Weihnachten 2016 // Buchempfehlungen der LITAFFIN-Redaktion // Teil 2

So here it is, Merry Christmas. Schon wieder. Das Jahr hat uns eingeholt, der Tannenbaum ist geschmückt, die letzte Adventskranzkerze bald schon runtergebrannt. Für die unter euch, denen noch das letzte Weihnachtsgeschenk fehlt – Rettung naht! Ein gutes Buch kann nie das falsche Geschenk sein. Was die Litaffin-Redaktion dieses Jahr noch so auf dem Radar hat, erfahrt ihr hier in unseren Redaktionsempfehlungen Teil 2: 

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Litaffin-WM 2010: Wir tauschen den Ball gegen das Buch!

Heute ist es soweit: die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika beginnt. In den kommenden vier Wochen kommen 32 Länder aus allen Winkeln der Erde in den Stadien zusammen, um mit- und gegeneinander zu spielen. Mit einem Ball. Bis am Ende einer gewinnt und einen goldenen Pokal bekommt.

Dass man für eine spannende WM aber weder einen Fußball noch einen Pokal braucht, beweisen wir mit unserer LITAFFIN-WM 2010, die natürlich pünktlich zum ersten Anpfiff in Johannesburg hier auf dem Blog startet.

Wir stellen 32 Texte aus allen bei der Fußball-WM vertretenen Ländern hier online. Keine Sorge, wer mitmachen möchte, muss nicht hunderte Seiten lesen: die Auswahl reicht vom kurzen Gedicht bis zum Romanauszug, überschreitet aber nicht die Länge von drei Seiten. Und denn seid ihr gefragt: über Abstimmungen bei Doodle entscheidet ihr, welche Texte weiterkommen – und wer am Ende zum Litaffin-Weltmeister 2010 gekürt wird!

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Gruppe H | Land 4

Dämmerung senkte sich auf das fruchtbare Tal. Die grauen, hohen Baracken in Culuco glichen denen der an­deren Campos. Von weitem wirkten sie beinahe schön, bei näherer Betrachtung jedoch waren sie eng und schmutzig. Zu ebener Erde lagen die Schuppen und die Essräume, über deren wackligen Tischen Fliegen summten. Jede Ba­racke war in sechs Behausungen abgeteilt, die ein Korridor an der Vorderseite miteinander verband. Eine eiserne Stiege führte zum Eingang hinauf. An der Hinterfront be­fand sich vor jedem Raum eine schmale Holztreppe. In den kleinen, niedrigen und verräucherten Küchen stank es nach Fett, Esswaren und Schweiß.

Maximo Luján und der ehemalige Bauer Martin Samayoa kamen völlig erschöpft in Culuco an. Ihre Gesichter waren von der stechenden Sonne gerötet, die Füße schmerzten von den Strapazen des Weges, die Augen glühten wie im Fieber, und ihre Kehlen waren ausgedörrt.

Der Giftarbeiter Luján wohnte in der dritten Baracke, im zweiten Raum links. Er nahm Samayoa mit hinein. Martin blickte sich um und sah zwei Feldbetten, drei Hängematten und ein paar Holzkisten, die als Stühle dien­ten. An den Wänden hingen mehrere Messingkanister, einige Koffer, verschiedene Buschmesser, ein paar abge­nutzte Spaten, sowie schmutzige, vom Saft der Bananen­stauden und vom Grau des Giftes bespritzte Männersachen und Frauenkleider.

Auf dem Fußboden lagen Zeitungen, Zeitschriften, Fla­schen, Kleidungsstücke, Blechdosen, Bindfaden und Lum­pen bunt durcheinander. Wie alle anderen Räume war auch dieser viel zu eng, genügte lediglich einer Person, aber es wohnten sieben Menschen darin. Besser gesagt, sie schliefen dort, denn sie kamen ja nur des Nachts in diesem Loch zusammen, nachdem sie von Sonnenaufgang bis Son­nenuntergang auf den Fincas geschuftet hatten.

„Das hier ist meine Hängematte“, sagte Maximo Luján zu seinem Gefährten. „Leg dich hinein und ruh dich ans. Wenn der Aufseher Benitez von der Arbeit kommt, werde ich mit ihm reden. Er ist ein gewalttätiger Hitzkopf, sehr schwierig zu nehmen, aber mit mir hält er Frieden. Ich arbeite oft für ihn als Sekretär.“

„Dann kann er wohl nicht einmal seinen Namen schrei­ben?“

„So ist es in etwa.“

„Und weshalb ist er Aufseher?“

„Man sieht, dass du vom Leben in den Campos nicht viel Ahnung hast. Aber du wirst bald Gelegenheit haben, es kennenzulernen. Aufseher kann man auf verschiedene Weise werden. Der schnellste und sicherste Weg ist die Empfehlung eines guten Freundes, der in der Politik etwas zu sagen hat. Ansonsten muss man großes Glück haben oder den Gringos die Stiefel lecken. In den Campos ist alles vertre­ten. Du findest viele aufrechte, charakterfeste Peones, die den großen und kleinen Chefs als Vorbilder dienen könn­ten, du findest aber auch widerwärtige und verabscheuungswürdige Typen. Auch bei den Aufsehern gibt es einige vernünftige Kerle, die uns Peones noch als Menschen an­sehen, es sind aber nur wenige, mein Freund. Die meisten von ihnen spielen sich schlimmer auf als die ausländischen Chefs.“

„Und wie steht’s mit diesem Benitez?“

„Den wirst du schon noch kennenlernen.“

Plötzlich erschütterten Schritte die Dielen der Baracke. An der Tür erschien ein junger braungebrannter Indio von gedrungener Gestalt und mit kräftigen Muskeln. Luján wandte sich an ihn:

„Warum arbeitest du heute nicht, Amadeo?“

„Ich habe frei bekommen, weil der Schlauch meiner Spritze geplatzt ist.“

Während Amadeo zu Samayoa hinübergrüßte, nahm er den Gürtel mit dem Revolver ab und legte ihn unter das Kissen eines der Feldbetten.

