From Panels With Love #17: Heraus aus der Finsternis

Heraus aus der Finsternis, rein in die Sichtbarkeit: eine feministische Forderung, die nicht erst seit Kurzem besteht. Der Comic Heraus aus der Finsternis von Annelie Wagner und Christopher Tauber führt Kinder im Alter zwischen acht und zwölf an die Geschehnisse rund um das deutsche Frauenwahlrecht vor 100 Jahren heran. Damit schaffen sie ein zugängliches Medium zum Thema.

Heraus aus der Finsternis © Karolin Kolbe
Christopher Tauber, Annelie Wagner: Heraus aus der Finsternis (Zwerchfell Verlag 2018) © Zwerchfell Verlag

Frankfurt in den Jahren 1918, 1919. Der erste Weltkrieg ist vorbei, der Kaiser ins Exil geflohen und ein neues politisches System steht an. In diesem Frankfurt lebt Käthe, die am liebsten barfuß durch die Straßen rennt, mit Murmeln spielt und Zeit mit ihren Freundinnen in der großen Stadt verbringt. Gemeinsam bewundern sie die protestierenden Frauengruppen, die sich offen mit Flugblättern und Demonstrationen für das Frauenwahlrecht einsetzen. Besonders fasziniert sind sie von der historischen Figur Tony Sender. Die wird später erst Mitglied in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung und danach Reichstagsabgeordnete in Berlin werden.

Käthe und ihre Freundinnen fühlen sich davon inspiriert, denn es gibt ein Problem in der Stadt: Jungsbanden, die versuchen die Mädchen kleinzuhalten, ihnen das Recht absprechen, sich im öffentlichen Raum zu bewegen, sie schlagen und ihnen die Murmeln stehlen. Das wollen sich Käthe und Co. nicht länger gefallen lassen. Sie beschließen eine stadtweite Mädchengruppe zu gründen, um sich den Jungs entgegenzustellen.

„Wir lassen die mal richtig wissen, dass sie uns nicht einfach so rumschubsen und rumkommandieren können. Und stell dir mal vor, dass dabei hinter dir alle deine Freundinnen stehen. Das ist es! Wir gründen einfach unsere eigene Bande!“

Trotz einiger Widrigkeiten gehen sie diesem Traum nach, mobilisieren mit Flugblättern und merken bald, dass Prügel und Einschüchterung nicht ihre Methoden sein sollen.

 

Christopher Tauber, Annelie Wagner: Heraus aus der Finsternis (Zwerchfell Verlag 2018) © Zwerchfell Verlag

Der Comic zur Ausstellung

Der Comic ist in Zusammenarbeit mit dem Historischen Museum und dem Jungen Museum in Frankfurt zum Frauenwahlrechts-Jubiläum erschienen. Hier gibt und gab es aktuell verschiedene sehenswerte Ausstellungen zum Thema mit Originaldokumenten und Gegenständen aus der bewegten Zeit.

Auch der Comic hat einen kleinen Anhang, in dem Hintergrundinfos zu den Ereignissen vor 100 Jahren und ein Glossar geliefert werden. Hier lassen sich Informationen zu in der Geschichte auftretenden Frauen nachlesen, aber auch zum Matrosenaufstand oder der Funktion von Brotmarken.

Die Geschichte um die Mädchenbande entsteht sehr in Abgrenzung zu den brutal und dominant agierenden Jungs. Der eindeutige Dualismus in Gut und Böse anhand der Geschlechter ist prägnant und, so sehr die Zeit sicher davon bestimmt war, vielleicht etwas exkludierend für heutige männliche Leser. Das ändert sich jedoch im Verlauf der Geschichte: Es gibt einen weinenden Jungen; es gibt einen Jungen, der von seiner Position abweicht und Käthes Hand nimmt. Die Gruppen mischen sich und merken, dass sie eben nicht völlig unterschiedlich sind, sondern miteinander stärker sind als gegeneinander.

 

Guter Einstieg für Kinder ins Thema

Heraus aus der Finsternis greift historische Ereignisse auf und vereint sie mit einer fiktiven Geschichte zwischen der Jungs- und der Mädchenbande. Heruntergebrochen auf diese Ebene, ist die Geschichte zugänglich, macht Spaß und gibt einen Einblick in die Zeit, wie sie gewesen sein könnte. Das Glossar am Ende ergänzt den Comic mit historischen Fakten, sodass die eigene Neugierde gestillt und zugleich weiter geweckt wird. Die Themen Sichtbarkeit, gegenseitige Bestärkung und Aktivismus von Mädchen und Frauen inspirieren dazu, über aktuelle Verhältnisse nachzudenken. Der Comic ist schön gezeichnet, kindgerecht und unterhält damit durchaus auch erwachsene Leute.

Christopher Tauber, Annelie Wagner: Heraus aus der Finsternis (Zwerchfell Verlag 2018) © Zwerchfell Verlag

 

Christopher Tauber/Annelie Wagner: Heraus aus der Finsternis, Zwerchfell Verlag/Junges Museum Frankfurt 2018.

 

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Karolin Kolbe

Karolin wohnt glücklich in einer großen WG mit Katze, rettet Lebensmittel, jodelt in einer Demogruppe und schreibt Jugendbücher. Lesen tut sie auch gerne, studierte erst "Filmwissenschaft" und "Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft" und seit 2018 "Angewandte Literaturwissenschaft" in Berlin.
Karolin Kolbe

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