Indie & Queer? – Die Frankfurter Buchmesse 2018

Die Indiebookchallenge #queeresbuch ist noch in vollem Gange, aber die Buchwelt steht auch kurz vor der Frankfurter Buchmesse. Wir zeigen euch, welche queeren Neuerscheinungen euch dieses Jahr bei den unabhängigen Verlagen in Frankfurt erwarten.

Im Rahmen der Indiebookchallenge 2018/19, herausgefordert von Sarah Käsmayr / Maro Verlag, widmen wir uns eine Woche lang dem Thema #queeresBuch: 7 Tage, 7 queere Indie-Bücher. Leonie stellt heute gleich sechs queere Indie-Bücher vor.
© Leonie Hohmann
Der Katalog der unabhängigen Verlage, den die Kurt Wolff Stiftung einmal jährlich herausgibt, verschafft einen guten Überblick über die unabhängige Verlagsbranche. Die Ausgabe 2018/2019 wird auf der Frankfurter Buchmesse auf der Leseinsel der unabhängigen Verlage präsentiert, die von der Stiftung kurartiert wird. © Leonie Hohmann

Neuerscheinung eins: Zura Abashidze – Wie tötet man Billy Elliot? Zwölf Geschichten am Rande der Gesellschaft

Das Buchcover. © Zura Abashidze: Wie tötet man Billy Eliott? Größenwahnverlag 2018.
Das Buchcover. © Zura Abashidze: Wie tötet man Billy Eliott? Größenwahnverlag 2018.

Queer, unabhängig und aus dem diesjährigen Gastland der Frankfurter Buchmesse, Georgien. In Wie tötet man Billy Elliot? (Größenwahn Verlag) zeigt der georgische Schriftsteller Zura Abashidze „gefallene Protagonisten und Helden des Alltags […] zwischen postsowjetischer Tradition und westlicher Moderne. Ein Kampf gegen Homophobie und für mehr Toleranz“. Der Erzählband offenbart 12 Geschichten am Rande der Gesellschaft  über die  Protagonist*innen, die in der Nacht das Geheimnis ihrer sexuellen Vorlieben und die damit verbundene gesellschaftliche Ablehnung in ihrer Heimat im Kaukasus preisgeben.

Mehrere Erzählungen von Zura Abashidze wurden in den Lehrplan für Gender Studies an der Tbilisi State University aufgenommen.

Zura Abashidze: Wie tötet man Billy Elliot? 12 Geschichten am Rande der Gesellschaft. Aus dem Georgischen von Iunona Guruli. Größenwahn Verlag 2018. 180 Seiten. 16,90 Euro.

Neuerscheinung zwei: Ally Klein – Carter

Das Buchcover © Ally Klein: Carter. Literaturverlag Droschl 2018.
Das Buchcover © Ally Klein: Carter. Literaturverlag Droschl 2018.

Mitten in der Nacht trifft ein anonymes, weibliches Ich auf Carter und wird sogleich von ihr in den Bann gezogen. Die Erzählerin buhlt um sie, doch Carter bestimmt allein wie viel Nähe zwischen den beiden Frauen entsteht. So die Handlung von Ally Kleins Debütroman, der im August im österreichischen Literaturverlag Droschl erschienen ist. Die Wahlberliner Klein  lässt ihre namenlose Antiheldin in einem emotionalen Strudel versinken, der bald auch ihre Verlässlichkeit als Erzählerin auf die Probe stellt. Wie gut kann das psyisch labile Ich in der Rückschau noch zwischen Wahn und Realität unterscheiden und wie füllt sie die Leerstellen in der Erinnerung?

Ally Klein: Carter. Literaturverlag Droschl 2018. 208 Seiten. 20,00 Euro.

Neuerscheinung drei: Leïla Slimani – Hand aufs Herz

Das Buchcover. © Leïla Slimani: Hand aufs Herz. avant-verlag 2018.
Das Buchcover. © Leïla Slimani: Hand aufs Herz. avant-verlag 2018.

Mit Hand aufs Herz legt die französisch-marokkanische Schriftstellerin Leïla Slimani ihren ersten Comic vor, dessen Übersetzung im September im avant-verlag erschienen ist. Auf einer Lesereise trifft die Autorin auf Nour, die offen über ihre Sexualität und die intimen Details aus dem Leben der Frauen in ihrem Umfeld spricht. Ausgehend von dieser Begegnung thematisiert Slimani  in dem von Laetitia Coryn gezeichneten Comic Frauenrechte und die Tabuisierung von Sexualität in Marokko und anderen muslimischen Gesellschaften. Dabei wird auch ein Kapitel aus der Sicht einer jungen lesbischen Frau erzählt.

Für ihren Bestseller-Roman Dann schlaf auch du erhielt Slimani den französischen Literaturpreis Prix Goncourt .

Leïla Slimani: Hand aufs Herz. Zeichnung: Laetitia Coryn. Aus dem Französischen von Kerstin Behre. avant-verlag 2018. 108 Seiten. 25,00 Euro.