„Hast du heute wieder Fieber gehabt?“

„Heute nicht. Im Ambulatorium haben sie mir Chinin ge­geben. Mir summen die Ohren, aber ich vermute, das Sumpffieber wird etwas eingedämmt.“

Das Pfeifen einer Lokomotive durchschnitt die unbe­wegliche Stille des Nachmittags. Der Zug rollte näher, und durch die geöffnete Tür sahen die drei Männer die Ma­schine wie ein lärmendes schwarzes Ungeheuer vorbeifah­ren. In der Luft blieb eine dichte Rauchfahne hängen, die der leise Wind in phantasievolle Figuren zerriss, die sich dann allmählich im durchsichtigen Blau des Firmaments auflösten.

Die starke Hitze war verflogen und Windstöße, warm wie Frauenlippen, trugen den Duft der Früchte von den Plantagen herüber. Das Klopfen eines Pumpenmotors ver­mischte sich mit dem heiseren Bellen eines Traktors, der eine Ladung Stangen von der Bahn in die Pflanzung schleppte und dabei dichte Staubwolken aufwirbelte.

Die Landschaft, die sich wie ein grünes Tuch ausbreitete und von endlosen Pfaden durchzogen wurde, geriet in Be­wegung und verlor die Ruhe der glühenden Tagesstunden. Es war, als verliehe ihr eine unsichtbare Hand Leben und Kraft. Langsam, in gleichmäßigen Schritten, kam der Abend mit seinen Windfächern und veränderte das Himmelsant­litz, dessen Azurblau einzelne, wie Alabasterblöcke wir­kende Wolkenfelder bedeckte. Ein goldener Feuerschein brach sich an den fernen Gipfeln der Gebirge von Sulaco und Nombre de Dios, die sich im Süden und im Norden parallel zu dem blühenden Aguán-Tal erstreckten. Übermütig kreischende Vogelschwärme schossen über die Pflan­zungen, um den Eichkätzchen die reifen, in goldenen Trau­ben wachsenden Bananen streitig zu machen.

Das Motorengeräusch einer Giftpumpe brach ab wie das Stöhnen eines müden Ochsen, tiefes Schweigen lag über den Pflanzungen. Bald begann nun das Leben und Treiben in den Baracken. Die Frauen regten sich unermüdlich in den Küchen, und mit apathisch eintönigen Schritten ström­ten die Arbeiter auf den Wegen und Pfaden nach Culuco. Es waren Stangensetzer, Bewässerungsarbeiter, Unkraut­hacker, Giftspritzer, Bahnarbeiter. Alle sahen müde und erschöpft aus, ihre schmutzigen Kleider waren verschwitzt, ihre Gesichter und Arme von der Sonne verbrannt. Diese Menschen stammten aus den verschiedensten Gegenden des Landes. Es waren Weiße, Indios, Mestizen und Schwarze; Salpeterarbeiter vom Golf von Fonseca, Tabakarbeiter aus Copán, Hirten aus den Ebenen von Olancho, Farbige und Zambos aus Colón und von der Moskitoküste; Talbewoh­ner, Gebirgler, Küstenleute, Städter; Soldaten, ehemalige Kaufleute, Arbeiter und Landstreicher; Analphabeten und Intellektuelle. Mitgerissen vom Strudel, waren sie allein oder mit ihren Familien gekommen, der Zufall hatte sie hier unter dem sternenlosen Himmel der Hoffnungslosig­keit zusammengeführt, damit sie die Kraft ihres Körpers und ihres Lebens für wenige Münzen verkauften und sich ohne Atempause in fortwährendem Kampf das harte, schwarze Brot verdienten, das ihnen die Bananengesell­schaft bot.

Wie eine Flutwelle näherte sich das Stimmengewirr dem Campo. Rufe, Gelächter und Flüche ertönten, getragene, sehnsüchtige Melodien, wehmütig wie die Seele des Indios, klangen auf, im Campo erwachte das Leben.

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Gruppe G | Land 4

In seiner »Weltgeographie« machte Reclus bei der Behand­lung Brasiliens darauf aufmerksam, wie notwendig es sei, die aus dem Tupi stammenden Ortsnamen in unserem Land zu erhalten. Sie haben, so der große Geograph, den Vorteil, dass fast alle von ihnen eine äußerst klare, unzweideutige Bedeutung haben. Diese Namen weisen nämlich auf Natur­erscheinungen hin: Sie bezeichnen die Farbe der Flussläufe, die Höhe, die Form oder das Aussehen der Felsen, die Vegetation oder die Trockenheit eines Gebietes.

In Rio de Janeiro gibt es in der Tat Tupinamen, die mit so viel Beredsamkeit den Charakter und die Reize der Ge­genden ausdrücken, dass wir, wenn wir ihre Bedeutung erfah­ren, geradezu verblüfft sind über die poetische Kraft und das hohe Maß an Gefühlsstärke, die die primitiven Kanni­balen dieses Gebietes angesichts der so schönen und einma­ligen Natur um die Stadt herum an den Tag legten. Das zeigen schon die Namen der Bucht. Wie gut drückt doch der Name Guanabara – Busen des Meeres – eine Verfüh­rungskraft, Zurückhaltung und einen Zauber aus? Und wenn das Meer hier einen Busen bildete, so deshalb, um in ihm sein Wasser zu verbergen: Niterói – das verborgene Wasser.

Diese Tupinamen sind die äl­testen Dokumente der Menschen, die hier lebten und starben, und doch verhältnismäßig jung. Die Stadt Rio de Janeiro wurde auf dem ältesten Boden der Erde errichtet, aber bis heute finden sich keinerlei Spuren eines prähistorischen Lebens, keine direkten oder indirekten Spuren einer vergangenen Existenz.

