Grenzgänger: Das journalistische E-Book

Grenzgänger: Das journalistische E-Book

Seit Jahrhunderten tobt der Kampf zwischen Journalismus und Literatur: Fakten versus Fiktion. Doch wo genau sind die Grenzen zu definieren? Wie objektiv muss ein journalistischer Text sein und wie subjektiv darf er sein? Sind kleinere Ausflüge in den Bereich der Fiktion erlaubt oder beginnt hier das Gebiet, das die Literatur als ihr Revier markiert hat? Eine Bestandsaufnahme der ewigen Zankerei zwischen journalistischer Literatur und literarischem Journalismus: das Projekt „links.rechts.hier. – Wenn Gefühl entscheidet“ vom Team 9 der Axel-Springer-Akademie. Mehr lesen

Streetview Literatur: Potenziale der Digitalisierung nutzen!

Streetview Literatur: Potenziale der Digitalisierung nutzen!

Viel zu oft bleiben Diskussionen über eBooks und andere digitale Buchprojekte bei der Frage nach einer angemessenen Umwandlung des ursprünglichen Printprodukts stecken. Die wahren Potenziale, die die Digitalisierung dem Buchmarkt, der Produktion von Literatur, dem Schreiben und dem Lesen bietet, sind so nicht auszumachen. Erkennbar werden sie aber bei der Betrachtung konkreter, innovativer Beispiele, wie Streetview Literatur eines ist.

 

Ziel dieses Literaturprojektes ist es, ein Geflecht von Geschichten rund um fiktive Figuren entstehen zu lassen, die mithilfe von google Maps an realen Plätzen verortet werden. Wann immer sich die Wege dieser von vielen unterschiedlichen Autoren gezeichneten Figuren an einer Straßenecke, in einem Café oder einem anderen Ort treffen, werden die Geschichten verknüpft und der Leser kann nach eigenen Wünschen durch die Erzählungen navigieren. Im Interview (audio) mit litaffin stellt Marion Schwehr ihr inspirierendes Projekt vor.

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BuchCamp Berlin: „Visionen zulassen“ oder „Wie sexy ist ein eBook-Reader?“

BuchCamp Berlin: „Visionen zulassen“ oder „Wie sexy ist ein eBook-Reader?“

Nachdem Anfang Mai zwei Tage lang in Frankfurt über Umbrüche in der Buchbranche diskutiert wurde, präsentierte das Forum Zukunft des Börsenverein des Deutschen Buchhandels gestern in Berlin die Ergebnisse in einem Best of. Es ging um innovative Projekte, die die Crowd oder die zusammengewachsene Community in den Mittelpunkt stellen und aktiv in den Schaffungsprozess von Büchern einbinden. Es ging um die Frage, wo dem Buchhandel Crowds begegnen und es ging um die Potenziale digitaler Buchproduktionen. Allgegenwärtig dabei: Die Bereitschaft, Veränderungen nicht von vornherein als negativ abzutun.

Den Anfang in der Reihe von vier Kurzvorträgen machte Marion Schwehr von Euryclia. Die unüberschaubare Vielzahl von Neuerscheinungen und ihre schwere Verkäuflichkeit verleitete sie zu dem Gedanken, einfach einmal alles umzudrehen: „Wieso fragt man nicht vorher den Leser: Wir haben dies und jenes vor. Seid ihr dabei?“ Gedacht, getan. „Universalcode. Journalismus im digitalen Zeitalter“ lautet der Titel des ersten Buches, das durch Vorbestellungen auf euryclia finanziell abgesichert und unter Mitwirkung der bucheigenen Community konzipiert und gestaltet wurde. Mehr lesen

Zu Gast beim taz-Medienkongress: Die Revolution hatte ich mir anders vorgestellt

Zu Gast beim taz-Medienkongress: Die Revolution hatte ich mir anders vorgestellt

MERIAN New York PortfolioIm Haus der Kulturen der Welt versammelten sich am Wochenende hunderte von Medieninteressierten für den Medienkongress „Die Revolution haben wir uns anders vorgestellt“.

