Die Last meiner eigenen Gegenwart

Die Last meiner eigenen Gegenwart

Was ist schön? Die Frage ist tausende von Jahre alt, und die Antworten darauf, was das Schöne sei, verändern sich mit den Epochen. Was Schönheit oder gutes Aussehen heute ist, sagt uns vor allem die Werbung. Alexandra Kleeman greift in ihrem Debütroman „A wie B und C“ die Rolle der weiblichen Schönheit und deren Kommerzialisierung auf und schreibt über das Verstörende einer Kultur, die von Frauenkörpern besessen ist. Mehr lesen

„Ich mach das hier aus Liebe“ – Sarah Kuttner moderierte die Vorstellung dreier guter Büchern

„Ich mach das hier aus Liebe“ – Sarah Kuttner moderierte die Vorstellung dreier guter Büchern

Die TV-Moderatorin Sarah Kuttner sprach Donnerstag Abend im Roten Salon mit drei Autoren des Kein & Aber Verlags: Michael Ebmeyer, Robert Seethaler und Markus Feldenkirchen

Ebmeyer, Seethaler und Feldenkirchen © Edward B. Gordon (http://www.gordon.de)

Im Roten Salon an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz ist wirklich alles rot: Wände, Sessel, Decke, Vorhänge und das Licht. Es ist warm, eigentlich stickig. Berlin-Mitte trifft sich.
Der Kein & Aber Verlag lud Donnerstag Abend zur Author’s Bar um drei viel versprechende Titel ihres Herbstprogramms vorzustellen. Michael Ebmeyer und Robert Seethaler hatten sich in der Vergangenheit bereits beweisen können, der Spiegel-Autor Markus Feldenkirchen debütierte mit dem Roman Was zusammen gehört.
Sarah Kuttner moderierte den Abend und das ist bekanntlich, was sie auch am besten kann. Bereits bevor die Anfrage kam, ob sie durch den Autorenabend leiten möchte, habe sie zwei der drei Bücher gelesen und sei daher voreingenommen begeistert von allen drei Titeln: „Ich mache das hier aus Liebe, also wirklich aus reinem Herzen und eben nicht nur dem schnöden Mammon wegen.“
Man war nett zueinander, es gab keine kritischen Fragen, man schätzte sich, duzte sich. Kuttner rief die Herren nacheinander per Vornamen zum Vorlesen auf. Jeder las – alle konnten das – ungefähr eine halbe Stunde, dann gab es ein paar Fragen von der Moderatorin. Das Publikum hatte so gut wie keine.
Drei Bücher für einen Abend – erstaunlicher Weise war das nicht zu viel. Es wirkte eher… effektiv. Bei den vorgestellten Texten handelt es sich nicht um große Romane, aber auch eben nicht um klitzekleine. Ebmeyer hatte schon früh mit den Erzählungen Henry Silber geht zu Ende beeindruckt und auch Landungen scheint kunstvoll komponiert. Kuttner lobte, dass der Autor für jede der drei Generationen, die nacheinander vorgestellt werden, eine eigene Sprache gefunden hat. Die Handlung beginnt 1869 mit Friederike Soltau, die in Bremerhaven ein Schiff besteigt, um nach Argentinien auswandern, wo sie hofft, nicht mehr von ihrem Schatten verfolgt zu werden und ihre Familie, dass Friederike weniger sonderbar wird. Hundert Jahre später besucht Udo den alten Familienbesitz und muss sich mit der Vergangenheit auseinander setzten. Und im dritten Teil, in dem Udos Sohn nach Argentinien reist, gibt es dann nach Kuttner eine „gute, richtig hote“ Sexszene.
Seethalers Roman Jetzt wirds ernst schildert das Erwachsenwerden eines Provinzlers, der gerne Schauspieler wäre: Eindimensional erzählt, aber durchaus komisch.
Jetzt wirds ernst und der Roman Was zusammen gehört von Feldenkirchen haben gemeinsam, dass in beiden Büchern das seltene Wort „Fleischkonservenfabrik“ auftaucht, wusste Kuttner. Zusammen gehören, im Sinne des Titels, Victoria und Benjamin. Die beiden hatten als Jugendliche eine Affäre und schreiben sich nun als einsame Erwachsene Briefe. Das weckt in Benjamin neuen Lebensgeist, denn bisher war sein größtes Problem, dass sein Chef ihn nicht auf dem Handy erreichen konnte, wenn er in der Tiefgarage war.
Das Beste an dem Abend war, dass trotz der prominenten „Musikfernsehtante“, so Kuttner selbst, auf der kleinen Bühne eindeutig nicht die Personen, sondern ihre Bücher im Vordergrund standen.