Es scheint das Schicksal dieser Gebiete zu sein, dass sie keine Eindrücke bewahren durften von den aufeinanderfol­genden Generationen, auch wenn sie deren Kommen und Gehen miterlebten. Selbst die indianischen Namen ver­schwinden allmählich, und jedermann weiß, dass ein Trupp Arbeiter, der bei irgendwelchen Ausschachtungsarbeiten eine indianische Urne findet, sich gleich daran macht, sie zu öff­nen und dann zu zerschlagen, als wäre es etwas Teuflisches, als wäre es etwas Unwürdiges für uns Menschen von heute. Das einfache Totengefäß der Tamoyos wird erbarmungslos ge­opfert.

Die Erzeugnisse der Indios und alle ihre Bauwerke waren zerbrechlich; zerbrechlich sind auch unsere Bauten von heute. Die ältesten Monumente von Rio sind nämlich nur anderthalb Jahrhunderte alt, obwohl die Stadt bald auf eine vierhundertjährige Tradition zurückblicken kann.

Unser ehrwürdiger Granit, der so alt ist wie die Erde und auf dem die Stadt ruht, will absolut nur das Zerbrechliche, das Kurzlebige. Noch heute beherrscht dieser Geist die Bauweise un­serer öffentlichen und privaten Gebäude, die jeden Augen­blick zu bersten und einzustürzen drohen. Es ist so, als wollte die Erde nicht, dass andere Schöpfungen oder Lebe­wesen auf ihr bestehen bleiben als die Wälder, die sie hervor­bringt, und die Tiere, die sie bewohnen. Dennoch lässt die Erde sie entstehen, und für einen Augenblick trägt sie Geschöpfe, die dann wieder verschwinden müssen, ohne eine Spur zu hinterlassen. Welch seltsame Laune!

Sie will ein Ort der Sammlung und der Ruhe für den Strudel sein, der die Schöpfung zu einer ständigen Verände­rung der Lebewesen mitreißt. Nur das will sie sein, und sie bleibt fest und unerschütterlich, indem sie Leben schafft und in sich aufnimmt. Doch geschieht es so, dass die Nach­folgenden nicht wissen können, wer ihnen vorangegangen ist.

Wie viele Formen des Lebens hat dieses Land schon ge­sehen, seitdem seine Felsen entstanden sind? Zahllose, Tau­sende. Doch von keiner wollte es eine Erinnerung, eine Re­liquie zurückbehalten. Das Leben sollte nicht glauben, es könne mit der Ewigkeit dieses Landes rivalisieren.