Von taz und der Wochenzeitung der Freitag organisiert, bot der zweitägige Kongress zahlreiche Vorträge, Podiumsdiskussionen, Debatten, Filme, praxisnahe „Speedlabs“ und sogar eine öffentliche Redakteur-Beschimpfung an.

In aller Munde waren Themen wie die Macht der neuen Medien, der Protest gegen Zensur – Karikaturen über den Islam, Wikileaks – die Rolle des Internets in Revolutionen – u.a. in Nordafrika und Weißrussland – und Fragen à la: Wie prägt die Digitalisierung politische Partizipation? Wo bleibt der unabhängige Journalismus, wenn immer weniger Konzerne immer größere Teile der Medienlandschaft bestimmen?

Zwar konzentrierten sich die Veranstaltungen in erster Linie auf journalistische Schwerpunkte, dennoch sind viele dieser aktuellen Thematiken  – Digitalität, Konzentrationsprozesse, Ansprache der Leser durch Webauftritte  – auch für den Literaturbetrieb relevant.

Am ersten Abend diskutierten Blogger und Aktivisten aus der arabischen Welt und anderen Ländern die spezifische Rolle des Internets in den Aufständen in Ägypten und Tunesien. Am zweiten Tag ging es mit etlichen Schwerpunkten weiter. Das Publikum stellte eine bunte Mischung aus Journalisten mit ihren Mininotebooks, jungen Leuten, Studenten und Senioren dar.

Bei einigen Veranstaltungen spiegelte sich diese Vielfalt auch im Podium wieder. Bei „Media to the People“, wo es um alternative Medienprojekte ging, waren die Journalistinnen Bettina Dyttrich aus der Schweiz (die Wochenzeitung WOZ) und Karen Thorne aus Südafrika (Cape Town Television) vertreten, sowie Marcelo Pereira, Chefredakteur von La Diaria in Montevideo und Randy Kaufmann, Mitarbeiter bei der taz. Sie tauschten sich über Geschäftsformen, über „flache Hierarchien“ – bei der WOZ zum Beispiel bekommen alle Mitarbeiter den gleichen Lohn – und den Einfluss der Leserschaft auf Medieninhalte aus.

Kaufmann staunte über die Arbeitsabläufe bei La Diaria, einer unabhängigen uruguayischen Zeitung. Da das Land so klein ist, können die Journalisten fast bis Mitternacht an einer Ausgabe arbeiten. In der Nacht wird die Zeitung dann gedruckt und landesweit verbreitet. Dagegen muss eine überregionale deutsche Zeitung wie die taz viel früher in Druck gegeben werden. Die Printnachrichten sind dadurch weniger aktuell. Diesen Zeitverlust gleichen aber mittlerweile die Online-Vertretungen der Zeitungen aus.

Über La Diaria wurde ein Film gezeigt, der den Eindruck vermittelte, dass die Mitarbeiter ihre Motivation sehr viel mehr aus ihrer Überzeugung politischen aktiv sein zu müssen schöpfen, als daraus, Geld zu verdienen.

Kurz danach ging ich zu der Gesprächsrunde „Die neuen 68er“, mit Rainer Langhans (Autor, Kommune-1-Mitglied), Beate Wedekind (Bloggerin), Emily Büning (Bundespressesprecherin der Grünen Jugend), Max Winde (Podcaster, Programmierer), Michael Angele (Freitag-Redakteur) und Moderator Klaus Raab (Freitag-Redakteur). Was als gut strukturierte Diskussion über die revolutionären Aspekte der „digitalen Generation“ anfing, geriet schnell in ein Durcheinander von Meinungen über das Internet im Allgemeinen.

