren. Ich glaube, dass mein allererster Zugang zu Texten meist auf sprachlich-ästhetischer Ebene liegt. Beim Schreiben baut sich langsam ein Gerüst auf, beim Lesen bin ich oft nach fünf Seiten raus oder Fan. Ich mag eine stark poetisierte Sprache, auch Spiele mit der Form.

Worauf freust du dich beim Prosanova 17 besonders?

Puh. Da sind so viele gute Leute und Formate. Ich freue mich zum Beispiel auf Maren Kames’ Installation und den Workshop exit gender von Lann Hornscheidt.

Welches Tier kommt dir und deinem Autor*innendasein am nächsten?

Ein Flamingo! Ein Kolibri! Eine Schnecke! Ein Bär! (Eine Tortenschlacht!)

Welcher Song hat dich und dein Schreiben in letzter Zeit so richtig inspiriert?

Das letzte Mal, dass mich ein Song beim Schreiben inspiriert hat, war das In the morning von Nao. Das liegt aber auch schon anderthalb Texte zurück.

Sagen wir mal, Literatur wäre ein bestimmtes Essen, welches wäre es dann für dich und warum?

Sagen wir mal, Literatur wäre ein all-you-can-eat-Buffet, dann gäbe es einen seltsam weiten Teil mit Schonkost. Die wäre handwerklich hübsch hergerichtet, geschnitzte Möhren und sowas, im Geschmack aber dröge. Es gäbe dann auch ein Beistelltischchen mit Spaghetti und Tomatensoße.

Welche Werke Hildesheimer Autor*innen stehen in deinem Bücherregal?

Weil ich hier Schreiben studiere, finden sich beim Rumschauen schon einige Titel. Da stehen zum Beispiel die drei Bücher von Leif Randt, eine ältere Miniaturensammlung von Paul Brodowsky, dazu der Roman von Shida Bazyar. Ziemlich begeistert hat mich halb Taube halb Pfau, das Debüt von Maren Kames.

Was erwartest du von deiner Teilnahme bei AiR?

Ich freu mich auf den Austausch mit Autor*innen, die beim Reinkommen in den Literaturbetrieb vielleicht ein ähnliches standing haben. Ich freu mich vor allem auf die Workshops und Textwerkstätten und Gespräche beim Bier.


SIMON SAILER

[PROSANOVA] AiRtists
© Sarah Kanawin
Wie hast du dich gefühlt, als die Zusage vom AiR-Programm kam?

Ich habe mich schon sehr gefreut. Zumal es meine erste Zusage überhaupt war und ich noch nie öffentlich gelesen habe.

Was verbindest du mit Hildesheim?

Ehrlich gesagt habe ich nachsehen müssen, wo es überhaupt liegt. Dann habe ich mir den Festival-Trailer angesehen. Jetzt stelle ich mir vor: ein Festivalgelände und rundherum eine Stadt, in der nicht viel los ist. Mal sehen, ob es nicht doch das ein oder andere zu entdecken gibt.

Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

Ich neige zum gleichzeitig lesen, deshalb türmen sich Bücher neben und auf meinem Bett: Das Spektrum reicht von David Foster Wallace über Lucia Berlin, Josef Haslinger und Alice Munro bis zu Brandon Sanderson.

Grundsatzfrage: Prosa oder Lyrik?

Prosa. Aber ich lese auch Lyrik und lerne ab und zu Gedichte auswendig.

Worauf freust du dich beim Prosanova 17 besonders?

Auf die anderen Schriftsteller*innen. Da ich noch nicht so lange schreibe, kenne ich kaum Kolleg*innen und sehne mich oft nach Austausch.

Welches Tier kommt dir und deinem Autor*innendasein am nächsten?

Es müsste etwas sein, dass freundlich ist, aber auch ein bisschen weird: sagen wir ein Tapir.

Welcher Song hat dich und dein Schreiben in letzter Zeit so richtig inspiriert?

Two Headed Boy von Neutral Milk Hotel. In einem Roman, an dem ich gerade arbeite, geht es um einen Doppelgänger.

Sagen wir mal, Literatur wäre ein bestimmtes Essen, welches wäre es dann für dich und warum?

Wenn wäre doch Literatur Essen überhaupt und ein bestimmtes Buch ein bestimmtes Essen. Dann ist die Lyrik von Gottfried Benn ein nach Eiter riechender Vanillepudding und der Mann ohne Eigenschaft ein schwer zu zerlegender Riesenfisch.

Was erwartest du von deiner Teilnahme bei AiR?

