Lina Kokaly
Als die Romanautorin Siri Hustvedt aufs Podium steigt, um eine Rede zur Ehren ihres verstorbenen Vaters zu halten, beginnt ihr Körper zu zittern. Mit ruhiger Stimme beendet sie ihren Vortrag, während ihr Körper bebt. Auch in Zukunft wird sie Vorträge halten. Bei manchen zittert sie, bei anderen nicht. Die konsultierten Ärzte, Therapeuten und Psychologen können keine eindeutige Diagnose stellen. Es könnte sich um Epilepsie oder gar Hysterie handeln. Hustvedt macht sich selbst auf die Suche nach einer Erklärung. Wie besessen liest sie die großen Psychologen, Poeten mit ähnlichen Leiden und vertieft sich in die Neuropsychatrie. Siri Hustvedt, die Autorin des wunderbaren Was ich liebte, erzählt in ihrem neuen Buch Die zitternde Frau ihre Geschichte und Hustvedt ist eine Geschichtenerzählerin. Denn “wahre Geschichten können nicht vorwärts erzählt werden, nur rückwärts. Wir erfinden sie aus dem Blickwinkel einer ständig sich verändernden Gegenwart und erzählen uns selbst, wie sie sich entwickelt haben.” So erinnert sie sich an einen Autounfall. Sie denkt, während der Rettungssanitäter sie mit einer Rettungsschere befreit, dass dies hier nicht die schlechteste Art zu sterben wäre und dann “ich nahm mir vor, auf alles zu achten, denn falls ich überlebte, würde ich das Material womöglich in einem Roman verwenden können.” Ich empfehle, Die zitternde Frau als Roman zu lesen und die Fußnoten (die auf theoretische Texte verweisen) nicht zu beachten. Ein Roman über eine emanzipierte Frau, die gegen Kontrollverlust ankämpft; die ihren Intellekt einer scheinbar unbezwingbaren Krankheit gegenüberstellt. “Erinnerungen sind veränderlich, aber auch kreativ”.
Kein Artikel über Hustvedt, und so natürlich auch dieser nicht, ohne folgenden Hinweis: Siri Hustvedt ist mit Paul Auster verheiratet.
Hustvedt liest am Montag, den ersten Februar im Babylon.
Die ersten 20 Seiten ihres Romans gibt es hier (PDF-Datei) zu lesen.
Nicht nur die Tatsache, dass sie als Star der polnischen Literaturszene gilt, sondern auch der Titel der Lesung – „Ich kann Wörter zu Torten schichten“ – wecken bei den Zuschauern hohe Erwartungen an den großen Dorota-Masłowska-Abend. „Eine Schriftstellerin, die sprachlich alle Register zieht“ – so kündigt Katharina Narbutovic vom
Die Schatten der Vergangenheit lauern überall. Für Franz Biberkopf wird das zur bitteren Wahrheit. Der Arbeiter erschlug aus Eifersucht seine Freundin Ida und verbüßte sein Verbrechen in der Strafanstalt Tegel. Nun ist er wieder frei und auf dem besten Weg, ein besserer Mensch zu werden – wären da nicht die selbsternannten Moralrichter, die überall auf dem Pfad der Tugend lauern und partout nicht vergessen mögen.
Im Fall
Die Kritik ist ganz aus dem Häuschen. Helene Hegemann – Jahrgang 1992 (!!!) – hat ein Buch geschrieben. 