Wedekind, Büning und Winde lieferten lauwarme Kommentare darüber, inwieweit die Möglichkeiten des Internets die Kommunikation zwischen Menschen verändern. Raab stellte der Gruppe eine Reihe von Schwarzweißfragen wie „Ist die digitalen Generation revolutionär, oder kaufen sie nur Handys?“. Die Podiumsteilnehmer konnten sich nur darauf einigen, dass es keine einfachen Antworten auf solche blöden Fragen gibt. So Windes wenig hilfreicher Kommentar zu Facebook: „Facebook kann höchstens so politisch sein, wie im Wohnzimmer sitzen politisch sein kann.“

Dagegen waren Angele und Langenhans in ihren Positionen etwas aussagekräftiger. Angele sprach von einer „analogen Welt“, die für ihn durch einen Mangel und eine Sehnsucht nach „mehr“ gekennzeichnet ist, im Gegenteil zur digitalen Welt, die von Überfluss geprägt ist. Die anderen sahen ein, dass die „virtuelle Sphäre“ des Internets nie die „reale Welt“ ersetzen wird, und Büning, die Jüngste in der Gesprächsrunde, wies nachdrücklich zurück, dass ihre Generation sich mehr im Internet, als im Offline-Leben aufhalte.

Der langhaarige Langhans stahl allen die Schau, als er das Publikum darüber aufklärte, dass wir durch die Digitalisierung immer weniger körperlich, sondern zunehmend vergeistigt seien. „Das Ziel der Kommunikation ist Liebe“, sagte er, „Da das Internet die Menschen zunehmend miteinander vernetzt, ist es unbedingt revolutionär. Das Internet ist der Beweis dafür, dass wir gewonnen haben“, so Langhans.

So wie alle Teilnehmer über „Realität“ vs. „ Digital“ sprachen, fiel mir einmal mehr auf, dass viele Netzaffine immer noch nicht erkannt haben, dass beide Bereiche übergangslos ineinandergreifen. In der Runde wurde das Internet zwar als Sprachrohr und Plattform anerkannt, mit Hilfe derer sich Leute politisch vernetzen, aber es schwang dabei immer eine Relativierung mit. Während Langhans nur den Sieg der Liebe im Netz sieht, waren sich die anderen einig, dass der Informationsüberfluss des Internets auch negative Auswirkungen hat. Jedoch blieben die Podiumsteilnehmer bei keinem einzelnen Thema lang genug dabei, als dass sie irgendwas Bedeutsames darüber hätten sagen können.

Während der Veranstaltung verließen Leute ständig das Auditorium, oft mit Stöhnen und gequälten Gesichtern. Als ich das sah, fragte ich mich, wo all die Aktivisten von heute waren, die im Internet aktiv sind, egal ob aus der Anti-Atomkraft-, der Menschenrechts- oder anderen Bewegungen. Wo waren die Befürworter, die ihren Glauben an die Vernetzungsmöglichkeiten der neuen Medien besser begründen können, als mit der Bemerkung „Ich habe mir noch nie so viele tolle Videos angucken und so tolle Musik anhören können, seitdem es das Internet gibt“?

Mein Tipp an die Veranstalter für das nächste Jahr: weniger (parallele) Events und dafür besser besetzte Podien.

Als ich langsam Abschied vom Medienkongress nahm, schnupperte ich noch bei den Infoständen rein. Außer der taz und dem Freitag waren noch andere Zeitschriften  wie La Lettre und gemeinnützige Projekte wie Reporter ohne Grenzen und Stiftung Wandel vertreten. La Lettre, eine wunderschöne, großformatige Publikation, ist dem Printmedium treu geblieben. Obwohl im Vergleich zu Videoblogs, Podcasts und Zeitungs-Apps dieses Heft fast dinosaurierenhaft wirkt, wird vielleicht doch das Printmedium, mit seinem langsamen, analogen Charakter, das tatsächlich revolutionäre Medium. Es ist das Format, wofür wir uns immer noch (fast sündhaft) viel Zeit lassen. Auf dem Medienkongress jedenfalls ist dieses kostbare Gut viel zu knapp gewesen.