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Gruppe G | Land 3

Njaka (das ist eine kleine Antilopenart, alle Stämme im Westen, auch die Mossi, bezeichnen sie als besonders klug und auch zauberkräftig) hatte eine kleine Tochter, die war sehr hübsch, und viele hätten sie gern geheiratet. Njaka aber machte bekannt: „Ich gebe dem meine Tochter zur Frau, der mir die Milch der Padere [wilde Büffel], die Haut der Abaga [Leoparden] und den Zahn der Uobogo [Elefanten] bringt.“ Auch Somba der Hase hörte das, und er dachte bei sich: „Das ist doch gar nicht so schwer! Das werde ich schon zusammenbringen.“
Zunächst mischte sich Somba einen feinen Brei aus wilden Grassamen und Salz. Es gab eine ausgezeichnete Speise. Die füllte er in seinen Quersack. Er ging in den Busch dahin, wo er den Padere wußte. Padere sagte: „Wohin gehst du?“ Somba sagte: „Ich will mich ein wenig zurückziehen, um von einem Medikament zu essen, das gut zu schmecken scheint.“ Padere sagte: „Zeig her, ich will ein wenig davon versuchen.“ Somba gab ihm ein wenig. Padere versuchte es und sagte: „Das ist ja ganz ausgezeichnet. Wo hast du das her?“ Somba sagte: „Ich fand das in jenem Baobab [Affenbrotbaum]. Allerdings kann ich mit meinen kleinen Zähnchen nur wenig abkratzen. Du aber mit deinen mächtigen Hörnern brauchst nur einmal gründlich da hineinzufahren, um ein weites Loch in die dünne Baumwand zu schlagen. Dann kannst du der Baumhöhle entnehmen, soviel du willst, denn der Baum ist immer ganz angefüllt mit dieser Nahrung.“ Padere sagte: „Gut. Wo ist der Baum?“ Somba sagte: „Sieh! Ganz dicht dort drüben!“
Padere senkte den Kopf; er rannte mit aller Gewalt auf den Baum zu. Er wollte die dünne Wand zerstoßen, aber er rannte nur seine Hörner fest. Er wollte sie zurückziehen, aber er war so fest dagegen gestürmt, daß er nicht wieder vom Baum abzukommen vermochte. Als er nun so fest saß, sagte Somba: „Du erlaubst mir wohl!“ Er kam mit einer kleinen Kalebasse heran und begann den Padere, der sich nicht zu wehren vermochte, zu melken. Als seine kleine Kalebasse gefüllt war, lief er damit zu Njaka und sagte: „Hier ist zunächst einmal die Milch des Padere.“ Dann begab sich Somba zu Abaga und fragte: „Willst du mich vielleicht begleiten? Ich möchte baden gehen.“ Abaga sagte: „Ich will schnell meine Sachen ein wenig ordnen, dann komme ich mit dir.“ Abaga ging in sein Haus. Somba ging in sein Haus. Somba stopfte seinen Quersack fest voller Tjeperrenga [roter Pfeffer]. Abaga regelte in seinem Hause noch einige Unordnungen, dann trafen sie sich beide auf dem Weg zum Bade. Sie gingen gemeinsam zum Wasser hinab. Am Ufer warf Somba seinen Sack ins Gras und sagte: „Wollen wir uns nicht unserer guten Kleider entledigen?“ Abaga sagte: „Gewiß lege ich mein gutes Kleid ab.“ Er tat es. Er warf seinen fleckigen, schönen Überzug neben Sombas Sack. Dann stiegen beide ins Wasser und nahmen ihr Bad.
Als sie eine Zeitlang herumgeschwommen waren, sagte Somba: „Ach, ich habe ganz vergessen, etwas beiseite zu legen. Nun habe ich es mit ins Wasser genommen. Ich will schnell ans Ufer gehen, es ins Trockene zu legen. Gleich bin ich wieder zurück.“ Somba sprang ans Ufer. Er öffnete seinen Sack und rieb so schnell wie möglich Abagas Kleid gründlich mit rotem Pfeffer ein. Als das geschehen war, ging er zurück in das Wasser.
Sie schwammen noch eine Weile umher, dann stiegen sie ans Ufer. Abaga wollte sein Kleid anlegen. Er bewegte sich ein wenig darin (in seinem Fell). Er zog das Kleid wieder aus und sagte: „Pfui, das juckt ganz abscheulich.“ Er zog sein Kleid wieder aus. Somba hatte inzwischen seinen Sack genommen. Er roch daran und rief: „Pfui, das ist ja ganz abscheulich. Es ist etwas über meinen Sack gekommen, während wir badeten.“ Abaga trat herzu und sagte: „Es ist dasselbe, das in mein Kleid gekommen ist.“ Somba sagte: „So kann ich meinen neuen Sack nicht mit nach Hause nehmen.“ Abaga sagte: „Ich kann auch mein Kleid nicht anziehen.“ Somba sagte: „Ich muß meinen Sack erst gründlich waschen.“ Abaga sagte: „Mein Kleid muß auch erst gewaschen werden.“ Somba sagte: „Laß es hier; ich will es gleich mit reinigen.“ Abaga sagte: „Es ist gut!“ Somba sagte: „Du bekommst es dann morgen.“ Abaga ging. Somba nahm das schöne Kleid Abagas, trug es zu Njaka und sagte: „Hier ist wunschgemäß zum zweiten das Fell des Abaga.“
Somba begab sich dahin, wo die große Herde der größten Uobogo war. Somba setzte sich neben den größten Uobogo und blickte unaufhörlich mit weit geöffneten Augen gen Himmel. Von Zeit zu Zeit schüttelte er wie vor Verwunderung den Kopf und sagte: „Nein, ist das schön!“ Der größte Uobogo guckte auch in die Richtung, in die Somba schaute, und sagte: „Guten Tag, mein Somba! Was gibt es denn da?“ Somba tat so, als ob er erstaunt zusammenführe und jetzt erst den Uobogo sähe. Er sagte: „Verzeih mir, mein Uobogo, daß ich dich nicht beachtete und dir nicht guten Tag sagte. Aber ich war davon so ganz eingenommen.“ Der Uobogo sagte: „Wovon warst du eingenommen?“ Somba sah den größten Uobogo erstaunt an und sagte: „Ja, siehst du denn nicht das Herrliche da oben am Himmel?“ Der größte Uobogo sah empor und sagte: „Nein, ich sehe nichts.“ Somba sagte: „Was, das siehst du nicht?“ Uobogo fragte die anderen Uobogo: „Nein, wir sehen es nicht.“
Somba sagte: „Nein! Der große Uobogo sieht das Herrliche da oben am Himmel nicht!“ Alle Uobogo sahen zum Himmel empor. Der größte Uobogo sagte: „Ich sehe es nicht, ich möchte es aber sehr gern sehen.“ Die anderen Uobogo sahen ständig empor und sagten: „Ja, wir möchten wohl auch recht gern wissen, was dies Herrliche da oben am Himmel ist.“ Somba sagte: „Daß ihr das nicht seht, das kommt wohl daher, daß ihr im Verhältnis zu eurer Größe eigentlich kleine Augen habt, während ich als kleines Tier mit recht großen Augen versehen bin. Aber ihr seid so große, so wunderbar große Tiere, daß die Sache gar nicht so schwer ist. Es muß nur einer immer auf den Rücken des anderen steigen. Wenn dann der ganz große Uobogo zu oberst auf den Rücken des letzten steigt, so kann er das Herrliche da oben nicht nur sehen, sondern er kann es sogar ergreifen.“ Die Uobogo sagten: „Das ist richtig.“ Der größte Uobogo sagte: „Ich will auf euch alle hinaufsteigen. Ihr müßt aber ganz fest stehen, damit ich nicht falle.“ Die Uobogo sagten: „Wir werden ganz fest stehen.“
Danach stieg ein Uobogo immer auf den Rücken des anderen. Es entstand eine ganz, ganz hohe Säule. Zu oberst stieg der ganz große Uobogo. Als er oben war, hielt Somba unter den Hinterfuß des untersten Uobogo schnell einen Feuerbrand. Das schmerzte den derart, daß er nicht anders konnte, als einen Schritt nach vorn zu machen. Dadurch kam die Reihe der Uobogo aber ins Wanken, der größte Uobogo, der zu oberst stand, fiel herab und brach sich einen Zahn ab. Alle Uobogo fielen scheltend über den Uobogo, der zu unterst war, her. Der sagte: „Verzeiht mir, aber ich trat mir einen scharfen Dorn in den Fuß, und ihr wart so schwer auf mir!“
Während sie schalten, brachte Somba schnell den abgebrochenen Zahn beiseite und versteckte ihn im Busch. Der große Uobogo suchte zornig seinen Zahn. Im Zweige des Baumes nebenan saß ein kleines Vögelchen, das hatte alles mit angesehen und rief dem größten Uobogo zu: „Du suchst deinen Zahn an der falschen Stelle. Du mußt deinen Zahn da drüben suchen. Somba hat ihn gestohlen und versteckt.“ Der größte Uobogo hatte nicht recht verstanden. Er fragte: „Was ist los?“ Somba sagte: „Dieser freche kleine Vogel wagt es, auch noch über dein Unglück zu lachen.“ Als Uobogo das hörte, war seine Wut grenzenlos. Er jagte mit seinen Genossen hinter dem kleinen Vogel her, ihn zu vernichten. Während die Uobogo von dannen jagten, nahm Somba seinen Zahn, trug ihn zu Njaka und sagte: „Hier ist zum dritten der Zahn des Uobogo.“
Njaka sagte: „Es ist wahr. Du hast mir die Milch des Padere, das Fell des Abaga und den Zahn des Uobogo gebracht.“ Somba sagte: „Nun gib mir deine Tochter!“ Njaka sagte: „Mein Somba! Meine Tochter kann ich dir nicht geben. Du bist, wie du mir gezeigt hast, ganz ungewöhnlich klug. Ich bin auch ein ganz ungewöhnlich kluges Tier. Wenn unsere Familien sich zusammentun und aus unseren beiden Stämmen ein Kind geboren wird, so wird es klug wie Wende [wie Gott], und das wäre nicht gut. Deshalb kann ich dir meine Tochter nicht geben.“

