Und was macht man damit? #4 Markus Streichardt

Markus Streichardt ist einer der Köpfe hinter der Crowdfunding Plattform Startnext, über die kreative, innovative und nachhaltige Ideen realisiert werden können. Wie er dahin gekommen ist, warum es dort niemals langweilig wird und weshalb ein Buch gut sein muss, wenn es einen über lange Zeit verfolgt, hat uns Markus dieses Mal in unserer Reihe Und was macht man damit? verraten.

Markus_Streichardt_litaffin2

Was genau hast du studiert und warum hast du dich dafür entschieden?
Ich machte meinen Bachelor im neugegründeten Studiengang „Kultur und Technik“ an der BTU Cottbus. Die Mischung aus und die daraus entstehende Spannung zwischen Kultur- und Wirtschaftswissenschaften reizte mich. Durch meine Praktika wendete ich mich stärker dem Literaturbetrieb zu, weshalb es für mich nahe lag, den Master „Angewandte Literaturwissenschaft“ oder etwas breiter aufgestellt „Kulturmanagement“ zu studieren. Letztendlich wählte ich die Angewandte Literaturwissenschaft und bereue es nicht. Ich hatte tolle Kommilitonen und tolle Dozenten u.a. Nikola Richter (Mikrotext), Tatjana Kirchner (Krichner-PR), Steffen Richter (Der Tagesspiegel) oder Marco Verhülsdonk (Kiepenheuer und Witsch).

Wo hast du während des Studiums Berufserfahrungen gesammelt?
Ich arbeitete während des Bachelorstudiums als Praktikant beim internationalen literaturfestival berlin und beim German Book Office New York (ein Projekt der Frankfurter Buchmesse). Kurz nach Aufnahme meines Master-Studiums hatte ich das große Glück, als Werkstudent in der Webredaktion des Suhrkamp Verlags anfangen zu dürfen. Ich habe dort sehr viel gelernt im Bereich Online-Marketing und Social Media, bspw. war ich an der Konzeption und Durchführung des Blogs Logbuch – Deutschsprachige Literatur heute beteiligt. Dabei halfen mir auch meine Kenntnisse aus dem Studium und die Erfahrungen, die ich bei litaffin sammelte. Ich bin gegen Ende des Studiums mit log.os in Berührung gekommen und engagiere mich seitdem ehrenamtlich dafür. log.os soll eine demokratische E-Book-Plattform werden, die dem Nutzer größtmögliche Freiheit und Datensouveränität garantiert.

Wo arbeitest du jetzt und was genau sind deine Aufgaben?
Seit Januar 2014 arbeite ich bei der Crowdfunding Plattform Startnext im Bereich Projektbetreuung und Community Management. Ich berate die Starter aus der Kultur- und Kreativszene hinsichtlich ihrer Kampagnen. Ich gebe ihnen Feedback zu ihrer Präsentation und Tipps für die Kommunikationsstrategie. Ich betrachte dabei jedes Projekt – egal, ob es sich um die Finanzierung von einem Dokumentarfilm, Musikalbum, Foodtruck oder technischen Gadget handelt – aus der Sicht eines potentiellen Unterstützers. Sind die Texte verständlich? Ist das Pitch-Video gut aufgebaut und erreicht es die Zielgruppe? Animieren die Gegenleistungen (sog. Dankeschöns) zur Unterstützung? Manche Starter verlieren sich in den Details und vergessen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und wie sie dies kommunizieren und im Netz am besten verbreiten.

Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?
In einem Start-up besteht der Arbeitsplatz bekanntlich aus einem Mac-Rechner und das Unternehmen selbst sitzt in einem roten Backsteingebäude einer ehemaligen Fabrik. Das ist bei mir tatsächlich der Fall. Ich kommuniziere aber nicht nur per E-Mail und Facebook mit der Welt, sondern lerne die Starter im Rahmen unserer Workshops und unserer Veranstaltungen kennen. Diese persönliche Begegnung ist auch für viele Starter wichtig.

Was gefällt dir besonders gut an deiner Arbeit?
Die Vielfältigkeit der Projekte und der ständige Austausch mit den Künstlern, Filmemachern, Autoren (und verstärkt auch Verlagen), Erfindern und Sozialunternehmern, die Mittels der Crowd neue Dinge wagen wollen. Ein Stück weit wird man selbst Teil des Projektes und fiebert mit, dass es erfolgreich wird. Es wird also nie langweilig.

Welches Buch liest du gerade? Kannst du es weiterempfehlen?
Ich las gerade Masha Gessens Der Beweis des Jahrhunderts – Die faszinierende Geschichte des Mathematikers Grigori Perelman (Suhrkamp Verlag). Den Beweis der Poincaré-Vermutung verstehe ich zwar weiterhin nicht, aber die Einblicke, die Gessen aus der Welt der Mathematik und aus dem Leben von Perelman liefert, machen die Lektüre äußerst spannend. Zum Indiebookday kaufte ich mir Die Manon Lescaut von Turdej von Wsewolod Petrow (Weidle Verlag) und Die Insel oder Rechtfertigung des sinnlosen Reisens von Wassili Golowanow (Matthes & Seitz). Die Bücher möchte ich schon seit drei Jahren lesen. Wenn ein Buch mich solange verfolgt, muss es – so die verquerte Logik – gut sein! Kürzlich entdeckte ich übrigens Clemens Setz Tumblr-Blog „The Secret“. Clemens Setz ist ein Tausendsasa, der mich stets auf das Neue überrascht.

 

Die Möglichkeiten nach einem geisteswissenschaftlichen Studium sind vielfältig. Erzählt man jedoch, dass man beispielsweise Literatur-, Theater-, oder Kulturwissenschaft studiere, erwartet einen oft der gleiche fragende Blick. Deshalb stellen wir euch in unserer Reihe Und was macht man damit? erfolgreiche Absolventen und Absolventinnen in verschiedensten Positionen vor. Das sind junge Menschen, die in Verlagen arbeiten, als freie Lektoren, Journalisten oder Autoren jeglicher Art tätig sind, neue digitale Möglichkeiten ausprobieren oder die es doch in eine ganz andere Richtung verschlagen hat.

pixelstats trackingpixel
Sophie Gottschall

Sophie Gottschall

1990 geboren, Bachelor-Studium der Kulturwissenschaften (Germanistik und Psychologie), seit 2013 Studentin der Angewandten Literaturwissenschaft an der FU. Arbeitet nebenbei für den HIMBEER Verlag, der das Stadtmagazin für Leute mit Kindern herausgibt. Isst gern Sushi, liebt The National, guckt für ihr Leben gern Serien.
Sophie Gottschall

Letzte Artikel von Sophie Gottschall (Alle anzeigen)