Blogrundschau#1: Literatur 2.0 oder: Themen, die uns 2011 beschäftigen

Blogrundschau#1: Literatur 2.0 oder: Themen, die uns 2011 beschäftigen

Von Sarah Ehrhardt und Lisa Heyse

In einer neuen Serie wagt litaffin einen Blick über den virtuellen Tellerrand und durchstreift für euch die schier unendlichen Weiten der literarischen Blogosphäre. Einmal monatlich werden zukünftig an dieser Stelle die besten Funde kondensiert und geordnet vorgestellt.

Statt der üblichen Best-of-2010-Listen soll zu Beginn des neuen Jahres ein Blick in die Zukunft gewagt werden. Welche Themen werden Autoren, Verleger und Leser 2011 beschäftigen? In welchem Maße beeinflussen neue Technologien unser Kauf- und Leseverhalten? Wie könnte digitales Verlegen zukünftig aussehen? Mehr lesen

Das Ende des Buches, wie wir es kennen?!

Das Ende des Buches, wie wir es kennen?!
Buch
Es knisterte so schön…
Quelle: jugendfotos.de/nopey.

„Es gibt keine Bücher mehr. Es gibt Datensätze mit unendlichen Möglichkeiten. Wir haben trotzdem immer weiter gemacht. Haben Messe gemacht. Jedes Jahr.“
Vergangenen Samstag prophezeite Elmar Krekeler, Leiter der „Literarischen Welt“ und Alfred-Kerr-Preisträger, in seinem Editorial „Willkommen zur Buchmesse 2040“ den Untergang des gedruckten Buches, und damit auch das Ende der Verleger, wie wir sie kennen. Nennen wir es nicht Prophezeihung, nennen wir es Warnung – noch sind wir nicht so weit. Mehr lesen

Das Entenkonzept – Buchtrailer als neue Kunstform

Die beste Werbung für ein Buch ist immer noch das Buch selbst!

Vielleicht ist das allerdings eine wertkonservative Wunschvorstellung. Das einfache Publizieren eines Buches verschafft diesem in der unüberschaubaren Masse der Neu- und Alterscheinungen eine Aufmerksamkeit, die gegen Null tendiert, wenn es sich nicht durch gewisse Faktoren hervorheben kann: Prominenz des Autors, Brisanz/Aktualität des Themas etc. Daher braucht es – aus Sicht aller, die mit der Arbeit an Büchern auch ihr Geld verdienen wollen – zunehmend vor allem die geschickte Platzierung des Produktes im Gedächtnis der Öffentlichkeit mittels bzw. via verschiedener Medien. Der Klassiker dabei ist die Rezension, wie sie auch in diesem Blog zuweilen gepflegt wird.

In den letzten Jahren hat sich neben vielem anderen im Werbungs- und PR-Bereich auch eine Form herausgebildet, die es zuvor im Buchsektor so nicht gab: das Werbefilmchen … äh Verzeihung: der Buchtrailer. Im Fernsehen gab es bislang nur in den allerallerseltensten Fällen zwischen Werbung für Bier und Binden auch solche für Bücher. Da es aber das Internet etwas anders hält mit der Verfüg- und Bezahlbarkeit von Werbezeit und -flächen, kann sich hier nun endlich auch der Buchtrailer breitmachen.

Der Buchtrailer hat sich dabei sogar zu einer eigenen kleinen Kunstform entwickelt, über die man genauso schön diskutieren kann, wie über das Buch selbst. Interessant ist, dass der Buchtrailer quasi auf der Metaebene auch schon zum Thema seines eigenen Mediums geworden zu sein scheint.

„Geht doch“ von Matthias Keidtel

Neben der Tatsache, dass an Matthias Keidtel offenbar ein Schauspieler/Komödiant verloren gegangen ist, zeigt dieses Filmchen mal wieder ganz schön, dass die beste Werbung die ist, die vorgibt, sich ironisch zu brechen, es auch irgendwie tut, aber irgendwie auch wieder nicht, weil es Werbung bleibt. Interessanterweise wird nahezu gar nicht auf das Buch eingegangen. Nun, es ist als Requisit und Werbeobjekt selbstverständlich präsent; worum es in diesem Buch aber geht, wie das Thema lautet, wen es ansprechen könnte, muss sich der Zuschauer allein aus der Art des Buchtrailers erschließen. Geschickt geschickt, wie ich finde.