Neuerscheinung vier: Angela Steidele – Zeitreisen. Vier Frauen, zwei Jahrhunderte, ein Weg.

Das Buchcover © Angela Steidele: Zeitreisen. Matthes & Seitz 2018.
Das Buchcover © Angela Steidele: Zeitreisen. Matthes & Seitz 2018.

Schon in ihren Sachbüchern In Männerkleidern (2004) und Geschichte einer Liebe (2011)  und ihrem ersten Roman Rosenstengel (2015) widmete sich Angela Steidele der homosexuellen Liebe zwischen Frauen im 18. und 19. Jahrhundert. Mitte des 19. Jahrhunderts reisten Anne Lister und Ann Walker im Pferdeschlitten bis ans Kaspische Meer und durch den Kaukasus. Als Ann Lister in Georgien überraschend verstirbt, benötigt ihre Lebensgefährtin Anne Walker sieben Monate, um den Sarg nach Halifax zu bringen – so weit die historischen Fakten. In Zeitreisen – jüngst bei Matthes & Seitz erschienen – berichtet die Lister-Biographin Angela Steidele von ihrer Reise mit der eigenen Frau auf den Spuren von Ann & Anne.

Angela Steidele: Zeitreisen. Vier Frauen, zwei Jahrhunderte, ein Weg. Matthes & Seitz 2018.269 Seiten. Hardcover gebunden mit Schutzumschlag. 24,00 Euro.

Das Buchcover. © Tamar Tandaschwili: Löwenzahnwirbelsturm in Orange. Residenz Verlag 2018.
Das Buchcover. © Tamar Tandaschwili: Löwenzahnwirbelsturm in Orange. Residenz Verlag 2018.

Neuerscheinung fünf: Tamar Tandaschwili – Löwenzahnwirbelsturm in Orange

Mit Löwenzahnwirbelsturm in Orange legte die Psychologin und Aktivistin Tamar Tandaschwili im vergangenen Jahr in Georgien ihren Debütroman vor. Die deutsche Übersetzung des Romans ist nun im Residenz Verlag erschienen.

Tandaschwili, die sich vor allem für Frauen und die Rechte sexueller Minderheiten einsetzt, verwebt in Löwenzahnwirbelsturm in Orange die Geschichten verschiedener Figuren miteinander. Sie alle handeln von Männer und Frauen und dem Kampf gegen Kirche, Polizei und Patriarchat. So erzählt sie mitunter von der  homosexuellen Elene, die in aller Öffentlichkeit vergewaltigt wird.

Tamar Tandaschwili: Löwenzahnwirbelsturm in Orange. Aus dem Georgischen übersetzt von Natia Mikeladse-Bachsoliani. Residenz Verlag 2018. 136 Seiten. 12,99 Euro.

Das Buchcover © Tillie Walden: Pirouetten. Reprodukt 2018.
Das Buchcover © Tillie Walden: Pirouetten. Reprodukt 2018.

Neuerscheinung sechs: Tillie Walden – Pirouetten

In Pirouetten erzählt die US-Amerikanerin Tillie Walden wie sie in der glitzernen Eiskunstlaufwelt aufwuchs – zwischen Glamour und Leistung, zwischen Lächeln und Scheitern. Der autobiographische Comic, dessen deutsche Übersetzung im September bei Reprodukt erschienen ist, zeigt wie sich Tillie von dieser Enge freimacht und ihre Homosexualität entdeckt. Der Comic wurde in diesem Jahr mit dem amerikaischen Comicpreis Eisner-Award als Best Reality-Based Work ausgezeichnet.

Tillie Walden: Pirouetten. Aus dem Amerikanischen von Sven Scheer. Handlettering von Olav Korth. Reprodukt 2018. 400 Seiten. Klappenbroschur. 29,00 Euro.

Beiträge zur Indiebookchallenge #queeresBuch:

Beitrag I: Queer, Schwarz, rebellisch – Biskaya

Beitrag II: „Guapa“ von Saleem Haddad – ein mitreißendes Debüt

Beitrag III: Queer & Unerschrocken

Beitrag IVEine Liebe genderneutral erzählt – „Sphinx“ von Anne                            Garréta

                Beitrag V: „Fleisch“ – queere Liebe mit viel Klischee

               Beitrag VI: Indie & Queer? – Die Frankfurter Buchmesse

               2018

               Beitrag VII: Sterbehilfe ganz nahe – „Einfach gehen“ von

                                       Steven Amsterdam

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Leonie Hohmann

Leonie Hohmann

„Kein Feuer, keine Kohle, kann brennen so heiß als […]“das Herz der gebürtigen Essenerin (Jahrgang ’94) für Literatur, Theater, Tanz, Musik und Großstadtluft. Nach dem Grundstudium in Bochum ereilte sie der Ruf nach Berlin, wo sie seit 2017 Angewandte Literaturwissenschaft studiert.

[Zitat entnommen: Volkslied, anonym, 18.Jh.]
Leonie Hohmann

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