Leif Klein1Leif Randt machte dieses Jahr mit seinem Debütroman „Leuchtspielhaus“ sowie als Gewinner des MDR-Literaturpreises auf sich aufmerksam. Litaffin sprach mit dem 26-jährigen über exzessive Jugendliche, Generationentexte und die Romantik von Schreibschulen.

Litaffin: Auffällig in deinen Texten ist die Sehnsucht der Figuren nach Regelhaftigkeit. Du schreibst über avantgardistische, aber trotzdem schematisierte Lebensstile. Ist das die „neue Jugend“?

Randt: Meine Figuren sind meistens merkwürdige Ästheten und eher Stoffel als harte Partyköpfe. Interessant ist, dass scheinbar viele gerne lesen, wie extrem wild und exzessiv Jugendliche sind. Und das sind sie teils ja auch. Aber vieles, was erzählt und ausgelebt wird, bedient auch nur die leicht kitschigen Projektionen von älteren Leuten. Aber wer weiß? Vielleicht gibt es in der echten Welt tatsächlich mehr harte Partyköpfe als so nachdenkliche Oberflächenjungs, wie ich sie beschreibe. » Weiterlesen…

TddL Janesch0034 Die offizielle Jury

Pluspunkte erhält der Autor beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt, wenn er Nagetiere, Raumfahrt, Leistungssport oder Stoffservietten in seinem Text vorkommen lässt. Minuspunkte gibt es für Markennamen, Clowns, Hunde, die in der Ferne bellen und eine Waffe, die knapp außerhalb der Reichweite liegt. Das sind allerdings nicht die Kriterien der offiziellen, dieses Jahr unter anderem aus Meike Feßmann, Hubert Winkels und Burkhard Spinnen bestehenden Jury, vielmehr handelt es sich um einen kleinen Auszug der Kriterien für einen alternativen Preis. Die Autoren des Blogs Riesenmaschine vergeben dieses Jahr zum dritten Mal den Automatische Literaturkritikpreis der Riesenmaschine.
Angela Leinen schrieb bei dessen Kriterienliste mit und beschäftigt sich darüber hinaus seit Jahren mit den Texten und Jurydiskussionen des Bachmannwettbewerbs. In ihrem neuen Buch Wie man den Bachmannpreis gewinnt nennt Leinen natürlich keinen todsicheren Weg zum Literaturpreis, sondern filtert vielmehr gängige Mittel und Klischees aus den vergangen Texten heraus und wägt diese ab. So resümiert sie über das Schreiben zum Thema DDR: Der Reiz sei hier, dass das Leben unter politischer Unterdrückung eines der großen Themen ist, aber das Risiko „für Westautoren: Protektionismus. Für Ostautoren: Ostalgie“. » Weiterlesen…

Vera Editoria Altmodische Optik, brisanter Inhalt.

In Italien bloggt ein gefrusteter Lektor aus dem Nähkästchen.

Es ist bewunderns- und auch ein bisschen beneidenswert. Der Blick ins Ausland zeigt: Literatur kann auch im Internet ein polarisierendes Thema sein. Der Freitag berichtete kürzlich über den französischen Literatur-Blogger Pierre Assouline, dessen Beiträge auf dem Blog „La république des livres“ oft mehrere hundert Kommentare hervorrufen. Ein großer Provokateur sei er, und es ist diese Art des Schreibens, die sich auch in Italien als Erfolgsrezept herausgestellt hat.

Es begann alles Ende April auf dem Blog mit dem besagenden Titel „La vera editoria“ („das wahre Verlagswesen“): Unter dem Schutzmantel der Anonymität schreibt dort ein angeblicher Insider, laut Selbstbeschreibung Lektor fortgeschrittenen Alters mit langjähriger Erfahrung in bekannten Verlagshäusern. Als selbstständiger Talentscout hat er dem Literaturbetrieb zwar noch nicht den Rücken gekehrt, doch die Mechanismen hat er gehörig satt – weshalb er nun virtuell „Dampf ablassen” muss. » Weiterlesen…

Er zählt zu den bedeutendsten und meistgelesenen europäischen Schriftstellern. Er war der erste Portugiese, der den Literaturnobelpreis erhielt. Er provozierte gerne, legte sich mit der katholischen Kirche sowie mit der Regierung an. Im Alter von 87 Jahren verstarb José Saramago am Freitag auf Lanzarote.

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„Saramago lebt wie er schreibt; genauso integer und hellsichtig wie in seinen Büchern ist er im täglichen Leben“, bemerkte die kolumbianische Romancier Laura Restrepo einmal und lobte den „deutlichen Abdruck der Humanität“, der sowohl aus der Person Saramagos als auch aus seinen Büchern spreche. So souverän wie mit dem Leben hielt es dieser auch mit dem Tod: „Meine Ruhe und meine Gelassenheit haben mir geholfen, den Tod als etwas ganz Natürliches zu betrachten, gegen den man sich allerdings wehren sollte. Man darf nicht resignieren und die Tatsache des Sterbens einfach akzeptieren“, antwortete er nach schwerer Krankheit – er litt an Leukämie – in einem Interview vor zwei Jahren auf die Frage, wie er dem Tod gegenüber stehe. Im Angesicht des Todes besann er sich dann doch wohl eher auf die Gelassenheit. „Er hatte eine ruhige Nacht verbracht. Nachdem er normal gefrühstückt und sich mit seiner Frau unterhalten hatte, begann er sich schlecht zu fühlen und verstarb kurz darauf“, wie die spanische Zeitung La Vanguardia unter Berufung auf seine Familie meldete. Gekämpft, das hatte er hingegen sein Leben lang.