Ein anderes Beispiel ist die Zuschneidung auf die bloße Bildschirmpräsenz des Protagonisten, die man bei Keidtel ja nun nicht von vornherein erwarten konnte; anders bei Heinz Strunk, der nun auch als Autor eine gewisse – sicherlich streitbare, aber umso besser! – Brillanz und vor allem Produktionswut an den Tag legt.

„Die Zunge Europas“ von Heinz Strunk

Dieser Trailer ist sehr viel näher am eigentlichen Objekt seines Auftrags dran, dem Buch nämlich und doch wird auch hier nur durch eine kurze, vom Autor vorgetragene Passage daraus angedeutet, was den Leser eigentlich zu erwarten hat. Eine richtige Vorstellung erhält davon erhält man allerdings nicht, jeder Klappentext ist darin ausführlicher.

Ich persönlich halte Buchtrailer zwar für nicht mehr als eine schöne Spielerei, die als Nebenprodukt eines Buches dessen Image mitprägen soll; meine Meinung über ein Buch würde sie höchstens im negativen Vorurteil bestätigen, ein schlechter Trailer könnte wiederum meine gute Meinung über ein Buch nicht trüben. Allerdings spricht die Zunahme dieser Form der PR dafür, dass die Branche darin tatsächlich eine lohnenswerte Investition erkennt. Die Produktion dieser Filme ist mitnichten preiswert, aber vielleicht ist sie ja ihren Preis wert…

Ich weiß nicht, wie es Euch geht. Niemand gibt gern zu, sich von Werbung beeinflussen zu lassen, aber: Welche Art von Buchtrailern spricht Euch an? Sprechen sie Euch überhaupt an? Habt Ihr schonmal ein Buch aufgrund eines Trailers gekauft? Oder es aufgrund des Trailers lieber gelassen?

Kurz über dem Boden

Zur Preisbindungsdebatte von E-Books

Da ist sie, die Frage, die sich lange abzeichnete und nun erstaunlich spät gestellt wird: Soll und darf die Preisbindung auch für E-Books gelten? In einer Stellungnahme spricht sich der Börsenverein deutlich dafür aus, auch wenn das E-Book der »Generation Tablet Reader« mit seinen Vernetzungsmöglichkeiten nicht mehr unter die Kategorie Buch fällt.

Natürlich aber kauft kein Mensch ein E-Book, das lediglich eine digitalisierte Form der Hardcoverausgabe ist, nur ohne Einband und dafür drei Euro billiger. Diese Entwicklung hätte man wirklich vorhersehen können, allein ein paar Klicks auf youtube haben im Vorfeld darüber informiert, wie die Zukunft des E-Book aussieht, und dass die Wellen erst mit dem endgültigen Erscheinen des Apple iPad hochschlagen, ist ebenso unnütz wie typisch. Wie immer wird beim Sprung gejammert und an der Reißleine erst kurz über dem Boden gezerrt.
Wie aber sieht die Lösung aus? Keine Preisbindung bedeutet: Dumpingpreise von Großanbietern wie Amazon, vor allem für die Bestseller und wenig bis kein Absatz von anderen E-Books, von Printausgaben ganz zu schweigen. Doch das Internet würde die Preisbindung von digitaler Literatur mittelfristig wahrscheinlich aushebeln, da die kostenlosen und/oder illegalen Angebote wie Pilze aus dem Boden schießen, sobald sie an anderer Stelle beschränkt werden. Die Paid-Content-Debatte ist nicht zuletzt aus diesem Grund noch nicht zu Ende geführt. Also die Preisbindung vielleicht doch gleich ganz aufheben, wie in Schweden oder Großbritannien?

