Read Me to the Moon – Ein Mal zum Mond & zurück


„Sie stellten sich hintereinander auf; das Liedchen ertönte, sie hoben die Arme, machten die Schritte, wie sie es gelernt hatten, und … plötzlich ging die Wand des Zimmers weit auseinander, die Sternblumenwiese lag vor ihnen, von Tausenden von Glühwürmchen beleuchtet, und sie folgten hinaus … über die Wiese hin … immer weiter … auf den großen, goldenen Mond zu, der vor ihnen über die Bäume guckte.“

(Gerdt von Bassewitz „Peterchens Mondfahrt“)

Die drei Sprecher auf der Bühne in Aktion
Marie Bauer, Bernardo Arias Porras, Carl Niclas Rohrwacher (v.l.)

Die drei Textstellen aus „Peterchens Mondfahrt“ fand ich wunderbar. Von denen ist irgendwie eine besondere Stimmung ausgegangen. Auch weil der Text so bildreich ist.

Kurz nach Ende der gestrigen Lesung „Read Me to the Moon“ fühlt sich Sprecherin Marie Bauer dem großen Erdtrabanten noch ganz nah. Noch vor wenigen Minuten saß sie auf der Bühne des Münzalons und hat gelesen. Neben ihr die beiden Schauspieler Bernardo Arias Porras und Carl Niclas Rohrwacher. Gemeinsam mit der Pianistin und Sängerin Irma Samuelis haben die drei Sprecher das Publikum mitgenommen – auf eine literarische Expedition zum Mond.

Obwohl der Mond gar nicht so groß ist, wie ich dachte. Das hat mich wirklich überrascht. Die Oberfläche ist nur etwas größer als Afrika. Müsste man da nicht eigentlich die Krümmung sehen, wenn man auf dem Mond steht?

Vielleicht kann Sprecherkollege Niclas diese Frage bald beantworten. Stolz verkündete er Marie und Bernardo während der Lesung, dass er sich ein 1000 m² großes Grundstück auf dem Mond gekauft hat. Für nur 29,95 Euro.

Diese interaktiven Elemente mit den beiden Jungs waren sehr lustig. Das hat echt Spaß gemacht. Wir hatten zum Glück auch von Beginn an den gleichen Humor. Gerade bei den Dialogen, dem Deichkind-Rap und Frank Sinatras „Fly me to the moon“ am Ende war es wichtig, dass wir gut harmoniert haben.

Hat es da geholfen, dass ihr mit Anfang 20 alle etwa im gleichen Alter seid?

Marie Bauer beim Deichkind-Rap
Marie bei Deichkinds „Der Mond“

Das war mit Sicherheit eine Hilfe. Es hätte eine andere Dynamik gegeben, wenn ein Sprecher deutlich älter gewesen wäre als die anderen. So waren wir alle etwa auf dem gleichen Entwicklungsstand und konnten ohne Hemmungen einfach rumprobieren. Zum Beispiel bei den Erklärungen an der Flipchart. Da war ja auch viel Improvisation dabei.

Mit wüsten Zeichnungen illustrierte Bernardo unter anderem, wie er sich ein männliches und ein weibliches Mondschaf vorstellt. Marie ließ zeitweise einen Mondlampignon um einen alten, hölzernen Globus kreisen. Niclas reiste mit seinem E-Reader „Per Anhalter durch die Galaxis“. Und an die Wand geworfene Projektionen sowie die Live-Musik von Pianistin und Sängerin Irma Samuelis hüllten den Münzsalon in eine lunare Atmosphäre.

Die einzelnen Textpassagen waren unglaublich abwechslungsreich. Insgesamt war es eine riesige, bunte Collage. Einige Romanauszüge waren einige Minuten lang. Manchmal hatte ein Gedicht aber auch nur wenige Zeilen.

Der ständige Wechsel scheint andere Anforderungen an einen Sprecher zu haben als die Darstellung eines Charakters in einem Theaterstück.

Einen Charakter in einem Stück spiele ich das ganze Stück über. Bei der Lesung gab es keine feste Rolle.

Und vor allem keine gleichbleibende.

Ob ich einen Auszug aus einem Kinderbuch oder aus Jules Vernes Roman „Von der Erde bis zum Mond“ lese, macht natürlich einen Unterschied. Eine Zeitungsschlagzeile oder ein Gedicht sind wieder andere Dinge. Jeder Text hat seinen eigenen Ton. Und wenn er nur ein paar Zeilen lang ist, muss man den mit dem ersten Wort treffen.

Das war nicht die einfachste Aufgabe. Vor allem wenn man bedenkt, dass es deine erste Lesung war, bei der du als Sprecherin mitgewirkt hast.

Deswegen habe ich versucht, das Besondere von jedem Text zu verinnerlichen. Ich habe bei der Vorbereitung passende Musik zu den Texten gehört. Bei „Peterchens Mondfahrt“ habe ich mir neben den Text gemalt, wie Peter und Anneliese aus ihrem Zimmer zum Mond fliegen.

Würdest du dir das auch wünschen, ein Mal zum Mond und zurück?

Der Mond hat schon eine ganz besondere Anziehungskraft. Das ist Wahnsinn, wenn man außerhalb der Stadt den Vollmond sieht. Der ist so unglaublich hell manchmal, dass die ganze Nacht durch sein Licht ganz erhellt scheint. Gerade der Vollmond hat so etwas Vollendetes.

 

Vielen Dank für das Gespräch und diese tolle Reise zum Mond, Marie.

Veranstaltungsflyer von "Read Me to the Moon"
Read Me to the Moon

Alle Fotos: © Ariane Bellgardt

 


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Ariane Bellgardt

Ariane Bellgardt, 1986 an der Ostsee geboren, studierte zunächst Germanistik und Skandinavistik in Greifswald und Göteborg (Schweden). Nun lebt und studiert sie in Berlin. Neben der "Angewandten Literaturwissenschaft" arbeitet als Content Assistent bei Audible.

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