Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing!

Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing!

Gerhard Falkner ist Lyriker, Dramatiker, Essayist und Übersetzter. Im Januar erschien der erste Teil dieses Interviews, in dem er das schillernde Wesen des Literaturbetriebs diskutiert. In Teil II bietet Falkner einen Blick auf den heutigen Zustand der Literaturkritik im Zusammenspiel mit dem Markt für Literatur.


Litaffin: Man gewinnt den Eindruck, dass die Probleme, die den Literaturbetrieb betreffen, aus dem Mitmachen entstehen – dem Mitmachen der Buchhandlungen, Verlage und der Autoren selbst. Es wächst der Druck, Bestseller zu propagieren, Autoren zu inszenieren. Berufseinsteiger in den Literaturbetrieb arbeiten meist monatelang in schlecht bezahlten Praktika oder Volontariaten. Was ist Ihre Einschätzung der Lage?

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Gerhard Falkner © A.P. Englert

Gerhard Falkner ist Lyriker, Dramatiker, Essayist und Übersetzter. Sein erster Gedichtband so beginnen am körper die tage erschien 1981, seine neue Monographie Kanne Blumma ist im November 2010 im ars vivendi Verlag erschienen. Litaffin sprach mit ihm über die Entwicklung des Literaturbetriebs in den letzten Jahrzehnten, über schlecht ausgebildete Buchhändler, schrumpfende Kulturredaktionen und Lektorate, die zunehmend unter Druck stehen.

Litaffin: Du hattest dich von 1984 bis 1996 aus dem Literaturbetrieb zurückgezogen und keinen Gedichtband mehr veröffentlicht. Warum?

Gerhard Falkner: Das hatte viele Gründe, die ich inzwischen unendlich oft dargelegt habe. Eine der vielen Antworten lautet: Die Kommunikationsmöglichkeiten werden immer dichter und anspruchsvoller. Mit ihrer Hilfe verschaffen sich Autoren eine Präsenz im Literaturbetrieb, die nicht mehr notwendigerweise durch eine Qualität des Textes abgedeckt sein muss. Wichtig ist nicht, was drin ist, sondern was drauf steht.

Hinzu kommt, dass die  kontemplativen Phasen, also die Phasen des „Reifens sprachlicher Ideen“, die in der Dichtung stets eine besonders große Rolle gespielt haben, immer knapper und enger werden.

Ich glaube, dass der Literaturbetrieb Literatur inzwischen eher wirksam verhindert als befördert und nur noch diese komischen Podiumsautoren heranzüchtet, deren einzige besondere Eigenschaft es ist, dass sie weder Fisch noch Fleisch sind und die Kunst beherrschen, während des Redens beliebig lange nichts zu sagen.

Womit ich nicht behaupte, dass keine Literatur entsteht. Diese entsteht aber nicht weil, sondern obwohl und oft, bevor sie im größeren Stile bemerkt wird.

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