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Die Viertelfinalpaarungen der litaffin-WM 2010 lauten wie folgt:

1 | Uruguay aus Gruppe AArgentinien aus Gruppe B
2 | USA aus Gruppe CSlowenien aus Gruppe C
3 | Niederlande aus Gruppe ENeuseeland aus der Gruppe F
4 | Portugal aus der Gruppe GElfenbeinküste aus Gruppe G

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Gruppe G | Land 2

Vor vielen, vielen Jahren lebte einmal ein Holzfäller. Der ging stets in den Wald, um Bäume zu fällen. Als er einmal wieder im Walde war, hörte er plötzlich ein dumpfes Brüllen, das von einem wilden Tiere zu kommen schien. Voller Angst kletterte er auf einen Baum und versteckte sich dort. Da das Brüllen andauerte, aber nicht näher kam, so packte ihn die Neugierde zu sehen, woher es komme.
Er kletterte also wieder von dem Baum und schlich sich zu der Gegend hin, aus der das Brüllen erscholl. So kam er immer näher und sah endlich eine Raubtierfalle, in der sich ein Tiger gefangen hatte, der sich vergeblich bemühte wieder frei zu kommen und ein wütendes Brüllen ausstieß.
Als dieser den Holzfäller bemerkte, rief er ihm zu: „Was gaffst du mich an? Mache mich lieber frei und ich zeige dir einen Platz, wo viele Reichtümer verborgen sind!“
„Daß ich dumm wäre!“ entgegnete der Mann. „Bist du frei, so frißt du mich auf!“
„Wenn du mich befreist, tue ich dir sicherlich nichts!“ versicherte der Tiger und gab so viele schöne gute Worte, daß der Holzfäller sich bereden ließ und den Tiger befreite.
Kaum war dieser frei, so dehnte und streckte er sich, dann sah er seinen Befreier eine Weile an und sagte:
„Seit gestern steckte ich in dieser Falle und habe daher einen solchen Riesenhunger, daß ich dich fressen will. Was brauchst du Reichtümer? Einmal mußt du doch sterben und wenn ich dich fresse, erspare ich dir die Kosten des Begräbnisses.“
„Hältst du so dein Wort? Ist das deine Dankbarkeit?“ rief der Holzfäller.
„Ach was!“ sprach der Tiger. „Mit leerem Magen fühlt man keine Dankbarkeit, erst muß ich meinen Hunger gestillt haben!“ So stritten sich die beiden eine Zeitlang, da kam ein munterer Hase angesprungen, hörte den Streit und fragte, warum der Tiger den Mann fressen wolle.
Der Tiger erzählte ihm, daß der Mann ihn zwar befreit habe, daß aber das Gefühl des Hungers stärker sei als das der Dankbarkeit.
„Ganz recht, alter Onkel!“ sagte da der Hase. „Verspeise den Mann mit gutem Appetit, wenn er so dumm war, euch zu befreien; denn bei euch Großen kommt immer zuerst der Magen und dann alles andere. — Aber, was sehe ich! Aus diesem Dinge konntet ihr euch bei eurer Stärke nicht selbst befreien?“ sprach der Hase ganz erstaunt weiter, indem er die Falle betrachtete. „Ich glaube, alter Onkel, ihr flunkert!“
„Ich flunkern?“ rief ärgerlich werdend der Tiger und rannte wieder in die Falle, dem Hasen zeigend, wie er gefangen wurde. „Seht! so ging ich, ohne zu beachten, was es ist, hier in die Falle!“
„Schön, schön! nun möchte ich aber auch gern sehen, wie es der Mensch gemacht hat, euch zu befreien, werter Onkel!“ lachte der Hase, sprang auf die Falle, löste flink den Riegel, so daß die Falle sich schloß und der Tiger wieder gefangen war.
„So!“ sagte der Hase zum Holzfäller, „wenn es euch nun beliebt, den alten Sünder da drinnen wieder zu befreien, mag er euch mit vollem Recht verspeisen; ich aber will nicht dabei sein!“ So sprechend machte er ein Männchen und sprang lustig in den Wald hinein.
Der Holzfäller, froh sein Leben gerettet zu sehen, hütete sich natürlich, den Tiger zum zweiten Male zu befreien und eilte frohgemut zu seiner Arbeitsstätte zurück, verfolgt von dem wütenden Gebrüll des überlisteten alten Räubers.
So kommt man mit List weiter als mit Gewalt und wer mehr seinem Magen folgt als seinem Verstande, geht meistens zugrunde.