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Nacht 3

57 Gedichte, neun Poeten, sieben Sprachen: Das Poesiefestival Berlin eröffnete mit babylonischem Sprachgewirr.

Ein wenig ist es, als hätten sich hunderte von Menschen in einem Raum versammelt, um gemeinsam unter der Bettdecke zu lesen. Unzählige Lämpchen brennen im Dunkel des Studios in der Akademie der Künste, es herrscht konzentrierte Stille. Auf der Bühne steht Yang Lian, der etwas liest, was nach “tjodee sijun tschauschu” klingt. Es könnte Bahnhof heißen. Oder auch “Auf asphaltiertem Meer ist ein Vogel in den Lüften so weiß wie eine arme Seele”.

Nicht umsonst heißt dieser Abend “Weltklang. Nacht der Poesie”. Alle geladenen Dichterinnern und Dichter lesen in ihrer jeweiligen Muttersprache – ohne Untertitel, ohne Simultanübersetzung. Damit wendet sich die Veranstaltung gegen den “Sprachmatsch”, wie er beim Grand Prix zu hören gewesen ist, erklärt Moderatorin Luzia Braun, gegen das immergleiche Englisch, das die Sprachunterschiede einebnet wie eine Dampfwalze.

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Heute ist es soweit: die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika beginnt. In den kommenden vier Wochen kommen 32 Länder aus allen Winkeln der Erde in den Stadien zusammen, um mit- und gegeneinander zu spielen. Mit einem Ball. Bis am Ende einer gewinnt und einen goldenen Pokal bekommt.

Dass man für eine spannende WM aber weder einen Fußball noch einen Pokal braucht, beweisen wir mit unserer LITAFFIN-WM 2010, die natürlich pünktlich zum ersten Anpfiff in Johannesburg hier auf dem Blog startet.

Wir stellen 32 Texte aus allen bei der Fußball-WM vertretenen Ländern hier online. Keine Sorge, wer mitmachen möchte, muss nicht hunderte Seiten lesen: die Auswahl reicht vom kurzen Gedicht bis zum Romanauszug, überschreitet aber nicht die Länge von drei Seiten. Und denn seid ihr gefragt: über Abstimmungen bei Doodle entscheidet ihr, welche Texte weiterkommen – und wer am Ende zum Litaffin-Weltmeister 2010 gekürt wird!

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„Ich bin drin. Sie sind draußen. Und Sie wollen rein.“, resümierte Literaturkritiker Gregor Dotzauer vor Kurzem an dieser Stelle über den Literaturbetrieb. Und wie empfinden wir Literaturwissenschaftler unseren Berufseinstieg?

Reich sein – das wollten wir schon als Kinder nicht.
Hauptsache das, was wir später beruflich machen, macht uns glücklich.
Ich träume einen Alptraum. Ich treffe einen Kumpel auf einem Klettergerüst, er isst eine Currywurst und erzählt mir, er hätte nen Job bei dem Magazin bekommen, für das ich hin und wieder schreibe. Ich wurde nicht angefragt. Ich wache schweißgebadet auf und kann nicht mehr einschlafen.
Unser Studium neigt sich dem Ende zu: Im Praxis-Colloquium erklärte uns eine Frau vom Arbeitsamt, wie wir Hartz IV beantragen. Unfassbar: Hallo, Arbeitsmarkt, hier sind wir. Lasst uns ran, wir haben Ideen, wir haben Energie, wir haben Lust, das, was wir gelernt haben umzusetzen. Wir haben mehrere Fächer studiert, gute Noten, jede Menge Praktika absolviert, ein paar Veröffentlichungen, und, hey, gebt es zu, ihr seid alle etwas müde – und die Digitalisierung und Eventisierung einfach ignorieren, das läuft nicht so gut, wie anfangs gedacht. Ihr braucht uns. Hier sind wir.
Und wir erklären zum soundsovielten Mal, dass auch unser Studium etwas wert ist, auch wenn es Bachelor/Master heißt. Mensch, das gibt’s doch nicht erst seit gestern, sondern seit sechs Jahren, fast überall. Dass wir einen praxisnahen Aufbaustudiengang studiert haben und wissen, wie man nen Stift hält und welche Abteilungen zu einem Verlag gehören. Ach, und ich bin so jung, denn mich trieb der Baföganspruch.
Normal ist also ein Volontariat nach dem Studium. Hmh. Ok, scheint zunächst ein Überbleibsel aus der Zeit, in der Geisteswissenschaftler Theorie und Praxis deutlich trennten. Müssen Berufsanfänger denn schon gleich alles können? Aber, wir können es nicht beurteilen und warum auch nicht? Dann sickern die ersten Zahlen durch. » Weiterlesen…

Lyrik ist etwas Wunderbares! Mit dieser Meinung stehe ich manchmal ganz schön alleine da. Auch unter Literaturwissenschaftlern höre ich immer wieder: “Gedichte sind ehrlich gesagt nicht so mein Ding, da hab ich keinen Zugang zu”.

