Sie hat einen Namen: Chanel Miller

Sie hat einen Namen: Chanel Miller

TRIGGERWARNUNG: IN DIESEM TEXT GEHT ES UM DAS THEMA VERGEWALTIGUNG. Chanel Miller hat eine Vergewaltigung überlebt. An einem Abend, an dem sie eher zufällig auf eine College-Verbindungsparty ging, hat Brock Turner seine Finger in ihre Vagina gesteckt, während sie bewusstlos hinter einem Müllcontainer lag. Für Chanel beginnt damit ein jahrelanger, zehrender Prozess, während dem sie ihre Identität geheim hält und von Richtern, Verteidigern und den Medien auseinandergenommen wird. Doch jetzt hat sie ein mutiges Buch über die Schrecken der Vergewaltigung und des Gerichtsprozesses geschrieben, an dessen Ende der Vergewaltiger Brock Turner nur drei Monate ins Gefängnis kam und die Gesetze in Kalifornien zugunsten der vergewaltigten Personen geändert wurden.

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Verlorengegangen zwischen Mutter und Vater

Verlorengegangen zwischen Mutter und Vater

Marianne hat etwas Dummes getan. Mit einem Springseil hat sie sich aufgehängt, bis ihre ältere Tochter Edith sie findet und das Seil durchschneidet. Jetzt müssen Edith und ihre Schwester Mae weg aus Louisiana nach New York zu ihrem Vater. Katya Apekinas Debütroman Je tiefer das Wasser erzählt von zwei Schwestern, die alles versuchen, um von ihren Eltern geliebt zu werden. Dafür reißen sie ihre eigenen Grenzen ein.

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From Panels with Love #30: Das Licht, das Schatten leert

From Panels with Love #30: Das Licht, das Schatten leert

Tina und ihr Fritzemann hatten eine Todgeburt. Ein Schock. Wut, Schmerz und Schuldgefühle. Wie soll man mit dieser Ungerechtigkeit einfach weiterleben? Um nicht durchzudrehen, stürzt die Comiczeichnerin sich in ihre Arbeit – herausgekommen ist dabei Das Licht, das Schatten leert, eine autobiografische Graphic Novel, die das Erlebte zu verarbeiten versucht. Ein schonungsloser und sehr persönlicher Bericht über Verlust und Trauer, aber auch voller Zuversicht und Witz.

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Eine Einladung mit freier Platzwahl

Eine Einladung mit freier Platzwahl

Gibt es ein Leben nach dem Tod? In Mariana Lekys Roman „Die Herrenausstatterin“ geht es nicht etwa um die „Himmel oder Hölle“-Frage, sondern darum, wie man die Trauer bewältigt, wenn der Tod ins Leben tritt und sich plötzlich alles ändert.

von Florina Evers

Die Herrenausstatterin von Mariana Leky © Florina Evers

Obwohl der Roman Die Herrenausstatterin bereits 2010 im DuMont Verlag erschienen ist, erfreut sich die Literatur von Mariana Leky seit der Veröffentlichung ihres Romans Was man von hier aus sehen kann, neu gewonnener Beliebtheit. 65 Wochen lang stand das Buch auf der Spiegel-Bestsellerliste und war 2018 das Lieblingsbuch der Unabhängigen Buchhändler*innen.

Durch den Erfolg ihres vierten Romans gewann Leky einige neue Fans dazu, die nun fleißig den Leky-Lesestoff der letzten 20 Jahre aufarbeiten. Zugegebenerweise identifiziere ich mich selber mit dieser Gruppe. Auch mein Weg zu Die Herrenaustatterin begann mit Lekys Bestseller. Als ich das Buch zu Ende gelesen hatte, packte mich eine derartige Verzweiflung, dass ich wie ein Junkie auf Entzug noch am selben Tag zum Buchhändler meines Vertrauens eilte, um mir Leky-Nachschub zu besorgen. Ich wollte unter allen Umständen in der wunderbar melancholischen Erzählwelt der Autorin bleiben.

Eine erfrischende und mutmachende Geschichte

Hauptprotagonistin des 206-Seiten schmalen Buchs ist Katja Wiesberg, eine Anfang 30-jährige Übersetzerin. Bereits auf den ersten Seiten erfahren wir, dass sich etwas an dem überschaubaren Alltag von Katja ändern wird: Es beginnt damit, dass ihr Mann Jakob verschwindet. Nicht etwa im wortwörtlichen Sinn, sondern im Sinne einer sich aufbauenden Distanz zwischen den beiden Eheleuten. Wie so oft in Lekys Romanen zeigen sich die inneren Probleme ihrer Charaktere durch äußere Symptome: Katja fängt an immer weniger zu sehen – auch Jakob ist nur noch ein verwaschener Farbfleck vor ihren Tag für Tag schlechter werdenden Augen. Ganz bewusst scheint ihr Körper die Ehekrise verdrängen zu wollen. Ihre Freundin Eva versucht sie abzulenken, doch während einer ihrer Spielabende erreicht Katja ein unerwarteter Anruf, der, wie es schlimme Nachrichten an sich haben, ihr Leben in ein „Vorher“ und ein „Nachher“ teilen wird.