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Gruppe G | Land 1

PORTUGAL

Ich schreibe dir zum letzten Mal … und ich hoffe, du wirst aus dem Unterschied meiner Ausdrucksweise und aus der ganzen Art dieses Briefes verstehen, daß du es endlich erreicht hast, mich zu überzeugen, daß du mich nicht mehr liebst, so daß auch ich dich nicht mehr lieben darf.
Ich schicke dir also mit der nächsten Gelegenheit alles, was ich noch von dir habe. Fürchte nicht, daß ich dir schreibe; ich werde nicht einmal deinen Namen auf das Paket schreiben. Ich habe Dona Brites gebeten, alles das zu besorgen; sie ist es gewohnt, meine Vertraute zu sein, freilich in Dingen, die von diesen hier sehr verschieden waren: ich darf mich auf sie besser verlassen als auf mich selbst. Sie wird alles Nötige tun, damit ich mit Sicherheit annehmen kann, daß das Porträt und die Armbänder, die du mir gegeben hast, wirklich in deine Hände kommen.
Wissen sollst du aber, daß ich mich seit einigen Tagen fähig fühle, diese Beweise deiner Liebe, die mir so teuer waren, zu verbrennen und zu zerreißen; nur hab ich dir leider so viel Schwäche gezeigt, daß du nie würdest glauben wollen, ich sei zu diesem Äußersten imstande gewesen … Aus dem Schmerz, den es mich gekostet hat, mich davon zu trennen, will ich mir schon eine Art Genuß herausschlagen, und dir kann ich wenigstens etwas Ärger damit bereiten.
Ich gestehe, zu deiner und meiner Schande, daß ich an diesen Kleinigkeiten mehr hing, als ich dir sagen will; ich mußte von neuem alle meine Einsichten durchgehen, um mich von jeder, im einzelnen, loszumachen; und das zu einer Zeit, da ich mir Glück wünschte, von dir schon völlig frei zu sein. Aber was erreicht man nicht, wenn einem Gründe haufenweis zur Verfügung stehen. Ich habe Dona Brites alles übergeben. Mein Gott, alle die Tränen, die es mich gekostet hat, mich dazu zu bestimmen! Du hast keine Ahnung von den tausend Unentschlossenheiten, die in einem aufgeregt werden können, und ich werde sie dir sicher nicht herzählen … Sie sollte, bat ich sie, mir nie davon sprechen, und mir diese Dinge nicht mehr vor Augen bringen, selbst wenn ich verlangte, sie noch einmal zu sehen; ich darf nicht wissen, wann man sie absendet.
Ich kenne das ganze Übermaß meiner Liebe erst, seit ich alle diese Anstrengungen machen mußte, mich von ihr zu heilen; und ich glaube, ich hätte nie den Mut gehabt, sie zu unternehmen, wenn sich hätte voraussehen lassen, wie schwer und schrecklich das sein würde. Es wäre auf alle Fälle eine mildere Qual für mich gewesen, dich weiterzulieben, trotz deines Undanks, als dich für immer aufzugeben. Ich entdeckte, daß ich nicht so sehr an dir hänge als an meiner eigenen Leidenschaft; du warst mir durch dein kränkendes Benehmen schon verhaßt geworden, aber es war wunderlich, wie es mich leiden machte, gegen sie anzukämpfen.
Der gewöhnliche Stolz der Frau hat mir nichts geholfen bei dem, was ich wider dich zu beschließen hatte. Ach, deine Verachtung war mir schon geläufig. Ich hätte auch noch deinen Haß ausgehalten und alle Eifersucht, die möglicherweise deine Neigung für eine andere in mir hervorgerufen hätte. Es wäre doch etwas dagewesen, womit sich hätte ringen lassen. Was mir aber völlig unerträglich ist, das ist deine Gleichgültigkeit. Aus den unverschämten Freundschaftsversicherungen und den nichtssagenden Phrasen in deinem letzten Brief konnte ich merken, daß du alle meine Briefe empfangen hast; du hast sie, weiß Gott, lesen können, ohne daß in deinem Herzen das geringste sich rührte. Du Undankbarer, – und ich bin dumm genug, mich noch zu kränken, daß mir nun nicht einmal die Möglichkeit bleibt, mir einzubilden, sie wären gar nicht bis zu dir gelangt und nie in deine Hände gekommen.
Du, mit deiner Offenheit, – ich verabscheue sie. Hab ich dich etwa gebeten, mir aufrichtig die Wahrheit zu sagen? Durfte ich nicht meine Gefühle behalten? Es hätte genügt, daß du mir nicht schriebst. Ich hatte gar keinen Wunsch, aufgeklärt zu sein. Soll es mich nicht unglücklich machen, daß du es für überflüssig hältst, mich zu täuschen, und daß ich nun außerstande bin, dich noch zu entschuldigen? Ich begreife jetzt, mußt du wissen, daß du meiner Gefühle nicht wert bist, ich kenne alle deine schlechten und niedrigen Seiten.
Aber ich beschwöre dich (wenn alles, was ich für dich getan habe, verdient, daß du auf eine flehentliche Bitte meinerseits ein wenig Rücksicht nimmst), ich beschwöre dich: schreib mir nicht mehr und hilf mir, daß ich dich von Grund aus vergesse. Solltest du mich wissen lassen, daß dieser Brief dir ein Unbehagen bereitet hat, ich wäre imstande, es dir zu glauben. Andererseits kann ich mir vorstellen, daß ich in Zorn und Aufregung geraten würde, wenn ich erführe, daß du vollkommen mit ihm einverstanden warst; und beides könnte zur Folge haben, daß ich wieder lichterloh brenne.
Mische dich also nicht mehr in das, was ich tue; du würdest in jedem Fall meine Absichten umstürzen, in welcher Weise du dich auch hineindrängtest. Ich will nicht wissen, wie dieser Brief auf dich wirkt: störe mir nicht den Zustand, an dem ich arbeite. Ich glaube, du kannst dich zufriedengeben mit dem Unheil, das du angerichtet hast.
Was immer dich getrieben haben mag, mich unglücklich zu machen: laß mir jetzt meine Ungewißheit; ich hoffe, ich bringe es zustande, mit der Zeit eine Art Ruhe daraus zu entwickeln. Ich kann dir versprechen, dich nicht zu hassen; ich habe viel zuviel Mißtrauen gegen starke Gefühle, als daß ich mich damit einlassen sollte. Übrigens bin ich sicher, daß sich hier ein treuerer Liebhaber finden ließe. Nur, ach, wird einer imstande sein, mir Liebe beizubringen? Wird die Leidenschaft eines andern mich beschäftigen können? Die meine hat doch bei dir nichts ausgerichtet. Und ich habe die Erfahrung gemacht, daß ein Herz nie mehr über den Anlaß hinauskommt, der es zuerst gerührt und ihm die unbekannten Kräfte gezeigt hat, deren es fähig war. Alle seine Antriebe beziehn sich auf den Götzen, den es sich gebildet hat; seine ersten Wunden sind weder zu heilen noch ungeschehen zu machen; die Leidenschaften, die ihm zu Hilfe kommen und die sich Mühe geben, es auszufüllen und zu stillen, versprechen ihm umsonst einen Grad des Empfindens, den es nicht wiederfindet; es sucht die Freuden ohne rechte Lust, ihnen zu begegnen, und sie dienen schließlich nur dazu, ihm zu beweisen, daß ihm nichts teurer sei als seine Schmerzen, die es nicht vergißt.
Was mußte ich durch dich die Halbheit und Bitternis einer Beziehung kennen lernen, die nicht ewig dauert, und das ganze Verhängnis einer heftigen Liebe, wenn sie nicht gegenseitig ist? Welches blinde und boshafte Schicksal heftet sich an uns, um uns genau immer an die zu bringen, die nur für eine andere zu fühlen vermöchten? […]

