Das neue Pixibuch

Irgendwie hatten alle die gleichen. Über Generationen hinweg. Deswegen eignen sie sich auch so gut zum Partygespräch. Da so kurz, ließen sich Verwandte schneller noch zum Vorlesen überreden und da so leicht, werden sie immer in diesen Netzen an Buggys und Kinderwagen mitgeschleppt. Pixibücher sind eine der erfolgreichsten Marketingstrategien auf dem Buchmarkt. Die überlebensgroße Pixi-Figur in Buchhandlungen trägt eine durchsichtige Schüssel voll von Büchleins, Kind kann von allen Seiten schauen und wühlen. Perfekt. Auch ein „Grabbel- und Mitnahmeprodukt“ nennt Verleger Lou A. Probsthayn seine neue Kreation. Er gründete den Literatur Quickie Verlag und gibt Pixis für Erwachsene heraus: Booklits. Man hört es an den Begrifflichkeiten – Probsthayn kommt aus der Werbung. Doch Literaturvermittlung ist ihm schon länger eine Herzensangelegenheit. Gemeinsam mit Freund Gunther Gerlach organisiert er seit Jahren erfolgreich Kurzzeitlesungen in einer Hamburger Bar. Die Booklits sind zwar ebenso kurzweilig, bestechen aber nicht nur durch ihr hübsches Design, sondern liefern anspruchsvolle, nach-hallende Geschichten. Neben den Großen der jungen deutschen Literatur, Juli Zeh und Jasmin Ramadan („Soul Kitchen“), stehen eher unbekanntere Autoren mit lesenswerten Kurzgeschichten. Die Texte machen Lust auf mehr, sind aber keine bloßen Leseproben, sondern abgeschlossene Erzählungen. Vertrieben über den Buchhandel, trägt sich der Verlag mittlerweile selbst. Ein Zeichen dafür, dass sich Büchermachen, echte aus Papier, noch lohnt.

Eine Liste der bereits erschienen Titel findet sich hier, jedes Booklit kostet 3 Euro.

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Lina Kokaly

Lina Kokaly hat litaffin mitgegründet. Sie schrieb u.a. auch für den Tagesspiegel, die zitty, DRadio Wissen und die Neue Zürcher Zeitung. Mittlerweile ist sie Hörfunk- und Fernsehjournalistin bei Radio Bremen und hat ihren Autorenposten hier für die neuen Studierenden geräumt.

3 Gedanken zu „Das neue Pixibuch

  • 9. April 2010 um 07:51
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    Ähnliche „Quickies“/“Booklits“ sind auch die SuKuLTuR-Bändchen, die es für einen Euro an den Snack-Automaten auf Berliner S-Bahnhöfen (Gesundbrunnen, Potsdamer Platz, Zoologischer Garten, Schöneberg, Tempelhof, Rathaus Steglitz u. a.) zu kaufen gibt. Auch wenn mich das letzte Heftchen, das ich las, nicht überzeugte, ist dieses Literatur-Angebot eine wunderbare Gelegenheit, das Vergessen seines aktuellen Buches zu kompensieren und die Bahnfahrt literarisch zu genießen. Denn, sind wir nicht alle ein bißchen litaffin?
    Eine Cover-Diashow der 91 bereits erschienenen Lesehefte findet Ihr hier ».

  • 9. April 2010 um 09:22
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    Und was ist mit einem Lyrik-Quickie? Gibt es so etwas schon oder wäre das eine neue Geschäftsidee? Nein, ich meine nicht diese kleinen Gedicht-Büchlein mit den Blumenwiesen oder Sonnenaufgängen und der Aufschrift „Für Dich“ vorne drauf…

  • 27. April 2010 um 15:45
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    Eine prima Idee!

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