Und was macht man damit? #16 Manuel Emmerich

Kann einem der Fußball die Tür in den deutschen Literaturbetrieb öffnen? Im Fall von Manuel Emmerich: Ja! Das runde Leder bescherte ihm seinen ersten HiWi-Job und später auch indirekt die Programmleitung im Literarischen Zentrum Gießen. Seit dreieinhalb Jahren arbeitet Manuel nun im Wallstein Verlag im Bereich Veranstaltungen. In einem neuen Beitrag unserer Reihe „Und was macht man damit?“ erzählt er, was er als Kind werden wollte, wie sein Arbeitsalltag aussieht und welche Doku ihr auf keinen Fall verpassen dürft.

Manuel Emmerich

Was wolltest du als Kind werden?

Oh, das hat definitiv phasenweise gewechselt. Zunächst einmal natürlich Fußballprofi. Aber das hatte sich dann mit Beginn der Pubertät erledigt. Architekt war auch mal dabei und absurderweise Steuerberater. Aber da wusste ich nicht, was das überhaupt genau bedeutet.

Was genau hast du studiert und warum hast du dich dafür entschieden?

Gymnasiallehramt mit den Fächern Germanistik und Sport. Außerdem zwischendrin aus Langeweile noch 3 Semester Biologie als Drittfach, was eine schöne Erfahrung war, mehr aber auch nicht.

Wusstest du schon während deines Studiums, in welchen Beruf du möchtest?

Ja und nein. Ich war lange davon überzeugt, nach dem Studium Lehrer zu werden. Nach meinen überaus positiven Erfahrungen in den beiden mehrwöchigen Schulpraktika hätte ich mir das auch durchaus vorstellen können. Am Ende hat mich aber die Aussicht, die nächsten 30 Jahre ein und dasselbe zu machen (Lehrer mögen mir da vielleicht widersprechen), davon abgehalten, ins Referendariat zu gehen. Ich wollte die Flexibilität besitzen, mich immer mal wieder zu verändern. Und natürlich hat die Tatsache, dass ich bereits während meiner letzten Semester eine Aufgabe im Literaturbetrieb gefunden hatte, die mir große Freude bereitet hat, eine wichtige Rolle bei der Entscheidung gespielt.

Wo hast du während des Studiums Berufserfahrungen gesammelt?

Wie die meisten habe auch ich zur Finanzierung des Studiums diverse Nebenjobs (Tankstelle, Café etc.) gemacht. Spannend wurde es dann im August 2008. Ein Dozent der Gießener Uni hatte mit dem Berliner Schriftsteller Falko Hennig ein Fußballspiel vereinbart: Gießener Germanisten gegen die Deutsche Fußball-Autorennationalmannschaft (kurz Autonama). Ja, die gibt es wirklich. Es gibt sogar eine eigene Writers League mit Welt- und Europameisterschaften. Irgendwie bekam er mit, dass ich nicht nur bei ihm studierte, sondern auch ganz passabel Fußball spielte. Er fragte mich, ob ich nicht ein schlagkräftiges Germanisten-Fußballteam zusammenstellen könne, denn er müsse eine Wette gewinnen. Gesagt, getan. Wir fuhren nach Berlin, fegten die Autonama mit 6:0 vom Platz und ich hatte meinen ersten HiWi-Job in der Tasche. Ich hole etwas weit aus, aber das war tatsächlich mein Einstieg in den Literaturbetrieb, denn es musste natürlich ein Rückspiel in Gießen geben. Und so organisierte ich gemeinsam mit einigen Kommilitonen ein Fußball-Literatur-Wochenende, ein eigenes kleines Festival, wenn man so will.

Ebenjener Dozent hatte dann einige Zeit später die Idee, in Gießen nach Göttinger Vorbild ein Literarisches Zentrum zu gründen und hat mich ins Boot geholt. Nach einjähriger Planung fand dann im Februar 2010 die erste Lesung statt. Von da an habe ich dreieinhalb Jahre lang als Programmleiter das Literarische Zentrum Gießen mit aufgebaut. In dieser Zeit, die mit Studium und im Prinzip einer Vollzeitstelle sicher nicht ganz stressfrei war, habe ich unglaublich viel über den Literaturbetrieb gelernt.