Wie man es schafft, von einem dramatischen Wendepunkt und einer von Liebeskummer geplagten Protagonistin den Übergang zu einer erfrischenden und mutmachenden Geschichte zu flechten, scheint zu Mariana Lekys Expertise zu gehören. Denn auch in Die Herrenausstatterin schreibt die Autorin tröstend davon, wie das Leben weitergeht, egal wie groß der Schmerz und die Sorgen zu sein scheinen.

Schmerzhafte Splitter der Vergangenheit

Wie beschwerlich und mühsam dieser Weg sein kann, und vor allem, dass man diesen Weg nicht allein gehen sollte, wird trotzdem deutlich. Denn tief in ihrer Trauer steckend, bekommt Katja Gesellschaft von zwei Charakteren, Blank und Armin, die genauso skurril wie liebenswert erscheinen. Diese beiden eigentümlichen Gestalten päppeln die Protagonistin mithilfe einiger Liter Astronautennahrung, einem unerwarteten Trip nach Holland und ihrer unermüdlichen Fürsorge langsam wieder auf.

Obwohl die Geschichte nach dem Auftauchen der beiden Gestalten deutlich unterhaltsamer wird, rückt Katjas Trauer doch nie ganz in den Hintergrund. Immer wieder tauchen schmerzhafte Splitter ihrer Vergangenheit während ihrer Abenteuer auf. Mithilfe der neuen Begleiter lernt sie die Trauer anzunehmen:

„Vermutlich nimmt es kein Ende“, sagte Blank dann. „Vermutlich nimmt es kein Ende, solange Sie leben.“ […] „Aber es wird leiser“, sagte er. „Ich verspreche Ihnen, dass es leiser wird. Irgendwann ist es ungefähr so leise wie ein Lied, das ein Nachbar in der Wohnung nebenan hört.“

Lust auf das Leben und die Liebe

Wahrscheinlich müssen die meisten Menschen mit einem von den Nachbarn immer wieder gespielten Lied leben; ein Lied, das sich eben nicht abschalten lässt und einen immer wieder unerwartet aus dem Alltag reißt. Die Herrenausstatterin erinnert daran, dass wir in unserer Trauer oftmals nicht alleine sind. Und dass auch ein „Leben nach dem Tod“ möglich und womöglich sogar unerwartet schön und anders sein kann, als man es sich in dunklen Stunden ausmalt. Es ist Lekys unvergleichbare Stärke als Autorin das Leben in all seiner Unvollkommenheit und Absurdität mit solcher Hingabe und Zuversicht aufs Papier zu bringen, dass sogar ein Buch, das sich hauptsächlich mit dem Tod und Trauer beschäftigt, plötzlich Lust auf das Leben und die Liebe macht.

Oder, um es mit Blanks, respektive Mariana Lekys Worten zu sagen: „Ich habe immer geglaubt, das Leben sei eine Einladung mit Tischkärtchen. Als müsste man sich, schon aus Gründen der Höflichkeit auf den Stuhl setzen, der einem zugewiesen wird, auch wenn es am anderen Ende des Tisches viel lebhafter zugeht. Ich möchte Ihnen sagen: Das ist ein Irrtum. Es ist eine Einladung mit freier Platzwahl.“

Die Herrenaustatterin von Mariana Leky, erschienen 2010 im DuMont Verlag, Köln. Seit 2015 auch als Taschenbuch erhältlich. ISBN: 978-3832165178. 11€

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Yasemin Altınay hat ein Magazin herausgebracht, das es so bisher nicht gab: Literarische Diverse. Ein Magazin für junge und vielfältige Literatur versammelt in der ersten Ausgabe Texte unter dem Überthema Engagement. Ein Schwerpunkt, schreibt Yasemin im Editorial, liegt darauf, Texte von BIPoC und LGBTQ+ Personen zu veröffentlichen und diesen Texten mehr Raum im deutschsprachigen Literaturbetrieb zu geben. Ein Herzensprojekt mit einer sprachlich und optisch fantastischen Umsetzung.

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Cassandra Darke ist eine kautzige und überhebliche Kunsthändlerin Anfang siebzig, die ihr Leben für die Kunst lebt. Sie wohnt in einer noblen Villa in London, ist am liebsten allein und eine echte Kennerin ihres Faches. Als dann herauskommt, dass sie unautorisierte Kopien von Kunstwerken verkauft hat, ist es vorbei mit Köchin, Job und unermesslichem Luxus. Stattdessen wartet das Gericht auf sie. Zu allem Überfluss findet Cassandra Darke auch noch eine Pistole in ihrer dreckigen Wäsche und wird plötzlich in einen Mordfall verwickelt. Posy Simmonds hat einen Graphic Novel mit detaillierter Geschichte und stimmungsvollen Bildern erschaffen, in denen auch der Textanteil nicht zu kurz kommt.

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Der Zopf meiner Großmutter und die Seite 99

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Alina Bronsky schafft es auf nur einer Seite ihres Romans Der Zopf meiner Großmutter unfassbar dicht die Geschichte einer Familie zu erzählen. Das gelingt ihr mit scharfen Charakterzeichnungen, wenigen Worten und mit Leerstellen, die dank ihrer klaren Sprache genauso lesbar werden, wie der tatsächlich gedruckte Text. Für den Page-99-Test wird die zufällige Seite 99 eines Buches aufgeschlagen und untersucht, um Rückschlüsse auf den ganzen Text zu ziehen, ohne das Buch gelesen zu haben. Er ersetzt keine vollständige Rezension. Ein Experiment.

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