Retten kann sich die Branche anscheinend nur, wenn sie mit Alternativangeboten schnell auf den neuen Markt reagiert. Nur: wie soll das aussehen? »Es ist Zeit, dass die druckende Branche begreift, dass man sich selbst schadet, wenn man die digitale Version verhindert, um das Druckwerk zu schützen.«, schreibt Frank Patalong auf Spiegel Online und spricht von »attraktiven Offerten«, die der Buchhandel machen müsse. Schöne Worte, doch wohin führen sie? Die Lösung liegt sicherlich nicht in der Ermahnung zum progressiven Denken. Ist die Konsequenz also, das E-Book freizugeben? Oder doch eine Überarbeitung des Preisbindungsgesetzes? Eine Flatrate für elektronische Bücher? Kann die Branche überhaupt in adäquater Weise auf den neuen Markt reagieren? Von allen Seiten schallt der Ruf nach Taten, allein die konstruktiven Vorschläge bleiben aus. Hoffentlich nicht allzu lange.

©goXunuReviews

Google Book Settlement ohne die USA?

Google Book Settlement ohne die USA?

Im Fall Google Book Settlement tut sich wieder was: gleich drei Autorengruppen in den Vereingten Staaten setzen sich zur Wehr und legen morgen dem zuständigen Gericht eine Petition vor, die bereits veröffentlicht wurde. Gerade noch rechtzeitig, denn am 28. Januar läuft die Opt-Out-Frist für Autoren aus. Worum geht es genau?

Kurzer Rückblick: Schon länger läuft die Debatte rund um die Google Book Search (in Deutschland Google Buchsuche), eine Dienstleistung von Google mit dem Ziel, das in Büchern gespeicherte Wissen der Welt durch Digitalisierung für die Volltextsuche verfügbar zu machen. Aus kultureller Sicht natürlich prinzipiell wünschenswert, wenn das Internet zu einem wichtigen Zugangsportal zu Kultur und Bildung wird und Wissen zugänglich wird. Das jedoch ist nicht das Problem bei der Google Book Search.

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…warum heißt es nicht wenigstens E-Buch?

„Bright light city gonna set my soul, gonna set my soul on fire“, sang der King of Rock ’n’ Roll einst über Las Vegas. Ganz in diesem Sinne könnten vergangenes Wochenende Freunde des elektrotechnischen Fortschritts auf ihre Kosten gekommen sein, denn es gab einiges zu bestaunen auf der diesjährigen CES (Consumer Electronics Show) in Las Vegas. Und auch die Buchbranche schaute mal wieder genauer hin. Denn erst neun Monate ist es her, als die Leipziger Buchmesse statt fand, in deren Vorfeld zum ersten Mal ernsthaft über das Aus des gedruckten Buches geschrieben wurde (etwa von Gregor Dotzauer oder Michael Krüger).

Doch erst so langsam scheint es, als ob endlich gute elektronische Lesegeräte, neudeutsch E-Book-Reader, auf den Markt kämen. Damit wird hoffentlich bald die Zeit des Sony Readers PRS-505 beendet, der vor allem durch seine nicht abstellbare Zeitlupen-Funktion, neudeutsch Slow Motion, überzeugt. Erfolgreich war er hierzulande vor allem bei Lektoren, Literaturagenten und wahrscheinlich auch Wissenschaftlern (kurzum alle, die zu Recht keine Lust haben, viele Bücher und Manuskripte mit sich herumzuschleppen, wenn sich das so einfach vermeiden lässt). Und dieser „Erfolg“ wird wohl auch daran gelegen haben, dass es Amazon nicht hinbekommen hat, den Kindle 1 in der ersten Hälfte vergangenen Jahres herauszubringen, obwohl er schon seit November 2007 (!) in den USA erhältlich ist. Nun gut, seien wir ehrlich, ein E-Book-Reader ohne Sensorbildschirm, neudeutsch Touchscreen, ist ohnehin nur für den Allerwertesten. Ja, genau dafür!

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