Elegante Sprachtänzerin und visionäre Erfinderin: Sibylle Lewitscharoff erhielt den Berliner Literaturpreis 2010

Elegante Sprachtänzerin und visionäre Erfinderin: Sibylle Lewitscharoff erhielt den Berliner Literaturpreis 2010

Als Vladimir Nabokov seinem Verleger die Lolita erläuterte, bemerkte er, man werde im Manuskript ohne Zweifel eine Reihe von Wörtern finden, die nicht im Webster aufgeführt seien – noch nicht; in kommende Auflagen würden sie zweifellos aufgenommen. Dass Sibylle Lewitscharoff normalerweise keine solchen Hinweise in Bezug auf ihr Werk gibt, ist nur auf die deutschen Verhältnisse zurück zu führen, kennen die doch keinen Webster. An sprachlicher Erfindungskraft und Originalität mangelt es Sibylle Lewitscharoff nämlich durchaus nicht. Ihr „sprachlicher Gestus ist ein geistreiches Parlando, eine virtuose Rhetorik, getragen von schrägem Witz und abgründigem Humor. Abgefeimte Scheelsucht und funkelnde Heilsgewissheit gehen in diesen Prosawerken die verrücktesten und unterhaltsamsten Verbindungen ein“, um es in den Worten der Begründung für die Auszeichnung der Jury  (Sigrid Löffler, Ulrich Janetzki, Ulrich Khuon, Norbert Miller und Oliver Lubrich) zu sagen. Mit der in Berlin lebenden Sibylle Lewitscharoff erhielt gestern im Roten Rathaus also eine große Sprachkünstlerin den mit 30.000 Euro dotierten Berliner Literaturpreis. Dass Berlin in kultureller und gerade auch literarischer Hinsicht viel zu bieten hat, muss da nicht noch extra betont werden. Der regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit tat dies in seiner Funktion als Hausherr im Berliner Rathaus trotzdem. Berlin habe sich nicht nur als Verlagsstadt etabliert – welch passender Hinweis auf Lewitscharoffs Verlag Suhrkamp – sondern würde mit dem Berliner Literaturpreis auch einen der bedeutendsten Preise Deutschlands vergeben. In der Tat kann sich die Liste der Preisträger der letzten Jahre mit Herta Müller, Durs Grünbein, Ilija Trojanow, Ulrich Peltzer und der Dramatikerin Dea Loher sehen lassen. Beim anschließenden Empfang im Wappensaal war Lewitscharoff jedoch nicht viel von der Bürde der großen Namen ihrer Vorgänger anzumerken. Nahezu vergnügt streifte sie umher, plauderte mal mit diesem, mal mit jenem. Mit der Auszeichnung ist im Übrigen auch die Berufung auf die Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik an der Freien Universität Berlin verbunden. Mit Herta Müller hatte 2005 eine spätere Literaturnobelpreisträgerin diese Funktion inne. Wer weiß, mit wem es die Studenten dieses Jahr zu tun bekommen…

Das polnische Fräuleinwunder in Berlin

Das polnische Fräuleinwunder in Berlin

Zum gestrigen Dorota-Masłowska-Abend im Roten Salon

Dorota MasłowskaNicht nur die Tatsache, dass sie als Star der polnischen Literaturszene gilt, sondern auch der Titel der Lesung – „Ich kann Wörter zu Torten schichten“ – wecken bei den Zuschauern hohe Erwartungen an den großen Dorota-Masłowska-Abend. „Eine Schriftstellerin, die sprachlich alle Register zieht“ – so kündigt Katharina Narbutovic vom Berliner Künstlerprogramm des DAAD den polnischen Jungstar an. Der Abend ist ein Abschiedsabend für Dorota Masłowska, in wenigen Tagen wird sie Berlin nach ihrem einjährigen Aufenthalt im Rahmen eines Stipendiums des Berliner Künstlerprogramms verlassen. Diese letzte Lesung im Roten Salon soll die Zuschauer an die junge Autorin heranführen, an ihr Schaffen sowohl im literarischen Bereich als auch in Film und Theater.
Durch den Abend führt der Schriftsteller Jakob Hein, der Mitglied der Reformbühne Heim & Welt ist und zuletzt mit seinem Buch „Liebe ist ein hormonell bedingter Zustand“ für Aufmerksamkeit in den Medien sorgte.

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„Ich kann Wörter zu Torten schichten“

Dorota Masłowska in Film, Lesung und Gespräch

Die junge polnische Autorin Dorota Masłowska hat bisher erst zwei Bücher veröffentlicht, die jedoch für großes Aufsehen sorgten. Mit gerade einmal 18 Jahren schrieb sie ihren ersten Roman „Schneeweiß und Russenrot„, der ebenso wie ihr Zweitwerk „Die Reiherkönigin“ in den Feuilletons begeistert besprochen wurde – immer wieder wird sie für ihren ungewöhnlichen Wortwitz und ihre Sprachgewalt gelobt. „Ich zertrümmere die Sprache in ihre Bestandteile, um sie neu zusammenzusetzen und zu sehen, was daraus wird“, sagt Dorota Masłowska selbst über ihre Kunst.
Was dabei herauskommt, das kann man sich nächste Woche Dienstag (26.01.) um 20 Uhr im Roten Salon in der Rosa-Luxemburg-Straße 1 anhören und ansehen. Das Berliner Künstlerprogramm des DAAD lädt zur Lesung und zum Gespräch mit der Schriftstellerin ein, auch ein Ausschnitt aus der Verfilmung ihres Debüts wird gezeigt. Danach kann man sich dann noch den musikalischen Vorlieben der Autorin hingeben: Im Anschluss an den großen Dorota-Masłowska-Abend gibt es ein DJ-Set von Bonaparte.
Mehr Infos zu Dorota Masłowska findet ihr auf der Webseite des Berliner Künstler­programms.