Morgens schreiben, nachmittags in der Sonne Kaffee trinken, abends ein richtiges Gespräch führen, nach dem Essen fantasieren.


TABEA STEINER

[PROSANOVA] AiRtists
© Monika Hofmann
Wie hast du dich gefühlt, als die Zusage vom AiR-Programm kam?

sehr gefreut habe ich mich.

Was verbindest du mit Hildesheim?

bisher die Bella triste und damit wiederum viele literarische Entdeckungen.

Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

wie immer ein bisschen zu viele: Jahrbuch der Lyrik 17, Gender Trouble von Judith Butler, die aktuelle Edit, il barone rampante von Italo Calvino und schreckliche Gewalten von Jakob Nolte.

Grundsatzfrage: Prosa oder Lyrik?

Essay oder Sachbuch? Originalsprache oder Übersetzung? Klassiker oder Debüt? Mich überfordert diese Frage, siehe oben.

Worauf freust du dich beim Prosanova 17 besonders?

Ich freue mich sehr auf die Workshops und darauf, Menschen zu sehen, die ich gerne mag. Und Menschen zu treffen, deren Bücher ich gerne mag.

Welches Tier kommt dir und deinem Autor*innendasein am nächsten?

In Sri Lanka konnte ich einmal stundenlang zuschauen, wie eine riesige Elefantenherde von einem Dschungel in den nächsten wanderte, mindestens zweihundert Tiere kamen aus dem Wald geschritten und bewegten sich über das freie Land. Es waren auch Jungtiere dabei und sogar ein sehr kleines Kalb, das wohl gerade auf die Welt gekommen war, denn es fiel ständig um, rappelte sich wieder auf und ging weiter. So ein Elefantenkalb ist es.

Welcher Song hat dich und dein Schreiben in letzter Zeit so richtig inspiriert?

so richtig inspiriert ist zu viel gesagt. Aber ich höre in den letzten Monaten sehr oft die Musik von Sufjan Stevens. Sie hört sich für mich nach ganz-für-sich-sein an, was fürs Schreiben nicht unpassend ist.

Sagen wir mal, Literatur wäre ein bestimmtes Essen, welches wäre es dann für dich und warum?

siehe Fragen 3 und 4 und 6

Welche Werke Hildesheimer Autor*innen stehen in deinem Bücherregal?

Shida Bazyar, Roman Ehrlich, Olga Grjasnowa, Michael Fehr, Michelle Steinbeck, Maren Kames, Laura Vogt, Juan S. Guse, Fatma Aydemir, Anja Kampmann.

Was erwartest du von deiner Teilnahme bei AiR?

von mir: Offenheit. und schön sind immer neue Bücher, neue Bekanntschaften.


BETTINA WILPERT

© privat

Wie hast du dich gefühlt, als die Zusage vom AiR-Programm kam?

Ich habe mich sau gefreut.

Was verbindest du mit Hildesheim?

Viel Alkohol und Leute, die ganz viel studieren.

Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?

Da liegt gerade „Fegefeuer“ von Sofi Oksanen und „Beissreflexe – Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten, Sprechverboten“ herausgegeben von „Patsy L’amour Lalove“.

Grundsatzfrage: Prosa oder Lyrik?

Prosa!

Worauf freust du dich beim Prosanova 17 besonders?

Ich freue mich besonders darauf, mit netten Leuten abzuhängen.

Welches Tier kommt dir und deinem Autor*innendasein am nächsten?

Eine Schildkröte.

Welcher Song hat dich und dein Schreiben in letzter Zeit so richtig inspiriert?

„Biertitten“ von Pisse: „Du bist nicht queer nur weil du Biertitten hast!“

Sagen wir mal, Literatur wäre ein bestimmtes Essen, welches wäre es dann für dich und warum?

A damn fine cup of coffee.

Welche Werke Hildesheimer Autor*innen stehen in deinem Bücherregal?

Ehrlich gesagt, glaube ich keine.


Hier geht es zu Teil 1, in dem die anderen vier AiRtists Timo Brandt, Kristin Höller, Johannes Koch und Marcella Melien interviewt werden. Am kommenden Wochenende könnt ihr alle acht live auf dem Prosanova 17 erleben!

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Juliane Noßack

1990 im brandenburgischen Flachland geboren und aufgewachsen, Bachelorstudium im hügeligen Jena. Seit 2015 nun Masterstudium der Angewandten Literaturwissenschaft in Berlin. Bloggt außerdem auf www.poesierausch.com, liebt The Smiths und schläft gern auf dem Bauch (auch wenn das angeblich ungesund ist).

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