Ist dir noch nie zum Bewußtsein gekommen, auf welche Weise du mich behandelt hast? Denkst du niemals daran, daß du gegen mich mehr Verpflichtungen hast als gegen sonst jemand auf der Welt? Ich habe dich geliebt wie eine Wahnsinnige. Wie hab ich nicht alles andere mit Füßen getreten. Dein Benehmen war nicht das eines Mannes von Ehre. Du mußt schon gegen mich eine natürliche Abneigung gehabt haben, daß du nicht aus Liebe zu mir vergangen bist. Und was mich so von dir einnehmen konnte, das waren recht mittelmäßige Dinge. Was hast du mir eigentlich zu Gefallen getan? Welches Opfer hast du mir gebracht? Warst du nicht hinter tausend andern Vergnügungen her? Das Spiel, die Jagd, hast du sie vielleicht aufgegeben? Bist du nicht der erste gewesen, der zum Heere abging, und bist du nicht später wiedergekommen als alle andern? Du hast dich unnötigerweise den tollsten Gefahren ausgesetzt, wie sehr ich dich auch gebeten hatte, mir zuliebe dich zurückzuhalten. Dein Ansehen in Portugal war nicht gering, trotzdem hast du keine Schritte getan, dich hier niederzulassen. Ein Brief deines Bruders genügte, du reistest, ohne nur einen Moment zu zögern. Und habe ich nicht zum Überfluß erfahren müssen, daß du auf der ganzen Reise bei bester Laune warst?
Wahrlich, ich gestehe, ich sehe keinen Ausweg, als dich tödlich zu hassen. Aber ich habe selbst alles getan, mir mein Elend zuzuziehen. Ich habe dich, viel zu offenherzig, von Anfang an an eine große Leidenschaft gewöhnt, man muß mehr Kunst anwenden, wenn man sich geliebt machen will; man muß geschickt die Mittel herausfinden, die zünden, mit Liebe allein macht man noch keine Liebe. Du wolltest, daß ich dich lieben sollte, das war dein Plan; und da er einmal gefaßt war, gab es nichts, wozu du nicht bereitgewesen wärst, um ihn durchzuführen. Du hättest dich am Ende sogar entschlossen, mich zu lieben, wenn das nötig gewesen wäre; aber du merktest bald, daß du bei deinem Unternehmen ohne Liebe zum Ziel kommen würdest, daß du sie gar nicht brauchtest. Welche Niederträchtigkeit! Glaubst du, es ist so einfach, mich ungestraft zu betrügen? Wenn es sich je fügt, daß du dieses Land noch einmal betrittst, du darfst gewiß sein, daß ich dich der Rache meiner Familie ausliefere.
Ich hab lange in einer Vergessenheit gelebt, in einer Götzendienerei, die mich erschauern macht, wenn ich daran denke. Meine Gewissensbisse verfolgen mich mit einer unerträglichen Härte. Ich fühle lebhaft das Schändliche der Verbrechen, die du mich hast begehen lassen, und meine Leidenschaft ist leider fort, die mich verhinderte, sie in ihrer ganzen Ungeheuerlichkeit zu sehen. Wann wird mein Herz zu Ruhe kommen? Wann werde ich einmal diese Pein los sein? Trotz alledem wünsche ich dir, glaube ich, nichts Böses, und ich würde mich schließlich ohne Widerspruch hineinfinden, daß du glücklich wirst. Aber wie in aller Welt könntest du’s sein, wenn du ein Herz hast?
Ich werde dir noch einen Brief schreiben, um dir zu zeigen, daß ich vielleicht in einiger Zeit ruhiger bin. Es wird mir ein Genuß sein, dir deine Ruchlosigkeiten vorzuhalten, sobald sie mich nicht mehr so lebhaft berühren; und wenn ich erst soweit bin, dir mitzuteilen, daß ich dich verachte, daß ich imstande bin, mit großer Gleichgültigkeit davon zu sprechen, wie du mich hintergangen hast, daß alle meine Schmerzen vergessen sind und daß ich mich deiner nur erinnere, wenns mir grade einmal einfällt!
Zugeben muß ich immer noch, daß du große Überlegenheit über mich besaßest und daß du mich mit einer Leidenschaft erfüllt hast, über der ich den Verstand verlor; aber du darfst dir nicht viel darauf einbilden. Ich war jung, leichtgläubig, seit meiner Kindheit eingeschlossen in diesem Kloster. Alle Menschen, die ich sah, waren nicht sehr einnehmend. So schöne Dinge, wie du sie mir beständig sagtest, hatte ich nie gehört. Es kam mir vor, als verdankte ich dir die Vorzüge und die Schönheit, die du an mir entdecktest und mir zum Bewußtsein brachtest. Man sprach gut von dir. Alle Welt war auf deiner Seite. Du tatest alles, wessen es bedurfte, Liebe in mir aufzuregen: aber ich habe endlich diese Verzauberung abgeschüttelt; du hast mich redlich dabei unterstützt, und ich verberge dir nicht, ich hatte solchen Beistand außerordentlich nötig.
Deine Briefe gehen an dich zurück, nur die beiden letzten will ich sorgfältig aufbewahren und von Zeit zu Zeit lesen, noch öfter womöglich, als ich die ersten gelesen habe: das wird mich vor allem Schwachwerden schützen. Sie sind mir teuer zu stehen gekommen, diese Briefe. Nichts als dich weiterlieben dürfen, und ich wäre glücklich gewesen. Ich sehe, ich beschäftige mich noch viel zuviel mit meinen Vorwürfen und mit deiner Untreue; doch, du weißt, ich habe mir versprochen, einen ruhigeren Zustand zu erreichen, und ich werde es durchsetzen, oder ich muß irgendein äußerstes Mittel wider mich gebrauchen, das dir nicht sehr nahegehen wird, wenn du davon erfährst … Aber ich will nichts mehr von dir. Ich bin eine Närrin, daß ich immer wieder dasselbe sage. Dich aufgeben, nicht mehr an dich denken, das ist alles, was not tut. Ich glaube sogar, ich werde nicht mehr schreiben. Bin ich am Ende verpflichtet, dir genaue Rechenschaft abzulegen über alle meine verschiedenen Gefühle? …

