Banker investieren bekanntlich in Goldbarren und Aktienpakete. Geisteswissenschaftler hingegen in Bücher. Gern schaffen sie sich ein weiteres Billy-Regal an, um die Bildungsbürgertapete fortführen zu können. Randbemerkung: Auch das ist möglicherweise ein Grund, warum das eBook hierzulande bisher ein Nischendasein fristet. So mancher Bibliophile mehrt und hortet nicht nur sein Wissen, sondern trägt auch zur Altersvorsorge bei, indem er sich das Buch signieren lässt.
Wer kennt sie nicht, die immer gleich aussehenden Herren, die die Lesung eine halbe Stunde früher verlassen, um als Erstes mit fünf oder zehn Exemplaren am Signiertisch zu stehen. Auf eine persönliche Widmung wird bewusst verzichtet, könnte dies doch die beabsichtigte Wertsteigerung schmälern.
Ganz im Gegensatz zu Erst- oder Sonderausgaben, Fehldrucken, einem verliehenen Nobelpreis oder dem Ableben des Autors. Jackpot! – wenn alle Bedingungen erfüllt werden. Der auf anitquarische Bücher spezialisierte Versandhandel abebooks.de hat erkannt, dass es dafür einen Markt gibt und einen eigenen Bereich eingerichtet. Ähnlich wie an der Börse kann man hier einsehen, welche Titel gerade hoch im Kurs stehen oder eben nicht. Imre Kertész‘ Roman Fiasko wird derzeit bei 150 Euro gehandelt, was bei dem ursprünglichen Einkaufspreis von 22,90 Euro einer Rendite von sagenhaften 655 Prozent entspricht. Welches Sparbuch vermag dies in solch kriselnden Zeiten zu leisten?
Zugegeben: Nicht jeder, der sein Buch vom Autor signiert haben möchte, denkt an seine Altersvorsorge. Der Eine oder Andere denkt eher: „Na, wenn der Autor schon mal da ist und ich das Buch eh kaufen will, warum nicht?“ Es bereitet einem ja auch Vergnügen, die teils sehr skurrilen Gebilde zu betrachten und Mutmaßungen anzustellen, inwiefern Unterschrift und Persönlichkeit miteinander korrespondieren. Daniel Kehlmanns Unterschrift bspw. könnte man meinen, entspricht seinem Ruf als „ewiger Musterschüler“ (Hannes Stein, Die Welt). Sie ist leserlich und unspektakulär. Das Gleiche gilt für Nadine Gordimers Unterschrift, aber eine Nobelpreisträgerin darf sich dies auch erlauben. Jonathan Franzens hingegen ist kunstvoll geschwungen und versucht gar nicht erst, wie die seines Kollegen Jonathan Safran Foer durch eine Zackenlinie, mehr als die Anfangsbuchstaben seines Vor- und Nachnamens anzudeuten. Ernsthaft fragt man sich, ob es sich hierbei um eine Hommage an das zerbrechliche Ei auf dem Buchumschlag handelt. Jutta Bauer ist definitv ein Workaholic und kann die Buntstifte nicht in der Federtasche lassen. Umso schöner ist das Ergebnis! In dem Fall kauft man gerne mehr als ein Exemplar. Aber macht euch im Folgenden selbst ein Bild und fühlt euch frei, uns weitere tiefenpsychologische Deutungen mitzuteilen.
Fotos © privat
Schreibe einen Kommentar