100 Seiten in 30 Sekunden – Die schönsten deutschen Buchtrailer

100 Seiten in 30 Sekunden – Die schönsten deutschen Buchtrailer
© Bücher Pustet Ansbach
© Bücher Pustet Ansbach

Nachdem ich entdeckt habe, dass „Buchtrailer“ tatsächlich so eine Art Gattung sind, habe ich einen ganzen Abend auf Youtube verbracht. Meine fünf Lieblingstrailer sind hier versammelt. Wenn Ihr auch noch einen kennt, freue ich mich über Ergänzungen!

131 Sekunden – und das Buch, welches ich vor Jahren gelesen habe, war fast wieder vollständig da… Michael Endes Meisterwerk Momo als Bilderbuch.

Mister Onmipräsent, wie wir ihn kennen und lieben: Nur nicht zu dünn auftragen! Sascha Lobo schrieb mit seiner Kollegin Kathrin Passig „Dinge geregelt kriegen“ – Trailer selbstverständlich inklusive.

Jonathan Miles schrieb den ersten Roman in Form eines Beschwerdebriefs. Ich bin nicht sicher, ob ich ein ganzes Buch davon aushalten würde, aber der Trailer zu „Dear American Airlines“ ist großartig!

http://www.youtube.com/watch?v=7kyQ3-LB0WY&feature=related

Über Worte stolpernd, wie über Pflastersteine und bisweilen auf lang erträumte Verse stoßend… Charles Baudelaires „Die Blumen des Bösen“

Reduzierte Cyberoptik, ein bisschen Mädchenkitsch… Trotz dieses Biss-Vergleichs am Ende habe ich glatt Lust bekommen, Ally Condies „Die Auswahl“ mal aufzuschlagen…

Unter dem Titel Das Entenkonzept – Buchtrailer als neue Kunstform gibt es bereits einen Artikel auf Litaffin zum Thema.

„Ich kann mir vorstellen, dass man da das Kotzen bekommt“

„Ich kann mir vorstellen, dass man da das Kotzen bekommt“
© Dylan Thompson (kamerakopf.de)

Finn-Ole Heinrich, der 2007 mit seinem Debütroman „Räuberhände“ auf sich aufmerksam machte, ist nicht nur Autor, sondern auch Filmemacher. Als er vor zwei Jahren drei kurze Filmsequenzen zu seinem Roman auf Youtube stellte, war der Hype um Buchtrailer gerade erst am entstehen. Litaffin sprach mit dem 27-Jährigen übers Bücherschreiben und Filmemachen, über perfekte Eltern und Putzfrauen im Schneideraum.

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Das Entenkonzept – Buchtrailer als neue Kunstform

Die beste Werbung für ein Buch ist immer noch das Buch selbst!

Vielleicht ist das allerdings eine wertkonservative Wunschvorstellung. Das einfache Publizieren eines Buches verschafft diesem in der unüberschaubaren Masse der Neu- und Alterscheinungen eine Aufmerksamkeit, die gegen Null tendiert, wenn es sich nicht durch gewisse Faktoren hervorheben kann: Prominenz des Autors, Brisanz/Aktualität des Themas etc. Daher braucht es – aus Sicht aller, die mit der Arbeit an Büchern auch ihr Geld verdienen wollen – zunehmend vor allem die geschickte Platzierung des Produktes im Gedächtnis der Öffentlichkeit mittels bzw. via verschiedener Medien. Der Klassiker dabei ist die Rezension, wie sie auch in diesem Blog zuweilen gepflegt wird.

In den letzten Jahren hat sich neben vielem anderen im Werbungs- und PR-Bereich auch eine Form herausgebildet, die es zuvor im Buchsektor so nicht gab: das Werbefilmchen … äh Verzeihung: der Buchtrailer. Im Fernsehen gab es bislang nur in den allerallerseltensten Fällen zwischen Werbung für Bier und Binden auch solche für Bücher. Da es aber das Internet etwas anders hält mit der Verfüg- und Bezahlbarkeit von Werbezeit und -flächen, kann sich hier nun endlich auch der Buchtrailer breitmachen.

Der Buchtrailer hat sich dabei sogar zu einer eigenen kleinen Kunstform entwickelt, über die man genauso schön diskutieren kann, wie über das Buch selbst. Interessant ist, dass der Buchtrailer quasi auf der Metaebene auch schon zum Thema seines eigenen Mediums geworden zu sein scheint.

„Geht doch“ von Matthias Keidtel

Neben der Tatsache, dass an Matthias Keidtel offenbar ein Schauspieler/Komödiant verloren gegangen ist, zeigt dieses Filmchen mal wieder ganz schön, dass die beste Werbung die ist, die vorgibt, sich ironisch zu brechen, es auch irgendwie tut, aber irgendwie auch wieder nicht, weil es Werbung bleibt. Interessanterweise wird nahezu gar nicht auf das Buch eingegangen. Nun, es ist als Requisit und Werbeobjekt selbstverständlich präsent; worum es in diesem Buch aber geht, wie das Thema lautet, wen es ansprechen könnte, muss sich der Zuschauer allein aus der Art des Buchtrailers erschließen. Geschickt geschickt, wie ich finde.

Ein anderes Beispiel ist die Zuschneidung auf die bloße Bildschirmpräsenz des Protagonisten, die man bei Keidtel ja nun nicht von vornherein erwarten konnte; anders bei Heinz Strunk, der nun auch als Autor eine gewisse – sicherlich streitbare, aber umso besser! – Brillanz und vor allem Produktionswut an den Tag legt.

„Die Zunge Europas“ von Heinz Strunk

Dieser Trailer ist sehr viel näher am eigentlichen Objekt seines Auftrags dran, dem Buch nämlich und doch wird auch hier nur durch eine kurze, vom Autor vorgetragene Passage daraus angedeutet, was den Leser eigentlich zu erwarten hat. Eine richtige Vorstellung erhält davon erhält man allerdings nicht, jeder Klappentext ist darin ausführlicher.

Ich persönlich halte Buchtrailer zwar für nicht mehr als eine schöne Spielerei, die als Nebenprodukt eines Buches dessen Image mitprägen soll; meine Meinung über ein Buch würde sie höchstens im negativen Vorurteil bestätigen, ein schlechter Trailer könnte wiederum meine gute Meinung über ein Buch nicht trüben. Allerdings spricht die Zunahme dieser Form der PR dafür, dass die Branche darin tatsächlich eine lohnenswerte Investition erkennt. Die Produktion dieser Filme ist mitnichten preiswert, aber vielleicht ist sie ja ihren Preis wert…

Ich weiß nicht, wie es Euch geht. Niemand gibt gern zu, sich von Werbung beeinflussen zu lassen, aber: Welche Art von Buchtrailern spricht Euch an? Sprechen sie Euch überhaupt an? Habt Ihr schonmal ein Buch aufgrund eines Trailers gekauft? Oder es aufgrund des Trailers lieber gelassen?