Wo arbeitest du jetzt und was genau sind deine Aufgaben?

Heute bin ich seit nunmehr ebenfalls dreieinhalb Jahren im Wallstein Verlag für den Bereich Veranstaltungen zuständig, wozu bei Wallstein neben Autorenlesungen und Buchpräsentationen auch die komplette Messe- und Tagungsorganisation zählt. Alle Aufgaben aufzulisten, würde den Rahmen vermutlich sprengen. Kurz gesagt besteht meine Hauptaufgabe darin, dafür zu sorgen, dass unsere Autorinnen und Autoren von Literaturhäusern, Buchhandlungen und anderen Veranstaltern zu Lesungen eingeladen werden. Neben Terminkoordination und Honorarverhandlungen zählt auch die Organisation von Büchertischen dazu. Denn wir als Verlag haben natürlich ein Interesse daran, dass die Bücher unserer Autorinnen und Autoren im Rahmen der Veranstaltungen gekauft werden können. Bei den Lesungen selbst bin ich in der Regel nicht dabei, was sich schon alleine dadurch erklären lässt, dass wir pro Jahr zwischen 550 und 600 Veranstaltungen haben.

Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Vermutlich wie die meisten Arbeitsplätze in Verlagen: Ein großer Schreibtisch mit einem Mac, ein Notizbuch, ein Lieblingsstift und ein paar Ablagemöglichkeiten. Ich sitze gemeinsam mit den beiden Kolleginnen von der Presseabteilung in einem Büro, was total gut ist, weil wir uns über viele Dinge intensiv austauschen und untereinander abstimmen müssen.

Was gefällt dir besonders gut an deiner Arbeit?

Ich mag es, dass man in meinem Bereich mit allen anderen im Verlag eng zusammenarbeitet. Ob Lektorat, Vertrieb, Presse – man ist auf alle Bereiche angewiesen. Und natürlich hat man, wenn ein neues Buch erscheint, sehr viel und häufig mit dem Autor oder der Autorin zu tun. Das kann schon sehr viel Spaß machen. Meine Stärken liegen (glaube ich) in kommunikativen Dingen, und daraus besteht der Job zu sehr großen Teilen.

Wenn du noch einmal studieren könntest, würdest du dich für den gleichen Studiengang entscheiden?

Puh, das ist eine Frage, die ich wirklich nicht beantworten kann. Es gibt viele Dinge, die ich heute interessant finde und die zu studieren ich mir vorstellen könnte, aber ob ich damit heute glücklicher wäre, wage ich zu bezweifeln.

Welches Buch liest du gerade? Oder hast du einen anderen Kulturtipp?

Ich lese meistens mehrere Bücher parallel, was viele ja seltsam finden, aber ich kann ein Buch ganz gut auch mal ein paar Tage oder Wochen weglegen. Neben den Manuskripten des Herbstprogramms lese ich gerade den sechsten Teil von Volker Kutschers Krimireihe um Kommissar Gereon Rath, die momentan unter Tom Tykwers Regie verfilmt wird und die ich wirklich sehr empfehlen kann. Ebenso auf dem Nachttisch liegen Clemens Bergers Im Jahr des Panda, der erste Knausgard und der demnächst bei Schöffling erscheinende Roman Das Leben nach Boo. Und in den letzten Wochen habe ich ständig allen Leuten die Doku über Wolfgang Beltracchi empfohlen – Die Kunst der Fälschung (gibts auf Netflix) – die hat mich sehr fasziniert.

Danke, lieber Manuel!

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Juliane Noßack

1990 im brandenburgischen Flachland geboren und aufgewachsen, Bachelorstudium im hügeligen Jena. Seit 2015 nun Masterstudium der Angewandten Literaturwissenschaft in Berlin. Bloggt außerdem auf www.poesierausch.com, liebt The Smiths und schläft gern auf dem Bauch (auch wenn das angeblich ungesund ist).

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