Der Hunger frisst mich auf

Der Hunger frisst mich auf

Bananenangst. Der Titel von Patricia Modispachers Roman klingt im ersten Moment witzig, macht neugierig. Was mag sich hinter diesem Wortspiel verbergen? Liest man interessiert den Klappentext, wandern die Mundwinkel schnell in den Keller, aber das Interesse ist nicht verloren. Der Klappentext erklärt das Thema dieses Romans in wenigen kurzen Sätzen: Die Protagonistin Scarlett hat nur noch einen BMI von 15. Elf Kilo unter einem normalen Gewicht. Das sitzt. Dieser Spagat zwischen tödlichem Ernst und einem verblüffend leichten Erzählstil gelingt über alle 357 Seiten hinweg und ist die große Stärke dieses Buches.

von Marie Walther

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“es ist zeit für ruhige und positive gedichte“

“es ist zeit für ruhige und positive gedichte“

„Dies ist der Gedichtband YIN von Marius Goldhorn, in dem alles fließt“, heißt es auf den ersten Seiten. Ein Gedichtband entwerfen, in dem alles fließt, ist ein hehres Ziel und eines, das in seiner stilvollen Aufmachung auf den ersten Seiten des Buches bereits die drei zentralen Motive enthält: Ästhetik, Ironie, Ernsthaftigkeit. Wie YIN dieses Ziel erreicht, ist die wesentliche Erfahrung beim Lesen dieses Buches.

von Tom Luca Adams

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Flucht ins Kollektiv

Flucht ins Kollektiv

Die Idee des autoritären Charakters entstand bereits in den 1930er Jahren im Umfeld der Frankfurter Schule. Nun ist 2020 ein Band zur Aktualität dieser Idee im Verbrecher Verlag erschienen: »konformistische Rebellen – zur Aktualität des autoritären Charakters«. Marie Kraja hat mit Herausgeberin Katrin Henkelmann über Versuche der Ohnmachtsbewältigung, durchlektorierte Nächte und das potentiell faschistische Individuum gesprochen.

Interview von Marie Kraja

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Die Variablen des Lebens und Schreibens

Die Variablen des Lebens und Schreibens

„Ich. Sie. Die Frau“ von Niña Weijers umreißt durch eben diese drei Perspektiven eine Protagonistin mehrerer Distanzierungsgrade, die sich absolut frei in Raum und Zeit fortbewegen kann und in eine Vielzahl an möglichen Leben schlüpft, als würde sie ein paar Schuhe anprobieren. Es gibt „M.“ als Freundin, die drei Varianten einer Protagonistin, die schreibt und in irgendeiner Beziehung zu einem Hund steht. Das sind die spärlichen Ausgangspunkte, die sicher scheinen. Man müsste dieses Buch wohl einige Male lesen und würde immer noch in jedem Satz eine Anspielung, eine neue Ebene von konstruierter Literarität, eine neue Falle finden, in die der nach Chronologie oder Erklärung suchende Lesende tappt.

von Marie Walther

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Melodie Michelberger: „Leben mit angezogener Handbremse“

Melodie Michelberger: „Leben mit angezogener Handbremse“

von Mara Hartung & Victoria Lückemann

Gestern 90-60-90, heute am besten gar kein Gramm mehr auf den Rippen: Die Gesellschaft gibt seit jeher vor, wie Frauen auszusehen haben. Weichen sie vom Ideal ab, sollen sie wenigstens sich selbst lieben. Auf etlichen Ebenen erfahren dadurch mehrgewichtige Personen Diskriminierung. Melodie Michelberger nimmt uns mit auf ihre persönliche Körperreise, die schon im frühen Kindesalter beginnt. Sie erzählt von ihren Kämpfen, ihren Erfolgen und von den Menschen, die sie zu der Person gemacht haben, die sie heute ist. In ihrem Buch Body Politics zeigt sie eindrücklich, dass dicke Körper vor allem eins sind: politisch.

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Wehrhafte Texte, lose Fäden

Wehrhafte Texte, lose Fäden

Die Frage danach, was einen guten Essay ausmacht, ist wie so viele Fragen der Geistesgeschichte eine Altherrenfrage: Michel de Montaigne wusste es – er wurde für seine Essays viel gerühmt – und natürlich wusste es auch Theoriegott Theodor W. Adorno. Der hat sogar (Spiegel im Spiegel!) einen Essay über die Kunst des Essays geschrieben. »Der Essay als Form« heißt er und ist eine Ode an diese Textform, die, mit Adorno, »in Freiheit zusammen denkt, was sich zusammenfindet in dem frei gewählten Gegenstand.« Der Essay ist also, so würde Enis Maci vielleicht sagen, das Produkt einer »folgenreichen Weigerung« . Von ihr kann man lernen, dass diese Textform längst keine Altherrenangelegenheit mehr ist und ein Essay schön, zart, poetisch, derb, klug und dabei sehr politisch sein kann – das zeigt die 26-Jährige in ihrem ersten Essayband Eiscafé Europa.

von Marie Kraja

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