Supra – Ein georgisches Festmahl

Wer derzeit nicht immer nur über Georgien, das Gastland der Frankfurter Buchmesse, lesen will, sondern das Land auch mal schmecken möchte, dem*derjenigen sei das georgische Restaurant Schwiliko am Schlesi in Berlin empfohlen. Heute war Angie dort zu einem Supra, einem Festessen nach georgischer Art, mit den Autor*innen Lasha Bugadze, Nana Ekvtimishvili und Archil Kikodze.

Das Presselunch-Supra im Schwiliko © Tobias Bohm
Das Presselunch-Supra im Schwiliko © Tobias Bohm
Ein Presselunch als Supra (“Festmahl“)

Was ich schon bei der Pressereise in die georgische Hauptstadt Tbilisi kennen lernen durfte, gilt auch hier im Schwiliko: Georgische Gastfreundschaft und Bäuche kennen keine Grenzen. Bei einem Supra werden nach und nach, von der Vorspeise bis zum Nachtisch, sehr (wirklich sehr!) viele Platten und Schüssel in die Tischmitte gereicht; jede*r bedient sich an der riesigen Auswahl und kann auch noch nach zwei Stunden von allem naschen, denn das Essen wird nicht automatisch abgeräumt, wenn der nächste Gang kommt. Zu einem Supra gehören übrigens auch viele Tamada (Trinksprüche), die der*die Gastgeber*in beginnt und die danach auch von den Gästen fortgeführt werden.

 

Die Gastgeberin
Medea Metreveli © Tobias Bohm
Medea Metreveli © Tobias Bohm

Unsere Gastgeberin und Tamada-Sprechende ist Medea Metreveli, die als Direktorin des Georgian National Book Center für den Auftritt Georgiens als Gastland unter dem Motto Georgia Made by Characters verantwortlich ist. Und Lasha Bugadze (Der erste RusseLucrecia515Der Literaturexpress) versichert mir, dass Georgien das einzige Land ist, in dem Frauen nach der Figur Medea aus der griechischen Mythologie benannt werden. Denn Medea, so die Sage, war eine Königstochter in Kolchis am Schwarzen Meer, dem heutigen Georgien.

 

Deutsche Single-Frauen und georgische Ehefrauen
Nana Ekvtimishvili © Tobias Bohm
Nana Ekvtimishvili © Tobias Bohm

Nana Ekvtimishvili (Das Birnenfeld) wird oft als Autorin mit vielschichtigen, rebellischen Frauenfiguren rezipiert. Beim Supra bat Medea Metreveli sie um eine Einschätzung der Situation deutscher und georgischer Frauen. Ekvtimishvili, die übrigens fließend Deutsch spricht und auch Regisseurin ist (zuletzt My happy Family), hält zunächst ein kurzes Plädoyer dafür, dass Frauen sich wohl unabhängig ihrer Nationalität schlicht die Freiheit wünschen und teilt dann eine interessante Entdeckung mit: Während Frauen in Deutschland angesichts der hohen Single-Zahlen mitunter fast schon ein bisschen ‚einsam‘ bzw. ‚isoliert‘ seien, würden sich gerade das die georgischen Frauen wünschen, denn dort seien sie sehr fest in die Familie eingebunden und bräuchten mehr eigenen Raum.

 

Lange Vorbereitungszeit
Juergen Boos © Tobias Bohm
Juergen Boos © Tobias Bohm

Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, erzählt, dass Georgien eines der Gastländer mit der längsten Vorbereitungszeit ist: Schon 2011 begann die Zusammenarbeit – und damals gab es noch kaum deutsche Übersetzungen georgischer Literatur auf dem Markt. Wie der Blick in die Verlagsprogramme zeigt, hat sich das mittlerweile geändert und wird sich in den nächsten Monaten (und hoffentlich auch Jahren) auch noch weiterhin ändern. In der Auseinandersetzung mit georgischer Literatur überraschten ihn vor allem die starken deutschen Einflüsse des Landes.

 

Georgische Küche

In Georgien liebt man zwar Fleisch – und bei keinem Supra darf es fehlen –, aber die georgische Küche hat trotzdem eine äußerst große Auswahl an vegetarischen Gerichten. Mit optimalen klimatischen Bedingungen kann das Land schließlich auch den Großteil des Jahres über ernten. Da es zudem mit 3,7 Millionen Einwohner*innen auch sehr klein ist und nach wie vor viele Menschen in der Landwirtschaft arbeiten, kann Georgien sich größtenteils selbst versorgen – ganz ohne Massenproduktion und den damit einhergehenden laschen Geschmack von Obst und Gemüse.

Das Presselunch-Supra im Schwiliko © Tobias Bohm
Das Presselunch-Supra im Schwiliko © Tobias Bohm

Unser Supra im Berliner Schwiliko bietet typisch-georgische Gerichte: Tomaten-Gurken-Salat (im Schwiliko mit Walnusspaste verfeinert), Auberginenröllchen gefüllt mit Walnusspaste (Nigvisiani Badrijani), kleine Bällchen aus Walnusspaste (Mkhali) wahlweiße mit Rote Bete oder Spinat, ein flaches, rundes und mit Käse gefülltes Weizenbrot (Khachapuri), zudem das Weizenbrot Tonis Puri, das traditionell an den heißen Wänden eines runden Steinofens gebacken wird (in Georgien habe ich versucht ein solches zu backen und bin kläglich gescheitert, als es in die Asche fiel anstatt an der Ofenwand kleben zu bleiben), Hähnchen oder Gemüse in Nusssoße (Satsivi), mit Käse gefüllte Champignons (Soko Kecze) und zu guter letzt gebratenes Fleisch mit Bratkartoffeln und einer Pflaumensoße (Tkemali) aus den sehr sauren Damaszenerpflaumen (die ich bisher auch erst ein einziges Mal in einem deutschen Supermarkt entdeckt habe). Ihr merkt: viel Käse und vor allem viele Walnüsse! Viele Gerichte sind auch vegan, da die Nüsse (Pasten und Soßen verarbeitet) den Georgier*innen das sind – was in manch anderer Küche der Frischkäse oder Schafskäse ist. Georgisches Essen ist mächtig, aber unheimlich lecker! Und eins darf natürlich auch nie fehlen: Wein – denn Georgiens Wein ist international bekannt.

 

 

Georgien auf Litaffin anlässlich der Frankfurter Buchmesse 2018:

Teil I der Georgienserie: Der Charme des abblätternden Lacks. Eine (Bilder-)Reise durch Tbilisi

Teil II der Georgienserie: Frauen im georgischen Literaturbetrieb

Teil III der Georgienserie: Very German, very Georgian: Literaturszene und Arbeitsbedingungen

Teil IV der Georgienserie: Supra – Ein georgisches Festmahl

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Angie Martiens

Angie Martiens

1991 in Berlin geboren, bleibt Angie der Stadt weitestgehend treu. Nach dem Studium der Germanistik und Politikwissenschaft in Berlin und Stockholm, dann was ganz Verwegenes: Neuere deutsche Literatur und Tanzwissenschaft. Mit Interesse für die Schnittstellen von Politischem und Kulturellem, Diskursivem und Künstlerischem bewegt sie sich gerne durch Texte, Räume und Theorien.
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