Irgendwie auch kein Wunder. Da lernt man in der Schule hinter Versenden a-b-b-a zu schreiben. Kreuzchen und Häkchen über betonte und unbetonte Silben zu machen. Eine Anapher von einer Alliteration zu unterscheiden. Aber niemand sagt einem, dass das Lesen von Gedichten verstörend und aufregend sein kann, lustig und unterhaltsam, mitunter tröstend und heilsam.

Blaues-tor-300x199 Fünf Schlüssel, die das Tor zur Lyrik öffnen…

Ich glaube eigentlich, dass jeder, der irgendwie Sprache und Musik mag, auch etwas mit Gedichten anfangen kann. Weil man den Rhythmus eines Gedichts auch ohne Silbenzählen fühlen kann. Weil der Reim ein absolutes Wunder ist, bringt er doch zwei Wörter mit völlig unterschiedlichem Sinngehalt ganz nah zusammen. Weil Poesie Selbsterfahrung ist und zu Gedanken führt, die man so noch nie gedacht hat.

Deshalb hier meine fünf besten Tipps, Zugang zu Gedichten zu finden: » Weiterlesen…

Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki wird am 2. Juni 90 Jahre alt

Marcel-Reich-Ranicki-korrigiertDas Publikum lachte verhalten. Es verstand wohl die Tragweite der Worte nicht, die Marcel Reich-Ranicki bei der Verleihung des Fernsehpreises 2008 vom Podium spuckte: „Ich kann nur diesen Gegenstand von mir werfen. Ich kann das nicht annehmen.“ Reich-Ranicki beleidigte die anderen Preisträger des Abends, wollte nicht mit ihnen in einer Reihe stehen, lehnte den Preis für sein Lebenswerk ab und nannte das zuvor Prämierte „Blödsinn“. Thomas Gottschalk eilte auf die Bühne und sagte tatsächlich, nachdem er selbst die Sendung moderiert hatte: „Sie haben wie immer Recht.“ Das Publikum klatschte.
Stimmt man heute Ranicki zu – in welchem Punkt auch immer –, begibt man sich augenblicklich in eine Verteidigungshaltung. Anschließend imitiert mindestens die Hälfte der dabei Anwesenden seinen Akzent. Das kann bekanntlich jeder, jeder kann aber auch in die Ecke scheißen. Und? Macht das irgendwer?
Sich über Reich-Ranicki lustig zu machen, ist ungefähr so ignorant, wie sich über Alice Schwarzer zu amüsieren. Trägt man Reich-Ranicki seine verallgemeinernde Kritik am deutschen Fernsehprogramm nach, sollte dies nur mit gleichzeitiger Nennung seiner einzigartigen Rolle in der Literaturvermittlung einhergehen. Ranickis Polemik rüttelte das eingelullte Galapublikum wach, das soeben die Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ beklatscht hatte. Er hat im Kern recht, mehr auch nicht, aber immerhin. Er äußerte seine Meinung zur Kultur. Sein Leben lang. » Weiterlesen…

Fernseher3 “Die Vorleser” kommen? Lieber abschalten…

Dass es sie immer noch gibt, ist das erstaunliche an den „Vorlesern“. Seit ihrem Start im Juli letzten Jahres hagelt es Kritik für die Literatursendung im ZDF: Zu glatt das Format, zu hektisch der Ablauf, zu aufgesagt die Texte der Moderatoren. Doch geändert hat sich bislang nichts. Noch immer versucht die Sendung das Unmögliche: Acht Bücher in 30 Minuten vorzustellen – dass das nicht gut gehen kann, ahnt jeder, der versucht in 30 Sekunden alle acht Buchtitel plus Autorennamen aufzusagen.

Eigentlich war die Sache gut ausgedacht: Ein literarisches Duo mit zwei unterschiedlichen Perspektiven nimmt sich den Neuerscheinungen des Buchmarkts ebenso wie den zeitlosen Klassikern an. Ijoma Mangold, Literaturkritiker der ZEIT, liefert fundierte Analysen, Amelie Fried, Fernsehmoderatorin und Schriftstellerin, argumentiert aus Sicht der leidenschaftlichen Leserin. Das hätte durchaus Potential – würde man sich Zeit nehmen. Das erste Buch der gestrigen Sendung, „Der Jesus vom Sexshop“ von Helge Timmerberg, wird nach einer Minute wieder beiseite gelegt. „Das beste, was wir hierzulande an Reiseliteratur haben“, sind sich die Moderatoren einig. Was genau die Aufzeichnungen so lesenwert machen soll, bleiben sie den Zuschauern schuldig.

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