Das Finale der litaffin-WM 2010 – USA gegen Portugal

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Gruppe F | Land 4

Neuseeland

Neonlichter

Manchmal sähe ich meinen Namen gern in Neonlicht gebrannt
Purpur und blau, durch die Nacht aus Samt
So viel zum Rampenlicht –
Günstiges elektrisches Lampenlicht –
Nur damit du, der in der geputzten Menge vorbeizieht,
vielleicht sagst „Ich kenne sie gut“, vielleicht etwas stolz bist.

Manchmal wär ich lieber traumgleiche Zärtlichkeit
Hauch schweigsamen Blütenblattes in deiner Einsamkeit.

Das Finale der litaffin-WM 2010 – USA gegen Portugal

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Gruppe F | Land 3

Einst lebte ein König, welcher eine Tochter hatte, die sehr grausam war. Schon in ihrer Jugend war sie sehr blutdürstig. So schnitt sie z. B. den Vögeln, die sie gefangen hatte, die Zunge oder die Füße ab und ließ sie dann fliegen; oder sie brannte ihnen die Augen aus. Wo sie einem Tier etwas zuleide tun konnte, tat sie es. Als sie älter wurde, vergrößerte sich auch ihre Grausamkeit, und sie wagte es, diese auch an Menschen auszuüben.

Sie ließ alle Bettler durch ihre Hunde aus dem Schloß hetzen, und je mehr sie von den Hunden zerbissen wurden, desto mehr Freude hatte sie. Als nun ihr Vater gestorben war, kam ein Rittersohn, um ihre Hand anzuhalten. Sie nahm diesen Antrag an, und der Trauungstag wurde festgesetzt.

Als dieser gekommen war, schickte sie den Ritter in einen andern Teil des Schlosses, daß er das Brautgeschmeide hole. Um in das bezeichnete Zimmer zu gelangen, mußte er über einen hölzernen Gang gehen, welcher so eingerichtet war, daß, wenn sie an einer Schnur anzog, derjenige, welcher darübergehen wollte, samt den Brettern in einen tiefen Brunnen fiel und darin noch das teuflische Lachen dieses grausamen Weibes hören mußte.

So waren schon neun Jünglinge zugrunde gegangen, als endlich einer kam, welcher all dies schon vorhergesehen hatte, da er ein Schwarzkünstler war. Sie hatte ihm schon ihre Hand zugesichert, und als sie ihn in jenes Zimmer schicken wollte, weigerte er sich und sagte, sie solle das Geschmeide selbst holen.

Sie redete ihm jedoch mit den freundlichsten Worten zu, er möge ihr doch diesen Gefallen tun. Allein zornig erwiderte er: „Glaubst du, ich sollte der zehnte sein, der in dem Brunnen sein Grab findet? Diesmal wird es dir nicht gelingen, denn die Zeit der Vergeltung ist gekommen.“

Über diese Rede erzürnt, befahl sie ihren Knechten, ihn zu binden und in den Brunnen zu werfen. Er ließ sich auch willig binden und in den Brunnen werfen, blieb aber auf dem Wasser und lächelte der Fürstin zu, welche in ihrer Wut Hand und Reich demjenigen zusagte, der ihren Feind töten würde. Da nahmen die Knechte ihre Armbrüste, und es zischten neun Pfeile nach dem Ritter. Die Pfeile aber verwandelten sich während des Fluges in Vögel, welche zwitschernd das Haupt des Ritters umkreisten.

„Wärst du nur hier, ich wollte dich schon töten“, sagte sie. Er aber erhob sich samt den Vögeln aus dem Brunnen, und ehe sich alle recht besinnen konnten, war er im nächsten Wald verschwunden.

Dort schrieb er neun Briefe, worin er den Tod der neun Jünglinge schilderte, band jedem Vogel einen solchen Brief an den Hals und ließ sie durch Land und Städte fliegen.

Überall ließen sie ihre Briefe lesen und kehrten endlich zur Königstochter selbst zurück und übergaben ihr die Briefe.

Diese zerriß dieselben, rang aber unaufhörlich die Hände und jammerte fortwährend, da ihr Verbrechen nun an den Tag gekommen war. Sie legte auch ihren Schmuck ab, zog ein Trauergewand an und lebte in dem Wald, in dem sich der letzte Ritter samt den Vögeln niedergelassen hatte, als Einsiedlerin.

Die Vögel kamen täglich zu ihr und sangen die ganze Begebenheit, wie sie in den Briefen geschildert war, sie aber streute ihnen unter Tränen ihr Futter vor die Hütte und bereute tausendfach ihr Verbrechen. Als dieses nun gebüßt war, verwandelten sich die neun Vögel in Jünglinge, und diese verziehen der Königstochter ihr Verbrechen. Darauf verwandelten sich die neun Jünglinge in Engel und trugen die reuige Büßerin in den Himmel.

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